AP-Leistungen nicht bewerten?
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Lösche Benutzer 9567
AP-Leistungen nicht bewerten?
Wie seht ihr das? Lobt und kritisiert ihr Ideen eurer Kinder? Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen immer alles ohne Wertung zu betrachten?Bemüht ihr euch darum?Aletha Solter führt das ja im Rahmen des AP an.Mir ist das nen bisschen abstrakt in der Umsetzung? 
- Daria
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?
Ich versuche schon, nicht explizit für Leistungen zu loben, ja. Weil ich finde, dass das Kind davon quasi abhängig wird. Wenn ich das eine zeitlang schweifen lasse, merke ich es auch durchaus.
Ich versuche, anerkennend mit ihm/ihr zu sprechen über das was sie getan haben, gebaut haben, gemalt haben. Ich versuche wiederzugeben, was sie da fabriziert haben, stelle Rückfragen und versuche, mit ihnen ins Gespräch darüber zu kommen.
Aber ich sage nicht "Du hast aber ein tolles Bild gemalt." oder "den Duplo-Turm hast Du aber toll gebaut". Das würde ja auch implizieren, dass entweder gleich ALLES toll ist, was sie malen, bauen und so weiter, denn sie fragen dann durchaus auch, ob sie das denn jetzt toll gemacht haben. Oder aber, dass das was ich nicht lobe, auch nicht toll ist.
Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass sich Kinder nicht geschätzt oder anerkannt fühlen, wenn man auf einer wertungsarmen/-freien Ebene mit ihnen darüber spricht, was sie gemacht haben.
Ich versuche, anerkennend mit ihm/ihr zu sprechen über das was sie getan haben, gebaut haben, gemalt haben. Ich versuche wiederzugeben, was sie da fabriziert haben, stelle Rückfragen und versuche, mit ihnen ins Gespräch darüber zu kommen.
Aber ich sage nicht "Du hast aber ein tolles Bild gemalt." oder "den Duplo-Turm hast Du aber toll gebaut". Das würde ja auch implizieren, dass entweder gleich ALLES toll ist, was sie malen, bauen und so weiter, denn sie fragen dann durchaus auch, ob sie das denn jetzt toll gemacht haben. Oder aber, dass das was ich nicht lobe, auch nicht toll ist.
Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass sich Kinder nicht geschätzt oder anerkannt fühlen, wenn man auf einer wertungsarmen/-freien Ebene mit ihnen darüber spricht, was sie gemacht haben.
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Sibi
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?
Ich bemühe mich nicht sonderlich darum, sondern bin froh, dass ich mit gutem Gewissen nicht loben "darf". Mir kam das früher häufig künstlich vor, wie Eltern mit ihren Kindern sprachen. Irgendwas störte mich an diesem Loben. Wir machen das kaum (also wir Eltern) und zwar relativ intuitiv.linus mama hat geschrieben:Wie seht ihr das? Lobt und kritisiert ihr Ideen eurer Kinder? Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen immer alles ohne Wertung zu betrachten?Bemüht ihr euch darum?Aletha Solter führt das ja im Rahmen des AP an.Mir ist das nen bisschen abstrakt in der Umsetzung?
Wir nehmen Anteil, wir beobachten, wir verbalisieren, wir freuen uns, wenn unser Kind sich freut und trösten, wenn etwas nicht klappt. Aber wir bewerten nicht oder zumindest ganz selten.
Und ich finde auch, Lob kann echte Anteilnahme auch leicht verhindern. Was sagt es denn aus, wenn ich ein Bild, einen Turm (um in Darias Bsp. zu bleiben) lobe? Was erfahre ich von meinem Kind dabei? Doch relativ wenig, oder? Viel mehr bekomme ich doch mit, wenn ich zuschaue, wenn ich frage, was dem Kind besonders gefällt, warum es dies oder jenes gemacht hat, etc.
Ich finde den Aspekt der gewaltfreien Kommunikation auch nicht unwichtig - das würde hier aber wohl den Rahmen sprengen. Ich bin da auch nicht so fit, das ausführen zu können. Aber Lob ist für mich nicht ganz so positiv, wie bei vielen Anderen. Ich sehe durchaus die Gefahren, dass die intrinsische Motivation darunter leidet, dass Kinder zu sehr darauf orientiert werden, den Erwachsenen etwas zum Gefallen zu tun, statt es so zu machen, wie sie es für richtig halten.
- Sakura
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?
