so viele Frauen keine Milch mehr, Mythos oder Wirklichkeit ?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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4tiere
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Re: so viele Frauen keine Milch mehr, Mythos oder Wirklichke

Beitrag von 4tiere »

Ich will jetzt hier keine Diskussion zum Thema Geburten und Bindung beginnen. Und ob die Eingriffe notwendig sind oder nicht. Ich habe selber all diese Eingriffe (bis auf den Kaiserschnitt) hinter mir. Und ich habe alle drei gestillt. Die gehört in das Schwangerschaft&Geburt-Forum. :?
Mir ging es nur um den Zusammenhang zwischen den Eingriffen und der Bindung zum Kind. Eine schwierige sehr eingriffreiche Geburt kann dabei hinderlich sein, muss aber nicht. Mir geht darum, dass gerade diesen Frauen verstärkt geholfen wird, damit fertig zu werden, um auch das Stillen zu ermöglichen. Ich könnte mir nur vorstellen, dass gerade in dieser Gruppe weniger gestillt wird und dann kommt eben oft die Aussage "meine Milch hat nicht gereicht".

Natürlich fehlen uns Vorbilder und Erfahrungswerte. In meiner Stillgruppe war eine Frau, die hatte Angst, ihre Milch sei weg, da die Brust so weich sei. Das Kind ist ein Jahr alt und wurde immer gestillt. Da merke ich einfach wie tief in unserer Gesellschaft das Nichtstillen verwurzelt ist, dass wir immer noch zweifeln und Ängste haben, obwohl alles gut läuft. Und das im wahrsten sinne des Wortes. :wink: Das kenne ich von mir auch!
Bild-liche Grüße

Natalie
mit drei wundervollen Kindern!
Den beiden Großen (19m und 21w Jahre) und die kleine Maus (01.10.2011), die ich immer noch total genieße! Bild
Und das mit der Rechtschreibung lerne ich noch ... ;-)
(Manche andere Fähigkeiten erwerbe ich bestimmt auch noch, über Anregungen bin ich immer dankbar!)
daisy
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Re: so viele Frauen keine Milch mehr, Mythos oder Wirklichke

Beitrag von daisy »

Potsdame hat geschrieben:
4tiere hat geschrieben:[...]
Wenn ich dann nach der Geburt frage, kommt meist heraus: Einleitung, Saugglocke, PDA, Kaiserschnitt
Ich frage mich, ob es da einen Zusammenhang gibt. Sich nicht so eng binden zu wollen und Geburten mit Komplikationen. Als ob diese Frauen einen wichtigen "Bindungsaspekt" nicht erlebt haben und nun diese Nähe gar nicht annehmen können.
Für die sind diese ein zwei Jahre eine Ewigkeit.
naja, wenn sie diese medizinische absicherung nicht gehabt hätten, kämen sie wohl gar nicht erst zum stillen :roll:
guter Kommentar, potsdame! Meine Maus wäre ohne die Möglichkeit eines Kaiserschnittes nicht lebend zur Welt gekommen und auch ich wäre unter Umständen nicht mehr hier, wenn es ganz schlimm gelaufen wäre. Leider wird manchmal vergessen, was für ein Segen die moderne Medizin sein kann.
Daisy mit Herbstglück *2008 und Wintersonne *2012, Maikäferchen *2014 und zwei Sternchen
Potsdame
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Re: so viele Frauen keine Milch mehr, Mythos oder Wirklichke

Beitrag von Potsdame »

4tiere hat geschrieben: Natürlich fehlen uns Vorbilder und Erfahrungswerte. In meiner Stillgruppe war eine Frau, die hatte Angst, ihre Milch sei weg, da die Brust so weich sei. Das Kind ist ein Jahr alt und wurde immer gestillt. Da merke ich einfach wie tief in unserer Gesellschaft das Nichtstillen verwurzelt ist, dass wir immer noch zweifeln und Ängste haben, obwohl alles gut läuft. Und das im wahrsten sinne des Wortes. :wink: Das kenne ich von mir auch!
eben, das ist das problem. es fehlen vorbilder und informationen. uns bleibt nur, der welt ständig zu erzählen, dass wir stillen und wieviel milch wir hätten. :10:
wenn wir das nicht tun, sind wir selbst schuld
Mops kam im Juli 2010 und wurde lange getragen und gestillt. Jetzt fährt er lieber Laufrad und will sich seine Milch unbedingt selbst eingießen :-)

