Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

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Meli 307
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von Meli 307 »

geht es denn nicht mehr darum, daß man zumindest weiß und merkt, was nicht so hundertprozentig ist, auch wenn man es mal an einem Tag nicht so hinkriegt, warum auch immer?
blöd ist es doch nur dann wenn man nicht mal weiß daß man Fehler macht...und evtl sogar meint das müßte so sein.
es sind nun mal keine Puppen, die wir da spazieren tragen und die immer willig sind.
daß ne Beraterin mit grottenschlecht gebundenem Tuch stundenlang auf dem Catwalk Werbung läuft fürs Tragen nehme ich mal eher nicht an...
allein zu wissen daß auch Profis ihre schlechten Tage haben finde ich ungeheuer tröstlich. :wink:
Gruß Meli
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hoppsasa

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von hoppsasa »

xknäckebrotx hat geschrieben: Die fallen dem Laien aber wahrscheinlich ebensowenig auf, wie das nicht perfekt gelungene Friseurinnenstyling oder der defekte Scheibenwischer beim Autohändler-Privatauto, wenn wir beim diesem Beispiel bleiben würden.

Na ja, ich bin Laie.
Aber mir fällt durchaus auf, dass Deine Tücher in 90% aller Fälle perfekt gebunden sind. Einmal hab ich ein nicht ganz perfektes Tuch bei Dir gesehen, das hat mich froh gemacht (weil ist ja nen Kind :wink: ). Und ich empfehle Dich als Trageberaterin auch NUR, weil ich sehe, dass Du sehr gut bindest. Würde ich Dich mit Tüchern meiner Qualität antreffen, würde ich Dich nicht empfehlen.

Deswegen: Trageberaterinnen zeigen ihre Kompetenz mit ihrem eigenen Kind. Ich erwarte sehr gutes Binden.

Und ich könnts auch gern. :mrgreen:
xknäckebrotx

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von xknäckebrotx »

jusl hat geschrieben: :lol: :lol: :lol: neee, von den Kindern sicher nicht - aber von der Pädagogin selbst(!) erwarte ich in der Tat, dass sie mind. in der Öffentlichkeit zeigt, dass sie in der Lage ist, "pädagogisch auf der Höhe" mit Kindern umzugehen.
Ja eben, und da gehe ich ja mal davon aus, dass jede Beraterin in der Öffentlichkeit zeigt, dass sie in der Lage ist, mit einer Tragesituation (oder wie auch immer man das nennen soll, doof, mein Kopf leer) angemessen umzugehen. Das zieht aber nicht unbedingt immer ein perfektes (!) Ergebnis nach sich.

Vielleicht verstehen wir uns aber auch falsch und gewisse Beraterinnen gehen immer mit gebundener Puppe auf die Straße, um Werbung für ihre Dienste zu laufen? Da ist natürlich Perfektion Pflicht ;)

hopsassa hat geschrieben:Na ja, ich bin Laie.
Aber mir fällt durchaus auf, dass Deine Tücher in 90% aller Fälle perfekt gebunden sind. Einmal hab ich ein nicht ganz perfektes Tuch bei Dir gesehen, das hat mich froh gemacht (weil ist ja nen Kind ). Und ich empfehle Dich als Trageberaterin auch NUR, weil ich sehe, dass Du sehr gut bindest. Würde ich Dich mit Tüchern meiner Qualität antreffen, würde ich Dich nicht empfehlen.
Na siehst du, dann haben wir vielleiht doch unterschiedliche Maßstäbe. Oder ich konnte meine Fehlerchen einfach immer nur ganz gut kaschieren :mrgreen:

Ja und erstens brauchst du hier gar nicht so tiefstapeln, denn du bindest sehr sehr gut und souverän, hast ja auch schon ein Kind Vorsprung und zweitens hoffe ich, dass du mich auch irgendwie noch sympathisch und einfühlsam genug findest, um mich auf deine tragewilligen Freunde loszuschicken, als NUR wegen meiner Technik *traurigguck*
jusl
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von jusl »

Hä? Was für gewisse Beraterinnen? Erklär mal! :D
xknäckebrotx

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von xknäckebrotx »

jusl hat geschrieben:Hä? Was für gewisse Beraterinnen? Erklär mal! :D
Na keine Ahnung, die, die sich nur und immer 100% perfekt gebunden in der Öffentlichkeit zeigen würden? Um das zu erreichen, gibts ja eigentlich nur zwei Alternativen (oder halt, drei:)

