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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 07:43
von Stefania
Ich glaube,man merkt es deutluch,wenn man schimpft oder sich ärgert....in der Muttersprache klappt das einfach besser,als in einer erlernten Sprache.Ist eben auch mit Emotionen und Temperament verbunden....;-)

Mit Baby schimpft man ja für gewöhnlich nicht.

Und auch die (eigenen) Kinderlieder,die man seinem Kind vorsingt.klar kann man das alles auch erlernen ,aber Manches eben nicht.

Was ich "schlimm" finde ist,wenn die Eltern die Sprache "falsch" weitergeben,weil sie sie schon von ihren eigenen Eltern nicht korrekt gelernt haben.Also z.B. Migranten in 2.Generation...Eltern sprechen nur Sizilianischen Dialekt und kein richtiges Deutsch,sondern nur Schwäbisch...die Kinder sprechen dann weder richtig Deutsch noch richtiges Italienisch.

@elanor: dein Mann ist Italiener und spricht kein Deutsch? Also in Italien geboren und aufgewachsen?

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 08:14
von elanor
Er spricht deutsch, aber noch nicht perfekt. Aber schon ziemlich gut. Er ist größtenteils in Italien aufgewachsen (naja, im Kleinkindalter war er ganz viel unterwegs und hat auch Französisch gesprochen, das hat er aber wieder verlernt).
Gerade was du meinst mit den Emotionen... vielleicht glaubt das auch keiner aber ich kann mich auf Italienisch viel viel besser ärgern ;) Keine Ahnung woran das liegt. Und so "zärtliche" Ausdrücke gehen da auch besser. Auf Deutsch sperrt sich da immer was bei mir. Ich kann die kleine z.B. auch besser auf Italienisch beruhigen (was ich trotzem nur zuhause mache, und nicht unterwegs).

Was du meinst zu den Dialekten: ich denke, wenn die Kinder korrekt eine "Hochsprache" lernen, dann kann die andere ruhig der Dialekt sein. Bei uns ist das kein Problem, weil wir beide keinen Dialekt sprechen, leider.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 08:18
von coccolone
Ich glaub dir das Elanor, so geht es mir naemlich auch. Ich finde nicht, dass die Muttersprache zwangslaeufig auch die Herzenssprache ist.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 09:28
von Stefania
Mmmhh ja,mag sein ,mit dem Beruhigen,ich denke,italienisch klingt "melodischer" und weicher und damit kann man Kinder sicher besser beruhigen,als mit dem manchmal "hart " klingendem Deutsch.

Ich glaube trotzdem,dass es sich später ändern wird,vor allem wenn die Kinder älter sind. Auch muss ich oft die Hausaufgaben auf Deutsch erklären,das klappt auf italienisch nicht so gut bei meinem Großen,einfach weil alles auf Deutsch ist...würden wir in Italien leben,wäre es sicher anders.

Mache Ausdrücke kennt man auch nur als Muttersprachler und würde sie im Kontext sicher nicht richtig verwenden oder gar anwenden...zum Bsp. hat mein Vater oft gesagt" questa casa non è un albergo per fare quello che vuoi...;-)... Tja,solche Sätze sage ich momentan leider auch schon zu meinem diskutierfreudigem 9 jährigen...willkommen in der Vorpubertät :roll:

Oder die ganzen klassisch
n Kinderliedervon den San Remini...
Wer damit nicht großgeworden ist ,kennt sie nicht. ;-)

Wenn man eine Sprache richtig gelernt hat,ist es ja gut,aber oft ist das eben nicht der
Fall.Zweimal Dialekt ist wirklich fatal,mein Vater musste "solche "Muttersprachler bei einer großen ital.Airline einstellen und ear jedes Mal entsetzt...

