dieknurpsels hat geschrieben:Einerseits könnte ich jetzt hier voll und ganz unterschreiben.
Andererseits vermute ich, dass dein Junge einen Kurzhaarschnitt hat
Ja, inzwischen ja. Damals noch nicht. Da hatte er überhaupt keinen Haarschnitt, da er sich die Haare nicht schneiden lassen wollte. Mit dem Haare schneiden kam dann erst mit dem KiGa - so von wegen 'Nur Mädchen haben lange Haare'
Ich bin damals schon von Passanten angesprochen worden mit der Frage 'Ist das ein Mädchen?' Ich darauf: 'Nein, ein Junge' und bekam darauf dann zu hören: 'Er sieht aber aus wie ein Mädchen'
und nicht wie Juliane Haare, die inzwischen fast bis zu ihrer Hüfte gehen. Da ist nicht nur das Waschen, sondern besonder auch das Kämmen das Problem.
Sie möchte die Haare auch nur ungern schneiden lassen. Das ist auch so Punkt, bei dem ich versuche, ihre Entscheidungen bezüglich ihres Körpers zu respektieren. Das letzte Mal konnte ich sie Anfang Herbst davon überzeugen, wenigstens die Spitzen schneiden zu lassen, davor über ein Jahr lang gar nicht. Die Haare sind jetzt das, was auf Shampoo-Flaschen so schön "strapaziertes Haar genannt wird. Sie verfilzen, gerade bei dieser Kälte, wenn sie dann auch noch durch Mütze und Schal verwuschelt werden total schnell. Offen kann sie die schon nciht mehr tragen, ohne dass uns abends ein viertelstündiger Kämmk(r)ampf bevorsteht. Das geht eigentlich nur noch geflochten und selbst dann sind die Spitzen abends bzw. morgens nach dem Schlafen schon verfilzt.
Sie versteht diese Zusammenhänge theoretisch auch, bekommt zudem einen Waschlappen vor die Augen beim Waschen bzw. macht schon das meiste alleine. Ich gehe beim Kämmen auch wirklich behutsam vor, plane dafür morgens sogar extra Zeit ein, trotzdem gibt es da oft noch Geschrei.
Würde ich ihrem Geschrei nachgeben und die Haare wirklcih nicht mehr anrühren, wären die innerhalb kürzester Zeit wirklich hin, und es bliebe nur noch, ihr eine Kurzhaarfrisur zu verpassen, was sie ja auch nicht möchte.
Soll ich sie diese KOnsequenzen wirklcih so bitter erfahren lassen? Oder weiter so vorgehen, dass ich ihr sage: "Was sein muss, muss sein, auch wenn es unangenehm ist.", und auf die Haarpflege bestehen. Ich setze es ja nicht mit Gewalt durch, sondern versuche, an ihre Einsicht zu appellieren.
Das ist unser Dillemma bei dieser konkreten Frage.
Und wie wäre es, wenn du einfach an ihre Kompetenz glaubst. Momentan nimmst du ihr diese Entscheidung ab.
Sie ist ja nun nicht mehr so richtig klein.
Du könntest ihr nochmals ganz deutlich erklären, das ihre Haare verfilzen und sie dann nicht mehr kämmbar sind, sondern nur noch abgeschnitten werden können. Und dann im gleichen Atemzug ihr sagen, dass es von nun an ihre Entscheidung ist. Du hättetst keine Lust darauf, jeden Abend deswegen mit ihr Ärger zu haben. Das ist so ja schließlich für euch beide Stress. Ich glaube, dieser ewige Stress schadet euch, und auch Juliane!, mehr als wenn sie wirklich mal die Konsequenzen spüren müsste.
Ich glaube, das stammt aus Juul (oder doch aus den Kloeters? - ach, ich werfe schon alles durcheinander, weil ich beides jetzt parallel lese), wo geschrieben steht "Sicherlich hätten die Eltern erst einmal ein schlechtes Gewissen, wenn die Kinder die Konsequenzen ihres Handelns spüren würden" als Beispiel wurde der schon abgedeckte Abendbrottisch genannt. Aber Kinder lernen nunmal aus Erfahrungen und übernehmen Verantwortung für eine Sache erst, wenn sie entweder dazu reif sind UND auch die Möglichkeit dazu haben. Momentan sehe ich das bei euch so, dass du die Verantwortung noch nicht abgegeben hast, Juliane sie also auch gar nicht übernehmen kann.
Naja, das ist jetzt zumindest meine Interpretation. Ich denke, es wäre es wert, das einfach mal auszuprobieren.
Ich kenne zu diesem Thema viele andere Familien, die damit sehr großen Erfolg hatten. z.B. bei einer gab es immer morgens Stress, weil das Kind trödelte und fast immer zu spät in die Schule gekommen wäre. Die Mutter hat dafür gesorgt, dass sie es dann doch immer noch geschafft haben.
Irgendwann hatte sie einfach keine Lust mehr auf diesen Stress am Morgen, hat die Lehrerin eingeweiht. Das Kind kam dann auch zu spät zur Schule. Wie die Lehrerin reagiert hat, weiß sie nicht, aber fortan gab es den Stress morgens nicht mehr. Das Kind hat gelernt, dass es selber dafür verantwortlich ist, sich fertig zu machen. Ein Hinweis auf die aktuelle Uhrzeit reicht seitdem.