nach langer Überlegung, welchen der gefühlten tausend neuen Mei-Tai - ähnlichen Tragen ich mir nun zulege habe ich mich entschieden, den (neuen) Hop-Tye zu testen. Und da schon viele danach gefragt haben, unter anderem in unserem Workshop in München, will ich Euch an meinen hoffentlich nicht nur subjektiven Ergebnissen teil haben lassen.
Modell/Größe:
Ich habe mich für das Modell "Kapstadt" entschieden, also uni schwarz. Der Hop-Tye Aufnäher ist jetzt am Träger angebracht, gut sichtbar aber nicht mehr so aufdringlich direkt auf dem Rückenpanel. Die Größe des Hop-Tye geht von ca. 0 bis 2,5 Jahre (Herstellerangaben).
Material:
Hoppediz Tragetuchstoff, 100% Baumwolle, schadstoffgeprüft.
Erster Eindruck:
Positiv! Der Hop-Tye ist komplett aus Tragetuchstoff und kommt inklusive farblich passendem, praktischem Umhängebeutel (für mich immer ein Pluspunkt, wenn man eine Trage etwas vor Schmutz schützen kann, wenn man sie ohne Baby transportiert).
Haltung des Kindes
Zuerst habe ich meine Tragepuppe vorn eingebunden. Das Binden ist nicht schwierig, allerdings sollte man das Nachziehen ähnlich wie beim Tragetuch beherrschen. Ich nehme an, dass Ungeübte hier eher zu locker binden. Die Haltung des Kindes ist, wenn man fest bindet, recht gut:
Eine ASH ist gut realisierbar, die Spreizung ist nicht zu groß, vorausgesetzt, man stellt VOR dem Anlegen des Hop Tye mithilfe des Kordelzugs die Stegbreite richtig ein. Man kann den Steg ziemlich schmal machen, allerdings wirft der Stoff dann auch ordentlich Falten.
Man kann aber die Falten etwas nach außen schieben, so dass zumindest unterm Po vom Kind keine sind. Dann ist der Beutel auch recht gut. Der Kordelzug hält dankbarerweise auch ohne Knoten, vielleicht macht man aber zur Sicherheit einen.
Wie man sehen kann, ist das Kind bis "über die Ohren" eingepackt. Ein etwas älteres Baby, das etwas sehen möchte, hat nicht so gute Karten. Allerdings befindet sich im Nacken des Babys ein Kordelzug, wo dieser Bereich etwas gelockert oder verengt werden kann. Auf dem Bild oben ist er nicht verengt, da passt aber auch noch locker eine Hand zwischen Babykopf und Trage.
Hier habe ich den Kordelzug mal zugezogen, das ergibt dann eine Art "Nackenrolle" bzw. bei einem kleinen Baby liegt der Bereich am unteren Hinterkopf. Das Einstellen muss gut dosiert sein, damit es nicht drückt:
Der neue Hop-Tye ist auf der Seite mit einem Gummizg ausgestattet, der genau den Bereich abdeckt, der sonst bei Mei Tais gerne absteht und evtl. zu wenig Halt gibt:
Der Gummizug geht nicht über die ganze Länge, sondern nur in der Mitte ein Stück (siehe Pfeil), was wie gesagt genau in dem Bereich den Stoff besser an das Kind anschmiegen lässt. Eine Stützung geht aber davon natürlich nicht aus, die erreicht man nur über genug festes Binden.
Auch beim Tragen auf dem Rücken ist die Haltung in Ordnung:
Das Kind sieht aber hier noch weniger, die Kopfstütze kommt bei so einem kleinen Kind vermutlich nie zum Einsatz. Meine Tochter hätte es außerdem sicher nicht toleriert, dass ihr Kopf derartig eingepackt ist, zumindest nicht im wachen Zustand. Das Rückenpanel ist einfach zu hoch und gerade auf dem Rücken kann man hier wenig korrigieren, ohne dass man möglicherweise zu locker bindet. Das ist schade, denn so lässt sich das Rückentragen schlecht "verkaufen".
Träger und Hüftgurt:
Der Hüftgurt ist etwas "rutschig" beim Knoten hinten, man muss die Enden schon gut festhalten, um einen ordentlichen Knoten hinzubekommen. Die Polsterung des Hüftgurtes ist zudem so lang, dass ich sie mitgeknotet habe, und ich habe keine schmale Taille. Die Polsterung ist aber nicht besonders dick, weswegen das im EInzelfall nicht stören muss.
Dann haben wir hier wieder seeeeehr lange Schulterbänder, die reichen auch für einen 2 m großen korpulenten Mann noch locker. Bei der einfachen Rückentrage habe ich die Bänder drei Mal um mich herumgenommen, damit sie mir nicht an den Knien hängen.
Der Hüftgurt ist beim Hop Tye mein Hauptkritikpunkt. Denn er ist sehr schmal gehalten uns schneidet sowohl vorne als auch hinten ein. Lockerer knoten macht keinen Sinn, dann sitzt das Kind nicht mehr gut. Aber gerade für Frauen, die in diesem Bereich empfindlich sind (z.B. nach Kaiserschnitt) würde ich den Hop Tye aus diesem Grund leider nicht empfehlen.
Die Träger muss man wie gesagt ähnlich wie bei Tragetuch strähnchenweise fest ziehen. Zwar ist das in der Anleitung gut erklärt, trotzdem kann das für Ungeübte schwierig sein. Man muss einfach den Handgriff kennen, wie man festzieht.
Kopfstütze:
Beim kleinen KInd wüßte ich nicht, wann diese zum Einsatz kommen könnte, denn der Kopf verschwindet zur Hälfte in der Trage. Die Handhabung ist allerdings einfach, sie wird an Kordelzügen befestigt und gestrafft.
Tragegefühl:
Ich finde den Hop Tye recht bequem, er fühlt sich in etwa so an wie eine Wickelkreuztrage.
Allerdings habe ich etwas gebraucht, um die äußere Kante halbwegs fest zu bekommen (Pfeil). Durch die sehr langen Träger ist das doch ein ziemliches Gefummel, bis man alles an Ort und Stelle hat.
So, dann habe ich noch meine Kleine kurz dazu überredet, sich tragen zu lassen. Sie ist gut 21 Monate alt und hat Kleidergröße 86:
Auch sie sitzt noch recht gut, ist aber immer noch bis zum Nacken eingepackt. Ein Herausnehmen der Arme ist hier nicht möglich. Auch sieht man beim Tragen vor dem Bauch, dass der Steg schon nicht mehr ganz von Kniekehle zu Kniekehle reicht. Wobei ich das in dem Alter verzeihlich finde.
Auf dem Rücken bekomme ich sie recht hoch, so dass sie mir über die Schulter sehen kann. Verrutschen meiner Kleidung ist natürlich inklusive.
Fazit:
Vom Tragekomfort und von den Kriterien für eine ergonomisch gute Babytrage her eine gute Trage. Als Alternative zum Tragetuch möglich, aber das Festziehen muss trotzdem beherrscht werden. Für Kaiserschnitt-Mamas bedingt zu emfehlen. Für viele sicher auch wegen des günstigen Preises attraktiv, was ich aber auch gut finde.

(Jan.06), Sonnenschein
(Juni 08) 







