Hallo Sabri,
meine Lina ist jetzt auch 22 Monate alt und wir haben bis vor 7 Tagen noch einschlafgestillt (seit 22 Monaten) und auch tagsüber mal angelegt.
Lina kennt nur mich und "Bubu" zum einschlafen, was immer ganz entspannt ablief. Für sie und für mich war (ist) schlafen gehen immer etwas ganz positives - sie hat sich richtig in die Brust gedrückt, getrunken - dann "andere Seite" gefordert und ist dann an der anderen Brust entspannt eingeschlafen. Ich habe währenddessen gelesen und oft die Zeit vergessen und so konnte sie schön lange schmusen. Wir praktizieren das Familienbett - Lina schläft also direkt neben mir. Nebenbei für alle Mamis die Angst haben das Familienbett und Brustgeben-nach-Kindesbedarf dazu führt das die Kinder nie durchschlafen: Lina hat mit ca. 1,5 Jahren ganz von alleine plötzlich durchgeschlafen und war davor auch so ein extrem Trinker: 0-7 Monate ca. jede Std. die Nacht, bis 1,5 Jahre 3 - 6 mal die Nacht.
Ich gehe einfach mal davon aus, dass fast jede Stillmama mit zunehmendem Alter ihres Stillkindes irgendwie unter Druck steht, wann denn endlich Schluss ist.
Zum einen habe ich mich manchmal selber unter Druck gesetzt. Total paradox ist das: Ich liebe das Stillen eigentlich bedingungslos und doch war da immer öfter so eine kleine Stimme die meinte "ohje nachher will sie mit 5 noch einschlafgestillt werden...." wieder andererseits macht es mich so glücklich und kann doch gar nicht falsch sein. Wiederum manchmal meinte eine Freundin "man mit Dir kann man ja nie ins Kino gehen...
Am schlimmsten empfand ich aber meinen Mann, der, wenn wir Differenzen hatten, meiner Meinung nach, oft wie eifersüchtig reagierte. Ich hatte dann oft Bauchschmerzen wenn Lina die Spannungen zwischen uns merkte und als Folge davon erst recht Mamaanhänglich wurde und die Brust verlangte, was wieder ihn reizte bzw. ihn sich fühlen ließ alleine gehen eine Frauenfront dazustehen.
Ebenso wünschte er sich Lina auch mal ins Bett bringen zu können ohne das diese nach Mama und Bubu schreit...
Ich verstehe uns alle Drei und finde wir haben alle irgendwie recht, nur mich hat es mürbe und weinerlich gemacht weil ich nicht wusste wie ich alledem gerecht werden sollte: Wieso ist so ein tolles Gefühl, wie sein Kind zu stillen, so falsch bzw. wirft so viele unnötige Probleme auf.
Also habe ich eigentlich doch gegen meinen Willen beschlossen abzustillen und doch auch wieder mit meinem Willen wenn man so sagen darf - eben weil die Angst da ist/war das Lina nicht alleine abstillt sondern mit 5 immer noch einschlafgestillt werden will.
Letzte Woche Freitag - nachmittags im Freibad - habe ich das letzte mal gestillt und bin grad den Tränen nahe weil es mir so fehlt.
Entschuldige Sabri ich schweife wohl total ab wollte Dir aber auch damit klar machen wie wichtig bei uns da stillen war - ebenso wie bei Dir - zum einschlafen und wie problemlos es jetzt doch läuft.
Es stellte sich mir also die Frage wie soll ich das angehen - noch dazu weil ich gar nicht selber zu 100 % dahinter stehe.
Besagten letzten Stillfreitag hat Lina das erste mal bei Oma, ohne mich, übernachtet und es ging problemlos. Das war dann der ausschlaggebende Punkt aufzuhören weil Lina es auch ohne aushalten kann und es wohl nur ein Ritual ist (selbsteinred

