(Ab)Stillen und arbeiten

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Seelentattoo
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(Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von Seelentattoo »

Ihr lieben,

Ich möchte euch mein Herz ausschütten und nach Rat fragen.
Um mich herum sind nur Menschen, die mir sagen, nun wäre der Zeitpunkt zum abstillen gekommen.

Fakt ist aber, ich will nicht und der Zwerg erst recht nicht!

Folgende Sachlage bei uns. Leider muss ich aus finanziellen gründen wieder arbeiten. Und das leider auch nicht halbtags sondern fast voll, der Zwerg muss 41 stunden in die Kita.
Momentan scheint das nichts zu werden, weil nach 4 Stunden einfach der Ofen aus ist (wir sind in der 2. Woche der Eingewöhnung). Er ißt einfach nicht gut, immer nur ein paar Happen und fängt dann an zu weinen (also beim Mittagessen, bei der Zwischenmahlzeit morgens nicht, aber auch hier ißt er wenig, Frühstück nimmt er dort nicht, weil ich ihn vorm hinbringen stille).
Mein Partner sagt nun natürlich, ich soll halt abstillen, ich hätte ja nun ein Jahr gestillt, dass sei ja schon lange genug (ich hatte während der ss irgendwie die Vorstellung, so 4-6 Monate stille ich und dann ist gut. Dann kam der beikoststart mit 6 Monaten und er zeigte deutlich, dass er noch keine Lust aufs essen hat, also logische Konsequenz, ich stille weiter. Brei war gar nicht Seins, fingerfood oder von mir vom Teller war ok, aber seither immer nur wenig, keine stillmahlzeit ersetzt).
Dazu hab ich aktuell wieder eine brustentzündung, wo ich auch öfter zu hören bekomme, einfach abstillen (gyn nicht, aber mein Hausarzt).
Auch meine Schwester, die gar nicht gestillt hat meint, es sei ja fies, ihn weiter stillen zu wollen, aber gleichzeitig auch arbeiten gehen zu wollen (sie hat ja recht damit, dass ein Kind wenigstens 2 Jahre nach Hause zur Mama gehört, dass hab ich damals beim elternzeitantrag aber anders gesehen, wäre mein Partner nicht so schwer krank geworden in der zeit, hatte ich damals sogar vorgehabt, nur ein halbes Jahr Elternzeit zu nehmen...nun bin ich über das fehlende weitere Jahr auch traurig, aber es ist nicht zu ändern).

Tja, was tun? Die Erzieherinnen haben letzte Woche schon gesagt, dass es noch länger dauern wird, bis ich auf meine Stunden komme, dass er momentan keinesfalls nen ganzen Tag packt.
Dazu kommt, dass wir umgezogen sind und er den neuen Tagesablauf hat, nicht mehr seine ganze Familie um ihn herum (im letzten Jahr fast jeden Tag Uroma, Tante, Opa und Papa gesehen, nun nur nh mich. Ich war jeden Tag mit ihm bei unseren Pferden und auch das ist weg. Noch dazu die Abwesenheit von mir.

Und da soll der Zwerg einfach funktionieren? Da haben ja schon Erwachsene Probleme mit und ich kann ihm nicht mal erklären, warum dass nun alles so ist. Da will ich ihm das Stillen nicht auch noch nehmen.
Zumal er halt wirklich schlecht iśt (bekommt auch schon seit 3 Wochen Eisen, weil hb zu niedrig, seine Kiä meinte auch, er müsste halt mehr essen und ich soll weniger stillen).

Mein Partner versteht, warum ich nicht abstillen möchte und versucht mich zu beruhigen, weil mich die Situation echt mitnimmt, weil ich das Gefühl habe, ich lasse mein Kind im Stich.
Ich lasse mich jetzt 2 Wochen krank schreiben und hoffe, dass das dem Zwerg hilft bei der Eingewöhnung (dass eßproblem wird sich so allerdings nicht lösen).
Nun hat mein Partner vorgeschlagen, ich soll halt Flaschenmilch mit in die Kita geben und schauen, ob er das toleriert.

Ich hab in den letzten Monaten hier so viel im Forum gelesen, oft davon, wie viele von euch problemlos Arbeit und stillen verbinden und ich hab immer gedacht, wir packen dass dann auch.
Jetzt ist es ziemlich lang geworden...danke fürs lesen und ich freu mich über Tipps und eure eigenen Erfahrungen...
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Lauretta
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Re: (Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von Lauretta »

Oh, ich drück Dich mal, das klingt alles sehr stressig und traurig...
Ihr habt natürlich Voraussetzungen für den Krippenstart, die es nicht unbedingt einfach machen...