Wieviel Erdbeereis muss der Mensch noch essen, dass er endlich einmal sagt, ich bin dafür?
(Am Ende denk ich immer nur an dich, Element of Crime)
knutschkugel83
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Re: so viele Frauen keine Milch mehr, Mythos oder Wirklichke

Beitrag von knutschkugel83 »

Bei meinem Großen war ich auch ziemlich uninformiert, ängstlich und prüde..
Mir war es schlicht unangenehm, in der Wohnung "oben ohne" herumzulaufen oder herumzusitzen und das Kind zu stillen.

Dazu kam, dass er recht leicht bei der Geburt war (2560g) und die Hebamme mir schon einen Tag nach der Entlassung Vorwürfe gemacht hatte, dass mein Kind bei mir nicht satt wird, und sie ihn ins KH einweisen lässt, wenn wir nicht bis zum nächsten Tag ne Gewichtszunahme von 60g hätten, etc pp..
Wir sollten lieber gleich zufüttern, dann könnten wir besser kontrollieren, wieviel er zu sich nimmt, etc bla bla..

Leider hab ich mich davon tatsächlich SO verunsicheren lassen, dass ich dazugefüttert habe,
und irgendwann "war halt keine Milch mehr da" - klar, wenn man nicht anlegt, und anlegt, und anlegt - dann KANN sich die Milchproduktion ja gar nicht vernünftig einpendeln..

JETZT weiß ich das..

Bei meiner Kleinen wollte ich es direkt anders machen,
und habe bereits bei der Vorstellung zur Geburt gesagt, dass mir a) ne natürliche Geburt mit möglichst wenig Medikamenten und b) das Stillen besonders wichtig sind.
Diesmal wusste ich, dass man viel anlegen muss, sich locker und entspannt halten sollte, etc..
Und siehe da - das Stillen hat schon im Kreißsaal geklappt (mei - was war mir das im KH beim Großen unangenehm, als die Hebamme meine Brust genommen, und meinem Sohn in den Mund geschoben hat.. :D).
Bei der Kleinen kam die Hebamme nach 20 min wieder rein und wollte uns beim Anlegen helfen - da hatte ich die Maus aber schon längst "dranhängen" :D

Es hat von Anfang an geklappt - am 2. Tag war die Milch da, und ich hatte ein SEHR zufriedenes Baby..
Am 3. oder 4. Tag hab ich mir nen Magen-Darm-Virus (ich behaupte immernoch, dass da was am Essen war....) zugezogen,
und hatte echt Angst, dass ich durch den Flüssigkeitsverlust zu wenig Milch produzieren würde,
und hab aber trotzdem darum gebeten meiner Tochter ne Flasche zu machen, damit SIE versorgt ist..
Hmm - irgendwie wurde das aber vergessen, der Hunger meiner Tochter größer, und ich wollte sie "zur Beruhigung" an die Brust nehmen..
-tja, als die Kinderschwester nach ner Dreiviertelstunde mit der Flasche kam, war meine Tochter bereits satt und im Tiefschlaf :D

ICH hab mich dann vorsorglich an den Tropf hängen lassen um mein Flüssigkeitsdefizit auszugleichen,
aber eine Flasche für die Kleine hab ich nicht mehr geordert.. :)

DAS hat mir dann entgültig gezeigt, dass ich es kann,
und jetzt stille ich seit 12 Wochen voll, hab noch originalverpacktes Milchpulver im Küchenschrank stehen -
nur zur Sicherheit.. aber ich glaube nicht, dass wir es noch aufreissen müssen...


