Ansichten meines Vaters

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Tweety2606
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Ansichten meines Vaters

Beitrag von Tweety2606 »

Hallo! Ich hoffe, dieser Fred passt hier rein, was passenderes finde ich grade nicht ;) Falls doch, bitte verschieben.

Warum ich schreibe... Ich fürchte, früher oder später werde ich mit meinem Vater bezüglich unserer "Erziehungsmethoden" kollidieren. Für meinen Mann und mich ist klar, dass wir unseren Kleinen nicht schreien/weinen lassen, sofern möglich, und falls wir keine Ursache finden, dann wird er eben gehalten und es wird zugehört. Okay, meckern lassen wir ihn schon ab und zu, wenn es z.B. mit seinem Spielzeug nicht so klappt, wie er will. Aber wir können deutlich unterscheiden, ob er nur so meckert oder ob er quenglig wird (ein Zeichen für Hunger oder müde) - schreien/weinen ist ja noch mal eine Stufe heftiger.

Man muss vielleicht vorher noch sagen: Sowohl ich als auch mein Bruder sind Flaschenkinder (ich kam in der 33. SSW mit heftiger Lungenentzündung zur Welt und verbrachte die ersten acht Wochen auf der Säuglingsstation in einem anderen KKH, meine Mutter pumpte zwar, aber es reichte nicht und bei meinem Bruder wäre sie beinahe verblutet und die Medikamente verhinderten wohl, dass die Milchbildung richtig in Gang kam). Wir schliefen von Anfang an in unserem Zimmer in unserem Bett. Ich sei von Anfang an eine sehr gute Schläferin gewesen, man musste mich immer zum Essen wecken.

So. Mein Vater vertritt noch die Ansichten "Ach, lass ihn mal schreien, ist gut für die Lungen!", "Renn nicht gleich, ihr verwöhnt ihn nur!", "Seht ihr, er weiß schon, dass ihr kommt wenn er schreit, deshalb schreit er auch bei Kleinigkeiten! Er weiß schon genau, wie er bekommt, was er will!" :roll:
Leider kann ich meinem Vater durch freundliche Worte nicht klar machen, dass das veraltete Ansichten sind. Ich habe ihm schon öfter gesagt, dass wir Krümel nicht weinen lassen wollen, dass man Kinder in dem Alter noch gar nicht verwöhnen kann. Auch dass unser KiA, unsere Hebamme und viele Fachleute das so sehen, bringen ihn nicht zur Einsicht. Er tut das immer ab. "Ach, ein bißchen schreien hat noch keinem geschadet!" mit einem leichten Grinsen im Gesicht...
Naja, immerhin versteht, dass wir Familienbett machen, denn sonst "musst du ja dauernd aufstehen zum Stillen, ist schon klar, dass das so bequemer ist." Und auch gegen das Tragen hat er sich noch nicht ausgelassen oder dass ich in der Öffentlichkeit stille.
Am Sonntag waren wir mit meinen Eltern essen. Krümel war ganz begeistert dabei, immerhin durfte er Pommes und Gemüse manschen. Doch dann wurde er ziemlich quenglig, immerhin war er schon um die drei Stunden wach. Mein Mann hat fertig gegessen, den Kleinen geschnappt und ist mit ihm Buzzi raus. Hat auch wunderbar geklappt. Hinter uns saß ein Pärchen mit einem 6 Wochen alten Baby (haben wir rausgehört, als sie sich mit den Tischnachbarn unterhalten haben), das sie sofort nach dessen Geburt zur Pflege bekommen haben. Es schlief im KiWa, hat sich kurz gemeldet und hat dann auf dem Arm vom Pflegepapa selig weitergeschlummert. Mein Vater: "Das ist halt der Unterschied, wenn es ein Flaschenkind ist. Schläft einfach weiter. Und bestimmt auch durch." :roll: Alle Versuche, ihn davon zu überzeugen, dass sich ein Kind sicher fühlen muss, um einzuschlafen (ist halt bei uns an der Brust und in der TH der Fall) und dass die Kinder öfter aufwachen, um nach dem Rechten zu sehen und eben nicht alle Kinder alleine wieder einschlafen können bzw. das erst mit der Zeit kommt, schlugen fehl. Auch der Hinweis, dass wir Erwachsenen ja nachts auch immer mal wieder wach werden, aber es halt in der Regel schaffen weiter zu schlafen, brachte nix.
Und gestern dann auch noch: "Sitzt er schon im Hochstuhl? Da kannst ihn ruhig schon reinsetzen, er hält sich doch schon gut." - ja, Krümel hält sich auf dem Arm schon schön aufrecht und versucht auf dem Schoß Sit ups, aber von sicher sitzen kann noch keine Rede sein. Auch hier scheiterten alle Erklärungsversuche.

