Ist Einschlafstillen schlecht?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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evengulin
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von evengulin »

Hm, ich wollte mal in die Runde werfen, dass es ja nicht heißen muss: "Ich narkotisiere mein Kind jedes mal mit Muttermilch" ODER "Mein Kind schläft den Schlaf der Brustlosen"

Unsere Kleine schlief erst unregelmäßig auf dem Couchtisch ein, mittlerweile (so ab dem 5 Monat) bringen wir sie zwischen 7 und 8 ins Bett, wenn sie Müdigkeit signalisiert.

Dabei halte ich es nach dem Grundsatz "So wenig wie möglich, so viel wie nötig."
Ich lege sie hin und lese ein Buch neben ihr, sie nuckelt an einem Schnuller.
wenn sie anfängt leise zu quängeln, reagiere ich sofort, damit sie sich net in Rage meckert...
es wird laut aus dem Buch vorgelesen
wenn sie davon nicht schläfriger wird, nächste Stufe...
neben sie legen
näher rücken
eine Hand auf ihren Kopf
wackelndes Händchen halten
sie mit meinen Armen leicht festhalten
...einschlafstillen

Letzteres funktioniert wie ein Betäubungspfeil im Hintern 8) und kommt vllt in 10% der Fälle zum Zug, besonders in schwierigen Phasen.
Das Einschlafen dauert je nach Tagesform 5 Minuten bis zu ner halben Stunde, dann ist sie im Nirvana
Auch der Papa bringt sie mit geringfügig schlechterer Quote ins Bett (also ohne den Still-Joker ;) )

So kommt die Kleine immer "beruhigt" zum Schlafen, und gleichzeitig kann ich die leise Stimme in meinem Kopf beruhigen, die mir sagt, dass ich das arme Ding in eine furchtbare und desaströse Abhängigkeit von Mamis Teufels-Busen treibe und ich sie nie wieder weg von meinem Nippel kriege.

Entschuldigt die polemische Ausdrucksweise... esistnureinephaseesistnureinephase X)
-Jedem Anfang...
2.März 2010... 2735gr, 50cm, Stupsnase und unendliche Geduld mit mir-


...klinge ich so als ob ich für rationale Argumente empfänglich wäre??
nein, du hast schon den grummelmantel umgeworfen...
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blueberry
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von blueberry »

:lol: Klar, es gibt nicht nur entweder oder. :wink:

Wobei - um jetzt mal auf Deine Argumentation übertrieben eifrig einzugehen - man da nun als Argument einwerfen könnte, dass wenn "Stufe 1" der Schnuller plus Deine Anwesenheit ist (und vorausgesetzt, man ist sich darüber im Klaren, dass ein Schnuller von der Natur natürlich nicht vorgesehen ist, sondern ein bloßes technisches Surrogat für Deine Brust darstellt :wink: ), Dein Einschlafritual eigentlich kaum unterschieden ist vom Einschlafstillen: Du bist da und das Kind nuckelt. Scheint also ein gutes Grundrezept zum Einschlafen zu sein: Saugen und vertraute Person in sicherheitgebender Nähe. 8) Und in 90% der Fälle scheint sich Dein Baby ja von den verschiedenen Stufen der "Einschlafstillsurrogate" zum Schlafen bringen zu lassen - stufenweise im Körperkontakt dem Stillen angenähert - in 10% brauchts dann eben doch noch die Milch, die einzig fehlte. Ist doch okay. :wink:
evengulin hat geschrieben:So kommt die Kleine immer "beruhigt" zum Schlafen, und gleichzeitig kann ich die leise Stimme in meinem Kopf beruhigen, die mir sagt, dass ich das arme Ding in eine furchtbare und desaströse Abhängigkeit von Mamis Teufels-Busen treibe und ich sie nie wieder weg von meinem Nippel kriege.
Wenn hinter diesem Satz aber tatsächlich im Kern der Grund dafür liegt, warum Du so einen Stufenplan verfolgst, statt gleich einschlafzustillen (was wahrscheinlich weniger anstrengend wäre als stufenweise zu schauen, wieviel % von "Einschlafstillen" ausreicht), kann man zu Deiner Beruhigung anfügen, dass Du Dein Kind mit dem Einschlafstillen natürlich nicht abhängig von Dir MACHST. Es kommt schon so auf die Welt - und auch wenn Du jeden Abend einschlafstillen würdest, würde selbstverständlich der Tag kommen, an dem Dein Kind das nicht mehr braucht. Aber ich gehe davon aus, dass Du das weißt. :wink:

Den Papa das Einschlafritual übernehmen lassen zu wollen ist ja durchaus auch ein legitimer Grund. Nur eben dieses "ich will das Kind nicht abhängig von der Brust machen"-Argument mag ich so nicht stehen lassen, irgendwie. Das klignt so nach "schlechte Gewohnheit" einreißen lassen, die das Kind sonst nicht hätte :lol: :wink:
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mimi84
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von mimi84 »

