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Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 09.02.2012, 07:21
von Cosima
Hallo!
Ich muss 'mal ganz blöd fragen: im GVK haben wir einen Abend über das Stillen gehabt und die Hebi hat immer so schön von "Brust, Flasche und Schnuller" geredet, dass ich wegen "Saugverwirrung" nachgefragt habe. Darauf hin hat sie gesagt, dass die Theorie mit der Saugverwirrung als überholt ging. Neueren Erkenntnissen nach gebe es so etwas nicht?
LG
Cosima.
Re: Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 09.02.2012, 07:26
von Traumwind
Davon hab ich noch nichts gehört, dass es das nicht geben soll. Ich habe es grade erst wieder live miterlebt...
Re: Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 09.02.2012, 07:54
von anulika
Ich hab's auch bei meiner Freundin erlebt, deren Mann gesittet hat und dann die Flasche geben wollte - sie hat dann nach vier Monaten abgestillt, weil Mini nicht mehr klar kam.
Re: Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 09.02.2012, 08:32
von cosima83
Mir wurde bei der Kreissaalbesichtigung auch gesagt, dass es Saugverwirrung nicht gibt. Als ich Fingerfeeder, Becherfütterung ansprach, hatte die liebe Frau ein Fragezeichen überm Kopf......
Ich hab in einer anderen Klinik entbunden, aber leider wurde Mausl auch dort auf der Neugeborenenstation mit der Flasche gefüttert (ich hatte schwere postpunktionelle Kopfschmerzen und konnte mich tagelang nicht kümmern.....

).
Als Mausl nach drei Tagen zu mir ins Zimmer kam, hat sie an der Brust nur geschrien, sie war zu ungeduldig, den Spendereflex auszulösen. Reaktion der Säuglingsschwester:"Ich nehm die jetzt mit, die kriegt ne Flasche." Meine Nachsorgehebi (Stillberaterin) gab uns den Tipp anzupumpen und dann anzulegen. Das funktionierte super. Nach einem Tag nahm Mausl problemlos die Brust.
Wie von der Nachsorgehebi empfohlen gaben wir 6 Wochen lang keinen Schnuller. Als Mausl im Alter von ca. 8, 9 Wochen aber ne sehr anstrengende Phase hatte, kramte ich einen hervor um wenigstens mal in Ruhe zur Toilette gehen zu können. Nach einigen Tagen merkte ich, dass Mausl nicht mehr gescheit an der Brust trankt, sie hatte Probleme richtig anzudocken, schmatzte, war unruhig. Ich ließ den Schnuller weg und nach ein paar Tagen war auch hier wieder alles normal.
Also: Saugverwirrung gibt es! definitiv!
Nicht jedes Kind bekommt sie. ich kenne viele, die Problemlos zwischen Schnuller, Brust, Flasche wechseln.
Meine Maus war wohl vergleichsweise anfällig. Da wir eine gescheite Stillberaterin hatten, konnten wir aber immer noch zügig eingreifen.
Eine andere Stillberaterin, mit der ich nach der Geburt sprach, hatte in meiner Klinik mal Stillrichtlinien erarbeitet u.a. zur Verhinderung einer Saugverwirrung, und war schokiert zu hören, dass die wohl komplett übergangen wurden....Im Klinikalltag ist es halt viel einfacher schnell ne Flasche zu geben, als mit Becherchen zu füttern, oder die Eltern mit Fingerfeeder o.ä. zu betreuen. Oder einfach etwas Geduld an den Tag zu legen, wenn es an der Brust nicht sofort klappen will......

