Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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elanor
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von elanor »

coccolone hat geschrieben:Seht ihr, so sind wir halt alle verschieden. Meine HERZENSsprache ist definitiv Englisch. Mein zaertliches Vokabular (um Tanias Ausdruck aufzugreifen) ist z.B. in Englisch ausgepraegter. ~Das liegt sicherlich daran, dass ich halt mit meinem Mann Englisch spreche und wir mittlerweile seit 14 Jahren zusammen sind. Insofern ist es mir nie schwer gefallen mit unserem Sohn auf der zaertlichen Ebene in dieser Sprache zu sprechen. Im Gegenteil, als ich anfangs hauptsaechlich Deutsch mit ihm sprach, musste ich das wirklich ganz bewusst tun, um nicht automatisch wieder ins Englische zurueckzufallen. In UK war naemlich Englisch meine dominante Sprache. Wie gesagt, fuer uns passt es, dass die Umgebungssprache eben nicht Familiensprache ist. Lebten wir noch in UK wuerde Deutsch zu Hause ganz bestimmt eine staerkere Rolle spielen. Ich denke einfach, dass es in der Bi- und Multilingualitaet kein "one size fits all" gibt.
Da mag ich mal ganz dick unterschreiben :)
Ich finde es wichtig, dass es immer zur jeweiligen Situation passen muss. Als ich mich vor der Geburt unserer Tochter mit dem Thema Zweisprachigkeit beschäftigt habe, kamen mir die Tränen, als ich überall lies, ich dürfe bloß kein Italienisch mit ihr sprechen, weil es ja nicht meine Muttersprache ist. Wir haben jetzt auch Italienisch als "zuhause" Sprache und sprechen draußen deutsch. Für mich ist das genau richtig, mir fehlt es kein bisschen mit ihr zuhause deutsch zu sprechen, ich denke aus den gleichen Gründen, die coccolone angibt.
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coccolone
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von coccolone »

Eben elanor, es muss zur jeweiligen Situation und Familie passen. Ich denke was sich richtig anfuehlt ist es in Bezug auf Bilingualitaet meist auch.

Uebrigens haben meine Eltern schon nicht in ihrer jeweiligen Muttersprache mit mir gesprochen. Bei uns war Deutsch Familiensprache, u.a. weil es eben Umgebungssprache und vorallem auch ihre gemeinsame Sprache war. Die Zweitsprache habe ich von meiner Oma mitbekommen, die dann kein Deutsch mit mir gesprochen hat. Wie gesagt, es gibt da mE einfach kein "one size fits all".
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tania
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

ich bin halt auch echt kein sprachtalent und dazu kommt, dass ich auf englisch denke. ich koennte also mit meinen kindern englisch sprechen (eher schlechtes ;-)), aber niemals nicht italienisch. dafuer spreche ich mit meinem mann englisch und der grosse versteht alles. inzwischen guckt er auch filme auf englisch und ich lese ihm englisch vor (und deutsch und italienisch..). aber ich bin vor allem sprachlich echt der total herimatverbundene typ. aber wer weiss, vielleicht, wuerden wir nach deutschland ziehen, wuerde mir das italienisch so fehlen, dass ich mit meinem kindern ital sprechen wuerde? aber dieses strikte opol ist eh auch nicht unsers. ich mische flott alle drei sprachen. ich kann halt nicht aners (wie gesagt, ich bin kein sprachtalent).
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clermontine
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von clermontine »

Ich kann mich den Erfahrungen meiner Vorschreiberinnen nur anschliessen. In erster Linie muss zur Familie passen, so dass sich jeder dabei wohlfuehlt.
Ich bin gefuehlsmaessig am naehesten bei Tania. Liegt aber auch daran, dass ich, auch wenn ich mich mittlerweise gut damit fuehle, mit franzoesisch echt Probleme hatte es zu lernen. Ich bin noch nicht so richtig eins mit der Sprache.
Durch die Schule hat sich sowohl mein als auch der Freundeskreis unseres Sohnen sehr erweitert, so dass ich auch oefter franzoesisch mit ihm spreche. Wenn wir oder er zum Bsp Besuch haben, dann soll sich der nicht ausgeschlossen fuehlen und immer alles doppelt zu sagen ist auch irgendwie doof.
Sind wir allein, sprechen wir nur deutsch.

