Beim Googlen bin ich auf dieses Forum gestoßen und hoffe sehr, hier noch ein paar hilfreiche Tipps mitnehmen zu können
Mein drittes Kind ist nun 7 Monate alt. Sie kam, wie bereits meine erste Tochter, mit einer Gaumenspalte zur Welt. Bei beiden wurden wir nach der Geburt damit überrascht.
Ich war bei meiner ersten Tochter unendlich traurig, dass ich sie nicht stillen konnte. Damals fehlte es mir an Erfahrung und Unterstützung. Ich habe deshalb für sie abgepumpt und sie bis zum ersten Geburtstag ausschließlich mit Muttermilch versorgen können.
Meine zweite Tochter konnte ich problemlos stillen. Ich habe es geliebt!
Nun, bei meinem dritten Kind, habe ich alles daran gesetzt, sie nach der OP stillen zu können. Ich profitiere jetzt von meinen Erfahrungen der ersten beiden Kinder.
Meine Tochter wurde mit 5 Monaten operiert. Bis zwei Wochen vor der OP trank sie noch an der Brust (sie schaffte es, den Milchspendereflex auszulösen und ein paar wenige ml zu trinken). Das übten wir täglich. Ansonsten bekam sie ausschließlich Muttermilch über die Flasche. Dann plötzlich zwei Wochen vor der OP verweigerte sie die Brust - man spürte, dass sie frustriert war, immer nur ein wenig was zu bekommen. Ich entschied mich, ihr bis nach der OP eine Pause zu geben und nicht vorher noch mit Hilfsmitteln anzufangen, da ich merkte, dass es für uns beide zu viel war.
Ich wollte gerne nach der OP direkt mit der Brust beginnen (ggf. mit Stillhütchen und Brusternährungsset). Doch es kam alles anders: meine Kleine war völlig überfordert von ihrem neuen Mund, sie konnte nicht mehr trinken, nichtmal mehr an der Flasche. Sie schrie vor Überforderung, die Brust war in dieser Zeit "nur" Trostgeber und das wollte ich uns nicht kaputt machen. So bekamen wir sie allerdings auch nicht von der Magensonde los. Mein Mann schaffte es schließlich, dass sie die Flasche zumindest im Mund tolerierte, und er drückte auf den Sauger, damit Milch in ihren Mund fließen konnte, die sie nur noch schlucken musste. Sie machte nichtmal mehr einen Lippenschluss an der Flasche. Zumindest konnten wir so aus dem Krankenhaus entlassen werden. Zuhause besserte es sich dann zum Glück nach etwa einer Woche, wir mussten aber sogar zeitweise auf einen Sauger mit größerem Loch umsteigen, damit sie wieder Sicherheit gewinnen kann. Das konnten wir zumindest wieder ändern. Nach einigen Wochen trank sie mal mehr mal weniger gut an der Flasche, jede Unsicherheit führt jedoch dazu, dass sie ihr neu gelerntes Trinkmuster verliert und mehr auf der Flasche kaut, anstatt richtig zu saugen. Man spürt, dass es einfach nicht intuitiv ist und dass sie es sich beim Trinken an der Flasche so leicht wie möglich macht und das Saugen, dass so nötig ist, um den Gaumen zu trainieren, nur sekundär genutzt wird, um Milch zu bekommen.
Als sie 6 Monate wurde, begann ich sie anzulegen. Direkt an der Brust ging aber bereits wenige Tage nach der OP schon nichts mehr, sie war koordinativ völlig überfordert und konnte plötzlich ihr Trinkmuster an der Brust nicht mehr abrufen, obwohl es nach der OP sogar noch gelang, dass sie daran saugte. Also stillte ich sie mit Stillhütchen und Brusternährungsset. Das klappte zunächst gut, dann aber wurde sie immer ungeduldiger. Vermutlich war ihr der Fluss nicht stark genug, damit die Brust eine akzeptable Konkurrenz zur Flasche sein konnte. Es war sichtlich zu anstrengend, sie mühte sich sehr ab und brauchte dennoch etwas 40 Minuten für eine Portion.
Dann wurde meine Kleine nach 1,5 Wochen Stilltraining krank. Die großen Schwestern hatten Influenza aus dem Kindergarten angeschleppt. Ich hatte keine Wahl, als das Stilltraining zu pausieren. Ich nutzte die Zeit, um mein Equipment zu verbessern und bestellte eine Magensonde, die ans Brusternährungsset passte, um den Milchfluss zu verstärken. So haben es bereits zwei Frauen, die ich über Facebook kennen gelernt habe, geschafft, ihr Kind nach Gaumenverschluss an die Brust zu bekommen. Das war und ist nun aktuell meine letzte Hoffnung.
Insgesamt dauerte es nun fast 2 Wochen, bis wir einen neuen Versuch starten konnten. Die Grippe war zwar nach etwa einer Woche ausgestanden, aber plötzlich trank sie mal wieder nicht richtig an der Flasche, sondern kaute mal wieder nur darauf herum und trank ihre Portionen über 1-2 Stunden verteilt. Wir vermuten, dass es vom Zahnen kam.
Nachdem es sich nun endlich wieder gebessert hat, habe ich sie heute endlich wieder mit Stillhütchen und Brusternährungsset angelegt. Zunächst war sie nicht an die Brust zu bekommen und ich dachte schon, dass es das nun war. Es war wie schon so oft: auch hier hat sie ihr Trinkmuster vergessen. Nach 10 Minuten hartnäckig bleiben nahm sie aber endlich das Stillhütchen in den Mund kaute und begann dann glücklicherweise wieder zu saugen. Dank des neuen Schlauchs klappte es richtig gut und es war deutlich zu sehen, dass sie diesmal zufrieden war.
Das ist nun mein aktueller Stand.
Was mich aktuell vor allem beschäftigt ist die Frage, ob es denn "sicher" ist, dass sie über diese Methode wirklich wieder stillen lernen kann? Sie hat schon geschafft, den Milchspendereflex auszulösen, aber ich frage mich, wie das genau gelingen soll, dass wir das Brusternährungsset nicht mehr brauchen? Bei unserem letzten Versuch zeigten sich nach 1,5 Wochen eigentlich keine nennenswerten Fortschritte. Es war aber eben auch durch den wohl zu geringen Fluss für meine Tochter oft frustrierend, so kann man ja dann auch nicht unbedingt das Saugmuster lernen und trainieren. Ich muss auch dazu sagen, dass sie nachts und gelegentlich unterwegs die Flasche bekam. Das würde ich eigentlich jetzt auch wieder machen, weil es für mich sonst sehr fordernd wird, habe ja noch zwei weitere kleine Kinder und ich auch nicht wochenlang Zuhause gefesselt sein will. Ich bin aber unsicher, ob uns das letztendlich nicht im Weg steht, wenn es eben an der Flasche so leicht fließt?
Liebe Grüße und schonmal ein großes Dankeschön!
Sandra