Mein Sohn ist jetzt knapp 19 Wochen alt. Wir haben leider seit der Geburt Probleme mit der Gewichtszunahme und zunehmend auch Schwierigkeiten beim stillen/zufüttern. Langsam verzweifle ich doch daran, das wir auf keinen grünen Zweig zu kommen scheinen. Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen?
Vorweg, ich habe seit der Geburt Begleitung und Beobachtung durch meine Nachsorgehebamme und eine Stillberaterin, die mir beim zufüttern mit Rat und Tat zur Seite steht. Das Gewicht pendelt sich langsam ein. Die Unruhe und die schwierige Stillbeziehung kriegen wir aber nicht in den Griff.
Unser Sohn wurde am 11.02.12 mit 52cm und 3200g termingerecht geboren. Ein super Gewicht, nachdem es wochenlang beim Ultraschall hieß er wäre zu klein/zu leicht. Die Geburt selber war schnell (fünf Stunden von der ersten Wehe bis zur Geburt) und dem Kleinen ging es super. Mir ging es allerdings nicht gut, ich habe viel Blut verloren und ging mit einem HB von 6 nach Hause. Hatte dann zwei Wochen lang immer stärker werdende Atemprobleme bei Belastung, Milchstau, eine Brustentzündung, etc. Ich war danach im Krankenhaus um alles durchchecken zu lassen, bis auf den Eisenwert war aber alles ok. Danach habe ich mich wirklich geschont und wir haben mit Eisentabletten gearbeitet. Seit ein paar Wochen geht es mir auch wieder recht gut, die irre Erschöpfung ist nun weg.
Stilltechnisch hatten wir einen relativ guten Start, er hat zwei Stunden nach der Geburt getrunken und auch zuhause klappte es nach einem etwas schwierigen Tag sehr gut. Er hat allerdings einen sehr starken Saugreflex, sodass meine Brustwarzen nach wenigen Tagen blutig und entzündet waren. Da sonst nichts geholfen hat und ich bei jedem stillen in Tränen ausgebrochen bin, haben wir Stillhütchen verwendet. Die haben das extrem starke Saugen etwas gedämpft, sodass die Schmerzen nachgelassen haben. Mittlerweile ist es so, dass er mit Stillhütchen am Besten trinkt wenn er unruhig ist, ansonsten aber auch ohne gut andockt. Ganz weg sind wir noch nicht. Milch war genug da, nach jedem trinken war noch Milch im Hütchen. Dennoch wollte er nicht ordentlich zunehmen. Wir haben sechs Wochen gebraucht um das Geburtsgewicht wieder zu kriegen. Danach lief es besser, er pendelte sich zwischen 80-120g Zunahme pro Woche ein. All das wurde engmaschig kontrolliert. Es ging ihm gut, er hatte nasse Windeln und war sehr aktiv. Mit knapp drei Monaten kam wieder ein Wachstumsschub, er wollte halbstündlich - stündlich an die Brust. Soweit ok! Aber danach begann es aus dem Ruder zu laufen.
