Muss mich mal kurz ausheulen...

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Nuala
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Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von Nuala »

...ist vielleicht lächerlich, aber irgendwie war ich heute ziemlich geschockt.
Ich habe mein Babybuch gefunden und durchgeblättert. Meine Mutter hat da aufgeschrieben wann ich zum ersten Mal gesessen bin, gekrabbelt, gegangen... usw.
Eine Rubrik befasste sich mit der Babykost. Und da musste ich lesen:
Erste 2 Wochen Muttermilch in Kombination mit Aptamil.
Ab der 2. Woche nur noch Flasche.
Ab der 9. Woche zusätzlich Karotten- und Obstsäfte.
Ab der 12. Woche zusätzlich Gemüse- und Obstbrei.
:shock:
Wahnsinn.
12 Wochen! Das sind etwa 2 Monate und 3 Wochen!
War das bei euch auch so???
Meine Mutter meinte immer, ich hätte zu wenig gegessen und mich zum Essen zu bringen war ein Kampf. Irgendwie wurde mir heute klar warum. Ich war doch noch viel zu klein!!!!
Und das wirklich Traurige an der Sache: Das Essen blieb immer ein Kampfthema. Jahrelang hat sie versucht Essen in mich hinein zu stopfen. Und das Resultat: Ich habe heute null Gespür dafür wann ich Hunger habe, wann ich satt bin. Und ich habe irgendwann klein beigegeben und es ist umgeschwungen: Ich stopfe heute brav alles in mich rein und habe etliche Kilos zu viel. Das belastet mich und ich mag meinen Körper gar nicht. Aber ich bekomme mein Essverhalten nicht in den Griff - ich muss immer noch was reinstopfen, den Teller leer essen - ich kann vorher nicht aufhören.
Ich würde das so gerne ändern... habs schon tausend Mal versucht, aber es geht nicht. Es sitzt zu tief. :(
Meinen Schwestern geht es übrigens genau so (mit individuellen Abstufungen).
Vielleicht reagiere ich ja auch über und das eine hat mit dem anderen nix zu tun, trotzdem.
Das musste jetzt mal raus. Danke fürs zulesen, irgendwie ist mir jetzt besser.
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3fachMama
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Re: Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von 3fachMama »

So ähnlich hat meine Mum mir das bei meiner Großen auch erzählen wollen. Ich sollte doch ab der 6. Wochen Karotte füttern, das hat man früher so gemacht. Wenn sie es nicht essen will, sollte ich das in die Flasche mit reinmachen. Meine Nichte hat das schließlich auch vertragen und hatte immer eine soooooooooooooooooooooo schöne Hautfarbe :roll: .

Und ich war die böse Gluckenmama, die ihr Kind hungern lies :? Ich pöse Mama ich, dass ich meinem Kind aber auch gar nichts gegönnt habe :P
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Traumwind
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Re: Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von Traumwind »

Hallo Nuala,

hast Du grade von mir geschrieben? Ich habe damals auf Anweisung von meiner Oma mit 6 Wochen dünnen Grießbrei bekommen (weil sie das bei meinem Vater auch schon so gemacht hat und meine Mutter es nicht besser wusste!). Ich wurde mit 42 cm und 2400g geboren. Angeblich war ich keine Frühgeburt und man wusste nicht, warum ich so "zierlich" war. Deswegen wurde mir auch immer das Essen reingezwungen. Ab dem 3. Monat gabs ebenfalls Gemüse und Obst und Abends dünnen Griesbrei (natürlich mit Vollmilch) in der Flasche. Meine Mam erzählte mir mal, dass ich jeden Abend stundenlang gebrüllt habe und sie mich in der Tragetasche vom KiWa im Auto umherfahren mussten, damit ich wenigstens ein bisschen zur Ruhe kam. :cry:

Auch ich habe seit meiner Kindheit enorme Probleme mit dem essen. Weil ich eben immer gestopft wurde. ... und heute fällt es mir schwer, meinem Großen ein normales Eßverhalten beizubringen, weil ich gar kein Gefühl für normal habe. Das ist wirklich schlimm. Ich hab bei ihm immer Angst, dass er zu viel isst. Natürlich darf er essen so viel er mag, aber ich beäuge das sehr, sehr kritisch. :roll:
Mama³

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lunchen78
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Re: Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von lunchen78 »

Ich glaube, das Problem liegt einfach daran, dass die Empfehlungen früher eben so waren. Flaschenmilch wurde in den Himmel gelobt, das Stillen wurde schlecht geredet. Den Müttern wurde ein starrer 4 Stunden Rhythmus eingeredet, ab ein paar Wochen durfte nachts nichts mehr gefüttert werden. Dann hat man erkannt, dass der Flaschenmilch einiges an Vitaminen etc fehlt, daher die schnellen Beikostempfehlungen
Die Frauen bekamen keine oder nur wenig Unterstützung beim Stillen, wurden bei der Geburt teilweise mit Medikamenten so vollgepumpt, dass sie nicht mal in der Lage waren, das Baby auch nur in den Arm zu nehmen, vom Stillen ganz zu schweigen. Und dann kamen die Babys in die Säuglingszimmer, dass die Mutter sich ausruhen kann und außerhalb der festen Fütterzeiten durften sie nicht zu den Müttern. Wen wundert es da, dass das Stillen nicht klappt?
Wenn man von allen Seiten gesagt bekommt, wie und in welchen Abständen man zu füttern hat und selbst keine Ahnung hat, was wird man dann wohl tun???