Re: Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 09.02.2012, 09:22
von Mondenkind
Nein, als überholt gilt sie nicht. Aber nach wie vor gibt es "Fachleute", die die Existenz der Saugverwirrung schlichtweg verneinen. Es gibt Studien, in denen Babies wohl ohne Probleme zwischen Flasche und Brust wechseln konnten und es gibt welche, die das Risiko für das frühere Abstillen nach Flascheneinführung belegen. Ich habe diese Studien selbst nicht gelesen (bin aber aus Erfahrung überzeugt von der Existenz der Saugverwirrung als eine Gefahr bei der Einführung von künstlichen Saugern, neben anderen Gefahren).
@ Fingerfeeder, der in diesem Zusammenhang immer wieder genannt wird: dieser ist in der Lage, eine massive Saugverwirrung auszulösen.
Re: Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 09.02.2012, 12:42
von Cosima
Hallo!
Sehr interessant. Der Mini war ja völlig problemlos - ob Flasche oder Brust, war ihm eigentlich egal, wobei er definitiv die Brust bevorzugt hat. Gut, am Anfang hatten wir Probleme, weil er zu viel geschnullert (eine nette Nachtschwester hat ihm einen Schnuller geschenkt

) und dafür zu wenig getrunken hat. Dafür wollte er dann nach einigen Wochen vom Schnuller nichts mehr wissen.
Mal schauen, was mich dieses Mal erwartet... .
Re: Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 09.02.2012, 13:16
von Mondenkind
Ja, es gibt das eine und das andere. Was dem einen Baby total schnuppe ist, kann bei einem anderen zur totalen Brustverweigerung führen.
Re: Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 09.02.2012, 19:58
von klimaforscherin
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... verwirrung
Ich hatte auch einmal einen solchen Thread gestartet. Offenbar gibt es keinen "evidenzbasierten Beweis". Und ich Frage mich, wie das gehen soll.
Re: Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 10.02.2012, 00:23
von Chrisselline
Die Kinderärztin auf der Neugeborenenintensiv damals meinte auch, dass es keine Suagverwirrung gebe.
Tja, nur war mein Sohn ziemlich saugverwirrt. Er bekam dort gleich die Flasche und als in endlich mal anlegen durfte, konnte
er mit der BRust nichts anfangen, aber mit Stillhütchen schon

Re: Gilt die Theorie der Saugverwirrung als überholt?
Verfasst: 10.02.2012, 09:59
von 4tiere
Hallo,
ich frage jetzt zunächst mal ganz ketzerisch: Was ist denn eine Saugverwirrung?!
Ich dachte immer, dass dann die Babys nicht mehr die Wellenbewegung der Zunge beherrschen, um die Milch aus der Brust zu "melken". Natürlich kann diese Verwirrung nach der Gabe einer Flasche entstehen, da dort gesaugt wird. Auch nach der Gabe des Schnullers oder durch Stillhütchen. Aber nicht, weil das Baby die Brust nach einer Flasche verweigert. Dann können ja auch andere Gründe vorliegen. Natürlich muss ein Baby, welches an Brust und an Flasche trinkt, beide Methoden beherrschen.Ich will damit sagen, dass diese Unterscheidung sehr wichtig ist (wenn meine Definition stimmt) und ich mir vorstellen kann, dass manche Ärzte von der Art, wie das Baby an der Brust trinkt, gar nicht im Detail kennen.
Im übrigen kann man es doch leicht überprüfen, indem man den Finger in den Mund steckt und spürt, wie das Baby daran saugt. Also bei meiner großen Tochter lag eine Saugverwirrung vor und wir haben regelrecht Saugtraining gemacht, indem sie mit einer Spritze mit Silikonspitze und kleinen Finger gefüttert wurde. Sie bekam immer nur dann was "gesprizt", wenn sie die charakteristische Zungenbewegung machte. So lernte sie es wieder. Mein Sohn dagegen bekam einmal die Flasche, da die Große ihm die geben wollte und er bekam nichts heraus, weil er gar nicht wusste, was er machen sollte.
Die Gefahr ist eben da, wenn man wechselt. Und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er das Risiko eingeht. Letztendlich würde ich die betreffenden Personen, die behaupten, Saugverwirrung gebe es nicht, genau danach fragen. Was sie denn denken, was das überhaupt sei.