Hallo giräffchen84,
Zwiemilchernährung wird für gewöhnlich von drei Gruppen praktiziert:
1. von Müttern, die nicht vollstillen wollen,
2. von Müttern, die nicht vollstillen können und
3. von Müttern, die GLAUBEN auf Zufüttern angewiesen zu sein.
Für die ersten beiden Gruppen ist Zwiemilchernährung die einzige Möglichkeit, die Stillbeziehung aufrechtzuerhalten: "Würde ich nicht Zwiemilchernährung machen, würde ich gar nicht mehr stillen, sondern komplett künstliche Milch füttern." Normalerweise sind sich die Mütter der Nachteile bewusst: Bei Saugflaschenverwendung besteht die Gefahr von Stillstörungen, bzw. dass sich bestehende Stillprobleme verstärken. Die Stillzeit ist in aller Regel stark verkürzt, d.h. es wird vorzeitig abgestillt.
Mütter, die nicht vollstillen können, z.B. aus medizinischen Gründen, aber dennoch stillen wollen, sind da oft ausgesprochen motiviert, ihre Stillbeziehung zu schützen. Sie verwenden häufiger stillfreundliche Zufüttermethoden, z.B. das Brusternährungsset. Dies ist mit erhöhtem Arbeitsaufwand im Alltag verbunden, dafür ist die Gefahr von Stillstörungen minimiert.
Da Zwiemilchernährung der ausschließlichen Verwendung künstlicher Milch klar vorzuziehen ist, sollten Mütter, die nicht vollstillen können oder wollen, darin unterstützt werden, möglichst lange möglichst erfolgreich Zwiemilch zu füttern (z.B. dahingehend beraten werden, mit Einführung von Beikost nicht den Muttermilchanteil, sondern den Anteil künstlicher Milch zu verringern, oder wie sie die Gefahr von Saugverwirrung oder Milchrückgang verringern können).
Die dritte Gruppe ist zahlenmäßig vermutlich die Größte: Die Müttern sind bei irgendwelchen Stillproblemen am Anfang der Stillzeit falsch beraten worden und "mussten" zufüttern (z.B. weil Arzt, Hebamme oder Familienmitglieder das gesagt haben). Dabei wären die Stillprobleme LEICHT ohne Zufüttern in den Griff zu kriegen gewesen. Beim Zufüttern bleibt es dann für gewöhnlich, mit allen bekannten Nachteilen (wie z.B. schwindendes Vertrauen in die Milchproduktion oder mütterliche Fähigkeiten allgemein, Versagens- oder Schuldgefühle, erhöhte Gefahr für (weitere) Stillprobleme und vorzeitiges Abstillen). Stillberaterisch kann man dann versuchen, doch noch zum Vollstillen zurückzukehren (hier im Stillforum gibt es relativ viele dieser Fälle), oder falls das nicht geht, eben die Zwiemilchernährung so zu optimieren, dass die Stillbeziehung möglichst wenig beeinträchtigt wird.
Für Mütter OHNE Stillprobleme, die EIGENTLICH auch gerne weiterhin vollstillen würden, ist Zwiemilchernährung entsprechend keine so gute Option. Der Aufwand, den diese Ernährungsvariante zwangsläufig mit sich bringt, überwiegt in der Regel die mögliche Entlastung. Sinnvoller wäre es, jetzt ein klein wenig Aufwand zu investieren, um z.B. das Stillen im Tragetuch zu lernen. Dann kannst Du stillend Deinem Kleinkind hinterherlaufen.

Oder Du investierst das Geld, dass Dich künstliche Milch und Fütterutensilien kosten würden, in eine Babysitterin, die Dir gelegentlich Dein Kleinkind abnimmt. Oder in eine Trageberatung, damit Du Dein Baby im Tuch auf den Rücken packen kannst und die Hände für Dein Kleinkind freihast.
LG
Julia