Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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murkelchen
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von murkelchen »

Ja, also im Moment ist es gut so wie es ist. Die Sorgen meiner Familie ( "die Kinder kommen ja ganz durcheinander und können dann gar nichts richtig" und auch "Na die werden euch mal schön gegeneinander ausspielen, wenn sie erstmal raushaben, dass der eine die Sprache des anderen nicht richtig kann" ) haben sich bisher nicht bestätigt. Die Grosse hat von Anfang an die Sprachen perfekt getrennt, da waren selbst wir total erstaunt. Inzwischen interessiert sie sich auch für englisch, versteht fast alles, was wir sagen (spricht aber nur wenig, weil wir das schlicht nicht aktiv fördern).

Also eigentlich fühlt es sich so wie es ist echt gut an. Manchmal - so in Spielgruppen z.B. wo eben auch andere Mütter sind - denke ich, dass es vielleicht für alle Anwesenden angenehmer wäre, wenn ich in der Zeit dort mit den Kindern finnisch sprechen würde. Aber so wirklich gestört hat es bisher scheinbar keinen, dass wir miteinander deutsch sprechen. Viele wollen dann auch lieber englisch mit mir sprechen, um ihre Kenntnisse da aufzufrischen, ein paar sogar deutsch. Ist ein bissle blöde, weil ich ja so weniger zum Üben der finnischen Sprache komme. Da wird dann eher mal komplett gemischt. Ein Satz finnisch, einer englisch/deutsch...dann wieder andersherum. :lol:
Und trotzdem finde ich die Idee der Familiensprache manchmal doch ganz nett, obwohl ich mich ja - warum auch immer - vor meinem Liebsten selten traue finnisch zu sprechen (mit anderen habe ich da kein Problem). Keine Ahnung woran das liegt, aber das war irgendwie von Anfang an so. :oops:

Aber wo ich gerade hier bin - EIN "Problem" haben wir mit der Grossen: sie macht manchmal so Denkpausen mitten im Satz und sagt dann "äh äh äh äh". Das geht seit anderthalb Jahren so. Sie erzählt also etwas und das klingt dann so: "Da an der Strasse war ein äh äh äh äh Baum und ich wollte dann ähähäh klettern..." Bei der Neuvola meinten sie, dass das wohl nicht ungewöhnlich ist für zweisprachige Kinder, weil sie eben manchmal im Kopf noch kurz überlegen müssen, welches Wort da jetzt in der Sprache eingesetzt werden müsste. Kennt das wer von euch? Sie meinte aber, wir sollen es nicht zum Thema machen (also keinesfalls verbal eingreifen), weil das noch mehr zur Verunsicherung führen könnte. Es hat sich auch stark verbessert, kommt nicht mehr annähernd so häufig vor. Meistens nur noch wenn sie ganz aufgeregt ist, oder viele Leute anwesend sind und sie eben entsprechend viel zwischen den Sprachen wechselt. Die Oma meinte z.B. dass sowas wenn sie bei ihr ist morgens noch ab und zu passiert, dann aber den Rest des Tages gar nicht mehr.
Naja, also wir machen uns keine grossen Sorgen (mehr ;) ), ich wollte nur mal fragen, ob das noch wer kennt.

@clermontine: Ja...der Papa versteht deutsch hier ziemlich gut (hat es auch in der Schule gelernt) und kann es auch sprechen - mag aber nicht. Daher würde deutsch hier als Familiensprache wegfallen. Englisch eben auch, weil hier keiner Muttersprachler ist UND es zusätzlich nicht Umgebungssprache ist. Bliebe also eh nur Finnisch und das muss warten, bis ich mich sicher fühle, falls wir es dann überhaupt wollen. *g*
LG von Jenni
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christina
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von christina »

Ich kenn das. Dass sie kurze Denkpausen macht, man sieht richtig wie der Kopf rattert. :) Aber sie ist auch grad mal 3 jetzt. Passiert in beiden Sprachen bei vereinzelten Wörtern selten. Meistens zB beim Mittagessen, wenn wir alle beisammen sitzen und sie dann zwischen den Sprachen "switcht". Aber wie gesagt, total selten. Fiel mir nur grad auf, als du es geschrieben hast. Sie sagt dann auch ääääh oder einfach nichts, macht nur kurz ne Denkpause. :)
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murkelchen
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von murkelchen »

