Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Dellyo
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von Dellyo »

Was mir so einfällt (wurde teils ja schon genannt)

1. Wachstumsschub: Da brauchen die Kleinen einfach mehr.

2. Selbstregulation: Die eigenständige Regulation des Hungergefühls ist doch gerade die Vorraussetzung dafür, dass Stillen Übergewicht vorbeugt, oder?

3. Ich schlafe mit übervollem Bauch nicht besser, eher schlechter...

4. Wenn der Hunger schon so groß ist, wird das Kind unruhiger trinken, vielleicht mehr Luft schlucken (wir schlingen doch auch eher, wenn uns der Magen schon in den Knien hängt). Die Luft drückt dann vielleicht oder führt zu Blähungen => sicher net schlaffördernd.

5. Die Hintermilch braucht ja nicht ewig, bis sie kommt, das wäre ja von der Natur ziemlich dumm eingerichtet.

6. Bei so langen Abständen kann ich mir vorstellen, dass es zu Problemen mit der Milchmenge kommen kann, grade am Anfang!

7. Clusterfeedingphasen - hatte meine Maus in den ersten Wochen - sind normal. Da hab ich lieber das Kind stundenlang an der Brust (soviel zum zu kurz trinken bei kurzem Abstand) als dass es stundenlang brüllt - weder für Kind noch für die Eltern erholsam. (Danach hat sie dafür 6-7h geschlafen, das war fein... Aber da müsste ich sie ja dann aus dem Schlaf wecken nach 3h, sonst passt der Rhythmus ja nimmer...)

8. Will ich mein Kind wirklich vor Hunger brüllen lassen? Wie soll das Rauszögern (außer das Kind will nicht früher - soll's ja geben) denn genau funktionieren? Ablenken? Weiß Gott was für ein Theater veranstalten, damit das Kind nicht dran denkt, dass der Magen knurrt? Hm, irgendwie klingt das auch nicht entspannend für die Eltern. Für's Kind sowieso nicht.

9. Hitze = Durst! Öfter als alle 3-4h!

Hm, das schoß mir gerade so durch den Kopf dazu. :) Einiges wurde ja schon genannt und ich hab es vielleicht nicht sehr schön formuliert, aber sieh's mir nach, es ist noch früh... ;)
Schneckenkind 02/11
und
Koalakind 5/17
Leila
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von Leila »

Schnels hat geschrieben:Ich hatte ab da eine entspannte Zeit mit meinem Baby, als ich entschied, auf keine Ratschläge von außen mehr zu hören und nach absolutem Babybedarf zu stillen. Wenn mich jemand fragt, empfehle ich das auch gern weiter.
Nun hatte ich gerade ein Gespräch mit einer Schwangeren, deren Hebamme einen 4-Stunden-Rhythmus empfiehlt.

Ihr Argumentation:
1.) Wenn Kinder nach Bedarf stillen, nehmen sie immer nur einen Snack zu sich und kommen nicht so richtig an die sättigende Hintermilch. Stimmt nicht. Ein Baby trinkt nach Bedarf, das heißt, es nimmt sich so viel, wie es gerade braucht. Boah (sorry), wenn ich das schon lese, werde ich wütend, das kommt wieder so rüber, als wären Babies nur auf der Welt, um ihre Eltern zu schikanieren. Welcher Mensch isst denn absichtlich zu wenig, um nach ein paar Minuten wieder Hunger zu haben?
2.) Wenn Kinder nach Bedarf stillen und dabei nur eine kleinere Menge Nahrung aufnehmen, als wenn sie sich einmal alle paar Stunden SO RICHTIG satt trinken, dann haben sie ja auch viel schneller wieder Hunger. Stimmt insofern, dass Babies sehr gut wissen, wie viel sie trinken müssen, um ihren Nährstoff- und Flüssigkeitsbedarf zu stillen.
3.) Wenn Kinder nach Bedarf stillen, trinken sie für den Moment und der Magen ist nicht mal so richtig schön proper voll. Wenn der Magen aber regelmäßig so richtig voll wird, dann wächst er/passt mehr rein/dehnt sich aus (?) und damit schlafen die Kinder besser, weil sie länger satt sind.
--> 4-Stunden-Takt erleichtert Kindern, länger zu schlafen --> leichterer Alltag für Eltern. Das ganz zum Schluss dürfte der einzige Grund sein, warum so argumentiert wird: Der "leichtere" Alltag für die Eltern. Ich finde es fatal, einem Kind die Nahrung zu verweigern, damit es später mehr Hunger hat, nur weil es mir gerade nicht in den Kram passt. Eine "künstliche" ausdehnung des Magens ist nicht gesund, die Kinder entwickeln ein ungesundes Hungergefühl. Der Magen wächst von ganz allein, ohne unser Zutun.