Ich finde die Idee einer zweisprachigen Einrichtung auch sehr gut und da gibt es im englischsprachigen Bereich ja mittlerweile ein paar Moeglichkeiten.

Also ich wuerde nach meinem Gefuehl gehen und dann funktioniert das auch. Ich glaube nicht, dass es striktes Modell sein muss.
LG Clermontine mit Sohn (09/09) und Tochter (04/12)
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tania
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

ich hab ne zeitlang vor anderen versucht ital mit meinem sohn zu reden - der guckt mich an wie ein auto und reagiert nicht! und wenn er ital mit mir spricht, nennt er mich papa! krass oder? heute erst wieder. da waren viele kinder zu besuch (eine familie in unserer homeschooling-gruppe ist franzoesisch-zweitsprachig;-)) und viel ital in der luft und da sprach er mit mir auf ital, aber halt mit papa *kopfschuettel*
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Leah_Lion
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Leah_Lion »

Sagt mal, kurze Frage.

Nochmal zur Erinnerung, wir sind ja auch "künstlich" zweisprachig, ich habe viel Englisch mit Sohnemann gesprochen, er hatte 2 amerikanische Au Pairs, jetzt ist er fast 4 und ist v.a. passiv zweisprachig (v.a. weil er das letzte Jahr nicht wollte, dass ich Englisch mit ihm spreche, aber er schaut alle Fernsehsendungen auf Englisch und ich lese viel Englisch vor). Also, zu Hause haben wir auch englische Kontakte aber da die ja alle in D leben, sprechen sie auch alle Deutsch, deswegen war sein deutsches Antworten kein Thema. Er spricht Deutsch, wir Englisch. Gut.

Nun sind wir ja für 6 Wochen in den USA. Er versteht wie erwartet ALLES, antwortet bisher (also seit gestern :lol: , da sind wir angekommen) auf Deutsch. Nun meine Frage - bisher übersetze ich immer kurz, was er gesagt hat. Ist das eigentlich doof? Sollte ich einfach schauen, dass er das selber hinkriegt mit den Leuten, die mit ihm reden? Was sollten die antworten? Die sagen meistens "ah ok" obwohl sie nix verstehen ;). Wie macht ihr das?

LG
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Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von christina »

Meine Schwiegereltern haben ihr immer deutlich gesagt, dass sie sie auf deutsch nicht verstehen. Ich hab ihr mit zuflüstern geholfen, wenn ich dachte sie kann es vielleicht einfach nicht formulieren.
Übersetzen habe ich versucht zu vermeiden, eher sie animiert.
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Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von christina »

Zu früh abgeschickt.
Nach ein paar Tagen sprach sie dann von selber. ;) da War sie übrigens 3. Heute fragt sie mich selber, ob ich ihr helfen kann mit übersetzen, bei Papa oder eben der SchwiegerFamilie.
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Leah_Lion
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Leah_Lion »

Ja, sollte ich denen vielleicht sagen, dass sie zu ihm sagen, dass sie Deutsch nicht verstehen?

Ich denke, in ein paar Tagen spricht er auch. Geht schon los. Paar Sätze kommen bereits. Aber bis dahin... na mal schauen :).
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von clermontine »

Ich glaube ich wuerde erst mal abwarten und nur das Wichtigste uebersetzen. Wenn der Wortschatz passiv da ist, muss er eigentlich nur aktviert werden, aber das geht natuerlich nicht von jetzt auf gleich.

Vergleich hinkt jetzt etwas, aber wenn unser Sohn mit seiner Oma in D telefoniert dauert es auch immer ein Weilchen und so wie ich ihn allein lasse versucht er sich selbst zu artikulieren. Deshalb wuerde ich mich im direkten Gespraech mit meinem Kind zurueckhalten.
Warte einfach mal ab, 6Wochen vergehen ja nicht so schnell.
LG Clermontine mit Sohn (09/09) und Tochter (04/12)
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