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Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 12:16
von Lucccy
Hallo,
nachdem ich hier im Forum schon so viele Dinge gelesen habe, die mich mit unserem Stillstart aussöhnen (z.B. Indikationen für Stillhütchen), hab ich noch eine Frage, die durch den zeitlichen Abstand jetzt eher theoretischer Natur ist.
"Darf" anlegen unter besonderen Umständen auch mal eine zeitlang (x Wochen) schmerzhaft sein? Ich denke da an unseren Start: erst abgepumpte Milch per Flasche, dann mit Hütchen gestillt und als es dann an die Brust ging, habe ich geflucht. Da frag ich mich: war es schlechtes Anlegen? Oder musste die Trinktechnik sich umstellen? Oder sind meine Brüste einfach bei der Belastung sehr empfindlich gewesen? Oder lag es am kleinen Babymund (Frühchen)?
Meine Hebamme hat am Anlegen (außer dem Hinlegen des Stillkissens) zu der Zeit nichts zu bemängeln gehabt. Beim Stilltreffen kam ich leider nicht dazu, die Beraterin mal draufgucken zu lassen.

Hätte ich eigentlich ne Chance gehabt, diese schmerzhafte Phase zu verkürzen?
Ich weiss, man kann heute an unserem Start nichts mehr ändern, aber wer weiss, ob ich das Wissen nochmal brauche...
Gruß Lucccy
Re: Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 12:38
von jusl
Hm, also es ist natürlich schwierig, zum Einzelfall im Nachhinein was zusagen. Aber es ist auf jeden Fall wahrscheinlich, dass Eurer Stillstart erheblich zu Schmerzen beigetragen hat - in der Tat muss ein Baby mit Flasche und Hütchen ANDERS saugen als mit Brust im Mund. Also: ja, sicherlich lag es am Umstellen der Trinktechnik. Die Saugtechnik des Babys ist übrigens von außen auch von Fachleuten nicht leicht zu beurteilen. Das Andocken kann äußerlich gut aussehen, aber was das Baby in der Mundhöhle mit der Zunge macht, ist nur schwer zu erkennen. Frühe Frühgeburten können dafür ein Risikofaktor sein, insb. wenn die Mutter sehr große BW hat.
Normalerweise jedenfalls ist Stillen nicht schmerzhaft. Von sehr empfindlicher Haut mal abgesehen (und die haben viele Frauen an den BW, wir lassen ja nun heutzutage keine Luft und Licht mehr daran); eine SEHR empfindliche Haut ist in den ersten Wochen normal, bis die BW sich eben dran gewöhnt haben.
Nimm mich als Beispiel: ich hatte bei allen vier Kindern keinerlei Schmerzen beim Stillen (problemloser Stillstart ohne künstliche Sauger, nach Lehrbuch sozusagen, problemlose Reststillzeit).
LG
Julia
Re: Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 13:49
von 08u11
Meiner Erfahrung nach ist Weh-tun nicht gleich Weh-tun.
Ich habe sehr empfindliche helle Haut an der BW, die auch in den Schwangerschaften nie auch nur eine Nuance dunkler geworden ist. Bei A. haben meine BWen geblutet noch bevor ich aus dem Kreissaal raus und wieder auf Station war und es hat einige Zeit lang höllisch weh getan. Bei J. hatte ich sehr viel mehr Ahnung vom Stillen. Ganz schmerzfrei ging's auch da nicht (die Haut ist die gleiche geblieben), aber da hat nichts geblutet. Ein paar Tage lang musste ich beim Anlegen kurz mal die Zähne zusammenbeißen und damit hatte es sich. Ich denke, dass ich J. korrekt angelegt hatte (sicher wissen tu' ich es aber nicht) und sich ein bisschen Weh-tun bei mir zumindest zeitweise nicht ganz verhindern lässt, aber die Schmerzen und die Wunden durch falsches Anlegen (wie bei A., da wusste ich es leider nicht besser), sind auf jeden Fall zu vermeiden.
Re: Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 16:13
von blueberry
Meine BW waren in den ersten ca. 6 Wochen extrem empfindlich. Es war bis auf die BW-Spitzen nichts rot, nichts sichtbar entzündet - dennoch hab ich manchmal die Tage nur mit Lansinoh und zwischendrin Multimam-Kompressen ausgehalten, bei jeder Berührung von Warze oder Warzenhof mit Duschwasser oder Handtuch gewimmert oder Tränen in die Augen schießen gehabt. Und auch der Ansaugschmerz war fies - auf den war ich nicht vorbereitet gewesen, da er in aller Literatur, die ich vorher gelesen hatte, nicht vorkam (!) und ich erst von anderen Müttern dann hier im Forum lernte, dass das bei vielen anfangs vorkommt, dass das erste Ansaugen anfangs bei manchen eben bei jedem Stillen tierisch sticht.
Ich kam mir jedenfalls total vor wie ein Weichei, als dann - bei jeder längeren Mahlzeit des Babys den Tränen nah - auch noch die in meiner Verzweiflung in 45 min. Entfernung besuchte IBCLC sagte, es sehe doch aber alles wirklich prima aus mit dem Anlegen, meine Brustwarzen seien doch nicht die Spur entzündet und Multimam-Kompressen - na, die seien aber wirklich Fällen mit richtigen Verletzungen vorbehalten