Ach, ich finde den Austausch hier so richtig schön sachlich-informativ. Schön, wieviel von seinem "Schrecken" das Thema schon für mich verloren hat dadurch!
Ich habe gestern wirklich das erste Mal einschlafgestillt ohne schlechtes Gefühl im Hintergrund, denn: Klar werden die Kinder größer und somit wächst auch die Fähigkeit zum selber einschlafen (ich zwing sie ja auch jetzt noch nicht zum Laufen, oder? :wink: )
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Sonja37
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von Sonja37 »

@mimi: auch aus der schweiz..habe ich erst jetzt gesehen. Ihr habt demeter kühe? von wo bist du denn?
ich bin ja ein fan von demeter milchprodukten..versuche zwar im moment mit weniger kuhmilchprodukten auszukommen..aber wenn
dann nur bio-milch..und am liebsten die von demeter..die mit den hörnern..gelll..
gern auch per pn.
wir sind aus dem aargau..und hier gibts weit und breit keine biologische bauern..leider..leider...
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blueberry
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von blueberry »

mimi84 hat geschrieben:Ach, ich finde den Austausch hier so richtig schön sachlich-informativ. Schön, wieviel von seinem "Schrecken" das Thema schon für mich verloren hat dadurch!
Ich habe gestern wirklich das erste Mal einschlafgestillt ohne schlechtes Gefühl im Hintergrund, denn: Klar werden die Kinder größer und somit wächst auch die Fähigkeit zum selber einschlafen (ich zwing sie ja auch jetzt noch nicht zum Laufen, oder? :wink: )

Das freut mich sehr! :D
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von tania »

mein kind ist mit einem dreiviertel jahr das erste mal abends an der brust eingeschlafen. ICH WAR SO FROH!!! wir mussten ihn jeden abend tragen, oft rausgehen (fünfter stock damals ohne fahrstuhl..) und das ablegen war quasi unmöglich, so dass ich mich mit ihm im känguru auf den rücken legte und mein mann das tuch unter meinem rücken vrzupfte (oder umgekehrt 8) ). dagegen einschlafstillen.. da fällt mir gerade ein, in den ersten sech wochen haben wir auch einschafgestillt und er hat nach dem abdocken immer kurz seinen kopf gehoben und ihn mitten auf meine brust gepackt (wir lagen beide auf er seite). das fand ich sooo hinreißend.. inzwischen klappt unser einschlafstillen mittags und abends super und ich liebe es, ihn ins bett zu bringen.
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blueberry
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von blueberry »

tania hat geschrieben:...und er hat nach dem abdocken immer kurz seinen kopf gehoben und ihn mitten auf meine brust gepackt (wir lagen beide auf er seite). das fand ich sooo hinreißend...
genau das hat meiner auch lange gemacht - ich fand das sowas von unglaublich süß!!! :D :D :D
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vicci
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von vicci »

Soweit ich informiert bin (ich informiere mich i.d.Regel bei der La Leche) haben Kinder, die nach Bedarf (also auch zum Einschlafen, falls Bedarf besteht) gestillt werden ein besseres Verhältnis zum Essen, da sie lernen nur dann zu essen, wenn sie wirklich Hunger haben und nur so viel zu essen, wie sie es brauchen. Sie lernen also besser ihr Hungergefühl einzuschätzen. Es ist abgesehen davon so, das Muttermilch nicht nur Essen, sondern auch Trinken ist. Darf ein Baby denn deren Meinung nach auch kein Wasser zum Einschafen haben? Oder Tee?
Außerdem: wenn es Mutter und Kind dabei gut geht und wenn es etwas ist, was die Natur eingerichtet hat, was sollte daran falsch sein? Ich finde es sehr arrogant, sich über die Mechanismen der Natur zu stellen und zu tun, als seien Techniken der Neuzeit wirksamer. Meist ist dem meiner Erfahrung nach nicht so.
Viel Spaß beim Eischlafstillen :D
Es ist noch immer wie ein Traum für mich, ich sehe dich an doch ich glaub es nicht, du bist mein Sonnenschein , mein Augenlicht
ich geb mein ganzes leben nur für Dich. Ich bin du und du bist ich.
vicci
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von vicci »

Ach und zur Abhängigkeit: Mein Kind schläft bei Papa genauso gut ein wie bei mir. Ich darf nur nicht im selben Raum sein :wink: Es ist eben doch am schönsten an Mamas Brust.....
Das mit der Abhängigkeit zur Mutter ist eher eine Alters- und Typfrage vermute ich.
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klimaforscherin
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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?

Beitrag von klimaforscherin »

Im babyfreundlichen KH (!) hatten mir die Schwestern gesagt: "Nicht nuckeln lassen..."
Warum eigentlich nicht?
Hab ihn anfangs immer versucht abzudocken, wenn er nur nuckelte, ging auch meist gut.
Aber jetzt ist mir das so wurscht, er sieht einfach süß aus. Gestern in Rückenlage einschlafgestillt, dann hebt er noch kurz den Kopf, lässt los und legt den Kopf ab. Nach einigen Minuten lacht er laut.

Er schläft satt, zufrieden, sicher und nicht alleine ein, wenn das mal nichts ist! So wünschen sich auch Erwachsene einzuschlafen.
Grüße
klimaforscherin
mit Wetterfrosch 2010 und Schwälbchen 2012

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