Weiterhin Einschlafstillen?

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migi
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Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von migi »

Liebe Mamis,
bin grad ein wenig verwirrt. Meine kleine Maus ist jetzt 19 Wochen alt und wird abends immer einschlafgestillt. Im Moment dauert es zwischen 1-2 Stunden, bis sie dann richtig fest einschläft. Heute Abend war es genauso, habe sie gestillt und nach dem Einschlafen in ihr Bettchen gelegt (schläft bei uns im Schlafzimmer). Nach 10 Minuten ist sie dann wieder wachgeworden, wieder gestillt....etc. Am Ende hat sie die Windel vollgemacht, so dass ich sie nochmals komplett wickeln und umziehen musste. Danach war sie natürlich erstmal wieder eine Weile wach. Habe sie dann wach ins Bettchen gelegt und ihr den Schnuller gegeben und eine Stillwurst in U-Form um Kopf und Arme gelegt...nach ca. 10 Minuten ist sie dann so eingeschlafen.

Habe gerade nochmal ein paar Bücher durchgeforstet, die ich habe (Babyjahre, So beruhige ich mein Baby, Schlafen statt Schreien) und dort steht, dass man Babys ab 4 Monaten ruhig daran gewöhnen kann, alleine einzuschlafen. Ich zitiere mal aus Babyjahre von Remo Largo (S. 221): ...."in den ersten Monaten gestalten die Eltern die körperliche Verbindung zu ihrem Kind für die kommenden Jahre. Eine möglichst große Nähe und Enge in der körperlichen Beziehung wird häufig mit psychischem Wohlbefinden und einer starken Bindung gleichgesetzt. Dies ist jedoch eine zu einseitige Vorstellung von der Entwicklung des kindlichen Selbstwertgefühls, denn nicht nur Geborgenheit, auch Selbstständigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbstvertrauens. Eltern sollten ihr Kind in dem Maße zur Selbstständigkeit hinführen, wie das Kind selbstständig sein kann, ohne dass sie es dabei unter- oder überfordern. Wenn das Kind selbstständig einschlafen kann, ist es von seiner Umgebung weniger abhängig und fühlt sich weniger verlassen, wenn es nachts allein im dunklen Zimmer aufwacht. Selbstständigkeit gibt auch Sicherheit."

Bin mir irgendwie unsicher, was nun richtig ist. Es heißt ja auch auf der anderen Seite, man kann ein Baby im 1. Lebensjahr gar nicht genug verwöhnen.
Ob es richtig ist, eine sanfte Schlafmethode wie sie in "Schlafen statt Schreien" (also ohne Schreien lassen oder Tränen!) in dem Alter einzuführen?
Was meint ihr?
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Campanula
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Re: Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von Campanula »

Hallo :-)