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, aber ich finde, wir dürfen unseren Müttern und Großmüttern da keinen Vorwurf machen, sie wussten es einfach nicht besser. Und ich glaube, dass sie oft auch nicht so recht damit umgehen können, dass es bei unserer Generation so einfach mit dem Stillen klappt. WEr hat schon gerne das Gefühl, "alles falsch gemacht zu haben"??


Ach ja, so ein Heftchen mit Fütterempfehlungen hat mein Mann bei seiner Mama auch gefunden. Da stehen echt die genauen Uhrzeiten drin, wann das Baby was kriegt. Und meine Schwiegermutter hat auch genau aufgeschrieben, was mein Mann gegessen bzw getrunken hat.
Ich müsste echt mal schauen, ob es sowas von mir auch gibt.
O. 18.Mai 2006
M. 26.Februar 2008

Was tu ich hier eigentlich noch?🫣
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tania
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Re: Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von tania »

meine mutter hat mir erzählt, dass sie ihre mutter mal fragte, ob sie sie und ihre zwei schwestern gestillt hätte und meine oma antwortete "ja klar". bei genauerem nachbohren kam raus, dass sie und ihre schwestern jeweils genau drei wochen gestillt wurden. das war damals so (dreißiger, vierziger). :shock:

(ich wurde ja zwei jahre gestillt. und ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie wichtig die brüste meiner mutter immer für mich waren. und mein gutes körpergefüh - besonders in bezug auf meine sehr großen brüste - kommen meines erachtens auch daher. erinnere mich noch gut an die gespräche mit meiner mutter über ihre brüste und übers stillen.. da war ich so 12 und wollte nicht schwimmen gehen :cry: . und meine mama hat mit mir über ihren und über meinen körper geredet.)

ich finde es toll, sich solcher ernährungsmuster bewusst zu werden und es beim eigenen kind anders zu machen.
tania mit sohn *09 und sohn *12
sternchen84
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Re: Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von sternchen84 »

Hmm bei mir war das auch ähnlich. Ich wurde glaub 6 Wochen lang gestillt, dann hat die Milch nicht mehr gereicht, weil sie nur alle 4 Stunden stillen sollte.
Hab dann Flasche bekommen und meine Eltern erzählen immer, ich hätte mit 3 Monaten (!!!) schon Käsesahne gegessen und hätte jeden Sonntag danach "verlangt" :shock:
Rechtschreibfehler dürfen aufs iPad geschoben werden;-)


Liebe Grüße
Jessi mit der Mausi (02/2008), dem Bärchen(10/2011), dem Käferchen (08/2019)an der Hand und unser geliebtes Sternenkind (01/2011) fest im Herzen
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daifuku
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Re: Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von daifuku »

Ja, das war damals so.
LG von Alex



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hajar
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Re: Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von hajar »

Meine Mutter hat mir vor kurzem auch erzählt, dass meine Oma alle ihre 8 Kinder nur 6 Wochen gestillt hat, danach kam die Flasche :( (bis auf die jüngste, die konnte sie wegen eingegipstem Arm gar nicht stillen...). Traurig zu hören, aber ich glaube auch, die Frauen wussten es damals einfach nicht besser.
Immerhin hat meine Mutter mich und meinen Bruder je 6 Monate voll gestillt. Ich kann mir schon vorstellen, dass das Einfluss auf das Körpergefühl und auf den späteren Umgang mit dem Essen hat. So ganz laienhaft, aus dem Bauch heraus hingeschrieben :D
Grüße von hajar mit unendlich geliebtem Sohn (03/09)

Danke für eure Hilfe beim Ausmisten!!! Ich bin so frei. :-) Jetzt.
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Nuala
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Re: Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von Nuala »

Das mit dem Stillen ist mir ja klar. Damals wurde den Frauen reingepfuscht wie nur möglich. Ich finde auch schade, was da unsere Mütter verpasst haben - nicht nur wir!
Aber was ich schlimm finde, ist, dass man durchs zu frühe Zufüttern Esszwänge verursacht hat. Es MUSS der Brei ins Kind hinein. Notfalls mit Dauer-Fütter-Sessions, Spielchen ("Ein Löffel für...") oder Zwang.
Ich finde schade, dass Mütter früher nicht auf ihr Gefühl gehört haben (denn keiner kann mir erklären, dass man sich nicht unbehaglich fühlt wenn man versucht sein Kind zum Essen zu zwingen!), sondern dass es möglich war ihnen Angst und Druck zu machen. :(
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
Lösche Benutzer 1828

Re: Muss mich mal kurz ausheulen...

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Es gibt ein Bild von meinen Mann - da ist er ca. 6-8 Wochen alt und hat einen total gequälten Gesichtsausdruck - er wurde gerade m ti dem Löffel gefüttert, Haferbrei.......
Das war damals, also er ist jetzt 42, halt so.......gestillt wurde er gar nicht.
Er konnte natürlich auch noch gar nicht essen "das kam immer wieder raus" wird belustig berichtet.....

von mir weiß ich es nicht - aber ich denke, es war ähnlich....
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