MEIN Fazit: Stillen ist Kopfsache..
Wenn man sich einredet, bzw einreden lässt, dass es nicht klappen wird, dann klappt es auch nicht.
Wenn man es wirklich will, überzeugt dahintersteht und "am Ball bleibt", dann KANN man es auch (mal ganz wenige Fälle ausgenommen, in denen es aus medizinischen Gründen nicht möglich ist)
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danica
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Re: so viele Frauen keine Milch mehr, Mythos oder Wirklichke

Beitrag von danica »

Mein Sohn ist auch ein KS-Kind, aber er stillt wie ein Profi, hat bald 9 Monate voll gestillt. DAS ist also kein Argument.
Er wird bald 18 Monate alt. Ich bin hochschwanger.

Und wir stillen tatsächlich immer noch, haben auch durch die ganze Schwangerschaft gestillt. DAS ist also auch kein Argument. (Auch wenn die Milch zwischendrin etwas weniger war und sich nun auch langsam umgestellt hat.)

Streß? Unwissenheit? Druck von außen? - DAS können Stillhindernisse sein. Aber wie hier schon vielfach geschrieben wurde, liegt es oft wirklich am Stillmanagement. DAFÜR fehlen die Vorbilder, und oft leider auch die Informationen.

Was erinnere ich mich voller Grimmigkeit an die Kinderärztin, die in meiner Anwesenheit zur U2 im Krankenhaus knappe 36 Stunden nach dem Kaiserschnitt über mich mit der Krankenschwester sprach, weil mein Sohn von seinen 4.060 gr Geburtsgewicht 280gr verloren hatten - sie sagte: "Wenn die Frau nicht genug Milch hat, dann muss man mal eine Stillprobe machen. Und wenn die Frau nicht genug Milch hat, dann muss sie halt zufüttern. Und zur Not muss das Kind eben hier bleiben und die Frau geht allein nach Hause." - mein Einwand, dass er ja noch keine 10% verloren habe und wo denn das Problem bitte sei, blieb ungehört. Mein Einwand, dass nach einem KS der Milcheinschuss etwas länger dauert, blieb ungehört.

Da ich mich VORHER gut informiert hatte und mich nach diesem Grauen bei einer lieben Kinderkrankenschwester ausheulen konnte, die mir versicherte, es sei alles in Ordnung und meine Informationen seien richtig und ich solle einfach wieder ins Bett gehen und anlegen, anlegen, anlegen und wieder anlegen, alles sei gut, haben wir einen wunderbaren Milcheinschuss produziert. Ich war aber auch sehr bockig und WOLLTE UNBEDINGT STILLEN. JETZT ERST RECHT.

Montag abends um 22:37 Uhr wurde mein Sohn geboren - Samstag morgens hatte er mehr als sein Geburtsgewicht - einen Tag später wurden wir entlassen.

Meine Schwiegermutter wundert sich bis heute, dass ich immer genug Milch hatte und dass wir noch immer stillen und wie ich das dann mit zweien machen will.

Meine Mutter bewundert mich für meine Art, mit meinem Kind umzugehen, und sie vertraut mir, dass ich alles gut genug mache und jederzeit gut genug informiert bin. So unterschiedlich können die Sichtweisen von aussen sein. Wenn zwei Menschen das Gleiche betrachten, heisst es noch lange nicht, dass sie das Selbe sehen.

Die Wahrheit liegt wohl dazwischen, wie so oft...
GLG
Danica

mit drei Jungs, *2010, *2012+2013, *2013,
Mann, Katern und Hund

"Genau so wie man beim Weben das Ende der prächtigen Fäden, mit denen gewebt wurde, erreicht,
so ist das Leben der Menschen." - Buddha
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rueckenwind
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Re: so viele Frauen keine Milch mehr, Mythos oder Wirklichke

Beitrag von rueckenwind »

So viel hängt von einer guten Hebamme ab.
Ich musste aufgrund mehrerer Faktoren in einer Uni-Klinik entbinden, es lief alles sooooo anders als ich mir das vorgestellt hatte. Ich ging auch davon aus, dass es selbstverständlich sei, dass ich bei meinen ersten Stillversuchen unterstützt und informiert würde - es war dann aber doch ganz anders.

