Ein komplettes Set BumGenius hab ich mir trotzdem besorgt und einen Haufen Mullwindeln, um einfach mal zu schauen, wie das so läuft.
So drei Wochen nach ihrer Geburt haben wir dann angefangen, den Trink- und Ausscheidungsrhythmus zu verfolgen, die nassgemachten Mullwindeln hatten wir sowieso schon immer gleich ausgetauscht. Um die gleiche Zeit gings auch los mit dem Abhalten, und das hat von Anfang an erstaunlich gut geklappt! Mit ein paar Monaten haben wir sie bei jedem nächtlichen Aufwachen abgehalten, puh, das war anstrengend, denn sie wollte eigentlich am liebsten immer nur über dem Waschbecken im Bad. Björn hat sich zu der Zeit zum absoluten Helden gemacht - das vergesse ich ihm nie
Unterwegs hatten wir eigentlich immer eine Windel an, das war uns dann doch zu unentspannt sonst. Und - es war ja auch Winter. Zuhause gabs ein Sammelsurium von kleinen Unterhosen, Moltonunterlagen und darunter wasserdichter Unterlagen über einer Spieldecke - Asiatöpfchen, abhalten, MokoMidis (Björn nannte sie immer: "die Hunnenwindel" ) Windeln drum, wenn zu gestresst - irgendwie haben wir uns da durchgekämpft. Viele Pipis in Waschbecken und Töpfchen, viele auf die Unterlage. Aber das große Geschäft, das hat eigentlich schon fast immer gut geklappt.
Der ganz Schritt kam dann für uns, als sie sitzen konnte, das war mit sieben Monaten. Ab da ein Töpfchen angeschafft und sie hat von Anfang an kapiert, was wir von ihr wollten. Von der Trefferquote her war es ungefähr das Gleiche, wie immer, aber das große Geschäft, das wurde immer zuverlässiger. Außer Haus hatte sie schon längere Zeit nicht mehr gekackt.
Klar, es gab Zeiten, da ging es definitiv schlechter, aber es wurde auch wieder besser, und wir sind immer drangeblieben. Manchmal hatte sie auch keine Lust auf das Töpfchen und wir haben einiges unternommen, sie abzulenken, zu bespielen...das ist im Endeffekt heute auch noch manchmal so.
Nachts haben wir mit ungefähr neun Monaten aufgehört. Sie hat sich nicht mehr so gemeldet bzw. in die Windel gepinkelt. Aber ganz ehrlich - da war ich auch nicht unglücklich. Wenn es ihr zu nass wird oder sie eine Windel sprengt, dann hat sie uns das auf jeden Fall wissen lassen. Abhalten lassen hat sie sich ab dem Zeitpunkt nachts aber nicht mehr. Gelegentlich klappt es auch heute noch, sie nochmal aufs Töpfchen zu setzen, wenn sie um 24.00 Uhr nochmal aufwacht, sie ist dann immer sehr durch den Wind und man merkt, dass ihr die volle Blase weh tut, sie deswegen auch weint. Nach der Entleerung ist's nämlich meistens schlagartig besser.
Sommer ist natürlich die beste Jahreszeit für windelfrei, und deshalb hat Charis ihre erste warme Jahreszeit fast ausschließlich unten ohne auf dem Spielplatz verbracht. Abhalten ging auch ganz gut, wenn sie angezeigt hat, ich hab sie aber auch öfter mal beim heimlichen Lospullern beobachtet
Mit knapp einem Jahr kam sie in den Kinderladen, da gabs Stoffwindeln und zuhause überwiegend windelfrei. Seit sie krabbelt, sind wir auf das System "tausend olle Jogginghosen" umgestiegen, und das sehr erfolgreich. Ging ein Pipi rein, Hose ausgewechselt, aufgewischt. Gekackt hat sie zu der Zeit schon zuverlässig morgens, mit zunehmender Nahrungsaufnahme auch gelegentlich zweimal am Tag, aber meistens in den Topf.
