Danke für Deine Antworten!
Der Fall scheint mir sehr eindeutig zu sein: Dein Baby hat sich an das Flaschetrinken gewöhnt und ist gerade dabei, sich von der Brust in Richtung Flasche umzugewöhnen. Wenn Du das Stillen retten möchtest, musst Du die Notbremse ziehen, und zwar möglichst bald (denn mit 4 Monaten ist Dein Baby kein Neugeborenes mehr, sondern schon ziemlich "Gewohnheitstier" sozusagen).
Seit 6 Woochen habe ich eine elektrische Milchpumpe, weil ich der Meinung war, dass der Kleine zu wenig trinkt und habe nach dem Stillen und Nachts während des Schlafens ihm die Flasche gegeben.
Wie kam es dazu? Warum warst Du der Meinung, dass Dein Baby zu wenig trinkt?
Heute ließ ich es drauf ankommen und nach 2-3 Minuten Geschrei, hat er wieder die Brust angenommen. Mir erscheint dies jedoch auf Dauer keine schöne Lösung. Ich kann und darf ihn wahrscheinlich nicht vor jeder Mahlzeit so lange schreien lassen!
Naja, Du hast ihm die Flasche ja vorgesetzt, jetzt "nimmst Du sie ihm wieder weg". Da ist es doch sehr verständlich, dass Dein Baby protestiert (eigentlich super, dass es nur 3 Minuten waren!..). Hilf ihm, von der Flasche wieder weg zu kommen, als Euer gemeinsamer Weg.
Er fängt ja an zu nuckeln aber da aus der Brust nicht sofort was kommt, sind ihm diese 3 Sekunden saugen schon zu viel. Es wird erst dann gesaugt, wenn die Milch von alleine fließt
Genau, ein ganz klassisches Zeichen für zunehmende Flaschengewöhnung.
hmmm, ich bin bisher von der faustregel ausgegangen: 150ml pro kg Körpergewicht.
Diese Faustregel ist extrem ungenau und gilt für Stillbabys definitiv nicht. Die 24-Stunden-Trinkmenge eines Stillbabys ist von mehreren Faktoren (Alter, Geschlecht, Gewicht, Gesundheitszustand etc.) abhängig. Lawrence und Lawrence geben in "Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession", Ausgabe 1999, folgende Durchschnitts-Trinkmengen (in ml, mit Standardabweichung) in 24 Std. an:
jünger als ein Monat 673 +/- 192
1 bis 2 Monate 756 +/- 170
2 bis 3 Monate 782 +/- 172
3 bis 4 Monate 810 +/- 142
4 bis 5 Monate 805 +/- 117
5 bis 6 Monate 896 +/- 122
Du siehst, das passt zu der Faustregel überhaupt nicht. Deutlich mehr als einen Liter täglich trinkt Dein Baby garantiert nicht, sondern der Mittelwert in dem Alter liegt bei 800 ml, und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Bereich 700-900 ml.
Er trinkt im Schnitt 7x innerhalb von 24h aber wenn er Nachts durchschläft, dann sind es halt nur 5x.
Das ist sehr selten, und ebenfalls ein deutlicher Hinweis darauf, dass Dein Baby sich derzeit ans Flaschetrinken gewöhnt, was in der Regel mit vergleichsweise großen und seltenen Mahlzeiten einhergeht (anstatt eher häufige, kleinere Mahlzeiten beim Stillen).
Stillbabys trinken normalerweise durchschnittlich 8-12 mal in 24 Stunden. Für ein Baby, das etwa 800 ml täglich trinkt, ergeben sich daraus durchschnittliche Portionengrößen von ca 60-80 ml pro Mahlzeit.
Seitdem er in den Genuss der Flasche gekommen ist, hab ich Andock-Probleme.
"Genuss" ist gut...

wenn man die Folgen bedenkt:
Er will das Hütchen erst dann in den Mund nehmen, wenn da Milch rausfließt oder wenn er sich so sehr die Seele aus dem Leib geschrieen hat, dass er keine andere Wahl hat als trinken zu müssen.
Das ist zweifellos eine große Belastung für Euch beide. Die Frage ist also, wie Du Dein Baby SANFT zurück an die Brust gewöhnen kannst. Dein Baby muss sich wieder daran gewöhnen, dass es "erstmal" so saugen muss, ehe es reichlich fließt, und Dein Baby muss wieder flexibel in seinen Erwartungen werden, was das Fließverhalten der Milch anbelangt. Möglicherweise ist auch das Andocken als solches inzwischen gestört, d.h. Dein Baby hat sich bereits an das Mundgefühl des Flaschensaugers anstatt des Brusthütchen gewöhnt und assoziiert das Flaschensaugergefühl mit Wohlgefühl und Sattwerden. Hier müssen wir also ansetzen.
Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
ja, alle 3.
Wie oft pro Tag bekommt Dein Baby denn den Schnuller? Gibt es z.B. Tage, an denen es komplett schnullerfrei ist?
Bitte beantworte doch noch kurz die Fragen, und dann überlegen wir gemeinsam, wie ein geeignetes Rückgewöhnungsprogramm für Euch aussehen könnte.
Einverstanden?
Ich hoffe diese ersten Hinweise sind hilfreich für Dich,
Rückfragen immer gerne und
LG
Julia