Die Geburt war völlig problemlos. Etwa einen Tag später wurde mein Sohn blass und schlapp, hatte überhaupt kein Interesse mehr zu trinken. Der herbeigerufene Kinderarzt vermutete eine Neugeboreneninfektion und schickte ihn in die Kinderklinik, wo er auf der Intensivstation landete. Die Kinderklinik befindet sich in einem Extra-Gebäude, zu Fuß vielleicht 5 Minuten entfernt, für eine Wöchnerin mit Dammriss jedoch Ewigkeiten... Als ich schließlich zu ihm durfte, war es ein Schock, wie er aussah: Magensonde, Infusion und zig Kabel zur Überwachung von Puls, Atmung und Sauerstoffsättigung. Na ja, das werden einige hier wohl auch kennen.
Ich war wild entschlossen, zu stillen, und machte das auch den Ärzten dort klar. Am ersten Tag dort war er aber immer noch zu schwach zum Trinken an der Brust, bekam ein paar abgepumpte Tropfen Kolostrum per Magensonde und sonst das Fläschchen. Am nächsten Tag war er dank der Antibiotika wieder munter, und laut Arzt hätte er dann durchaus auf die normale Säuglingsstation können, dort war aber kein Platz mehr frei. So blieben wir auf der Intensiv mit allem drum und dran: Temperatur messen bei jedem Wickeln, vor und nach dem Stillen wiegen.
Das Stillen war für mich irgendwann die Hölle. Das fing erstmal mit den ganzen Kabeln an, die es nicht einfach machten, ihn auf den Arm zu nehmen. Alle fünf Minuten kam eine Schwester herein und fragte, ob er denn nicht schon fertig sei mit Trinken. J. hat sich Zeit gelassen und durchaus eine halbe Stunde gestillt (ist ja auch sein gutes Recht in dem Alter, oder?). Das Wiegen war auch tierisch nervig. Die Waage stand nicht im Zimmer, sondern war für die ganze Station, und so musste ich sie jedesmal organisieren. Mit den ganzen Kabeln und Schläuchen dran war das auch so eine Sache: Wenn mal 5 cm mehr Kabel auf der Waage lagen, hat sich das Gewicht natürlich gleich verändert
Das einzig positive, was sich über die Stillsituation dort sagen läßt, war, dass J. nach Belieben stillen durfte und nicht in den 4-Stunden-Rhythmus gepresst wurde, den die Frühchen dort haben. Immerhin etwas.
Mein Milcheinschuss kam dummerweise erst, nachdem ich von der Wöchnerinnenstation in ein Zimmer für Begleitpersonen in der Kinderklinik gezogen war. Überflüssig zu sagen, dass mir dort niemand damit helfen konnte, oder? Genausowenig wie mir jemand mit dem korrekten Anlegen helfen konnte. Dass ich da jemanden gebraucht hätte, wurde mir erst hinterher klar.
Meine Nachsorgehebamme hatte einiges an Reparaturarbeit zu leisten. Ich bin sehr froh, dass ich das Stillen durchgehalten habe, es ist jetzt so schön einfach und schnell
So, jetzt habe ich schon wieder Tränen in den Augen...
