Hallo und herzlich Willkommen hier um Forum!
Gut, dass Du Dich so früh meldest, denn 9 Tage nach der Geburt habt Ihr noch alle Möglichkeiten, die Milchbildung auf Vollstillniveau zu etablieren. Also, ich geh mal der Reihe nach:
Nach ca. 5 Tagen hat er endlich wieder zugenommen. Problematisch war/ist allerdings immer noch das Anlegen. Im KH hatte ich immer Hilfe von den Schwestern, die mit einer Engelsgeduld ihn immer gemeinsam mit mir angelegt haben. Trotzdem hat es teilweise bis zu einer halben Stunde gedauert

Alle Neugeborenen (und die Mütter auch!

) müssen korrektes Andocken und die korrekte Stilltechnik erst lernen. Bei den einen klappt es schnell reibungslos, andere Babys brauchen für diesen Lernprozess etwas länger. Das ist ganz normal. Sinnvoll ist, diesen Prozess zum einen möglichst wenig zu stören und zum anderen mit genügend Stillwissen dem Baby wenn nötig die Hilfe zu geben, die es braucht.
Die häufigsten Störfaktoren sind:
* Zu viel Besuch,
* schwere Alltagssorgen (z.B. Einsamkeit, Finanzielles),
* verletzte Privatsphäre (z.B. durch Einmischung andere Leute),
* verletzte Intimsphäre (z.B. wegen überflüssiger Untersuchungen durch Ärzte und Hebammen),
* Schmerzen (z.B. durch Geburtsverletzungen/Kaiserschnittnarbe).
Genügend Stillwissen heißt im wesentlichen: Grundlagen übers Stillen, z.B. die beiden Stillgrundsätze "Die Nachfrage bestimmt das Angebot." und "Die meiste Milch wird WÄHREND des Stillens gebildet." und die Kennzeichen korrekten Anlegens. Außerdem Unterstützungsmaßnahmen für schläfrige oder saugschwache Babys und stillfreundliche Zufüttermethoden.
zweites Problem bei ihm ist, dass er total viel schläft. Er meldet sich tagsüber nur ca. alle 6 Stunden. Nachts schläft er meistens sogar 8-9 Stunden. Somit kommen wir auf 3-4 Stillmahlzeiten pro 24h.
Das ist in der Tat zu wenig. Stillbabys trinken durchschnittlich 8-12 mal in 24 Stunden. In aller Regel ist diese Stillhäufigkeit ("hohe Nachfrage") notwendig, um eine ausreichende Milchproduktion zu etablieren ("hohes Angebot"). Ansonsten kommt es zu einer Art Teufelskreis: Schläfriges Baby meldet sich zu selten. Das heißt: geringe Nachfrage. Die Folge ist eine entsprechend geringe Milchproduktion. Das heißt: Baby bekommt zu wenig Milch und wird dadurch noch schläfriger/schwächer. Und meldet sich deswegen noch seltener/trinkt noch schlapper usw. Dieser Kreislauf sollte ganz unbedingt durchbrochen werden, und zwar mit STILLFREUNDLICHEN Methoden, siehe unten.
Nach einer Woche KH bin ich jetzt seit 3 Tagen zu hause und jetzt nimmt mein Sohn seit 2 Tagen wieder ab (heute sogar 70 g). Das Anlegen dauert immer noch ewig. Zusätzlich habe ich den Fehler gemacht, dass ich immer nur 1 Seite angelegt habe, ca. 30 Minuten. Da hat er anscheinend nur ca. die ersten 10 Minuten Milch bekommen und danach trotz Anstrengung fast nichts mehr. Er ist dann vor Erschöpfung eingeschlafen und ich dachte, er wäre satt
Also hier gilt die ganz klare Empfehlung: WECKEN.
Dein Baby sollte ab sofort MINDESTENS 8-12 mal in 24 Stunden Gelegenheit zum Stillen haben. Das Wecken eines schläfrigen Babys kann eine ziemliche Herausforderung sein

- gute Tipps findest dazu Du in unserer
Linksammlung Stillwissen, Stichwort Wecktipps für schläfrige Babys.
Die zweite sehr eindeutige Empfehlung: Häufigere Seitenwechsel.
Seitenwechsel lösen neue Milchspendereflexe aus, erst durch den Milchspendereflex kommt das Baby an fettreichere Milch als die, die zu Beginn der Stillmahlzeit fließt. Falls Dein Baby schnell während des Stillens einschläft, ist sogenanntes Wechselstillen (siehe ebenfalls Linksammlung!) eine sehr gute und erfolgreiche Methode, das Baby wachzuhalten und ihm so zu ermöglichen, an ausreichend Milch heranzukommen. Grundprinzip ist: Sobald Dein Baby schwächer saugt, wechsle die Seite. Das kann durchaus schon nach wenigen Schlucken der Fall sein. Immer wieder wechseln, ingesamt über einen Zeitraum von ca. 20-30 Minuten. Diese Maßnahme ist sehr effektiv, und meist braucht es auf diese Weise nur wenige Tage, bis man damit auch wieder aufhören kann und es von allein gut weiterläuft.
Einzige Schwierigkeit dabei könnte die Tatsache sein, dass das Andocken bei Euch noch nicht gut klappt. Beim Wechselstillen wird ja sehr viel angedockt