).
Am nächsten Tag habe ich dann ganz einfach Lina die Sachlage erklärt, ich wollte nicht einfach so aufhören und sagen "Bubu ist bäh und gibt’s nicht mehr".
Also erklärte ich ihr das sie schon richtig essen und trinken kann und der Bubu eigentlich für die ganz kleinen Babys da sei. Auch das ich gut verstehen kann das es toll ist mit Brust im Mund und lecker Milch einzuschlafen und das sie sich aber jetzt als Ausgleich dafür ein Einschlafkuscheltier aussuchen darf. Das haben wir dann auch getan - sie liebt gerade Pferde und so wurde es ein Pferd...unser neues Heia-Pferd

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Tagsüber konnte ich schon immer vom stillen, wenn es mir nicht reinpasste, gut ablenken. Dann kam also die Schlafenszeit...alle Rituale wie üblich und ab ins Bett.
Das Heiapferd war schnell vergessen und "Mama heia Bubu" war gefordert. Wieder erklärte ich das der Bubu ja nun nicht mehr zum einschlafen da ist sondern um die ganz Kleinen mit Milch zu versorgen. Logisch war das piepegal und Lina wollte Bubu.
Ganz ehrlich haben wir beide geweint aber ich bin hart geblieben und fand es auch wichtig und richtig das wir beide Traurig waren und sind. Es ist doch ein großer Schritt weg vom stillen - für sie wie für mich.
Das hört sich vielleicht total bescheuert an aber sie hat mich, und ich habe sie, einfach in die Trauer miteinbezogen und auch genauso offen wie sie zugegeben das ich es doof finde. Und es hat funktioniert.
Schmusen und Hand an der Brust und ganz nah bei mir sein bleibt ja weiterhin...das kann ich ihr nach so intensiver Nähe nicht auch noch sofort nehmen - sagt mein Bauch zumindest. Bzw. ich glaube diesen Näheentzug würde ich selbst nicht verkraften, nicht so von 0 auf 100.
Am nächsten Tag gab’s auch nochmals Tränen - wieder von uns beiden und seither schläft sie problemlos ohne stillen ein. Ich habe früher nach dem Brust aus dem Mund ziehen meistens den Schnuller gegeben und den gibt’s jetzt halt gleich ansonsten ist es die gleiche Einschlafposition. Ich kann auch nicht mehr dabei lesen mit Licht sondern jetzt muss ich es ganz dunkel machen und abwarten bis sie eingeschlafen ist.
Heute habe ich es sogar gewagt sie an einer Brust im Bett nuckeln zu lassen und habe gefragt "und kommt noch was raus für ein schon großes Baby?" und sie hat sofort losgelassen und "Nein" gesagt - hat dann "andere Seite" gefordert und dort der gleiche Ablauf.
Sie hat dann die Brust selbst wieder unter dem Nachthemd versorgt und meinte "hause" - was bei Ihr wohl soviel heißt das der Bubu jetzt heimgegangen ist.
Obwohl ich gleich noch ein bisschen Pumpen muss weil ich härtere Stellen spüren.
Was soll ich sagen...ich bin froh das es doch so einfach ging aber trotzdem darüber gar nicht glücklich weil es mir total fehlt. Mit einem Kind zu schmusen, es an sich zu drücken ist einfach nicht das Gleiche wie zu stillen - ganz und gar nicht. Vielleicht fehlt mir aber auch einfach nur das Prolaktin als Glücksdroge

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Eigentlich war ich gerade nur im Netz um mich zu informieren, was denn mit der noch vorhanden Milch in der Brust nach dem abstillen passiert und bin darüber über Deinen Beitrag gestolpert

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Habe wohl ziemlich ausgeholt hoffe aber es ermutigt Dich ein wenig. Das soll keine Anleitung sein es genauso zu machen - jedes Kind ist anders. Ich denke aber mit 22 Monaten kann man sich seinem Kind schon richtig gut mitteilen - vielleicht ist das aber auch bei jedem Kind verschieden.
Ohne Tränen und Wut wird’s nicht gehen - bei Dir auch nicht, sonst stände Dein Beitrag nicht hier

...also habt Ihr Euch Gegenseitig die unsicher, traurig und wütend sind - das ist auch schon tröstend empfand ich!
Liebe Grüße
Alexandra