Ich antworte Dir mal, weil ich mich mit EXAKT der gleichen Frage herumgeschlagen habe, als meine Tochter im Alter Deines Kindes war.
Auch ich hatte hier den viel empfohlenen Remo Largo liegen und habe genau die von Dir zitierte Passage gelesen und war verunsichert:
Meine Tochter hatte von Geburt an ein sehr hohes Saugbedürfnis, verweigerte aber jede künstliche Saughilfe (kein Schnuller etc., noch nicht mal an meinem kleinen Finger hat sie gesaugt), ließ sich konsequent quasi GAR nicht ablegen ... kaum im wachen Zustand und schon gar nicht im Schlaf.
Einschlafen ging nur beim Tragen im Tuch oder eben mit Einschlafstillen. Zusätzlich konnte ich meine Tochter noch nicht mal ablegen, wenn sie eingeschlafen war ...
Und dann lese ich plötzlich, dass der hoch gelobte Herr Largo schreibt, man müsse Kindern da ihre Selbstständigkeit geben, damit sie freier werden und Selbstvertrauen entwickeln können (jetzt mal frei zusammengefasst...).
Ich habe sofort ein schlechtes Gewissen entwickelt und dachte "oh je, mein Kind ist schon älter als drei Monate, nun muss ich mich aber langsam mal da dran machen".
Drei Tage lang habe ich es versucht. Ich habe meine Tochter mittags in ihr Beistellbettchen gelegt, mich direkt neben sie gekuschelt, ihre Hand gehalten ... und zugesehen, wie mein Kind geweint hat. Von diesen drei Tagen hat sie sich zweimal hat sie sich nach einiger Zeit beruhigt und schlief ein. Einmal brach ich den Versuch ab, da sie sich nicht beruhigte.
Was vordergründig wie ein ganz guter "Erfolgsdurchschnitt" klingt, war in der Realität aber gar kein Erfolg. Denn auch in den Fällen, in denen sie nach eingier Zeit dan alleine - im Sinne von "ohne Brust und ohne kompletten Körperkontakt beim Tragen" einschlief, kam der Bumerang nach kurzer Zeit zurück: bereits nach 15 Minuten wachte mein Kind - das sonst mittags in meinem Arm oder im Tuch konsequent 2 Stunden am Stück schlief - wieder auf und weinte, weinte, weinte. Sie ließ sich erst beruhigen, nachdem ich genau DAS getan hatte, was ich sonst von Anfang an tat: sie in den Arm nehmen, wiegen und zum Einschlafen stillen.
Meine Konsequenz daraus nach drei Tagen: ich habe das Buch "Kinderjahre" von Largo NIE wieder geöffnet :lol:
Ich habe mein Kind seitdem NIE wieder "gezwungenermaßen" auf Abstand von meinem Körper gelassen, wenn meine Instinkte und die "Wortmeldung" meines Kindes mir etwas anderes vermittelt haben.
Was war die Folge?
Ein Kind, das mit 11 Monaten begann, in die Krippe zu gehen und dort ohne mit der Wimper zu zucken mittags ALLEINE einschlief, obwohl sie dies in ihrem bisherigen leben mit Ausnahme des oben geschilderten missglückten Experiments zuvor nie hatte tun müssen. Es machte ÜBERHAUPT keinen Unterschied! Kein "Training", kein (für mich) künstiliches Selbstständigwerden ... Im Gegenteil: ich hatte ein Kind, das voll von gestillten Bedürfnissen war und von dort aus zum gegebenen zeitpunkt von sich aus die Welt erkunden konnte und eben DANN dafür das ausreichende Selbstvertrauen hatte.
Zuhause hat meine Tochter sich dann nur ganz, gaaaanz langsam von mir gelöst - buchstäblich.
Noch das gesamte erste Lebensjahr und darüber hinaus konnte sie nur in meinem Arm schlafen. Sobald ich den weggezogen habe, wurde sie wach, in Sekundenschnelle. Das war nicht immer einfach, aber ich habe es akzeptiert. Und dann kam der Tag, an dem sie sich von ganz alleine aus meinem Arm rollte, umdrehte und: schlief :-D
Und so hat sie sich dann Stück für Stück von selbst in ihrem eigenen Tempo abgenabelt. Quasi zum zweiten Mal.

Mein Fazit: ich persönlich würde mich nie, NIE mehr von irgendeiner Literatur verunsichern lassen, sondern ausschließlich auf mein Bauchgefühl und die Signale meines Kindes hören. Ich bin die Mutter, ich entscheide. Niemand sonst hat mir da reinzureden, denn niemand sonst kennt mein Kind so wie ich. Und schon gar nicht hat man mir ein schlechtes Gewissen einzureden.

Nichts desto trotz: zu verstehen, WESHALB ein Kind so tickt, wie es tickt, kann einem ja durchaus bei dem eigenen Weg helfen.
Ich verlinke Dir daher hier nochmal einen Artikel, der mir sehr geholfen hat, sie Bedürfnisse meines Kindes besser einordnen zu können ... Largos Buch wird darin übrigens auch erwähnt ;-)
http://kinderverstehen.de/images/Schlaf ... 290909.pdf

Alles Gute bei Deinem eigenen Weg - wie der aussieht, wisst nur Ihr :-)
Wiebke mit dem kleinen bunten Schaf (w, *27.12.2010) - auch weiterhin im Tragetuch ;-)
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Campanula
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Re: Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von Campanula »