erlieder von den Sani

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 09:36
von Stefania

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 10:13
von coccolone
Wenn es um Hausaufgaben geht sprechen wir auch Deutsch, obwohl Englisch hier Familiensprache ist. Finde ich aber nicht weiter schlimm. Unser Sohn hat halt im Prinzip zwei Muttersprachen, wobei Englisch auch seine Herzenssprache ist. Die spricht er einfach lieber, wenn er die Wahl hat. Lebten wir noch in England waere sicherlich Deutsch (was ja dort dann die minority language waere) unsere Familiensprache. OPOL haben wir in den ersten 2, 3 Lebensjahren unseres Sohnes praktiziert. Dann fing er irgendwann an Deutsch abzulehnen. Ich bin dann halt dazu uebergegangen mit ihm auch Englisch zu sprechen, u.a. weil ich den Druck rausnehmen wollte, damit er die Sprache nicht irgendwann komplett ablehnt. Und da wir nun in D leben ist Deutsch Umgebungssprache und wird somit eh immer dominanter. Insofern sind wir halt bei Englisch als Familiensprache geblieben. Wobei ich die Sprache eben auch wie ein Muttersprachler spreche (obwohl Englisch bei uns zu Hause weder die Zweit- noch die Drittsprache war). Waere das nicht der Fall, wuerden wir halt weiter OPOL praktizieren. Ich denke einfach jede Familie muss das fuer sich passende Konzept finden. Fuer die einen ist es vielleicht OPOl, fuer die anderen eben nicht. Ich sehe das alles nicht so eng. ;)

Und jetzt hoere ich mir deine Lieder an, Stefania. :)

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 10:34
von EhUKr
Elanor, was spricht denn dagegen, dass du mit deinem Kind und Mann immer italienisch sprichst? Familiensprache Italienisch, Umgebungssprache Deutsch. Warum macht ihr diese Trennung drinnen/draussen? Ich kenne viele Familien, die eine Familiensprache/Umgebungssprache praktizieren und bei denen der eine Partner die Familiensprache erlernt hat, der andere sie als Muttersprache spricht. Ich empfinde dies jetzt nicht als problematisch.

Ich merke bei mir selbst uebrigens, dass mein Aktivwortschatz in Deutsch mit zunehmender Zeit im Ausland kleiner wird und ich z.B. auch grammatikalische Fehler mache, da ich die englische Satzstruktur uebernehme. Und das, obwohl ich einsprachig Schweizerdeutsch aufgewachsen bin und Englisch erst viel spaeter gelernt habe. Nach ein paar Tagen in der Schweiz merke ich, wie ich wieder mehr Woerter benutze und fehlerfrei spreche, bei den Kindern uebrigens auch. Ich seh das wie Coccolone nicht so eng mit Herzensprache/nur Muttersprache sprechen etc.

Liebe Gruesse

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 11:32
von Ambrosia
schwierig finde ich nur wenn man eben situationsbedingt ständig zwei sprachen mischt also eben eigentlich die eine sprache sprechen aber dann wiederum wenn einem danach ist in der anderen beruhigen, da find ich ist iwie keine klare linie drin und ich könnte mir vorstellen dass das sprachentwicklungstechnisch fürs kind problematisch werden könnte.ich finde auch man sollte sich auch trauen die nichtumgebunfssprache in der anderssprechenden umgebung also "draussen" zu sprechen und da einfach mutiger sein.ich höre auch immer wieder wie sich mütter mit anderer muttersprache als deutsch hier auf deutsch mit riesenakzent und fehlern gegenüber dem kind in der öffentlichkeit abquälen weil sie das schicker finden oder aus angst schräg angeschaut zu werden wenn sie eben die eigene muttersprache sprechen.das find ich iwie arm.obwohl ich mir auch vorstellen kann dass ich irgendwann in die versuchung komme meine geliebten deutschen kinderbücher meiner tochter vorzulesen obwohl ich eigentlich nur russisch mit ihr spreche.:-d

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 12:07
von Stefania
Noch schnell mein Lieblingslied hinterherschmeiss ;-)

http://m.youtube.com/watch?feature=relmfu&v=8QdejPClGts

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Verfasst: 04.06.2013, 17:41
von canine
Es gibt Schweizer Auslandschulen? Da muss ich mal nachschauen. Was ist OPOL?

Wir geben uns redlich Muehe, das Schweizerdeutsch/Deutsch nicht mit Englischen Woertern zu spicken. Das ist gar nicht mehr so einfach... Die Kinderlieder, die wir singen, sind in allen moeglichen Sprachen, aber ich denke, das ist ja normal.

Ich treffe mich regelmaessig mit anderen Muettern und ihren Kindern und da ist die Umgangssprache natuerlich Englisch. Die groessten Gedanken mache ich mir eben um das Schweizerdeutsch/Deutsch und das Franzoesisch. Gut zu wissen, dass das nicht obligatorisch ist.

Ich ging in die Technische Hochschule, da war Franzoesisch dabei. In der Lehre sowieso. Aber ist es nicht auch so, dass im schweizerischen Berufsleben franzoesisch praktisch notwendig ist?