Ich hatte nie gedacht, dass es irgendeinen Grund gäben könnte, weshalb es mir nicht möglich sein sollte zu stillen. Ich denke, bei dieser Grundeinstellung fängt das Dilemma häufig schon an - viele Frauen denken "Na gut, ich werde versuchen zu stillen und gucken ob es klappt...". Wäre ich nicht felsenfest davon überzeugt gewesen, eigentlich stillen zu können, wobei ich nicht weiß, woher diese Überzeugung kam, wäre alles wohl noch viel schwieriger gewesen.
Nach einer komplikationsreichen Geburt wurde mir, schlechtes Management des Krankenhaus könnte der Grund sein, mein Kind sehr lange vorenthalten, die Stillschwester kam (trotz mehrmaligem Bitten) erst zwei Tage nach der Entbindung, jeden Tag wurde gewogen und mir anschließend vorwurfsvoll mitgeteilt, dass mein Kind ja immer noch abnehmen würde (was meines Wissens absolut normal ist!), ich wurde zu einer Stillprobe genötigt, es gab nur einen klitzekleinen Stillraum und keine ruhigen Ecken, meiner Tochter wurde einfach so ein Schnuller aufgenötigt... Schlußendlich 'durfte' ich nur nach hause gehen, weil ich versprach zuzufüttern oder zumindest Tee zu geben. Mein Mann und ich waren sooo verunsichert. Glücklicherweise hat meine Hebamme mich davon überzeugt einfach gar nichts zu machen und immer weiter anzulegen, Milch war ja eigentlich auch schon fast direkt ausreichend da - meine Kleine war nach einer 26-Stündigen Geburt einfach viel zu erschöpft und müde und ich so unglaublich gestresst und verzweifelt! Mittlerweile stille ich seit fast 11 Monaten und meine Lütte nimmt auch erst seit etwa einer Woche gelegentlich mal ne Reiswaffel und einen Schluck Wasser an. Gegen das Abpumpen habe ich mich gewehrt, auch wiege ich meine Tochter sehr selten, da ich mich auf keinen Fall verunsichern lassen möchte, und davon ausgehe, dass ich auch ohne Waage in der Lage bin zu erkennen, ob sie ausreichend zunimmt und ob es ihr gut geht.
Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es weitergegangen wäre hätte ich auf die Anweisungen des Arztes und der Krankenschwester gehört...

Ein positiver Lerneffekt der ganzen Krankenhausepisode ist, dass mein Vertrauen in Ärzte deutlich geschrumpft ist und ich mich immer mehr als Experte für meinen Körper wahrnehme. Diese Trennung in Psyche und Körper und dann noch in die einzelnen Organe, der in der westlichen Schulmedizin so ausgeprägt ist, hat einfach so viel Negatives - ein Arzt für jedes Organ, das separiert betrachtet wird ohne auf das Gesamtkonstrukt zu achten, das kann doch nicht sinnvoll sein!

Traurig finde ich, dass hier so viele Ähnliches berichten. Das Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, hatte sogar das "stillfreundlich"-Siegel, das würde ich dann aber, in meinem Fall, als Etiketten-Schwindel betrachten...
Ein Gutes hat das Erlebnis - das Vertrauen in meinen Körper und der richtigen Einschätzung meinerseits ist gewachsen und ich bin der Institution "Schulmedizin" gegenüber noch kritischer geworden, nur ich selber bin der Experte für meinen Körper und durchaus auch in der Lage intuitiv die richtige Entscheidung, nicht nur für mich, sondern auch für mein Kind, zu treffen!

Momentan überlege ich, ob ich der Klinik noch mal ein Feedback geben sollte und wie dies aussehen könnte. Denn auch nach bald einem Jahr prägt mich dieses Erlebnis sehr und hat anfangs auch die Beziehung zu meiner Lütten und zwischen meinem Mann und mir sehr belastet.
Hat jemand von euch direkt an seiner Geburtsklinik Kritik geübt und wenn ja in welcher Form?
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
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