Seit sie läuft, haben wir hier am Tag im Schnitt drei Pannen, wenn wir viel Zeit für sie haben und konzentriert sind, geht das ganze gegen Null. Pipi sagt sie meistens vorher an und fummelt sich zwischen den Beinen rum. Dann gehen wir schnell zum Topf, manchmal geht sie von selbst ins Bad. Im Kinderladen klappt es auch schon ganz gut, der nächste Schritt wird sein, dass die Kindergärtnerinnen es auch auf dem Spielplatz mit abhalten versuchen. Wenn eine Panne passiert, sagt sie sofort Bescheid. Das ist ja wenigstens auch mal was
Seitdem wir nachts nicht mehr stillen, sind auch die Windeln morgens immer öfter trocken. Ganz deutlich kann man aber das Verhältnis beobachten: Vor dem Ins Bett Gehen nochmal gepinkelt, nachts durchgeschlafen oder um 12 nochmal gepinkelt, nur ein paar Schluck Wasser getrunken = trocken, nachts massig Durst, öfter aufgewacht = nasse Windel morgens. Auch ok. Lässt sich halt leider nicht voraussagen
Großes Geschäft - nach wie vor zuverlässig, sie sagt es auch vorher an: "Tata!". Es kommt gaaanz selten mal ein Unfall vor, aber das sind wirklich große Ausnahmen...ich werde dann auch ganz nervös, weil ich mit einem Kacka-Windelwechsel ernsthaft überfordert bin - sowohl indoor, als auch outdoor
Fazit: Unser Teilzeit-Windelfrei funktioniert prima, vielleicht mutet es etwas stressig an, aber wir möchten es nicht missen. Mit Wundheit etc. hatten wir nie Probleme, und auch das Rumsitzen mit nacktem Po auf unserem Dielenboden hat keine negativen Auswirkungen gezeigt. Ich finde es faszinierend, was für ein Körpergefühl auch schon so Kleine haben können und bin froh, dass wir das ihr und uns ermöglichen konnten. Charis hat sich nie großartig gegen die Windeln gewehrt (außer wie gegen das Anziehen generell), und wenn sie unterwegs getragen wird und mal muss, dann pullert sie auch schon mal einfach los, da kannte sie noch nie was. Trotzdem wird es mit zunehmendem Alter und Artikulationsfähigkeit schon klar, dass sie es bevorzugt, ohne Windel zu sein. Und dass sie öfter mal anhält, bis sie es zum Töpfchen geschafft hat. Klarer Fall von Schließmuskelkontrolle
Ein weiterer Nebeneffekt, den ich sehr schätze: Wir hatten mit Babypflegeprodukten nie etwas zu tun. Ganz am Anfang haben wir den Muttermilchstuhl mit Öl auf Klopapier entfernt, als das Abhalten losging, nur noch mit fließend Wasser nachgewaschen. Und so ist es bis heute geblieben - Charis' Popo hat dreimal im Leben in Notlagen ein Feuchttuch gesehen.
Ob sie letztendlich früher "trocken" wird, oder nicht, ist mir eigentlich egal, hauptsächlich geht es mir darum, dass sie so viel wie möglich ohne Windel sein kann und das mit so wenig wie möglich Aufwand für alle Beteiligten verbunden ist. Aber die "Erfolge" stellen sich schon sichtbar ein, und zum Glück waren auch die Kindergärtnerinnen der ganzen Sache gegenüber sehr aufgeschlossen, nachdem Charis von selbst im Kinderladen angefangen hatte, das Töpfchen aufzusuchen.
Ich denke, dass es ein Zurück zum Vollzeitwickeln für uns nicht mehr geben wird, momentan zeigt die Tendenz eher in Richtung Tagsüber vollzeit ohne Windel. Die Tragezeit wird ja auch immer kürzer, und große Strecken legen wir mit ihr eher selten zurück. Ich trau mich auch immer öfter, ohne Windel mit ihr rauszugehen, wenn sie einpullert, hab ich halt eine Ersatzhose und Ersatzsocken dabei. Die Pinkelabstände sind auch deutlich größer geworden, vor allem morgens und nach einem Mittagsschlaf ist es schon erstaunlich, was für eine Menge da raus kommt.
Der nächste Schritt zuhause wird wohl das große Klo sein - da ist sie heftig dran interessiert und will auch drauf. Wahrscheinlich müssen wir bald mal so einen Sitzverkleinerer oder gar ein Gestell mit Treppe anschaffen. Eigentlich fast schade, das Ende der gemeinsamen Klosessions zuhause: Mama/Papa auf dem Großen, Charis daneben, das ließ sich immer so gut verbinden, vor allem morgens
Fazit: Windelfrei oder besser gesagt: Ausscheidungskommunikation - jederzeit gerne wieder in einem unstressigen Rahmen. Nicht so sehr auf die Anzahl der Treffer und Pannen achten, mehr einfach passieren lassen und gelegentlich neue Impulse setzen und beobachten, ob das Kind darauf reagiert.
