Schulfrust

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EmiliasGini
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Schulfrust

Beitrag von EmiliasGini »

Hallo ihr Lieben,

aktuell stehe ich vor einem Problem, was mich wohl die nächsten Jahre nicht loslassen wird - Die Schule.
Mein Sohn ist jetzt in der zweiten Klasse der ortsansässigen Ganztagsschule. Er ist von 8 bis 16h dort.

Pia Ziefle beschreibt mein / sein Problem ganz wundervoll eindrucksvoll in folgendem Blogbeitrag:
http://www.piaziefle.de/event-event-die ... it-brennt/

Besonders diesen Teil kann ich sehr unterschreiben:
Moderne Grundschulkinder können keinen Schritt mehr machen ohne das zugehörige Lied, die zugehörige Geste, das zugehörige Sprüchlein. Wo früher “trenne nie st, denn es tut ihm weh” einen gewissen inhaltlichen Bezug hatte, müssen heute Pausenlieder gesungen werden, und selbst der Toilettengang wird musikalisch eingeläutet.
Im Fachunterricht steht nicht mehr nur die Lehrkraft am Pult, sondern mit ihr noch eine Handpuppe, die lesen lernen muss, eine andere, die nicht rechnen kann / besonders gut rechnen kann / aus dem Zahlenland kommt, eine weitere, die leider nur Englisch spricht und möglicherweise noch eine für religiöse Dinge.
Warum nur?
“Um die Kinder mit allen Sinnen anzusprechen.” – “Kindgerechte Pädagogik.” – “Um passives Lernen zu ermöglichen.”
Klingt wundervoll, die Realität aber ist, dass Kinder, deren Sinne besonders gut angesprochen werden, den ganzen Schultag über unter Strom stehen. Entweder, weil sie so begeistert sind und nichts verpassen wollen, oder, weil sie schon von der Krippe an gelernt haben, dass in Kindergarten und Schule ein Event den nächsten jagt. Sie können mit den stillen Zeiten dazwischen, in denen alle Kinder in sechs verschiedenen Farben das A nachspuren, überhaupt nichts mehr anfangen.

Diese Kinder kommen nach Hause, und sind vom Schulvormittag auf allen Ebenen ausgelaugt.
Mein Sohn ist sehr sehr sehr ehrgeizig und kann schlecht mit Frust umgehen. Er will immer (und sei es bei der unwichtigsten Kleinigkeit) der Beste sein und ALLES wirklich ALLEs, sogar die Freistunden werden mit Aktivitäten und Leistungsdruck gefüllt. Schon die Zweitklässler schieben Panik, nicht aufs Gymnasium zu kommen. Der ganze Tag ist vollgepackt. Einfach nur Spielen gibt es nicht. Da wird Fussball angeboten und Basketball oder auch Handwerken.

Als ich in der zweiten Klasse war hatte ich ca. bis 13h Unterricht, bin dann irgendwann zum Essen um 14h eingetrudelt oder wurde eingesammelt weil ich am Strassenrand was entdeckt hatte. Danach habe ich gespielt. Irgendwelche Sachen zusammengeklebt, angeguckt, Schweine gestreichelt, Blumen ausgerupft. Das ganze mit wem ich wollte und nach meinem Zeitplan. Ich erinnre mich noch, dass ich Nachmittage im Wald verbracht habe - alleine - und meiner Bucheckernfamilie Häuser gebaut habe.

Wenn mein Sohn nach hause kommt geht gar nichts mehr. Er ist müde, aggressiv, genervt und einfach durch. In den Ferien hab ich plötzlich mein Kind zurück.

Geht es euch auch so? Wie geht ihr damit um?
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Johana
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Re: AW: Schulfrust

Beitrag von Johana »

Meine Grundschullinder haben bis 12:45 Uhr Schule und dann Freizeit :grin: !!!
Eine halbe Stunde (max 1 Std) Hausaufgaben kommen noch dazu, aber ansonsten haben die nachmittags einfach frei.
Sie sind auch weder überreizt noch sonstwas von der Schule.

Tut mir leid dass es deinem Sohn so schwer fällt!
EmiliasGini
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Re: Schulfrust

Beitrag von EmiliasGini »

So war es bei mir früher auch. Ich hatte glaub ich noch weniger Hausaufgaben. :mrgreen:

Ich fand erst dass das Ganztageskonzept gut klang. Der Sportverein ist auf dem Schulgelände - bzw. nebenan - Hobbys sind also mit eingebunden und Eltern müssen nicht extra fahren. Der Unterricht ist nicht so lange am Stück, es gibt Sport- und Bewegungspausen.
Die Lehrer machen auch einen guten Eindruck. Wir haben hier ein sehr großes soziales Gefälle. Es gibt die eine Dorfseite wo große schicke Häuser stehen und auf der anderen sind Asylantenheime und Plattenbauten. Die Idee an der Ganztagsschule ist, das etwas aufzufangen.