Ich habe mir mittlerweile ein paar Sprüche zurecht gelegt, allerdings fallen mir die in den Situationen nie ein. Solange ich oder mein Mann dabei sind, kein Problem, wir können eingreifen. Aber wenn meine Eltern alleine mit dem Zwerg sind... Meine Mutter sieht in unserem Denken keine Probleme, aber sie kann sich eben nicht gegen meinen Vater durchsetzen. Mein Vater ist leider jemand, der gerne Recht hat, dessen Ansichten die einzig richtigen sind und mit Kritik seitens seiner Familie überhaupt nicht umgehen kann...

Wie geht es euch mit euren Ansichten und euren Eltern?

Sorry für den ewig langen Post und danke fürs Lesen. Tat gut, das mal zu teilen.
Tweety mit Krümel (*01/2014), Käfer (*08/2016) und Knöpfchen (*05/2020)
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lupiwo
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Re: Ansichten meines Vaters

Beitrag von lupiwo »

Meine Schwiegermutter hat die selben Ansichten wie dein Vater.
Da ich nicht weiß ob sie mir direkt bescheid sagen würde wenn der Krümel weint bleibt er nicht alleine bei ihr (sie wohnt nebenan).

Mein Kind - meine "Erziehung".
Liebe Grüße Lupiwo mit Krümel (*02/2014)
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anirahtaK
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Re: AW: Ansichten meines Vaters

Beitrag von anirahtaK »

Mein Kind - meine Erziehung. Punkt.
Meine Mutter muss nicht verstehen wie ich etwas mache und wenn sie es nicht akzeptiert ist das ihr Problem und nicht meins. Ich würde an deiner Stelle die Erklärungsversuche einstellen und nur noch stur sagen "ich/wir machen das anders".
Wann/wie oft ist euer Krümel denn allein bei deinen Eltern, dass du bedenken hast?

Zwergin * 12.12.12

Moppetüte *12.12
- eines Tages fällt dir auf, dass du 99% gar nicht brauchst -
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Purzel1975
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Re: Ansichten meines Vaters

Beitrag von Purzel1975 »

Sowas ähnliches hab ich auch hinter mir. Erst, als ich aufgehört habe, mich zu erklären, wurde es besser. Mittlerweile, nach 8 Jahren hat endlich jeder kapiert, dass wir unsere Kinder einfach anders großziehen, als andere das tun. Und auch, dass ich auf Einmischung pfeife und einfach nicht drauf reagiere. Lass ihn reden frei nach dem motto:zur einen Seite rein, zur anderen raus. Verstehen wird er eh nicht, warum dein Kind nicht schreien muss, keinen klaps bekommt etc. ..... also to durchatmen und dich nicht verteidigen ;-) is anstrengend, aber ich befürchte, nen anderen weg gibt es nicht.

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Purzel1975
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Re: Ansichten meines Vaters

Beitrag von Purzel1975 »

Ach, und wenn dein Kind allein dort ist, würd ich einfach sagen, dass er ihn entweder nicht schreien lässt etc oder du ihn nicht dort lässt. Da wär ich auch echt hartnäckig.