1. Wirds nix, Kinderwagen (geht bei mir nicht mangels Equipment)
2. Wirds nix, andere Tragehilfe (ich finde, für eine gute Beraterin ist es Pflicht, immer wieder Tuchbinden am lebenden Objekt zu üben, falls halbwegs williger Tragling zur Hand)
3. Puppe binden, die macht immer mit :mrgreen:
hoppsasa

Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von hoppsasa »

xknäckebrotx hat geschrieben:...und zweitens hoffe ich, dass du mich auch irgendwie noch sympathisch und einfühlsam genug findest, um mich auf deine tragewilligen Freunde loszuschicken, als NUR wegen meiner Technik *traurigguck*
Das Gesamtbild ist schon sehr stimmig 8)
liahl
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von liahl »

also ich denke auch es geht hier wirklich um "bindefeinheiten" wer richtig schlecht bindet wird ja sich die frage mit dem perfektionismus gar nie gestellt haben oder?

jusl hat geschrieben: :lol: :lol: :lol: neee, von den Kindern sicher nicht - aber von der Pädagogin selbst(!) erwarte ich in der Tat, dass sie mind. in der Öffentlichkeit zeigt, dass sie in der Lage ist, "pädagogisch auf der Höhe" mit Kindern umzugehen. Danke für dieses schönes Beispiel. :D
klar ist ein gut gebundenes durch die stadtgetragenes Tuch (plus kind :roll: ) eine art visitenkarte,
dennoch würde ich mir nicht echt vorkommen (und könnte auch mal das haus nicht verlassen) wenn ich nur "perfekt" vor die tür treten würde!
auch die pädagogin, die auf arbeit alles korrekt macht, zuhause aber an ihren kindern nur z.b. rummotzt..nein danke!

ich möchte mich ja nicht verkaufen...möchte nicht nach außen prinzesschen sein und immer top, sondern ich bleiben, unverstellt, menschlich!
und dann in kauf zunehmen, dass ich beim tuchbinden mal einen fehler mache (den wie schon vermutet 95% der Eltern gar nicht bemerken) ist einfach ehrlich! den will ich nicht verstecken müssen, so eine umgebung möchte ich nicht mitgestalten. ich vertraue darauf, dass eltern meine qualitäten erkennen.
Das heißt nicht, dass ich schlampig werde, sondern nur dass der alltag nicht immer 100% zulässt (julia was machst du wenn du mal etwas nicht perfekt gebunden hast? noch nen zweites mal dein ohnehin schon quengelndes kind einbinden, während das große die ganze zeit meckert, weil es los will?! und nur weil man etwas präsentieren willl??wirklich immer?)..

liebe grüße

lisa
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Alexandra
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von Alexandra »

Interessante Diskussion! :D Julia, ich verstehe Deinen Ansatz, muss aber eher Anna zustimmen: wir haben es mit Kindern zu tun.

Und meines ist halt nicht wirklich mustergültig: als er sehr klein war, hat er sich aufgrund seines KiSS kaum ins Känguru binden lassen. Eine Zeit lang musste ich ihn sogar ausschließlich in einem speziellen MT tragen; ich war kurz davor, ihn in den KiWa zu legen, weil ich langsam bezweifelte, daß nur weil ICH das Tragen optimal finde, es das auch für mein Baby sein müsse?! Und ich behaupte mal, ich WEISS, wie man ein gutes, nein, ein sehr gutes Känguru bindet. Tragepuppi Lars macht das auch immer blendend mit :lol:

Oder momentan: ich weiß, wie ich Johannes trotz Rumochsen recht straff in den Rucksack bekomme. Und dann? Der Herr nutzt die Stränge, um sich mit den Füßen auf meinem Beckenkamm und in der Nierengegend abzustemmen und zu hopsen. Die Tuchkante, die also wirklich supergut in den Kniekehlen war, rutscht ihm nach wenigen Minuten über den Po nach oben - und selbst wenn nicht, dann siehts gruselig aus.

Ganz nebenbei habe ich mir durch das exzessive Tragetuchbinden am linken Handgelenk ein Überbein angeschafft (ja, es kommt definitiv davon, begünstigt natürlich durch Haushalt etc.) - jede Belastung mit nach hinten überstrecktem Handgelenk (wie etwa Festziehen der Strähnen beim Rucksack) tun fies weh.