Ach so, noch zur Ergänzung: ums Einschlafen und auch das Einschlafstillen geht es ab Seite 6 unten ;-)
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Sakura
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Re: Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von Sakura »

migi,

habe Campanulas Antwort nur ganz kurz überflogen, aber kann hier ähnliches berichten. Im Alter von ca. 4-5 Monaten hat der Papa das Mäusel abends ins Bett gebracht, danach ging das gar nicht mehr, da musste die Mama ran. Und als sie dann mit 16 Monaten zur Tagesmutter kam, da konnte sie auf einmal ganz allein einschlafen, ohne Stillen ohne alles. Vorher undenkbar.

migi hat geschrieben:Eltern sollten ihr Kind in dem Maße zur Selbstständigkeit hinführen, wie das Kind selbstständig sein kann, ohne dass sie es dabei unter- oder überfordern.

Übersetze den Satz mal analog zu "Drehen lernen", "Sitzen lernen", "Laufen lernen" "Sprechen lernen".... Das sind alles Entwicklungsschritte, die das Kind tut, ohne dass die Eltern was am Tempo ändern können. Du kannst Dein Kind nicht dazu zwingen, auch nur einen Tag eher zu laufen. Auch nur einen Tag eher zu sprechen. Du kannst Dein Kind nicht zum Sprechen hinführen.

Nur beim Schlafen, da haben die Eltern Macht über das Kind, da können sie das Kind zwingen. Indem sie einfach gehen. Das Kind kann sich nicht wehren. Wenn es irgendwann frustriert aufgibt, weil niemand auf sein Schreien reagiert, dann heißt es gleich: "Siehe da, jetzt hat es das Allein-Einschlafen gelernt." Wirklich? Was hat es denn WIRKLICH gelernt? "Es ist Mama egal, wenn ich nach ihr rufe. Ich habe ganz laut gerufen, weil es mir sehr schlecht geht und ich mich sehr fürchte, aber Mama kommt nicht. Entweder sie ist tot, oder sie hat mich nicht mehr lieb. Sonst würde sie ja kommen. Tagsüber kümmert sie sich doch auch immer um mich."

Bis zum Alter von knapp 1 Jahr haben Kinder keine Objektpermamenz, d.h. ein Objekt, das sie nicht sehen/fühlen, existiert für sie nicht. Will heißen: wenn sie Mama nicht sehen, dann hat Mama aufgehört zu existieren. Ein Baby KANN sich nicht mit dem Gedanken beruhigen, dass Mama im Nebenzimmer ist. Mama ist tot, wenn sie weg ist!

fühlt sich weniger verlassen, wenn es nachts allein im dunklen Zimmer aufwacht."
Sorry, aber das halte ich für Unsinn. Für gefährlichen Unsinn.


Als Alternativen zu Largo und Co empfehle ich Dir:
Renz Polster: Kinder verstehen
Solmaz: Besucherritze
Sears: Wachen und Schlafen

lg,
S. :-)
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
vor keinem als sich selber gerade zu stehen. (Reinhard Mey)

kimaja
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Re: Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von kimaja »

Ich kann was Campanula schreibt nur mit 3 Ausrufezeichen versehen, ich bin ganz genau ihrer Meinung.

Beim ersten Kind dachte ich auch noch:"er sollte aber doch" und "müßte ich nicht" und " bei den anderen klappt's doch auch"
Es gab auch hier ein paar Versuche des " Alleine Schlafenlernens" . Im Endeffekt habe ich mich immer so geärgert weil er ganz umsonst schreien mußte. Jedesmal ist er nach selbstständigen Einschlafen nach kurzer Zeit wieder aufgewacht und wurde schlussendlich doch gestillt und ich dachte nur " na das hätte ich ja auch gleich machen können".

Als er ein Jahr war schlief er ohne Einschlafstillen ein und kam vielleicht noch einmal die Nacht, und das einfach so ohne weiterer schreien-lass-allein-Schlaf-Übungen. Aber auch jetzt gibt es mal unruhigere Zeiten und mal Schäft er super, ich denke das ist bei allen Kindern so.

