Hallo und herzlich willkommen hier.
Also zunächst: Es ist ausgeschlossen, dass ein vollgestilltes Baby zwar "genug Nahrung, aber zu wenig Flüssigkeit" bekommt. Ein vollgestilltes Baby mit unauffälliger Gewichtsentwicklung und unauffälligen Ausscheidungen bekommt AUF JEDEN FALL automatisch auch genug Flüssigkeit.
Zu den Stillproben: Grundsätzlich sind die Ergebnisse von Stillproben nur mit größter Vorsicht zu genießen. Das Prinzip dahinter ist ja, von vergleichsweise WENIGEN Messungen auf ALLE Stillmahlzeiten zu schließen. Das ist methodisch hochproblematisch, da die Mahlzeitengrößen natürlicherweise im Tagesverlauf sehr stark schwanken. Erwischt man zufällig bei den Messungen die kleinen Mahlzeiten, schließt man fälschlicherweise, dass das Kind zu wenig Milch bekommt. Ich nehme nicht an, dass Ihr über mehrere Tage bei JEDER Mahlzeit eine Stillprobe gemacht habt?!..
Der zweite problematische Punkt ist, dass die Stillprobendurchführung selbst erst Schwierigkeiten auslösen bzw. verstärken kann. Für viele Mütter und Babys ist die Durchführung von Stillproben mit einem hohen Stresslevel verbunden. Dieser Stress kann sich unmittelbar negativ auf das Trinkverhalten (Baby) und auf den Verlauf der Stillmahlzeit (Mama) auswirken. Die Stillprobenergebnisse fallen dann geringer aus, als sie eigentlich sollten, und zwar NUR DESHALB, weil Stillproben durchgeführt wurden, verstehst Du?
Aus diesem Grund bedürfen Stillproben einer sehr strengen Indikationsstellung und einer strengen Risiko-Nutzen-Abwägung. Ob diese Indiaktion bei Euch gegeben war oder nicht, ist im Nachhinein nur schwer zu beurteilen.
60 ml jedenfalls sind eine UNAUFFÄLLIGE Mahlzeitengröße für ein häufig stillendes Baby. Bei 12 mal stillen ergäbe sich - vorausgesetzt, die Mahlzeitengröße beträgt durchschnittlich 60 ml - 720 ml als Gesamttagestrinkmenge, das liegt im Normbereich. (
Quelle)
Zu Eurem Stillproblem: Unabhängig von Gewichtsentwicklung oder Mahlzeitengröße ist das Stillen bei Euch momentan mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Du schriebst:
Kind hat Hunger, dockt gut an, zieht 3-4x, merkt dass die erwünschte Menge (fontänenartiges Spritzen

) nicht sofort verfügbar ist, dockt ab und beschwert sich, bekommt kurz nen Schnulli zur Beruhigung. Das ganze wiederholt sich an die 7-10x!!! Irgendwann setzt der MSR ein und er beginnt für ca. 2min ordentlich zu schlucken. Sobald er aber wieder öfters als 2x zwischendrin ziehen muss, dockt er ab und wird wütend! Uch bekomm ihn dann nicht mehr hin und wechsel die Seite. Da hier die Milch eh schon steht, schluckt er noch ne Minute ganz gut und dann fängt die Zappelei wieder an.
Diese Beschreibung ist absolut klassisch für ein Baby, das künstliche Sauger gewohnt ist und deswegen zunehmend Schwierigkeiten entwickelt, gut an der Brust zu trinken. Dein Baby kennt Flaschensauger aus seinen ersten Lebenswochen, dann vom Krankenhausaufenthalt im Dezember und von "zwischendrin selten mal". Dazu kommt der (tägliche?) Einsatz des Schnullers. Es ist mit Abstand am naheliegendsten, dass Eure Stillprobleme auf den reichlichen Einsatz künstlicher Sauger zurückzuführen sind. Dieses Störungsbild nennt sich "Saugverwirrung" und kann in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten, von technischen Saugstörungen beim Baby, die mit Schmerzen für die Mutter einhergehen, über erhebliche Andockprobleme wie bei Euch, bis hin zu dem Umstand, dass erfolgreiches Stillen gar nicht mehr möglich ist. Saugverwirrung hat früher oder später praktisch immer einen Rückgang der Milchbildung bei der Mutter zur Folge, weil das Angebot (Milchmenge) bekanntlich direkt von der Nachfrage (häufiges, kräftiges, technisch korrektes Saugen) abhängt.
Saugverwirrung ist gut behandelbar. Die Behandlung geht grundsätzlich damit einher, künstliche Sauger nicht mehr zu benutzen und das Baby beim Andocken, Dranbleiben und bei einer guten Saugtechnik zu unterstützen. In unserer
Linksammlung Stillwissen findest Du ausführliche Info zur Saugverwirrung und zu deren Behandlungsmöglichkeiten.
Mein Vorschlag: Stöbere dort mal ein bisschen, lies Dich ein, und dann schauen wir gemeinsam, was Euch in Eurer Situation helfen könnte, das Ruder nochmal herumzureißen.
Was meinst Du dazu?
LG
Julia