Resultat: ich hab ne Überweisung in die Handchirurgie und man sieht ClauWi Referentin Alexandra S. zu 99% in dekorativen MeiTais tragen :lol: In der Öffentlichkeit! Wobei selbst das Festziehen der MT-Stränge etwas schmerzt, aber die Belastung hält sich eben zeitmäßig in kurzen Grenzen, so daß ich es trotzdem mache.

Meine Meinung: so viel Perfektion, wie Kind und die eigene Gesundheit mitmachen, ist definitiv nötig. Aber eben auch nicht mehr :wink: Wo ich Dorothea allerdings unbedingt Recht gebe ist, daß jede Beraterin zumindest mit der Puppe perfekt binden können MUSS! Wenigstens die Grundbindeweisen!

Liebe Grüße Alex
Liebe Grüße von Alex mit dem ganz Großen 05/00, dem Großen 06/04, dem ziemlich Großen 01/08, der Pferdenärrin 11/13 an der Hand und Mondmädchen Luna Nicole (*+ 9/11) für immer im Herzen


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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von jusl »

Also, ich mag jetzt nicht gerne in die Ecke gestellt werden, ich würde auf UNEHRLICHE Art und Weise GEGEN DEN WILLEN meiner Kinder auf 100% perfektes Binden bestehen.
Ich fühl mich eben am wohlsten so. Allein durch das häufige Tragen von zwei Babys gleichzeitig ist man gezwungen "perfekt" zu binden, andernfalls sind die Schmerzen dabei nämlich nicht auszuhalten ;-)

Meine Kinder haben nicht ansatzweise KISS oder sonstiges und ließen/lassen sich immer problemlos einbinden - kann ich auch nix für.
Außerdem habe ich in keinster Weise anderen hier Vorschriften gemacht, wie sie tragen sollen; ich habe lediglich von mir berichtet. Nur weil ich bei meinen eigenen Kindern auf "perfektes" Einbinden achte, heißt das nicht, dass dabei Kinderfreundlichkeit, Toleranz, Sympathie oder was weiß ich auf der Strecke blieben, weder als Mutter noch als Trageberaterin.

LG;
Julia
honigbienchen
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Re: Perfektionismus beim Tragetuch - pro und contra

Beitrag von honigbienchen »

Hallo,

ich kann beide Seiten verstehen :wink:
Julias Aussage kann ich total nachvollziehen, das hab ich mir schon ganz oft gedacht. Die Leute schauen einen doch anders an und schauen auch aufs Tuch, wenn sie wissen, man ist Trageberaterin, auch wenn man nur zum Spielplatz oder zum KiGa geht. Wenn ich Noah mit dem Bus abhole, geht Jakob auf den Rücken und ganz ehrlich, ich nehme mir extra die 2 Minuten mehr ALLES möglichst genau zu machen, da ich weiß, dass die Mamas dort das sehen und einige durchaus wissen, dass ich Trageberatungen mache, zusätzlich wissen einige, dass ich Rückenprobleme habe, dadurch muss das Tuch gerade dort, für MICH, wenn ich weiß, dass ich sie dort treffen kann, echt gut gebunden sein, da ich mir sonst anhören darf, dass SOOOO ja Rückenprobleme logisch sind. Allein um das zu Entkräftigen muss das Tuch in manchen Situationen wirklich nahezu perfekt sein.

Meine Kinder ließen sich anfangs auch nur schwer tragen, wegen Blockaden, das fand ich richtig schlimm, einfach weil das Binden keinen Spaß gemacht hat, aber alles andere auch nicht ging.

Ich denke, das hat immer auch was mit dem eigenen Ehrgeiz zu tun. Die einen sind ehrgeiziger, als die anderen, noch andere könen besser differenzieren und auch mal 5 gerade sein lassen, obwohl ihnen dies normalerweise auch etwas widerstrebt usw.
Möchte damit jetzt nicht sagen, dass enige hier weniger ehrgeizig sind beim Tuchbinden!!!! :lol: DAS wäre der falsche Rückschluß!!!Aber es hat ganz sicher, ganz viel mit den Ansprüchen an sich selbst zu tun und das ist doch ok!
Das was man von sich selbst verlangt, verlangt man ja seltenst auch von anderen :wink:
Zusätzlich kommen immer noch äussere Umstände und unvorhersehbare Situationen 8) :wink:

LG.
Annette

Die Tugend des Alltags ist die Hoffnung, in der man das Mögliche tut und das Unmögliche Gott zutraut.
Karl Rahner
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