Mir fällt nur ein, dass Stillen ja nicht nur Trinken ist, aber was sind die anderen Argumente? Ihr könnte das alles doch bestimmt ruck-zuck entkräften und ich kann der BaldMama und ihrem Baby den Stress ersparen, beim Stillen auf die uhr zu gucken...

Vielen Dank!
Ich hab mal rot dahinter geschrieben... :wink: Ich denke, das Hauptproblem ist, dass sich viele einfach nicht vorstellen können, ihr Leben für eine kurze Zeit nach einem anderen Menschen (=Baby) auszurichten. Das Baby hat sich gefälligst zu fügen. Und dann geht es ja mal gar nicht, dass vielleicht schon nach kurzer Zeit wieder Hunger hat.

:evil:

Lieben Gruß

Anja

P.S: Ist nicht persönlich gegen dich, einfach die ganze Situation finde ich absurd. Da wird schon vor der Geburt entschieden, dass das Kind nicht nach den eigenen Bedürfnissen essen darf...
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von Piet »

Manche Babys lassen sich, wenn sie vor Hunger schon schreien, gar nicht mehr anlegen ...
Liebe Grüße von Piet mit Töchterchen *12/2010
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Minchen
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von Minchen »

Das Thema Schlafen (denn das ist IMMER das Hauptargument): hier meine Erfahrung mit drei Kindern, alle nach Bedarf gestillt.

Kind 1: schlief nie, wie ein Erwachsener sich das wünschen würde, das erste Jahr über ständig nachts wach, teilweise stündlich gestillt. Tagsüber hatte er von selbst mal längere, mal kürzere Abstände, je nach Wachstum und Erlebnissen. Beikost brachte ebenso keine Veränderung, auch wenn mir viele das einreden wollten. Er konnte ne Riesenschüssel Brei abends essen und war dich nach ner Stunde wieder wach. Im zweiten Lebensjahr wurde es mit dem KiGa erst besser, dann mit Geburt des Bruders wieder schlechter, teilweise wieder stündlicher Rhythmus. Auch nach dem Abstllen im 3. Lebensjahr schlief er nicht durch, trank häufig nachts Wasser.
Heute - mir über 3 - geht es langsam besser, er wacht aber oft auch noch auf, weil die Decke nicht richtig ist oder er schlecht geträumt hat.

Kind 2: schlief erst besser als Kind 1, war dann aber oft nachts längere Zeit wach, ohne Stillbedürfnis. Schläft bis heute (knapp zwei) nicht durch, stillt zweimal nachts, egal ob er abends viel gegessen hat oder nicht.

Kind 3 - und jetzt wird es interessant: schlief nach kurzer Umstellungsphase direkt durch, bzw wurde nur einmal nachts wach. Sie stillt tagsüber SEHR oft, meistens mehrmals in der Stunde, dafür nachts eben nur einmal, inzwischen sind wir manchmal bei zweimal. Aber auch an Tagen, an denen sie weniger tagsüber trinkt, schläft sie super.

Fazit: in meinen Augen hat das vielbeschworene Schlafen nichts mit dem Stillrhythmus zu tun. Meine Jüngste ist einfach ein sehr entspanntes Kind, im wahrsten Sinne, denn im Gegensatz zu ihren Brüdern hatte sie keine einzige Verspannung am Körper als wir sie ostheopathisch untersuchen ließen.