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Sternenfaengerin
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Re: Ansichten meines Vaters

Beitrag von Sternenfaengerin »

mir hat es geholfen aus der "erklär-nummer" rauszugehen, denn fakt ist: WIR müssen NIEMANDEM irgendwas erklären.
bei sprüchen wie "der wird doch nicht satt, du musst ihm die flasche geben, etc." hab ich irgendwann gesagt, dass wir das so machen, wie wir das denken.
ansonsten abgrenzen. ganz klar: das ist UNSERE sachen, das geht dich nichts an.

es geht garnicht darum in gut/schlecht zu werten.

vielleicht wäre es auch gut sowas in der richtung zu sagen: "ich weiß, dass ihr euer bestes bei uns gegeben habt udn das rechne ich euch hoch an, ihr habt mich zu einem eigenständigen menschen erzogen, der seine entscheidungen selber treffen kann und dafür bin ich euch sehr dankbar."

also garnicht: ihr hättet das bei mir/uns anders machne müssen, sonder es wirklcih (!) okay sein lassen.

können dir die ansätze weiterhelfen?

fakt ist: er muss nicht einverstanden sein mit seinen ansichten. du musst nicht überzeugen.

p.s.: ich weiß, das ist anstrengend und das braucht man, wie sonstwas, aber ich glaube mit einer lieben sicht auf deinen vater und "bei dir bleiben", ist dir am meisten geholfen. du wirst ihn nämlich auch nicht ändern. wenn, dann ändert er sich selbst.
Sternenfaengerin
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Re: Ansichten meines Vaters

Beitrag von Sternenfaengerin »

Purzel1975 hat geschrieben:Ach, und wenn dein Kind allein dort ist, würd ich einfach sagen, dass er ihn entweder nicht schreien lässt etc oder du ihn nicht dort lässt. Da wär ich auch echt hartnäckig.

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hier mag ich mich noch ganz klar anschließen!
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Zouri
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Re: AW: Ansichten meines Vaters

Beitrag von Zouri »

Ach Mensch, das ist immer doof, wenn sowas ist. Man liebt ja seine Eltern und möchte ihnen auch gern Zeit mit ihren Enkeln ermöglichen (also meistens)...

Ich habe mit meiner Mutter Glück, die akzeptiert meine Ansichten, hat mir erzählt, dass sie meinen Bruder und mich auch getragen hat und hat ihn sehr lange gestillt (ich war ihr erstes Kind, da hat sie sich noch reinreden lassen). Tut jetzt nix zur Sache, sorry. Worauf ich hinauswollte:

Mein Schwiegervater hat auch schon etwas seltsame Sprüche rausgehauen, weshalb unsere Kleine nicht allein bei ihm bleiben wird. Sollte er jemals fragen, werde ich ihm auch ganz direkt und ehrlich sagen, weshalb.

Ich denke, in solchen Fällen hilft tatsächlich nur eine klare Abgrenzung (es ist dein Kind und du machst es so, wie du es für richtig hälst). Sei einfach ehrlich, sag ihm, dass es dich traurig macht, dass er dich als Mutter offenbar nicht ernst nimmt und du dir wünschst, dass er deine Meinung akzeptiert und respektiert. Wenn du weiterhin ein ungutes Gefühl hast dein Kind bei ihm zu lassen, dann tu es nicht.

Hör auf dein Gefühl!

Liebe Grüße
Zouri
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Linda89
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Re: Ansichten meines Vaters

Beitrag von Linda89 »

Hallo,

ich habe die Antworten nicht gelesen, mag dir aber unbedingt antworten. Entschuldige, falls es zu wirr ist, ich hab so viel im Kopf, was ich in Worte fassen will, dass es zu viel ist ;)

Ich habe so ziemlich exakt die gleiche Situation wie du und wünsche mir, dass ich schon vor einem Jahr gewusst hätte, wie ich damit umgehen soll (heute weiß ich es). Meine Schwiegermutter ist wie dein Vater (lies gerne meine Antworten im Schwiegermutterthread durch ;) ). Ich Depp hab sogar den Kleinen mit vier Monaten ein paar Mal für einige Stunden dort gelassen, das würde ich heute nie und nimmer mehr tun.

Meine Schwiegermutter hat uultra andere Ansichten als ich, bzw. wir, und sie sagt nicht "Mach das doch lieber so, das ist besser!", sondern sie sagt ernsthaft sowas wie "Mag ja sein, dass ihr Mathematiker mit eurem Bücherwissen und Computern super gut klar kommt. Aber in Sachen Kindererziehung habt ihr überhaupt keine Ahnung. Was in Büchern steht und was Ärzte sagen könnt ihr total vergessen, ich habe vier Kinder großgezogen und allein ich weiß wie es geht." Das war jetzt nicht wortwörtlich, aber fast!!!!