. Und was hatte ich vorher gelesen, war lange vor der Geburt hier im SuT unterwegs und war überzeugt, dass Stillen NICHT wehtun würde, wenn man nur alles richtig macht. Ich hatte reihenweise positive Vorbilder im Umfeld und der Familie die alle keine Stillprobleme bei X Kindern gehabt hatten, hatte ne tolle GH-Geburt, war direkt wieder zuhause und sehr zuversichtlich... Vielleicht war ich genau wegen dieser Erwartungshaltung so gefrustet - änderte aber nichts. Ich war wirklich enttäuscht.
Gut, später stellte sich heraus, dass ich ein KISS-Kind hatte und ja, wir hatten vor allem mit dem Variieren von Stillpositionen massive Probleme - eigentlich ging immer nur im Liegen gut. Und dass er anfangs schnalzte - und besonders das sich fies anfühlte (als ob einem jemand an die BW schnipst bei jedem Schlucken...) - aber da konnte mir irgendwie auch keiner weiterhelfen dabei. Aber wie gesagt, "wund" war da nie wirklich was (von blutig ganz zu schweigen) und angelegt war Baby immer super, soweit sich das von außen beurteilen ließ.
Und irgendwann waren die Schmerzen einfach so weg. Es fiel mir komischerweise erst nach einigen schmerzfreien Mahlzeiten so richtig auf

. Und ab da war vieles besser. Ich denke, das war so um die siebte, achte Woche rum. Gestillt haben wir bis reichlich zweieinhalb Jahren
Wollte nur sagen: dieses "wenn alles richtig gemacht wird, tut Stillen nicht weh" kann auch enormen Druck und Frust aufbauen. Ich vermute inzwischen auch, dass es einfach Frauen gibt, die extrem empfindliche Haut an den BW haben und dass die sich eben erst an das Stillen gewöhnen muss. Und dass es einige Zeit dauern kann, bis der Ansaugschmerz weg ist - manchmal nach Tagen, manchmal eben erst nach Wochen. Man denkt ja am Anfang dann schnell "wenn Stillen sich so anfühlt, mach ich das aber nicht lange mit" - und dann wird es auf einmal besser und man fragt sich, wie man je zweifeln konnte...
Re: Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 17:47
von Weekend
Also das Anlegen bei uns passte eigentlich - dennoch war meine Haut schon sehr empfindlich am Anfang. Und ich bin ein dunkler Typ.
Ich sage mal, die ersten 14 Tage waren durchaus mal zwischendurch AUA, in manchen Momenten auch Tränen in den Augen - aber danach war es ok, der Körper hatte sich daran gewöhnt. Auch weil ich im Kopf weniger verkrampft war und nicht so besorgt "habe ich genug Milch, ..." und dadurch entspannter beim Stillen war.
Re: AW: Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 20:20
von estival
Bei mir kam auch immer Panik auf wenn meine Tochter Hunger bekam. Ganz schlimm war es nachts, ich hab vor schmerzen geheult, es war wirklich schrecklich. Obwohl auch das anlegen korrekt war und die Bw keine risse o. ä. hatten. Meine Hebamme meinte auch sie sieht normal aus. Nach 8 Wochen wäre es dann endlich gut
Ich überlege mir, ob es beim zweiten auch wieder so wird? Wahrscheinlich nicht, die Bw sind es quasi gewoehnt und die stillpause ist (zumindest bei mir wahrscheinlich) nicht so lang.
Wie war das bei euch?
Vom Handy via Tapatalk
Re: Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 20:46
von Lucccy
Hallo,
Danke für Eure Antworten.
Danke jusl, dass Du meine Vermutung mit der veränderten Technik bestätigst - auch wenn es jetzt mehr Rätselraten als alles andere ist.
Und Danke allen Stillenden, dass Ihr auch Schmerzen hattet, wo keine sein durften.
@blueberry: das mit der Erwartungshaltung und dem Druck, das kann sein. Die wenigsten Menschen erzählen einem ja vom Tal der Tränen, dass man beim Stillen mal durchschreiten kann, egal ob es wunde Brustwarzen oder Clusterfeeding oder noch anders heisst.
Gruß Lucccy
Re: Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 20:52
von Katha
Lucccy hat geschrieben:
@blueberry: das mit der Erwartungshaltung und dem Druck, das kann sein. Die wenigsten Menschen erzählen einem ja vom Tal der Tränen, dass man beim Stillen mal durchschreiten kann, egal ob es wunde Brustwarzen oder Clusterfeeding oder noch anders heisst.
Doch, ich hab das bei ein paar Leuten gemacht.
Drum muss ich mich bei der einen bald ganz klar schwärmen, wie schon Stillen jetzt doch ist

Re: Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 21:09
von Novalia
Um den Schnitt noch ein bischen anzuheben: ich musste die ersten drei oder vier Wochen wo reinbeissen, wenn Leo angedockt hat. Kein Spass, sonst hätte ich es nicht ausgehalten. Die Brustwarzen sahen laut Hebi „super” aus, Leo hat von Anfang an „toll” getrunken und meine Hebi hat sich alles mehrere Male angeschaut - und konnte keine Verbesserungsvorschläge machen. Trotzdem hätte ich es ohne multi-mam Kompressen und Salbe nicht ausgehalten.
Inzwischen bin ich sicher, dass ich mindestens ein Jahr stille und wenn Leo möchte, gerne auch länger.
Re: Eher theoretisch: korrekt angelegt tut nicht weh
Verfasst: 12.11.2012, 22:32
von Niamh13
Schließe mich dem "tut doch furchtbar weh am Anfang" an. Ich habe es erst darauf geschoben, dass meine Tochter ein sehr kurzes Zungenbändchen hat. Aber wenn ich das hier so lese, ist es vielleicht doch einfach normal. Aber für die, die noch in dieser Phase drin sind: es wird wirklich besser!