Ich verstehe, dass gerade das Schlafen eines der größten Probleme frischgebackener Eltern ist - ich kann ja ein Lied davon singen. Mit einem bestimmten Stillrhythmus oder erzwungener Mehrafnahme von Nahrung hat das aber nichts zu tun. Die Ntur hat das alles schon ganz richtig eingerichtet: das Kind meldet Bedarf, die Brust richtet sich danach. Alles bestens - so lange wir nicht eingreifen. :wink:
"Tanze mit Deinem Baby im Mondschein, wenn es die Nacht zum Tag macht, singe fröhliche Lieder mit Deinen Kindern im Regen, mache Kissenschlachten, matsche mit ihnen im Schlamm und springe in Pfützen, macht ein Picknick UNTERM Tisch - vergiss nie: in 20 Jahren wirst Du sagen, es war die schönste Zeit Deines Lebens!"
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von jusl »

Die Argumentation ist schlicht sachlich falsch.

Babys bekommen umso mehr sättigende Hintermilch, je HÄUFIGER sie stillen (allein schon, weil dann über den Tag verteilt die Mutter eine größere Anzahl Milchspendereflexe hat als beim seltenen Stillen). Dies ist wissenschaftlich gut untersucht.
Seltenes Stillen verringert die Milchproduktion der Mutter. Damit nimmt ein Baby bei seltenerem Stillen WENIGER Milch auf, das macht gararantiert nicht satter. :lol:

Der Magen wächst übrigens von ganz allein :lol: (oder dehnt die Hebamme auch Ärmchen und Beinchen lang, damit das Kind ordentlich wächst??)

Mit Stillen nach Bedarf macht man alles richtig - und zweifellos gibt es auch Kinder, die zufällig von allein einen 3- oder 4-Stunden-Rhythmus mitbringen und damit gut gedeihen. Aber es gibt auch definitiv Kinder, die mit einem von außen aufgestülpten 4-Stunden-Rhythmus in eine gefährliche Gedeihstörung rutschen, von daher ist der Pauschalrat "4 Stunden ist für alle am besten!" FALSCH und unseriös.

LG
Julia
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Wer, außer meinem KInd selber, soll denn bitte wissen, wann es Hunger/Durst hat oder Nähe braucht?

Ansonsten hat Julia total recht -wie immer :-)
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hora
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von hora »

Abgesehen von all den anderen schon genannten Gründen gibt es noch zwei weitere, die besonders das nächtliche Stillen wichtig und richtig erscheinen lassen:
1. Die Stillzeit zwischen 1 und 3 Uhr nachts ist wichtig, weil in dieser Zeit das Milchbildungshormon Prolaktin für den ganzen darauffolgenden Tag gebildet wird. Durch den ausgiebigen Reiz der BWn zu dieser Zeit kann ich also die Milchmenge erhöhen.
2. Wer nachts aufwacht, schläft nicht so tief - ein guter Schutz gegen SIDS!
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von hora »

Zudem ist jegliches Schreienlassen schädlich für die Hirnentwicklung - und auch für die Entwicklung des Selbstwertgefühles. Wer schon als Baby lernt, daß seine Bedürfnisse nur nach "der Uhr anderer" gestillt werden, der wird entweder total egoistisch und rücksichtslos, wenn er endlich die "Macht" hat oder erstellt sich selbst immer hintan. Beides ist nicht unbedingt gut und gesellschaftlich akzeptabel.
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von majulu »

Entschuldigt den Vergleich, aber ich habe bei diesem Thema immer das kleine Kopfkino von einer Kuh die auf ihre Armbanduhr schaut und ihr Kälbchen noch ne Runde spielen schickt weil es ja erst vor ner halben Stunde getrunken hat Bild
VlG Majulu mit Luise und Leonard

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Haennchen
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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr

Beitrag von Haennchen »

Etwas OT, aber Jusl, das ist eine super Information, dass das Kind umso mehr Hintermilch bekommt, umso öfter es stillt. Jan ist nämlich auch gerne halbstündlich am stillen, tagsüber und er ist schon klein und recht zart, da durfte ich mir schon einiges anhören...
Zum Thema kann ich grad nix beitragen, es kamen schon so viele gute Argumente.
Majulu: :lol:
Ich bin meistens per Smartphone unterwegs und da hauts mit der Rechtschreibung leider nicht so hin... Langes Schreiben macht so auch keinen Spass...

Mama von Max (02.11) und Moritz (09.09)
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