Naja, so sinnvoll ich die Gedanken dahinter auch finde… Mein Sohn ist echt kaputt nach der Schule. Alle sagen er gewöhnt sich da schon dran… Das kommt mit der Zeit. Aber mir tut das so Leid und ich merke auch, dass er mit sich alleine kaum noch was anzufangen weiß. Er braucht schon ständig Begleitung und Anregung.

Hmm.. Helfen könnt ihr mir wahrscheinlich auch nicht. Aber vielleicht kann mich jemand beruhigen?
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Re: Schulfrust

Beitrag von labonea »

Ich habe auch so einige Probleme mit der heutigen Grundschule....

mittlerweile gehen die zwei großen ja....ich finde es ( hier in B ) unglaublich stressig für die Kinder ( und die Eltern) ein strenger Plan wird verfolgt wie z.B. in der 1.Klasse 1 Buchstabe die Woche muss sitzen lesen,schreiben,verstehen,....
Was mich aber am meisten nervt ist diese ,Jedes Kind muss gleich sein , Art die hier stattfindet....jegliche Art von eigenem Charakter wird irgendwie als störung genannt.
Ein sehr ruhiges Kind hat direkt irgendwelche anpassungsstörungen ( früher sagte man halt schüchtern ) ein sehr agiles kind hat direkt Ads ( früher sagte man halt Lebhaft )....nicht jedes Kind kommt gleich im Stoff mit bzw nimmt alleine die Einschulung und den dann damit verbundenen Schulalltag leicht.
Unser großer wurde mit 5,5 Jahren eingeschult heute wissen wir es war zu früh er hat das komplette erste Jahr gebraucht um rein zu finden genau das fehlt ihm jetzt stofftechnisch somit entschieden wir zum zurück stellen nochmal in die zweite Klassenstufe statt in die dritte wo er jetzt eigentlich wäre.
Der zweite wurde nun mit 6,5 eingeschult und es ist ein ganz anderes umgehen von ihm mit der Schule ( sicher auch charakterabhängig ) aber es fällt ihm viel leichter.
Der große liest sehr schlecht hat wenig lust auf schule der zweite hingegen liebt schule , lernt gerne und viel...
Da der große mit seiner Haltung so nicht ins Schulbild passt kommt eben schon einiges an Schulgesprächene tc....hier werden Kinder aller altersklassen sowei den Lehrern was nicht passt ins Sozialpädiatrische Zentrum geschickt für massenweise tests denn irgendwo muss es ja immer dann dran liegen...

Wenn ich mit Freunden aus anderen Bundesländern darüber rede fragen die oft was das ist das gäbe es dort nicht und auch sei der Schulalltag ganza nders wie bei uns, nicht so streng nicht so straff....
Laut Lehrern hier sind 14 Uhr schule und ne stunde Hausaufgaben normal bei 1.klasse und das Kind MUSS sport oder ähnliches 1-2x die woche machen sonst ist es "inder schule " nicht ausgelastet....
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Lösche Benutzer 1828

Re: Schulfrust

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Wir finden unseree Grundschule in B toll - es ist Montessori und ueberhaupt nicht so, wie von Dir geschildert. Wer wann was lernt ist ganz unterschiedlich. Ich empfinde es als individuell.

Hmm, zum Ausgangposting irgendwie auch keine Loesung. Gaebe es denn eine andere Schule als Alternative?
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Re: Schulfrust

Beitrag von Maja »

Die Lieder und Handpuppen finde ich nicht so problematisch, ich glaube das tut vielen Kinder gut, weil sie eben wirklich einen emotionaleren Bezug zu den Themen bekommen als wenn es nur stumpf vorgekaut wird wie früher. Ist sicher auch Geschmackssache.
Der Rest, nämlich ob ein Kind dieses dauernde unter Strom stehen verkraftet, hängt sehr vom Kind ab. Die Sache ist, eine Ganztagsschule müsste das ja auch nicht machen, aber viele haben regelrecht Angst davor, mal Entspannung zuzulassen. Es gibt zwar meistens irgendwo eine Kuschelecke oder es wird auch mal vorgelesen, aber dass es (wie früher oft in den Schulhorten) mal eine Zeit gibt, wo wirklich alle Kinder ruhig auf ihren Matten liegen, der Raum etwas abgedunkelt ist und höchstens Entspannungsmusik läuft, sowas gibt es hier an den Schulen die ich kenne gar nicht mehr. Angeblich, weil die Kinder nicht mehr Ruhe brauchen, sondern sich austoben müssen - also werden sie dauernd über den Hof geschickt zum Rennen und machen mittags noch Tobespiele. Ja, Bewegung ist absolut wichtig, aber Entspannung eben auch - und da haben die Schulen ein riesiges Defizit, weil der Bedarf weder von Lehrern noch von Erziehern gesehen wird. Man hofft halt, wenn sie rennen, dass sie danach wieder still sitzen :roll:
Manche Kinder - so wie meine Große - nehmen sich diese Zeit dann halt trotzdem und basteln oder malen tief versunken irgendwas, das respektieren die Erzieherinnen dann zum Glück. Das kann aber nicht jedes Kind, so mitten in Lärm und Trubel abzuschalte. Meine kleine Tochter konnte das gar nicht und war nach dem Schultag auch immer totfertig. Ich musste sie letztlich aus einer Vielzahl von Gründen trotz guter und sehr guter Leistungen im Unterricht von der Schule nehmen, weil es nur noch Geschrei gab zuhause. Jetzt ist sie an der Waldorfschule, findet die dortige Langsamkeit ehrlich gesagt auch nicht immer toll (sie ist halt dem Schulstoff dort auch schon deutlich voraus) aber zumindest gibt es viele Zeiten über den Tag, wo sie wieder in Ruhe und Konzentration kommt und das tut ihr spürbar gut. An manchen Tagen ist sie trotzdem total durch und fertig (einfach wegen des Lärms und der ständigen Anpassung an die anderen Kinder), an anderen Tagen (vor allem wenn sie nachmittags Kunst-AG hat oder bei der Versorgung der schuleigenen Tiere hilft) ist sie aber wieder richtig gut drauf.

