Seite 92 von 214
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 27.02.2014, 19:08
von elanor
nido56 hat geschrieben:Was ich mich schon haeufiger gefragt habe: weiss jemand, ob es Untersuchungen zum Sprachbeginn in Relation zur Muttersprache gibt? Also, fangen alle Kinder weltweit etwa zeitgleich an zu sprechen, egal ob ihre Muttersprache eher simpel oder eher komplex ist? Ich finde naemlich Spanisch fuer Sprachanfaenger ziemlich einfach. Ausser dem r (das kaum ein spanisches Kind vor dem 3. Geburtstag auch nur annaehernd aussprechen kann), gibt es kaum komplizierte Laute, die Worte sind kurz und recht vokallastig, der Satzbau ist klar. Deutsch dagegen finde ich schon deutlich komplizierter, viele Konsonantenkombinationen, einige Zischlaute, lange Worte, komplizierte Pluralformen, sehr komplizierte Satzstruktur, trennbare Verben etc. etc.
Ich weiß es nicht, finde es aber auch eine sehr spannende Frage
Bei uns sieht es so aus, dass das Deutsche gerade wirklich viel wichtiger wird, seitdem das Kürbiskind in den Kinderladen geht... "Ball" ist ihr neues Lieblingswort, und es ist jetzt auch das erste Mal so, dass sie ein deutsches Wort bzw. einen deutschen "Klang" auch zuhause nutzt... wir nehmen das an und sprechen dann aber weiter mit ihr italienisch. Ich glaube es ist viel zu früh von ihr zu verlangen, dann auch nur italienisch zuhause zu sprechen. Also ich sage ihr schon, wie es auf italienisch heißt aber dann ist gut. Überhaupt bedeutet Ball gerade neben Ball auch runterwerfen, rollen und noch einiges anderes

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 27.02.2014, 22:26
von Stefania
nido56 hat geschrieben:
Was ich mich schon haeufiger gefragt habe: weiss jemand, ob es Untersuchungen zum Sprachbeginn in Relation zur Muttersprache gibt? Also, fangen alle Kinder weltweit etwa zeitgleich an zu sprechen, egal ob ihre Muttersprache eher simpel oder eher komplex ist? Ich finde naemlich Spanisch fuer Sprachanfaenger ziemlich einfach. Ausser dem r (das kaum ein spanisches Kind vor dem 3. Geburtstag auch nur annaehernd aussprechen kann), gibt es kaum komplizierte Laute, die Worte sind kurz und recht vokallastig, der Satzbau ist klar. Deutsch dagegen finde ich schon deutlich komplizierter, viele Konsonantenkombinationen, einige Zischlaute, lange Worte, komplizierte Pluralformen, sehr komplizierte Satzstruktur, trennbare Verben etc. etc.
ich weiß es auch nicht, könnte mir aber vorstellen, daß es keinen Unterschied macht, ob die Muttersprache komplex oder simpel ist, denn es ist ja nur diese , die das Kind kennt und hört und auch im Deutschen sprechen die Kinder ja nicht sofort alle Laute perfekt, also SCH wird zu S anfangs "vereinfacht", Laute werden ev. gerne gegen andere "getauscht" T anstatt K...
Ich kann morgen mal unsere Logopädin fragen, die ist sehr kompetent, vielleicht weiß die was.
Aber m.M.ist es, denke ich , irrelevant. Die Kinder kennen den Klang ihrer Muttersprache ja schon vor der Geburt ...chinesische Kinder lernen sicher nicht später sprechen, als spanische...
Hier kommen ab und an auch mal Zweiwortsätze, gerne auch beide Sprachen durcheinander..mit 18 MOnaten aber völlig ok, wie ich finde.
Deutsch überwiegt sicher etwas momentan, aber wenn ich das Wort auf italienisch wiederhole/ bestätige , wiederholt sie es auch auf italienisch.
Die Geschwister sprechen ja auch deutsch mit ihr..heute sagte sie die ganze Zeit "notte, notte" und deutete auf mein Handy...mitten am Vormittag...bis ich verstand , daß sie ein Lied auf youtube hören wollte

