Schmerztherapie vs. Stillen

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

lysa
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 315
Registriert: 18.05.2006, 18:10
Wohnort: Berlin

Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von lysa »

Leute, ich bin ganz schön fertig: Meine Hausärztin hat mir nahegelegt abzustillen, damit ich meine Rückenschmerzen (hatte ich schonmal gepostet) mal adäquat behandeln kann. Das hieße eben: 2 WOchen lang intensie Schmerztherapie mit Lokalanästhetika, Muskelrelaxantien und Cortison. Wenn ich nicht stillen würde, wäre ich sofort dabei, meine Schmerzen und die Einschränkungen im Alltag rechtfertigen das - aber so? Sie hat natürlich wenig Verständnis dafür, SÖhnchen ist "ja schon mehr als 5 Monate alt", und ich könnte "ja auch zwei Wochen abpumpen und dann wieder anfangen".

Ich habe aber total Angst, dass er dann nicht mehr an die Brust will, ich nicht mehr genug Milch habe, unser Stillstress wieder auflebt (nachdem es seit einer Woche echt wieder schön ist) - kurz: dass es das dann war mit dem Stillen. Andererseits habe ich solche Schmerzen, dass ich oft an nichts anderes mehr denken kann, die absorbieren mich total. Und ich weiß nicht, wann Physio und Fango endlich wirken, der Rücken ist halt meine Schwachstelle. Was soll ich bloß tun?

LG
lysa
Benutzeravatar
Altraia
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 8383
Registriert: 25.01.2006, 12:22
Wohnort: Limburg

Re: Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von Altraia »

Deine Ärztin sollte sich intensiv mit Embryotox beraten, welche Möglichkeiten stillverträglich sind. Falls es keine solche Lösung gibt, musst Du für Dich abwägen, was momentan wichtiger ist.

Eine vierzehntägige Stillpause wird bei einem so kleinen Baby wahrscheinlich das Still-Aus bedeuten.
Liebe Grüße,
Christine mit Sohn (2/05), Tochter (6/07) und Tochter (2/14)
Benutzeravatar
Teazer
Mod a.D.
Beiträge: 18114
Registriert: 14.09.2009, 10:15

Re: Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von Teazer »

Ich kann Deine Sorgen total gut verstehen. Das ist eine verzwickte Situation. Ganz abstillen würde ich persönlich nicht.

Es gibt ja einige Möglichkeiten im Voraus abgepumpte Milch saugverwirrungsfrei zu füttern (obwohl für 2 Wochen natürlich eine ganze Menge nötig wäre). Aber wenn Du die Schmerztherapie noch etwas, aber nicht gänzlich verschiebst ginge das ja vielleicht trotzdem. Die ausleihbaren Pumpen können die Milchproduktion auch gut am Laufen halten und bringen einen guten "Ertrag".

Bei der Schmerztherapie sind natürlich einige Hämmer dabei, trotzdem wäre eine Abklärung mit Embryotox ein Versuch. Es gibt ja durchaus chronisch kranke, stillende Mütter.
Viele Grüße von Teazer (Stillmodteam)

"Mit einer Kindheit voller Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." (Jean Paul)
AP estab. 2009, 2011 & 2014
Benutzeravatar
Teazer
Mod a.D.
Beiträge: 18114
Registriert: 14.09.2009, 10:15

Re: Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von Teazer »

Altraia hat geschrieben:Eine vierzehntägige Stillpause wird bei einem so kleinen Baby wahrscheinlich das Still-Aus bedeuten.
Das finde ich nicht. Kenne mehrere Babys, die teilweise sogar jünger waren, die 2 bis 3 Wochen mit Ersatznahrung gefüttert wurden und danach wieder problemlos stillten.
Viele Grüße von Teazer (Stillmodteam)

"Mit einer Kindheit voller Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." (Jean Paul)
AP estab. 2009, 2011 & 2014
jusl
Jusl Almighty
Beiträge: 16020
Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von jusl »