Er hat immer schon während der Mahlzeiten häufig an- und abgedockt. War unruhig und schlief danach auch nicht ein. Der Schlaf ist ohnehin ein schwieriges Thema, er tut sich wahnsinnig schwer mit dem einschlafen. Es klappt nur im Tragetuch und auch da nur mit Dauerbetreuung und häufigem Schreien. Einschlafstillen am Tag ging gar nicht, die Nacht klappte recht gut. Mit drei Monaten begann er sehr sehr unruhig zu werden, schrie die Brust häufig an, wollte nur im äußersten Hungernotfall trinken und war auch danach noch sehr zappelig. Da er ohnehin ein zartes Baby war, wollte ich da nicht lange fackeln. Er ging einige Tage quasi nicht mehr an die Brust, dann habe ich angefangen, in Abstimmung mit einer Stillberaterin, zuzufüttern. Die Mengen die er verputzte waren unglaublich. Meine Milchmenge war extrem zurückgegangen und er trank täglich fast 800ml zusätzlich. Am Anfang war es auch zuviel, er fordert diese Mengen zwar ein, fiel aber quasi ins Verdauungskoma mit riesigem Bauch. Wir haben uns dann relativ gut eingependelt und arbeiten seither mit dem Brusternährungsset/1x täglich Flasche daran, die zugefütterte Menge zu reduzieren. Mittlerweile trinkt er bei mir ungefähr 70-80ml pro Mahlzeit und bekommt täglich etwa 200ml zusätzlich. Ich habe einige Zeit gebraucht um das zufüttern akzeptieren zu können. Ehrlich gesagt, habe ich auf dem Rückweg vom ersten Pulvermilchkauf geheult. Ich hatte große Probleme damit, meinen Kleinen nicht satt zu bekommen. Aber ein sattes Kind ist einfach wichtiger als meine Selbstvorwürfe. Satt ist er nun definitiv und er geht immerhin wieder an die Brust.
Die negativen Erfahrungen beim stillen reißen aber nicht ab. Er gibt keine klassischen Hungerzeichen, hat er nur in den ersten drei Wochen gemacht. Wird er unruhig und es könnte von der Zeit her passen das er Hunger hat, lege ich ihn an. Habe ich falsch interpretiert, wird er richtig hysterisch. Er dockt an und ab, wie er es bei Hunger auch tut bis der MSR einsetzt. Er trinkt dann aber nicht, dreht sich weg, wieder hin, trinkt einen Schluck, dreht sich weg. Wird immer unruhiger und hektischer. Lasse ich das weiterlaufen fängt er irgendwann an zu weinen. Nehme ich ihn weg, fängt er an zu brüllen. Richtig heftig und schrill. Mittlerweile argwöhne ich, dass es immer passiert wenn er eigentlich müde wäre. Vielleicht kann er sich an der Brust nicht beruhigen und steigert sich darum immer weiter rein. Das passiert an guten Tagen vielleicht einmal, an schlechten sehr häufig und kostet mich unheimlich Nerven.
Er zappelt und dreht sich sehr viel beim trinken. Dadurch rutscht der Schlauch vom BES immer wieder raus, er wird hektisch und wenn wir Pech haben, klappt dann gar nichts mehr. Auch veränderte Schlauchgrößen helfen nichts. Ich arbeite mit dem dünnsten Schlauch, der zweite abgeklemmt und die Flasche weit unten. Selbst da hat er schon 100ml in 6 Minuten geschafft. *schwitz* So schnell setzt dann auch kein Sättigungsgefühl ein.
Ich habe ehrlich gesagt schon drüber nachgedacht, ob ich ihm eigentlich einen Gefallen tue wenn ich am stillen festhalte. Ich genieße es sehr, finde es praktisch und wunderbar intim. Die Zeit mit ihm ist wahnsinnig schön - wenn es denn mal in Ruhe klappt. Wir haben auch schöne Momente beim stillen, klar. Aber mir vergällt das ewige Zufüttern und diese Hektik wirklich vieles. Ich kann so nur bedingt raus, Besuche woanders sind quasi unmöglich weil er dann sehr unruhig trinkt und wir dort auch nicht immer mit dem BES arbeiten können. Ich hätte so gern ein ruhiges, zufriedenes Kind an der Brust. Ich weiß ja, dass wir schon viel erreicht haben. Er nimmt nun gut zu, hat einen gewaltigen Sprung von 4600g am 15.05. auf 6000g heute gemacht. Er ist definitiv gut versorgt. Er ist super entwickelt und gut drauf zwischen den Mahlzeiten.
Aber der Kampf ums trinken und schlafen schlaucht mich sehr. Habt ihr vielleicht einen Rat für mich?
Herzlichen Dank,
Julia