Wirklich "normal" sind meine Kinder aber auch nur in den Ferien. Dann können sie auch plötzlich wieder in normaler Lautstärke sprechen und wollen nicht dauernd Animation von außen.
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zwieback
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Re: Schulfrust

Beitrag von zwieback »

Finde uns in dem Zitat von dir absolut nicht wieder irgendwie.

Kind geht von 7:45-12:10 in die Schule
sie ist aber schon ab ca 7:15 in der schule manchmal auch schon um 7uhr
dienstags hat sie nur bis 11:05 dafür hat sie anschließend noch Kor.
Mittwochs hat sie anschließend noch Blockflöte
beide freiwillig und auf eigenen Wunsch.

Anschließend geht sie in den Hort
dor gibt es Mittag, dann haben sie 45min Zeit für die HA
anschließend zeit zur freien verfügung bis 16:30 kann sie da bleiben

sie spielt einfach nur
oder bastelt
oder macht angebotene Ausflüge mit
je nach dem wie sie Lust hat.

Sie hat totalen spaß an der Schule und geht sehr gerne hin.
Trageberaterin Clauwi GK 80/09 und AK 05/10

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mäusekind
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Re: Schulfrust

Beitrag von mäusekind »

Wenn dein Kind so fertig ist, ist es wohl die falsche Schulform für dein Kind.

Meine Kinder 1+2 te Klasse haben um 12:05 Schulschluss und sind um 12:40 zuhause. die Hausaufgaben sind meistens innerhalb von 10 Min. erledigt.
A
Handpuppen und co. gibt es in der Schule nicht.

Dann schau dich halt nach einer anderen Schulform für dein Kind um.
mit den 4 Mäusekindern (15, 14, 13, und 11 )
EmiliasGini
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Re: Schulfrust

Beitrag von EmiliasGini »

Alternativen sind recht rar. Es gibt eine Waldorfschule in 15km Entfernung. Da habe ich schon drüber nachgedacht. Die ist allerdings recht radikal (regelmäßige Besuche, kein Plastikspielzeug und so) und nimmt EIGENTLICH nur Kinder die dort in der Kita waren.
Stand der Waldorfschule auch immer etwas skeptisch gegenüber. Kenne aber auch nur 3 ehemalige Waldorfschüler.

Ich müsste den Sohnemann dann eben komplett aus dem Freundeskreis reißen. Er könnte sich dann nicht mehr so leicht mit Schulkameraden verabreden und so.

Hach schwierig.
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labonea
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Re: Schulfrust

Beitrag von labonea »

ich muss zum Ausgangsposting sagen das wir unseren ersten zuerst auf einer Ganztagsschule hatten......wir haben ihn zum zweiten Halbjahr dann wechseln lassen weil es einfach zu straff war ( gut da wurde dann am ende die ganze erste Klassenstufe aus der JÜL Gruppe entfernt weil 5 von 7 Eltern die Kinder von der Schule nahmen ) ...er kam nicht gut zurecht damit.
Auf der Halbtagsschule ist es besser wenn auch immer noch nicht ganz rund.... :)

Handpuppen etc finde ich an sich ja nicht schlecht man weiß ja das visuelles den Lernerfolg fördert.
Wäre unsere nächste Waldorfschule nicht so weit weg würde ich auch eher die wählen....
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bei unserer Schule ist es irgendwie so das die schnellen ausgebremst werden damit sie nicht zu weit vom Rest der Schüler weg sind und die nicht so schnellen eben enorm gestresst werden und immer unter Anzug sind das sie im Feld bleiben....das ist irgendwie keine gute Sache finde ich. Gab auf dem letzten Elternsprechtag auch oft Diskussionen irgendwie.
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