Ich versuche, nicht klassisch zu loben, sondern zu kommentieren, was mein Kind tut.
Aber wenn ich mich über irgendwas ehrlich freue oder begeistert bin, dann sage ich das auch explizit.
Aber wenn ich mich über irgendwas ehrlich freue oder begeistert bin, dann sage ich das auch explizit.
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13
Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
vor keinem als sich selber gerade zu stehen. (Reinhard Mey)
Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
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JanoschMama
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?
Ich finde das ganze auch sehr interessant. Gibt es da auch im Internet oder in einem anderen Thread ausführlicher was zu lesen?
M. mit A. 08/11 und Gummibärchen 08/14
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Lösche Benutzer 9567
Re: AP-Leistungen nicht bewerten?
Ah,vielen Dank bis hierhin erstmal.Wenn ich das richtig verstanden habe kommt dann Anerkennung und Wertschätzung über den positiven Kontakt,also das Gespräch?
- Daria
- Dipl.-SuT
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- Wohnort: Kreis Storman
Re: AP-Leistungen nicht bewerten?
genau, quasi einfach nebenbei und nicht so als extra programmpunkt.
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Sibi
- Profi-SuTler
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?
Ja. Eigentlich ist das ähnlich, wie mit Freunden oder dem Partner. Den "lobe" ich zumindest nicht - das steht mir auch gar nicht zu. Aber ich sage natürlich, dass ich mich freue, wenn er die Küche aufräumt. Wenn ich seine (wissenschaftlichen) Texte lese, würde ihm und mir ein "Lob" auch eher komisch vorkommen. Er erwartet da von mir präzisere Auskünfte, was ich von den Texten halte. Natürlich "bewerte" ich auch den Gesamteindruck, also ob es mir insgesamt schlüssig und stimmig vorkommt, aber das ist schon differenzierter als Lob. Lob hat für mich auch immer etwas Manipulatives - in der Erziehung soll Lob ja ein Verhalten bestärken. Erziehende wollen also damit etwas erreichen. Ich würde fast soweit gehen zu sagen, dass wenn diese Manipulation und die Hierarchie, die dem Loben innewohnt, wegfällt, eine Wertung wiederum wesentlich weniger unangenehm ist. Ist das verständlich, was ich meine?linus mama hat geschrieben:Ah,vielen Dank bis hierhin erstmal.Wenn ich das richtig verstanden habe kommt dann Anerkennung und Wertschätzung über den positiven Kontakt,also das Gespräch?
- Daria
- Dipl.-SuT
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?
Ich finde das ein bisschen vergleichbar mit diesem unsäglichen "Entschuldigung auf Kommando sagen". Dabei lernen die Kinder auch nur, etwas auszuführen weil man es so macht. Aber nicht weil sie sehen, dass sie etwas falsch gemacht haben, was es gilt, wieder zu begradigen (wenn es denn angemessen ist). Sie werden dann darauf trainiert, etwas zu tun, was Erwartungen entspricht, was eine bestimmte, positive Reaktion, nach sich zieht - und das erfordert eben kein eigenständiges Denken, Teilhaben, Reagieren.
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Liverpool
- möchten wir nicht mehr missen
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AP-Leistungen nicht bewerten?
Hallo,
ich finde das Thema total spannend. Auch wenn unsere noch sehr klein ist achten wir auch schon sehr auf unsere Kommunikation mit ihr. Loben gibt es bei uns so auch nicht.
Mir fällt aber immer wieder auf, dass viele andere (meine Eltern oder auch Freunde) stark lobend mit ihr sprechen und ich weiß nicht wie ich darauf reagieren soll? Wie macht ihr das? Weist ihr andere darauf hin bitte nicht zu loben?
Ich bin da etwas hin und her gerissen, weil ich ungern andere "zurechtweisen" möchte, andererseits fällt es mir jedesmal stark auf.
ich finde das Thema total spannend. Auch wenn unsere noch sehr klein ist achten wir auch schon sehr auf unsere Kommunikation mit ihr. Loben gibt es bei uns so auch nicht.
Mir fällt aber immer wieder auf, dass viele andere (meine Eltern oder auch Freunde) stark lobend mit ihr sprechen und ich weiß nicht wie ich darauf reagieren soll? Wie macht ihr das? Weist ihr andere darauf hin bitte nicht zu loben?
Ich bin da etwas hin und her gerissen, weil ich ungern andere "zurechtweisen" möchte, andererseits fällt es mir jedesmal stark auf.