In einer Zeit mit so vielen Umbrüchen würde ich AUF GAR KEINEN FALL abstillen.
Die Leitung unserer Krippe (ein Mann) sagte sogar explizit beim Eingewöhnungsvorgespräch, man solle auf keinen Fall abstillen, das würde das Kind durcheinander bringen. Also alles, was irgendwie so bleiben kann wie zuvor, sollte so bleiben.

Ich denke, ein großer Teil liegt an Deiner Einstellung.
Wenn Du sicher bist, dass Dein Kleiner es schafft, dass es ihm gefällt, dass er eine gewisse Stundenzahl ohne Dich und Deine Milch aushält, dann spürt Dein Sohn das und es wird besser klappen.
Wenn Du selbst Angst hast, dass es nicht klappt, wenn Du eigentlich nicht so viel arbeiten willst oder was auch immer, merkt er das und reagiert entsprechen. Ist meine Theorie.
Ich glaube, solange Du Dich nicht mit der Situation arrangierst und im Reinen bist, kann es nicht klappen wie geplant.
Vielleicht gibt es noch irgendwie eine andere Lösung oder irgendwas, was die ganze Situation entspannt?

Ich wünsche Euch auf jeden Fall alles Gute!
Grüße von einer Mama mit 2 sehr zufriedenen Krippenkindern (inzwischen 1 davon im Kindergarten)
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Katha
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Re: (Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von Katha »

nur kurz, so müde:
Wenn das Deinem Sohn bislang zu viel Zeit ohne Mama ist, dann hängt das vermutlich wenig mit dem Stillen zusammen, glaube ich.
ansonsten unterschreibe ich gerade faul bei Lauretta, sorry, ko
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sutnahpele
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Re: (Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von sutnahpele »

Es tut mir leid, dass ihr beide solchen Stress habt! Ich sehe es auch wie Lauretta: Ihn gegen seinen Willen abzustillen ist wohl momentan nicht förderlich. Ihr könnt ihm doch trotzdem eine Flasche für den Kindergarten mitgeben; das schließt sich doch nicht aus.
Außerdem steht dir als stillende Mutter eine zusätzliche Pause (=Stillpause) zu. Darüber könntest du ja mal mit deinem Arbeitgeber sprechen.
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Re: (Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von Glucke85 »

Ich würde dir auch abraten jetzt abzustillen. Dadurch lässt sich dein Kind auch nicht leichter eingewöhnen. Eure gesamte Situation zusammen genommen stellen so viele Umbrüche da, dass das weder dir noch deinem Kind helfen kann. Das Essverhalten würde sich ja auch nicht schlagartig verändern.
Aber warum willst du ihm Kunstmilch mitgeben?
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Seelentattoo
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Re: (Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von Seelentattoo »

Ja, es sind jede Menge Umbrüche, läßt sich bei unserem Job leider nicht vermeiden.

Ich selbst denke nicht übers abstillen nach, mich nervt es schon, dass das immer so leicht daher gesagt wird (kann wohl nur von Menschen kommen, die nie gestillt haben...). Ich wünsche mir so sehr, dass beides klappt.

Kunstmilch deshalb, weil die Kita meint, die Aufbewahrung sei ja so doof (habe gesagt, dass ich jeden Tag frisch Pumpen würde und Kühlschrank reicht). Hm. Ich weiß auch nicht. Aktuell liegt meine Pumpe auch noch am anderen Ort, die werd ich nächste Woche mal mitnehmen. Aber so viel wie er trinkt, werde ich nicht zusammen bekommen. Aufgetaute nimmt er nicht, ich gehöre zu den Frauen, deren die Milch nach dem auftauen so seifig riecht.

Ach, ich versuche einfach den Stress rauszunehmen, stille weiter wie bisher und biete halt auch immer was zu essen an. Gestillte Bedürfnisse verschwinden, aufgeschobene kehren immer wieder...hab ich hier gelesen und das tröstet mich.
Irgendwann wird er essen.
Am liebsten würd ich ihn mit zur Arbeit nehmen...
Hätt mir das einer vor 2, 3 Jahren erzählt...ich hätt ihn für bekloppt erklärt. Das können nur die Hormone sein (warum gibt's eigentlich Drogen?)
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Re: AW: (Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von honigtopf2010 »

Das sind wirklich viele Sorgen auf einmal. Da habt ihr viel zu stemmen. Ich denke auch nicht, dass es das Stillen ist, sondern die Nähe. Natürlich reduziert das Umfeld dann gerne mal schnell auf das Stillen. Macht entspannt bei der Eingewöhnung. Wenn du dich dafür krank schreiben lassen kannst, dann mach das. Und gib ihm Zeit. Ich habe nach einem Jahr wieder voll gearbeitet und weiter gestillt. Wir hatten hier auch fast Vollstillniveau. Er wird nach einiger Zeit dort essen und bei dir halt stillen. Ich hab zu Anfang was mitgegeben, was sie wirklich mochte. Das waren mal Nudeln, mal ein Milchbrei oder so. Nach drei Wochen war das durch.
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Katha
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Re: (Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von Katha »