( "buona notte" von toto cotugno)...
Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 28.02.2014, 07:07
von mayra
Ich habe mal einen Artikel gelesen in dem stand, das Kinder weltweit nicht alle zum selben Zeitpunkt sprechen lernen.
Es wurde dann ein afrikanisches Volk als Beispiel zum Vergleich genannt. Dort werden die Babies zwar permanent getragen aber nicht angesprochen sodass sie erst später als unsere Kinder reden lernen.
Dafür war selbst sitzen wichtig und schon ab 4(?) Monaten geübt durch setzen in ein Loch/Eimer...
-mobil-
Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 28.02.2014, 08:33
von MaareMum
mayra hat geschrieben:
Es wurde dann ein afrikanisches Volk als Beispiel zum Vergleich genannt. Dort werden die Babies zwar permanent getragen aber nicht angesprochen sodass sie erst später als unsere Kinder reden lernen.
Ich glaube, dieser Punkt ist viel wichtiger als die Komplexität der Sprache.
Bei unserem Kinderarzt hängt auch ein Info-Blatt, wo quasi drauf steht, dass die Masse an Ansprache in den ersten 3 Lebensjahren entscheidend ist für die Sprachentwicklung und den Wortschatz. (Also Ansprache jetzt nicht nur "hallo"). Ein Kind lernt nur soll sprechen, wenn jemand mit ihm spricht.
Von der Komplexität her ist das glaub ich eher ein Erwachsenen-Problem. Weil wir mit anderen Hirnregionen eine Sprache lernen und darüber nachdenken müssen. Ein Kind muss das nicht. Und die Sprache entwickelt sich ja über viele Jahre. Warum sollen also Kinder in anderen Kulturen/Sprachen später sprechen? Sie fangen ja genauso mit nur einzelnen Wörtern an und dann wird es langsam immer mehr.
________________
vom Handy aus
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 28.02.2014, 09:43
von nido56
Das die Kultur einen Einfluss auf die Sprachentwicklung hat, ist absolut einleuchtend. Die Art, wie miteinander gesprochen wird, der Umgang mit den Kindern, all das ist natuerlich fundamental. Wahrscheinlich ist es tatsaechlich so, dass nur wir Erwachsenen meinen, einige Sprachen seien wesentlich schwieriger als andere, weil wir sie eben mit unserer Muttersprache vergleichen. Fuer Kinder, die ja noch kein Referenzsystem haben, ist es wahrscheinlich egal, ob sie jetzt 5 Vokallaute lernen muessen oder 20 und ob die Verben immer huebsch an der gleichen Stelle im Satz stehen oder wild durcheinander mal vorn, mal hinten und mal Haelfte-Haelfte.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 28.02.2014, 16:02
von Aranxa
Meine Kinder lernen deutsch und spanisch
Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 28.02.2014, 21:01
von Leah_Lion
mayra hat geschrieben:Ich habe mal einen Artikel gelesen in dem stand, das Kinder weltweit nicht alle zum selben Zeitpunkt sprechen lernen.
Es wurde dann ein afrikanisches Volk als Beispiel zum Vergleich genannt. Dort werden die Babies zwar permanent getragen aber nicht angesprochen sodass sie erst später als unsere Kinder reden lernen.
Dafür war selbst sitzen wichtig und schon ab 4(?) Monaten geübt durch setzen in ein Loch/Eimer...
-mobil-
*lach* Deswegen reden meine Kinder so spät? Ich rede so wenig MIT denen, die sind halt immer dabei aber ich bin so gar keine Babyanquasselmutter.

Naja, dafür dann später umso schlimmer, jetzt geht die Klappe sofort nach dem Aufwachen auf und verstummt nicht

...
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 01.03.2014, 21:52
von clermontine
Ich habe mich das auch schon gefragt, ob das Sprechen unserem Sohn so schwerfaellt, weil ich mit ihm relativ wenig gesprochen habe. Ich rede generell eher wenig und erfasse/reagiere viel nonverbal. Meine Tochter, jetzt 22 Monate redet auch recht wenig, aber deutlicher. Sie profitiert aber auch davon, dass ihr Bruder jetzt relativ viel spricht und ich mich fordere sowohl mich mehr sprachlich zu aeussern, als auch meine Kinder zu sprechen, um zum Beispiel Wuensche zu aeussern und ich nicht schon reagiere, weil ich schon weiss, was sie moechten.
Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 02.03.2014, 21:24
von Trompeterin
Hallo ihr!
Ich platze hier einfach mal dazwischen, weil ich mich freu, etwas zu diesem Thema gefunden zu haben

Ich denk, ich guck öfter mal bei euch rein, deshalb stell ich mich und unsre Situation mal kurz vor. Meine Tochter ist jetzt 17 Monate alt und mein Mann ist Franzose. Er spricht mit ihr auch Französisch, ich und das Umfeld Deutsch, da wir auch in Deutschland leben. Ich bin gespannt, wie sich das bei uns mit der Zweisprachigkeit entwickelt. Noch sagt sie nichts auf Französisch, aber auf Deutsch auch nur "Tschüss", "Bär", "heiß" (voll witzig

) und diverse Tiergeräusche. Gerade skypet sie mit der französischen Verwandtschaft

Bis bald! Ich freu mich, bei euch mitzulesen und mitzureden

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung
Verfasst: 02.03.2014, 22:11
von LoNa
Das Thema ist auch für unsere Familie interessant) meine erste Tochter spricht leider nur deutsch.. Ich habe den Fehler begangen, mit ihr ab KiGaalter auch deutsch zu sprechen. Ich blieb mit meiner Muttersprache nicht konsequent, dachte in Sommerferien bei Oma es noch grade biegen zu können... Aber mit der Zeit war es noch schwieriger zurück zu russisch zu finden, dann habe ich ganz aufgehört

mit der zweiten Tochter hat die zweisprachige Erziehung geklappt, wir waren aber sehr oft in Belarus zu Besuch und da brachte ich sie in Sommerferien zu weissrussischen KiGa. Jetzt geht sie in die erste Klasse zu einer bilinguale Schule und kann beide Sprachen ziemlich gleich beherrschen)) mal sehen ob es beim kleinsten klappt. So oft zu verreisen können wir es zeitlich nicht mehr leisten.