Waldorf - nur für Wohlhabende?

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Stolzerose
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Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von Stolzerose »

Mich beschäftigt aktuell die Überlegung, in welchem Kindergarten wir unseren Zwerg anmelden sollen und damit halt auch die Überlegung, welche Bildungsschiene man damit evtl. schon sehr früh einschlägt.
Ich persönlich bin seit meiner Erzieherausbildung Steiner-Anhängerin und würde mir sehr wünschen, Willi in einen Waldorf-KiGa und später auch in die Waldorfschule zu geben. Nun waren wir gestern zur ersten Besichtigung eines Waldorf-KiGas hier in der Stadt und eigentlich hats mir auch wirklich gut gefallen, wenn da nicht dieses kleine, aber dennoch recht schwerwiegende ABER wäre, was mich beunruhigt.

Es ist so, dass bei uns zusätzlich zum normalen Betreuungsentgeld an die Stadt (in unserem Falle ca. 130€ für eine 35 Std. Stelle) noch knapp 90€ Mitgliedsbeitrag im Waldorfverein sowie rund 70€ Essensgeld anfallen. Das Macht 290€ Kosten für Kinderbetreuung im Monat und das nur für einen Kindergartenplatz von 35 Stunden eines über Dreijährigen.
Da ich die Einstellung vertrete, dass Bildung eines der Wichtigsten Dinge ist, die ich meinem Kind mit auf den Weg geben kann, wäre ich bereit, diese Summe aufzubringen, ggf. an anderen Stellen Abstriche zu machen, um ihm dies zu ermöglichen ABER:

1.) stellt sich die Frage, ob es grundsätzlich richtig ist, aus dieser reformpädagogischen Schiene ein Exklusivprogramm für Kinder aus "besseren Verhältnissen" zu schaffen
und
2.) frage ich mich, ob ich das überhaupt möchte, dass Willi in einem solchen Rahmen aufwächst. Wir sind finanzielle Mittelschicht. Keine Großverdiener, aber auch nicht am unteren Limit. Ich gehe davon aus, dass die Mehrzahl der Familien, die so einen Kinderplatz finanzieren kann, eher aus der finanziellen Oberschicht kommt und dementsprechend wächst auch mein Sohn zwangsläufig mit Kindern dieser Schicht auf. Er würde sich ggf. später minderwertig fühlen, weil wir uns manche Dinge nicht so leisten können oder eben auch Werte von anderen Kindern übernehmen, die ich keinesfalls teile oder bei ihm etabliert wissen möchte.

Das Ganze setzt sich ja später noch fort, wenn er dann auf eine Waldorfschule gehen würde. Die monatlichen Kosten wären ähnlich hoch und sicher auch das Publikum ähnlich.

Ich habe wirklich große Bedenken, ob es das ist, was ich unterstützen möchte!? Das pädagogische Konzept finde ich toll, aber es kann doch nicht sein, dass dies für Otto-Normal-Familien Luxus ist!

Wie sind Eure Erfahrungswerte? Habt Ihr ähnliche Überlegungen?
Liebe Grüße von Stolzerose mit Nikolaus-Willi (06/12/2010) und Anna (09/2013)
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LaLeMi
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Re: Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von LaLeMi »

Ich habe sie auch, ja. Und das gilt ja nicht nur für Waldorf, sondern für alle privaten Bildungseinrichtungen. Das ist im Grunde schon "Bildungsbürgertum" und in der Regel auch vom Finanziellen her, ja. Ich meine, bei der Waldorfeinrichtung hier in der Nähe gibt es zwar die Möglichkeit, über den Schulverein eine (Teil-)Befreiung zu beantragen, da niemand wegen nicht ausreichendem Einkommen ausgeschlossen werden soll, aber ich schätze, die hemmschwelle ist da für Normalverdiener und Nicht-Mehr-studis oder AEs doch relativ hoch; mir wenigstens würde es so gehen.
und ja, auch die Frage, inwieweit das Kind nur von einem Teil der gesellschaft umgeben aufwachsen soll.
Wir wohnen hier schon ländlich auf dem Vorort, das ist schon anders als ich aufgewachsen bin (teilweise) und schon damit "schränkt man ein bißchen ein".
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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youtee
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Re: Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von youtee »

:shock: 90 Euro für den Verein? Ich glaube, hier sind's 15. Bei 90 wäre ich auch entsetzt :oops: .