Beim zweiten Kind habe ich keinen einzigen Schlaflernversuch mehr gemacht. Mit nun 7 Monaten hat er noch kein einziges mal allein in einem Bett geschlafen, nachts in meinem Arm und dauerstillend und tagsüber in TT oder an der Brust. Ich setze mich keinerlei Schlafzwang mehr aus. Es gibt aber ohne weiteres auch Kinder die problemlos und vielleicht auch die ganze Nacht in ihrem Bettchen schlafen, das mag alles sein, aber das ist meiner Ansicht nach nicht Verdienst der Eltern, sondern das Naturell des Kindes.
Lass dich von deinem Kind leiten soweit du das kannst, es reicht wenn du ihm später das Alphabet beibringst, schlafen wird es gemäß seinem Naturell von ganz alleine irgendwann lernen.
mit großem Jungen (2/10) und kleinem Jungen (6/12)
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Re: Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von 4tiere »

@Sakura: mir kamen die Tränen bei deinem Bericht.
Aber du hast soooooooooooo recht!!!!!!!!!!!!!!
Bild-liche Grüße

Natalie
mit drei wundervollen Kindern!
Den beiden Großen (19m und 21w Jahre) und die kleine Maus (01.10.2011), die ich immer noch total genieße! Bild
Und das mit der Rechtschreibung lerne ich noch ... ;-)
(Manche andere Fähigkeiten erwerbe ich bestimmt auch noch, über Anregungen bin ich immer dankbar!)
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beccarei
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Re: Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von beccarei »

Ich kann den Vorschreiberinnen nur zustimmen.
Hör auf Dein Gefühl und tu, was Du für richtig hältst. Egal, was Largo oder sonstwer dazu sagt. Und glaub mir, da kommen noch einige. ;-)
Liebe Grüße,
Becca
(Mit der Bari-Sax-Spielerin (2012), dem Posaunisten (2015) und dem Kämpfer im Herzen (2015)
migi
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Re: Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von migi »

Ganz ganz lieben Dank für eure Antworten! :-)
Es macht mir sehr viel Mut zu lesen, dass es nicht nur mir so geht und sich vor allem bei einigen von euch die Kinder von alleine gelernt haben, irgendwann alleine einzuschlafen (und das nicht erst nach 3 Jahren oder so)!
Bin sehr enttäuscht von dem Buch Babyjahre, dachte eigentlich immer, dass der Ratgeber vertrauenswürdig wäre :-( Vielen Dank auch für den hilfreichen Link.

Ich denke, ich werde einfach mit dem Einschlafstillen so weiter machen wie bisher und schauen, ob es sich von alleine ein wenig reduziert. Ich hoffe es, denn tagsüber schläft sie auch nur an meiner Brust, draußen im Kinderwagen oder im Bondolino ein. Ablegen klappt nicht, weil sie immer wach wird. :5:
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Berenike
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Re: Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von Berenike »

DIESEN thread hätte ich mal vor zwei Wochen lesen sollen, dann hätte ich mir einen Buchkauf und eine verunsichernde Diskussion mit meiner Mutter gespart... Ich hatte zwar nicht vor, mein Kind schreien zu lassen, aber meine Mutter war der Meinung, dass ich jetzt mal dringend mit Einschlafritualen (ohne Stillen) und vor allem einer festen Zubettgeh-Zeit anfangen müsste. Allerdings ist das weder in meinem noch des Kindes Interesse... Sie ist halt jetzt (knapp 5 Monate) weder zur selben Zeit jeden Tag müde (sie schläft ja auch tagsüber noch total unterschiedlich) noch findet sie es besonders spaßig, ohne mich im Bett zu liegen...
Ich habe eine Tochter (01/14) und einen Sohn (10/16).
Witjas
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Re: Weiterhin Einschlafstillen?

Beitrag von Witjas »

Ja, ja beim 1. Kind stresst man sich selbst und lässt sich von anderen stressen, weil man verunsichert und planlos ist .... nachher ist man schlauer und weiss, dass man sich Vieles hätte ersparen können .. ;-)

Das Beste ist wirklich, wenn man offen für Alles ist und sich voll und ganz auf das Kind und seine individuellen Bedürfnisse einlässt! :wink:

Ich hab mir auch vorgenommen, beim 2. Kind (kommt demnächst) entspannter zu sein. :lol:
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