- sprich: Falls das Andocken sich noch derart schwierig gestaltet, dass Du heilfroh bist, wenn Dein Baby endlich richtig angedockt ist und Du entsprechend verständlicherweise keinerlei Lust hast, ihn gleich wieder abzunehmen, dann sind vorübergehende Zufüttermaßnahmen wohl unumgänglich, siehe unten.
Heute mussten wir zum Kinderarzt, weil meine Hebamme den Gewichtsverlust nicht mehr verantworten wollte.Wir müssen jetzt mit Pre-Nahrung zufüttern. Da das Anlegen für ihn zu anstrengend ist, füttern wir mit der Flasche. Erst abgepumpte Mumi, danach noch Pre-Nahrung bis er satt ist. Beim Pumpen ist mir aufgefallen, dass meine Milchproduktion nur noch sehr gering ist. Links meist so 20-40 ml, rechts sogar nur 10 ml (ich pumpe alle 3-4 Stunden). Also kein Wunder, dass er so viel abgenommen hat
Ich teile die Ansicht von KiA und Hebamme, dass vorübergehendes Zufüttern notwendig ist. Allerdings wäre es erheblich günstiger, wenn Ihr eine STILLFREUNDLICHE Zufüttermaßnahme wählt. Die frühe Gewöhnung an Flaschensauger kann die FÄhigkeit eines Babys, korrekt an der Brust zu trinken, massiv beeinträchtigen (siehe Linksammlung, Stichwort Saugverwirrung), sogar soweit, dass Stillen praktisch unmöglich wird. Dies gilt so für Babys, die ehemals super(!) an der Brust tranken. Babys, die ohnehin Stillschwierigkeiten haben bzw. noch nie problemlos korrekt gestillt haben, so wie Deins, reagieren noch wesentlich empfindlicher auf künstliche Sauger. Sprich: Die Flaschenfütterung gefährdet Eure Stillbeziehung mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit. Wenn Du gerne weiter stillen möchtest, ist der Wechsel zu Zufüttermethoden, die das Stillenlernen nicht beeinträchtigen, also ausgesprochen sinnvoll. (siehe dazu Linksammlung, Stichwort "mögliche Behandlungwege der Saugverwirrung").
Ich möchte so gerne weiter stillen, aber ich kann den Kleinen natürlich nicht hungern lassen. Nervlich nimmt mich das gerade total mit, deshalb hoffe ich, dass ich hier vielleicht noch ein paar Tipps bekommen kann.
Wenn er jetzt erstmal aus der Flasche trinkt, kann er sich dann überhaupt noch an die Brustwarze gewöhnen? Wie kann ich die Milchbildung mehr anregen? Anlegen geht ja im Moment nicht...
Meine konkreten Empfehlungen sind:
* Beginne umgehend damit, Deine Milchproduktion anzuregen. Erste Wahl ist ein kräftig stillendes, als "technisch gut" saugendes Baby. Falls Dein Baby das zur Zeit noch nicht ausreichend kann, ist Pumpen eine gute Alternative. Dies sollte wenn möglich eine gute, elektrische Pumpe mit DOPPEL-Pumpset sein (spart Zeit und regt die Milchbildung stärker an als die Seiten nacheinander abzupumpen).
* Füttere notwenige Zusatzmilch ab sofort nicht mehr per Flasche, sondern nur noch stillfreundlich zu. Dies kann saugfrei geschehen, z.B. per Becher oder Softcup, oder auch WÄHREND des Stillens. Das Zufüttern während des Stillens hat viele Vorteile, denn Dein Baby verbringt dabei Zeit an der Brust, regt also die Milchbildung an. Gängigste Hilfsmittel dazu sind kleinen Sonden, über die mittels einem kleinen Schläuchlein Milch in den Mund gedrückt wird, während das Baby an der Brust saugt und das Brusternährungsset (kurz: "BES", ein Spezialstillhilfsmittel für exakt diesen Zweck. Google den Begriff mal, dann findest Du sofort Bilder dazu.). Hier im Forum gibt es auch einige Mütter, die mit Hilfe des Brusternährungssets wieder vollstillen konnten; hier könntest Du also entsprechenden Austausch finden.
* Vermeidet wenn irgend möglich alle künstlichen Sauger (keine Flaschen, keine Stillhütchen, keine Schnuller).
* Falls Du erwägst, mit dem BES zuzufüttern, such Dir am besten eine mit dem BES vertraute Stillberaterin vor Ort, die Dich bei den ersten Versuchen mit diesem Stillhilfsmittel unterstützen kann. (Der Umgang mit dem BES wird manchmal als etwas fummelig-friemelig empfunden. Aber es lohnt sich meist, sich da durchzubeißen.)
* Besorge Dir eine gute Babywaage, z.B. aus der Apotheke zu mieten. In dieser Phase, wo die Zufüttermengen verringert werden sollen und Ihr zurück zum Vollstillen findet, ist eine sorgfältige Beobachtung von Gewicht und Gedeihen unerlässlich. Ausführliche Informationen dazu findest Du in unserem
Grundinfo-Thread zu Thema Gewichtsentwicklung.
Ich hoffe, diese ersten Infos sind hilfreich für Dich. Wenn Du jetzt zügig loslegst, sind Eure Chancen, noch die Kurve zum Vollstillen zu kriegen, gut, einfach weil Dein Baby noch so jung ist. (Für die Etablierung einer Laktation auf Vollstillniveau gibt es nach der Geburt ein gewisses Zeitfenster, das sich irgendwann schließt. Eures ist bestimmt noch offen. Aber legt JETZT los.

)
Rückfragen immer gerne und
LG
Julia