Das ganze ist nicht als Wertung gemeint – ich hab es echt noch nicht kapiert.
Ich versuchs mal mit Beispielen (ich sag jetzt immer „ihr sagt“ – jedenfalls hab ich es so in Erinnerung, ich hoffe, ich gebe euch richtig wieder).
Beispiel 1: Ihr sagt, ihr „erzieht“ nicht, da ihr keine Erziehungsziele habt. Echt? Gar keine?? Ich habe keine Ziele für meinen Sohn im Sinn von „er soll Abi machen und dann Jura studieren“ oder so. Aber doch solche Ziele wie „Er soll keine Umweltsau werden und seinen Müll in die Landschaft schmeißen“. Um dieses Ziel zu erreichen, bin ich ihm ein Vorbild; er kennt jetzt schon den Mülleimer, wirft seine Bananenschale selber weg.
Ist es euch egal, wohin euer Kind den Müll schmeißt (um beim Beispiel zu bleiben)? Ist nach eurer Definition nur „Erziehung“, wenn mit Konsequenzen gearbeitet wird? Zählt Vorbild sein und selbstverständlich vorleben nicht dazu?
Beispiel 2: Ihr sagt, „Prinzipien“ gibt es nicht. Auch wieder: Echt? Gar keine? Für mich ist z.B. Gewaltlosigkeit ein echtes Prinzip – ein „Man-tut-nicht“-Prinzip. Man tritt einfach niemanden mit voller Absicht vors Schienbein. Punkt. Da gibt es gar keine Diskussion. Ja, man muss dann darüber reden, woher kommt die Aggression und anerkennen, dass der andere vielleicht übelst provoziert hat. Aber Treten ist Tabu. Da muss ich als Mutter dem Kind helfen, andere Strategien zu entwickeln. Das ist für mich Erziehung.
Beispiel 3: Ihr sagt, ihr habt keine willkürlichen Grenzen, sondern nur „echte“ Grenzen, die natürlich im Zusammenleben entstehen.
Euer Kind, sagen wir mal, 3 Jahre alt, malt mit Filzstift die Tapete an. Eure Grenze ist erreicht. Was tut ihr? Ich würde ihm den Filzstift wegnehmen – ggf. meine körperliche Überlegenheit ausnutzend – und ich würde schimpfen. Je nachdem, ob das eine neue Situation ist, oder er es eigentlich wissen müsste, mehr oder weniger. Immer begründend, aber doch auch laut und deutlich. Ich finde, man kann mit der Stimme auch zeigen, wie weit eine Grenze schon überschritten ist, das macht es dem Kind einfacher, zu kapieren, ui, da war ich wohl einen Schritt zu weit.
Wie würdet ihr vorgehen? Und wenn ihr irgendwie reagiert – warum ist das dann keine Erziehung?
Beispiel 4: Nochmal zu den „natürlichen Grenzen“. Es gibt Spaghetti und der Sohn will zum 4. Mal Käse streuen, weil der das Streuen so toll findet. Der Käse war aber teuer und mühsam gerieben = die Grenze ist erreicht. Ich würde einfach sagen „Iss erstmal den anderen Käse auf, dann kannst du dir noch nehmen.“ Begründet ihr alles, was ihr sagt, damit auch 100% kein Missverständnis aufkommen kann, dass das nicht vielleicht doch eine willkürliche Ansage ist?
Falls der Sohn dann aber immer noch weiter Käse streuen will, stelle ich den Käse weg – die Überlegenheit ausnutzend. Würdet ihr das nicht tun und den Sohn sämtlichen Käse verschwenden lassen? Würdet ihr mit einem 3-Jährigen diskutieren, ob er den Käse verschwenden darf und ihn dann lassen, wenn er eure Begründung nicht nachvollziehen kann? Wenn nein - warum nennt ihr das dann nicht Erziehung?
Das ist jetzt ziemlich lang geworden – wie gesagt, ich denke schon eine Weile nach
Und jetzt hoffe ich, dass sich jemand durch meinen langen Text kämpft und Antworten geben kann!
11/03 ,
07/07 und
06/09


