aktuell stehe ich vor einem Problem, was mich wohl die nächsten Jahre nicht loslassen wird - Die Schule.
Mein Sohn ist jetzt in der zweiten Klasse der ortsansässigen Ganztagsschule. Er ist von 8 bis 16h dort.
Pia Ziefle beschreibt mein / sein Problem ganz wundervoll eindrucksvoll in folgendem Blogbeitrag:
http://www.piaziefle.de/event-event-die ... it-brennt/
Besonders diesen Teil kann ich sehr unterschreiben:
Mein Sohn ist sehr sehr sehr ehrgeizig und kann schlecht mit Frust umgehen. Er will immer (und sei es bei der unwichtigsten Kleinigkeit) der Beste sein und ALLES wirklich ALLEs, sogar die Freistunden werden mit Aktivitäten und Leistungsdruck gefüllt. Schon die Zweitklässler schieben Panik, nicht aufs Gymnasium zu kommen. Der ganze Tag ist vollgepackt. Einfach nur Spielen gibt es nicht. Da wird Fussball angeboten und Basketball oder auch Handwerken.Moderne Grundschulkinder können keinen Schritt mehr machen ohne das zugehörige Lied, die zugehörige Geste, das zugehörige Sprüchlein. Wo früher “trenne nie st, denn es tut ihm weh” einen gewissen inhaltlichen Bezug hatte, müssen heute Pausenlieder gesungen werden, und selbst der Toilettengang wird musikalisch eingeläutet.
Im Fachunterricht steht nicht mehr nur die Lehrkraft am Pult, sondern mit ihr noch eine Handpuppe, die lesen lernen muss, eine andere, die nicht rechnen kann / besonders gut rechnen kann / aus dem Zahlenland kommt, eine weitere, die leider nur Englisch spricht und möglicherweise noch eine für religiöse Dinge.
Warum nur?
“Um die Kinder mit allen Sinnen anzusprechen.” – “Kindgerechte Pädagogik.” – “Um passives Lernen zu ermöglichen.”
Klingt wundervoll, die Realität aber ist, dass Kinder, deren Sinne besonders gut angesprochen werden, den ganzen Schultag über unter Strom stehen. Entweder, weil sie so begeistert sind und nichts verpassen wollen, oder, weil sie schon von der Krippe an gelernt haben, dass in Kindergarten und Schule ein Event den nächsten jagt. Sie können mit den stillen Zeiten dazwischen, in denen alle Kinder in sechs verschiedenen Farben das A nachspuren, überhaupt nichts mehr anfangen.
Diese Kinder kommen nach Hause, und sind vom Schulvormittag auf allen Ebenen ausgelaugt.
Als ich in der zweiten Klasse war hatte ich ca. bis 13h Unterricht, bin dann irgendwann zum Essen um 14h eingetrudelt oder wurde eingesammelt weil ich am Strassenrand was entdeckt hatte. Danach habe ich gespielt. Irgendwelche Sachen zusammengeklebt, angeguckt, Schweine gestreichelt, Blumen ausgerupft. Das ganze mit wem ich wollte und nach meinem Zeitplan. Ich erinnre mich noch, dass ich Nachmittage im Wald verbracht habe - alleine - und meiner Bucheckernfamilie Häuser gebaut habe.
Wenn mein Sohn nach hause kommt geht gar nichts mehr. Er ist müde, aggressiv, genervt und einfach durch. In den Ferien hab ich plötzlich mein Kind zurück.
Geht es euch auch so? Wie geht ihr damit um?