Hallo Lysa,

ich kann Dir auch nicht sagen, "was Du tun sollst" - aber vielleicht helfen folgende Überlegungen irgendwie weiter:
Das finde ich nicht. Kenne mehrere Babys, die teilweise sogar jünger waren, die 2 bis 3 Wochen mit Ersatznahrung gefüttert wurden und danach wieder problemlos stillten.
Ja, solche Babys kennen wir wohl alle - aber: die vielen ANDEREN Babys kennen wir eben auch. (Insb. als Stillberaterin hört man u.U. mehr von denjenigen Fällen, wo es doch Probleme gab.) Und: die Info "ach, das hat doch schon oft geklappt!" ist vermutlich für verschiedene Leute unterschiedlich hilfreich - wenn einer Mutter das Stillen SEHR SEHR wichtig ist, dann ist ihr möglicherweise auch ein "nur bei 10% aller Babys ist die Stillzeit dann vorbei!"-Risiko noch zu hoch.
Es gibt ja einige Möglichkeiten im Voraus abgepumpte Milch saugverwirrungsfrei zu füttern (obwohl für 2 Wochen natürlich eine ganze Menge nötig wäre)
Es ist nur sehr schwer möglich, ein 5 Monate altes Baby zwei Wochen lang ohne Saugen (denn das wäre "saugverwirrungsfrei") zu füttern. Babys haben ein angeborenes Saugbedürfnis, das sicherlich nicht zwei Wochen lang einfach nicht befriedigt werden kann. D.h. an irgendwas müssen sie saugen, ob nun während der Mahlzeiten oder dazwischen, und damit ist die Möglichkeit von Saugverwirrung/Umgewöhnung auf jeden Fall gegeben.
Bei der Schmerztherapie sind natürlich einige Hämmer dabei,
Die Schmerzmittel sind nicht das Problem, auch nicht die deutlich wirksameren Wirkstoffe als die übliche Hausapo-Ausstattung ASS/Ibu/PCM. Cortison auch nicht unbedingt (hängt recht stark von Dosierung und Anwedungsdauer ab, von "problemlos stillverträglich" bis "lieber doch nicht" ist da alles abgedeckt). Was allerdings ein Problem sein könnte, sind die Muskelrelaxanzien. Hier müsste genau geschaut werden, was, wieviel, wie lange, und: ob sie wirklich unbedingt nötig sind, oder doch evtl durch Spasmolytika o.ä. ersetzt werden können.

Vielleicht kannst Du Deine behandelnde Ärztin bitten, Dir genau aufzuschreiben, was, wieviel, wie lange und warum Du die Präparate nehmen sollst? Dann kann man genauer schauen, auch in Sachen Zweitmeinung.

LG und gute Besserung,
Julia
lysa
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 315
Registriert: 18.05.2006, 18:10
Wohnort: Berlin

Re: Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von lysa »

jusl hat geschrieben:Hallo Lysa,

ich kann Dir auch nicht sagen, "was Du tun sollst" - aber vielleicht helfen folgende Überlegungen irgendwie weiter:
Das finde ich nicht. Kenne mehrere Babys, die teilweise sogar jünger waren, die 2 bis 3 Wochen mit Ersatznahrung gefüttert wurden und danach wieder problemlos stillten.
Ja, solche Babys kennen wir wohl alle - aber: die vielen ANDEREN Babys kennen wir eben auch. (Insb. als Stillberaterin hört man u.U. mehr von denjenigen Fällen, wo es doch Probleme gab.) Und: die Info "ach, das hat doch schon oft geklappt!" ist vermutlich für verschiedene Leute unterschiedlich hilfreich - wenn einer Mutter das Stillen SEHR SEHR wichtig ist, dann ist ihr möglicherweise auch ein "nur bei 10% aller Babys ist die Stillzeit dann vorbei!"-Risiko noch zu hoch.
Es gibt ja einige Möglichkeiten im Voraus abgepumpte Milch saugverwirrungsfrei zu füttern (obwohl für 2 Wochen natürlich eine ganze Menge nötig wäre)
Es ist nur sehr schwer möglich, ein 5 Monate altes Baby zwei Wochen lang ohne Saugen (denn das wäre "saugverwirrungsfrei") zu füttern. Babys haben ein angeborenes Saugbedürfnis, das sicherlich nicht zwei Wochen lang einfach nicht befriedigt werden kann. D.h. an irgendwas müssen sie saugen, ob nun während der Mahlzeiten oder dazwischen, und damit ist die Möglichkeit von Saugverwirrung/Umgewöhnung auf jeden Fall gegeben.
Bei der Schmerztherapie sind natürlich einige Hämmer dabei,
Die Schmerzmittel sind nicht das Problem, auch nicht die deutlich wirksameren Wirkstoffe als die übliche Hausapo-Ausstattung ASS/Ibu/PCM. Cortison auch nicht unbedingt (hängt recht stark von Dosierung und Anwedungsdauer ab, von "problemlos stillverträglich" bis "lieber doch nicht" ist da alles abgedeckt). Was allerdings ein Problem sein könnte, sind die Muskelrelaxanzien. Hier müsste genau geschaut werden, was, wieviel, wie lange, und: ob sie wirklich unbedingt nötig sind, oder doch evtl durch Spasmolytika o.ä. ersetzt werden können.

Vielleicht kannst Du Deine behandelnde Ärztin bitten, Dir genau aufzuschreiben, was, wieviel, wie lange und warum Du die Präparate nehmen sollst? Dann kann man genauer schauen, auch in Sachen Zweitmeinung.

LG und gute Besserung,
Julia
Danke, Julia! Natürlich habe ich nicht wirklich erwartet, dass mir jemand sagt, was ich tun soll - es war mehr eine Frage an mich selbst, die mein Dilemma beschreibt :wink:

Und ich zähle mich durchaus zu den Müttern, denen das Stillen so wichtig ist, dass ihnen das x-Prozent-Risiko, die Stillzeit könnte dann vorbei sein, zu hoch ist. Zumal Söhnchen definitiv mein letztes Kind sein wird. Im Voruas abpumpen halte ich auch nicht für möglich - nicht für 2 Wochen, wenn ich dabei noch voll stillen muss. Ich habe mal meine üblichen Pumpmengen zwischen den Mahlzeiten hochgerechnet und käme auf 6mal Pumpen für eine Mahlzeit! Das wäre zeitlich absolut nicht zu schaffen - ganz abgesehen vom Fütterproblem. Andererseits merke ich, dass ich mit diesen Schmerzen meinen Kindern, vor allem der Großen, auch nicht mehr gerecht werde. Ist echt Sch* gerade.