Zu Punkt 2, bei uns sind auch viele, die eben soziale Förderung kriegen, also eben wirklich nicht reich sind. Klar gibt es die reichen, die dort sind weil es "exklusiv" ist und so, aber es gibt auch viele andere aus allen Schichten. Natürlich wirkt es trotzdem ein bißchen, mmm, abgekapselt von der Masse - noch nicht mal so sehr im KiGa aber in der Schule dann schon.
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Maja
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Re: Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von Maja »

Ich find's ehrlich gesagt nicht sooooo schlimm, wenn meine Kinder in einem "bildungsbürgerlichen" Umfeld aufwachsen. Also was die Kindergarten- und Grundschulzeit betrifft. Das hat auch eine Menge Vorteile (sage ich, nachdem ich umzugsbedingt leider vier Kitas näher kennenlernen durfte, mit jeweils verschiedenem "Publikum").
Ab der weiterführenden Schule würde ich allerdings auch eine Schule in einem gemischteren Umfeld bevorzugen, denn das ist ja dann auch das Alter wo Kinder mehr anfangen über Gesellschaft nachzudenken und seinen Platz darin zu suchen. Außerdem könnten wir uns den Druck auf Markenklamotten und Statussymbole auch schlicht nicht leisten - ich hatte selbst das zweifelhafte Vergnügen ein paar Jahre als normales Mittelschichtkind in einer "Oberschicht"-Klasse zu sein, sowas will ich meinen Kindern definitiv ersparen.

Dass reformpädagogische Einrichtungen häufig so teuer sind finde ich aber auch sehr schade. Vor allem im schulischen Bereich - freie Schulen sollten die gleichen Mittel erhalten wie staatliche Schulen, das ist bei weitem nicht in allen Bundesländern so. Und Kitas in freier Trägerschaft natürlich auch, das ist leider auch nicht überall so, also wenn ein Elternverein so einen hohen Beitrag nimmt kann das auch daran liegen, dass sie nur zu 80-90% staatlich finanziert werden, die Kommunen also auf diese Weise Kosten abwälzen. Besonders fies wird es dann, wenn es in städtischen Einrichtungen nicht mal genug Plätze gibt, man also gezwungen ist eine andere Kita zu nehmen und noch mal draufzuzahlen, selbst wenn einem die normale Pädagogik auch recht gewesen wäre.
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Minchen
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Re: Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von Minchen »

:shock:

Bei uns sind es 50 Euro für den Verein, wenn man wenig verdient, wird das angepasst. Und 35 Euro für vollwertiges Essen. Vollzeit.

Wow, was für Unterschiede!
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Stolzerose
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Re: Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von Stolzerose »

Ich staune auch über die Unterschiede bei den Beiträgen. Die Leiterin erzählte uns, dass der KiGa zu 91% gefördert wird. Finde das schon recht viel für ne private Einrichtung oder täusche ich mich...
Liebe Grüße von Stolzerose mit Nikolaus-Willi (06/12/2010) und Anna (09/2013)
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LaLeMi
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Re: Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von LaLeMi »

Der KiGa wird im Regelfall vom Schulverein mitgefördert, so ist das hier zumidnest. Sonst müßte der KiGa idR zwischen 500 und 1000 EUR kosten. Außerdem ist da die Kommunen-/staatl. Förderung höher, auch wenn ich jetzt die Zahlen nicht mehr zur Hand habe.

Wir wohnen hier "bürgerlich", und es fällt schon auf, daß meine Tochter sich zum Spielen in "anderer" Umgebung, wenn wir z.B. mal in der großen Stadt sind oder so, eher auch "andere" Kinder zum Spielen sucht oder z.B. auch gern mal den "Pennern" in der U-Bahn hilft bei der Platzsuche oder so.
Und in der kleinen Stadt in der Grundschulzeit hatten wir es durch innerstädtisches Wohnen auch recht gemischt - während ich dann schon auf dem Gym war und es war gar nicht mehr so. Also grundsätzlich bin ich schon für etwas mehr "Mischung", zumidnest ab Grundschule.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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LaLeMi
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Re: Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von LaLeMi »

Will sagen, zumindest finanzielle Mischung und so, auf manches andere bin ich nicht scharf, klar ;-)
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Stolzerose
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Re: Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von Stolzerose »

Klar, das seh ich absolut ähnlich. Ich komme aus der finanziellen Oberschicht, was mein Elternhaus angeht und bin sehr gemischt aufgewachsen, was für mich sicher gut und richtig war. Selbst wenn wir jetzt nicht mittelständisch wären, würde ich das also immer befürworten und gut finden, denn alles andere ist eben nicht "normal" und sollte auch so nicht gelebt werden, finde ich.

Ach Mensch, diese Entscheidung bricht mir das Bein, echt. Ich schaue mir noch 2-3 andere Alternativen an, aber so wirkliche Alternativen sind das für mich halt nicht. Hab mich wohl schon zu fest auf Waldorf eingeschossen :-(
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katpaje
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Re: Waldorf - nur für Wohlhabende?

Beitrag von katpaje »

Schaut euch mal den Hexenkessel an, ich könnte mir gut vorstellen dass euch das zusagt. Erzähl dir nachher noch was zu den Waldorfkigas hier... Haben die uns bei K1 auch angeschaut, ich kenne auch einige Eltern, die ihre Kinder da hatten. Elterntratsch :wink:
Lieben Gruß von mir mit Herrn P. (09/03), Mausi (07/07), Mops (11/10) und Frl. Mittendrein Zwetschge (07/13)
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