So, auf Weg zum Arzt. Etwas Luft ;)
Länger wie 4 h wäre bei uns in der 2. Woche nicht gegangen. Ich glaube, wir waren da bei 3 ;) Das heißt gar nichts

Etwa nach 5 Wochen hat Schlafen dort Super geklappt.
Meist ist er ca. 6 h dort, oft mit 2+ h Mittagsschlaf
Langsam (ist jetzt 5 Monate dort) würden auch 40 h gehen, aber wenn bei uns die Situation anders gewesen wäre, wäre meine Haltung ja auch eine andere gewesen.
Leider MUSST Du, obwohl Du es gerne anders hättest, aber eine vielleicht hilft Dir der Gedanke, dass eine finanziell angespannte Situation sich auch durch den Stress auf Deinen Sohn auswirken würde.

Mit dem Stillen hat das, glaube ich wenig zu tun.
Zwar stürzt sich kl. Hase auf die Brust, wenn ich komme, aber das ist ja auch kuscheln, Regulation, Versichern, dass Mama da ist, Nachtisch ;)

Und selbst, wenn Dein Kind kaum was isst, kann es das in der Zeit mit Dir nachholen. Stell Dir vor, er würde 9 h durchschlafen, dann hätte er so lange auch keine Kalorienzufuhr.

Lass Euch noch ein Bißchen Zeit, das wird werden :)
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Katha
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Re: (Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von Katha »

@honigtopf: ist Dir kürzer gelungen ;)
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Campanula
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Re: (Ab)Stillen und arbeiten

Beitrag von Campanula »

Du Liebe!

Fühl Dich gedrückt, ich kann Dich so gut verstehen!

Bei meiner Tochter ging auch mit 11 Monaten die EIngewöhnung los, mit 12 Monaten ging sie dann komplett in die Krippe - erst 6 Stunden am Tag, bakd darauf dann volle 8 Stunden.
Sie war zu diesem Zeitpunkt neben der Beikost, die sie aß, auch ein Quasi-Vollstillkind.

Ich habe gerade nicht viel Zeit zu schreiben, aber ich möchte Dir schon mal schnell Mut zusprechen: DAS GEHT!!!
Und das wird auch bei Euch klappen!

Wie Du ja selbst schon schreibst: bei Euch sind momentan viele Umbrüche zugange.
Und nicht nur Dein Kind ist verunsichert und gestresst, sondern natürlicherweise auch Du. Und sicher auch Dein Partner.

Da ich wie gesagt momentan nur kurz was schreiben kann, möchte ich erstmal nur folgendes zu bedenken geben:

- wo wäre der Vorteil in der momentanen Situation, wenn noch ein weiterer Umbruch hinzukäme, indem eine gut funktionierende "Institution" in Eurem Tagesablauf (nämlich das Stillen) nun auch noch wegfiele? Oder stellt das Stillen nicht eher ein tröstendes, stabilisierendes Element da bzw. kann in Eurer jetzigen Situation dazu gemacht werden?

- wer in Deinem Umfeld kann zweifelsfrei beurteilen, dass die (absolut verständlichen und unvermeidbaren!!) Irritationen, die Dein Kind durch die Umstellung momentan erlebt, in irgendeiner Weise überhaupt dadurch beeinflusst werden, ob Dein Kind gestillt wird oder nicht? Wer kann beurteilen, dass Dein Kind dann auch nur einen Bissen mehr essen würde, besser schliefe, weniger weinte etc.? Sind das nicht natürlice Reaktionen, die viele Kinder in der Krippen-EIngewöhnungszeit zeigen, unabhängig davon, ob sie noch gestillt werden oder nicht?
Bist nicht vermutlich DU die einzige Person, die dies ansatzweise beurteilen kann? Und ist Deine Aussage nicht ganz klar: Ich möchte weiterstilen?! Mein Kind möchte weiterstillen?!

Du bist die Mutter. Du entscheidest. Kein außenstehender kann Eure Situation beurteilen und welchen Stellenwert das Stillen für Euch einnimmt.
Hör mal in Euch rein, ob das Stillen in der augenblicklichen schwierigen Phase Euch nicht sogar Erleichterung und Trost bringen kann - nämlich morgens beim Abschied und dann später beim WIedersehen.

Ich drücke Euch die Daumen, dass Dein Kind sich bald an die neue Situation gewöhnt (zwei Wochen sind da echt noch nix, das wird schon, nur Mut!!!) und dass auch Du diese neue Erfahrung gut meistern kannst.
Pass gut auf Dich auf und lass Dich nicht unterkriegen!
Wiebke mit dem kleinen bunten Schaf (w, *27.12.2010) - auch weiterhin im Tragetuch ;-)
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