Schmerzmittel und Cortison gehen, ja? Ich wusste das bisher nur bei inhalativem Cortison, das ich für mein Asthma brauche. Dann werde ich meine Ärztin mal bitten, einen konkreten Plan zu erstellen. Hoffentlich macht sie da mit...
Benutzeravatar
Teazer
Mod a.D.
Beiträge: 18114
Registriert: 14.09.2009, 10:15

Re: Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von Teazer »

jusl hat geschrieben:Ja, solche Babys kennen wir wohl alle - aber: die vielen ANDEREN Babys kennen wir eben auch. (Insb. als Stillberaterin hört man u.U. mehr von denjenigen Fällen, wo es doch Probleme gab.) Und: die Info "ach, das hat doch schon oft geklappt!" ist vermutlich für verschiedene Leute unterschiedlich hilfreich - wenn einer Mutter das Stillen SEHR SEHR wichtig ist, dann ist ihr möglicherweise auch ein "nur bei 10% aller Babys ist die Stillzeit dann vorbei!"-Risiko noch zu hoch.

(...)

Es ist nur sehr schwer möglich, ein 5 Monate altes Baby zwei Wochen lang ohne Saugen (denn das wäre "saugverwirrungsfrei") zu füttern. Babys haben ein angeborenes Saugbedürfnis, das sicherlich nicht zwei Wochen lang einfach nicht befriedigt werden kann. D.h. an irgendwas müssen sie saugen, ob nun während der Mahlzeiten oder dazwischen, und damit ist die Möglichkeit von Saugverwirrung/Umgewöhnung auf jeden Fall gegeben.
Hallo Julia,

ja, Deine Einwände stimmen und ich bin froh, dass Du sie geschrieben hast. Meine Antwort war ein Reflex auf Altraias Beitrag. Ich hatte die Sorge, dass Lysa total von der Möglichkeit abschreckt sein könnte sich behandeln zu lassen, selbst wenn es de facto notwendig ist.

Natürlich bin ich keine Stillberaterin und kenne daher nicht so viele Fälle wie diese, aber ich habe mich privat viel mit stillenden Müttern ausgetauscht. Und mein Eindruck ist, dass die Verängstigung, eine Saugverwirrung durch die Gabe eines Schnullers oder Flasche herbeizuführen, viel mehr Mütter zum Abstillen bringt als das tatsächliche Eintreten dieses Falles.

Mir liegt sehr viel am Stillen, will es meiner Maus so lange wie möglich und nötig ermöglichen. Aber eine notwendige medizinische Behandlung finde ich auch wichtig. Das gegeneinander auszuspielen ist natürlich kontraproduktiv und hilft niemandem. Ich wollte nur aufzeigen, dass es nicht immer ins Verderben gehen muss und, dass auch eine Saugverwirrung (sollte sie eintreten) reversibel sein kann.
Viele Grüße von Teazer (Stillmodteam)

"Mit einer Kindheit voller Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." (Jean Paul)
AP estab. 2009, 2011 & 2014
Benutzeravatar
Altraia
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 8383
Registriert: 25.01.2006, 12:22
Wohnort: Limburg

Re: Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von Altraia »

Ich mag dann auch betonen, dass ich keinesfalls von einer Schmerztherapie abraten wollte, deshalb schrieb ich ja auch, Lysa solle sich bei Embryotox intensiv beraten lassen.
Liebe Grüße,
Christine mit Sohn (2/05), Tochter (6/07) und Tochter (2/14)
lysa
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 315
Registriert: 18.05.2006, 18:10
Wohnort: Berlin

Re: Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von lysa »

Ihr Lieben, gar keine Schmerztherapie kommt auch nicht für mich in Frage - das sagt mir schon mein Körper! Die Kunst wird wohl sein, einen Mittelweg zu finden - und einen kooperativen Arzt, der bereit ist, mir zu diesem Mittelweg zu verhelfen. Danke fürs Sortieren!
Benutzeravatar
Zhea
Power-SuTler
Beiträge: 6084
Registriert: 26.07.2009, 13:27
Wohnort: Schweiz

Re: Schmerztherapie vs. Stillen

Beitrag von Zhea »

hi

gute abklärung mit dem embryotox finde ich ganz wichtig. ärzte können einfach nicht alles wissen und deshalb gibts ja dieses kompetenzzentrum.

ich habe grad eine kortison-therapie hinter mir und es ging alles gut. habe (nach abklärung) weiter stillen können. nehme auch noch andere medikamente.

hoffe, dass ihr eine gute lösung findet!
zhea
Mami von A. [08.97], Li [12.09] und I. [03.12]
XE Blog
Antworten

Zurück zu „Stillforum“