Ich mag meine Schwiegermutter echt überhaupt nicht, ich komem nicht mit ihr klar. Ich traue mich bei denen nicht mal, mir einen Kaffee zu machen, seit sie mich uuuuultra runter gemacht hat, weil ich an meinem Geburtstag für meine Familie in ihrer Küche einen Kuchen gebacken habe und ihr einen mitgebacken habe. Ach Mist, sorry, ich rege mich offtopic auf.

Ich versuche, zurück zum Thema zu kommen. Mein Umgang damit ist mittlerweile einfach nicken und lächeln. Mein Freund wollte anfangs (bestimmt die ersten zehn Monate im Leben unseres Sohnes), dass ich mich mit ihr vertrage, weil "sie es ja auch nur gut meint". Aber irgendwann hatten wir (nach einem bösen Vorfall wieder, sie hat unseren Sohn ein "sehr, sehr trauriges Kind" und "zurückgeblieben" genannt, weil er mit 9 Monaten stehen, aber nicht laufen konnte und bei ihr wenig gelacht hat) auch ein Gespräch mit der Schwester meines Freundes gehabt. Sie ist wohl als älteste schon mehr mit ihrer Mutter angeeckt als mein Freund und hat daher mehr Erfahrung darin. Die haben ihr Kind (einen Monat älter als unserer) von Anfang an nicht alleine zur Oma gelassen. Er kommt da erst alleine hin, wenn er danach ordentlich erzählen kann, was sie mit ihm gemacht hat (ich bin übrigens ein klitzekleines bisschen sauer auf die Schwester, dass die uns das nicht geraten haben und wir es erst am eigenen Leib lernen mussten...).

So nun ist auch unser Motto: Unsere Kinder kommen erst alleine zu meiner Schwiegermutter, wenn sie sich ordentlich artikulieren können. Wenn sie dumme Kommentare macht, nicke ich einfach und lächle. Beispiel: Als der Kleine so drei Monate alt war "Der kann ja von der Plörre gar nicht satt werden, der muss mal was ordentliches bekommen und auch mal schreien gelassen werden. Glaub mir, dass tut dir mehr weh als ihm!", ich nur "Ja *nettlächel*". (Nebenbei: Als mein Freund Monate später erfahren hat, dass seine Mutter meine Milch als Plörre bezeichnet hat, ist er voll ausgetickt :knutsch ).

Du kannst deinen Vater nicht ändern. Er hat seine Kinder so behandelt, also kann er nur das als richtig empfinden. Wenn er einsehen würde, dass das total schädlich ist, würde er sich ja eingestehen, dass er seinen Kindern geschadet hat und das lässt die Psyche nicht zu. Sage also "Ja", lächle nett und gib ihm deine Kinder erst, wenn sie sich ordentlich artikulieren können.

Im Nachhinein hätte ich gerne gehabt, dass mein Sohn nie bei der Oma gewesen wäre. Er war schon sehr früh ab und zu mal stundenweise von Freunden von uns betreut, die haben das soooooooo super gemacht, wozu braucht man da ne Oma? :)

Sorry wegen dem vielen Text und meinen Ausfallern ;)
Sohn Juli 2013, Tochter Januar 2015, Tochter Juni 2019, Tochter März 2021
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Linda89
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Re: Ansichten meines Vaters

Beitrag von Linda89 »

PS Noch was. Es ist ohne Quatsch einfacher, wenn die eigenen Eltern so andere Ansichten haben. Meine Schwiegermutter findet mich nur noch mehr scheiße, weil ich mein Kind "misshandle" (Z.B. Tragen), aber wenn meine Eltern mir sagen, was ich falsch mache, weiß ich, dass sie mich trotzdem lieben und dann kann ich besser damit umgehen :)
Sohn Juli 2013, Tochter Januar 2015, Tochter Juni 2019, Tochter März 2021
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