Was verstehe ich unter Erziehung?
Vielleicht ist Prägung ein besseres Wort dafür. Dem Kind den Beginn seines Lebens so zu gestalten, dass es ein selbständiger, zufriedener Erwachsener werden kann:
- eine Umgebung bieten, die für es angemessen ist (Gefahren ausschalten, Dinge wegräumen, von denen ich nicht will, dass es sie bekommt / kaputt macht, Bücher und Spielsachen auswählen und anbieten, wenn es älter ist natürlich weniger…)
- für seine Gesundheit Sorge tragen
- Möglichkeiten geben, sich auszuprobieren (Spielplatz besuchen, Schwimmen gehen, beim Kochen helfen)
- die Welt erklären (warum die Oma beleidigt ist, wenn man sie nicht küsst, und warum man es trotzdem nicht tun muss; den Mülleimer zeigen, und sagen, dass da der Müll reinkommt)
- die Welt zeigen (den Marienkäfer über die Hand laufen lassen) oder ihm ermöglichen, die Welt zu sehen (Zoo besuchen)
- ganz viel Freiraum geben und zeigen, wo der Freiraum endet (bei der angemalten Wand oder dem Käse oder dem geschlagenen Kind)
- ein Vorbild sein
- es in Entscheidungen einbeziehen, ihm dadurch zeigen, wie man zu Entscheidungen kommt (Später mal Familienrat? Weiß noch nicht, vielleicht braucht man gar keine Institution).
- Liebe und Sicherheit geben, damit es eine Basis hat, wenn es in die Welt hinausgeht
- Respekt entgegenbringen und ihm zeigen, dass es wertvoll ist für mich und für die Welt
Das ist für mich Erziehung. Wahrscheinlich hab ich noch was vergessen. Kleinkarierte Manierenlisten oder ein striktes Von-oben-herab gehören für mich absolut nicht dazu (übrigens auch kein Fernsehverbot und sich dreckigmachen

)
Wenn mein Sohn aber mal eine Fensterscheibe vom Nachbarn einwerfen sollte, wird er die bezahlen müssen, Familienrat hin oder her. Da wird er keine Wahlmöglichkeit haben. (Wie das „bezahlen“ dann aussieht, wird man dann sehen). Ich hoffe aber, dass er bis dahin verstanden hat, dass das keine willkürliche Entscheidung von der Mama ist, die ihn nur kleinmachen will und ihn nicht wertschätzt, sondern dass das etwas ist, das man einfach tut. Und ich hoffe, dass ich das gar nicht „anordnen“ muss, sondern, dass er von selber auf die Idee kommen wird, dass es blöd ist, wenn die Eltern das jetzt allein bezahlen müssen (Sind wir eigentlich gegen sowas versichert…??

)
Ich finde es auch keinen Nachteil oder ein Zeichen mangelnden Respekts, sich dessen bewusst zu sein, dass das Kind beständig von einem lernt und sich zu fragen „Was möchte ich denn, dass sie von mir lernt?“ Und dann vielleicht die eigenen Handlungsweisen nochmal zu überdenken und das Kind zum Anlass zu nehmen, den Müll doch in den nächsten Mülleimer zu werfen (Hach immer dieser Müll…

der Knirps hat das Wort jetzt auch gelernt : Müij

)
Und ich hab mich ja weitergebildet

In dem einen Buch, das OH in dem Video empfiehlt (respectful parents respectful kids) ist das sogar eine wichtige Säule: Finden Sie heraus, was Sie Ihrem Kind vermitteln wollen und handeln Sie entsprechend (also man selber).
Und zur Hierarchie hab ich vorher schonmal das hier geschrieben:
In der Beziehung zwischen mir und dem Knirps, sitze ich immer am "längeren Hebel". Wenn ich mit ihm auf der gleichen Ebene bin, dann weil ich das so entschieden habe. Ich bin ihm körperlich und sprachlich weit überlegen. Wenn ich etwas beschließe, ist das so (Käse außer Reichweite). Mein Kind hat diese "Macht", denn es ist ja eine Macht, nicht in diesem Maße.
Ich denke, die Hierarchie ist automatisch da, es ist nur die Frage, wie/ob sie zum Ausdruck kommt.
Bzgl Grenzen / Bedürfnisse:
Ich glaube nicht, dass es einen großen sachlichen Unterschied macht, ob ich sage, ich wahre meine Grenze oder ich schütze mein Bedürfnis. Von den Bedürfnissen zu reden, statt von den Grenzen, wirft aber natürlich ein völlig anderes Licht auf das Verhalten des Kindes und des Erwachsenen und macht deutlich, warum es so wichtig ist, nicht alles, was das Kind macht, einfach als nervig und stör-mich-nicht „überzubügeln“. Es führt den Blick weg von der Konfliktsituation auf die Personen die dahinterstehen. Gefällt mir