Hier war das eine Zeit lang (ab 4 Jahren) wirklich extrem. Sie hat halt auch immer so furchtbar viel zu erzählen und zwar jedem, egal ob er es hören will oder nicht. :lol: Dazu hat sie dann noch superschnell geredet, ich glaube, da konnte das Hirn wirklich nicht so schnell umschalten. Jetzt ist sie insgesamt ruhiger geworden, redet auch langsamer und da sind die Denkpausen auch viel weniger geworden. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, habe ich es seit 2 Tagen gar nicht mehr erlebt und davor auch nur so 1-2x am Tag. Kein Vergleich zu früher. Es scheint also wirklich von allein besser zu werden. Ich habe mich halt nur gefragt, ob es wirklich von der Zweisprachigkeit kommt.
LG von Jenni
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greenie bird
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von greenie bird »

Oh, das sind ja echt viele Erfahrungen :D wir haben noch den Tag draußen genossen...
Ich weiß noch nicht, ob ich das mache...auch wenn sie es mehrmals heut am Tag erwähnt hat. Sie ist schon sehr sprachinteressiert und bekommt auch einiges an Englisch mit. Sie kann alle Sprachen unterscheiden und benennen, wenn sie sie hört und auch, die Worte, die sie kennt übersetzen. Wenn also mein Mann sie (auf seiner Sprache) fragt, was auf Englisch Hund heißt, dann sagt sie 'dog' und genauso, wenn ich sie etwas frage, dann klappt das auch bei allen Sprachen durcheinander. Sie fragt mich auch immer vieles wie es denn auf Englisch heißt (weil sie weiß, dass ich es auch spreche) und dann sage ich ihr das natürlich, aber ganze Sätze benutze ich ihr gegenüber nicht. Trotzdem sind es ja auch mehr oder weniger drei Sprachen. In der Schule wird es wahrscheinlich auch früher oder später Unterricht auf Englisch geben, daher ist das auch sinnvoll. Sie mischt eher selten die Sprachen, sondern fragt mich oft vorher, wenn sie es auf der Sprache meines Mannes nicht weiß, mich um dann mit ihm zu sprechen- aber auch nicht immer, natürlich fragt sie auch selbst. Warum sie das nicht immer so macht, weiß ich nicht.
Dass allerdings einige Verknüprfungen länger dauern oder durcheinander kommen ist eher, wenn mit einem 'Befehl' eine bestimmte Handlung erfolgen soll. Also z.B. bei Spielen wie 'Feuer, Wasser, Luft' da schaut sie öfter auf andere Kinder und macht das dann nach. Oder wir haben eine Geschichte gelesen, in der manche Worte eben durch Bilder ersetzt waren, die sie dann sagen durfte. Wenn also der 'König' dies oder jenes macht und gleich im nächsten Satz wieder der 'König' vorkommt, so konnte sie sich stellenweise nur nach langem Überlegen und ein oder zwei Mal auch gar nicht mehr erinnern was sie zu dem Bild sagen sollte. Wobei ich ihr nicht 'König' vorgesagt habe, sondern sie das zuerst selbst so erkannt hat. Das fand ich merkwürdig aber in wie weit diese Sachen zur Sprache zählen weiß ich nicht. Und die Geschlechter machen ihr Probleme- also ob er oder sie, wird doch recht häufig nicht richtig angewendet.
Für die Sprache meines Mannes wäre aber das z.B. auch recht wichtig, da es öfter männliche und weibliche Unterscheidungen gibt als im deutschen und sie natürlich immer ,als Mädchen angesprochen, diese Form verwendet und ihren Vater somit auch häufig mit den weiblichen Formen anspricht, weil ich mit ihm ja deutsch rede. Würde ich seine Sprache sprechen, würde sie das öfter hören.
Es ist halt wirklich knifflig...manchmal. Danke jedenfalls für Eure ganzen Antworten!
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von youtee »

Aber jetzt bin ich neugierig, Greenie Bird: welche Sprache spricht denn Dein Mann?
ClauWi Trageberaterin, MK 06/12
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Latascha
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Latascha »

Das interessiert mich auch, von der Wohnortsangabe im Profil würde ich mal auf chinesisch tippen?!
Liebe Grüße
Latascha
mit Munchkin (09/10) und Monkey (09/13)

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greenie bird
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von greenie bird »

Hahaha...nein, Chinesisch ist mein Steckenpferd.
Wir sprechen noch arabisch.
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

Gazelle (08/07)+Katerchen (07/10)
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Latascha
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Latascha »

Oh toll! Eine Freundin spricht auch arabisch mit ihren Kindern und ich finde das immer total klasse vom Klang und auch der Wechsel von deutsch zu arabisch und zurück :)
Liebe Grüße
Latascha
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Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von greenie bird »

Es wäre halt nur ungewohnt jetzt damit anzufangen. Viele unserer arabischen Bekannten sagen, dass ich doch mit ihr arabisch reden soll. Es ist ja keine europäische Sprache, die sie sonst öfter hören würde.
Und ich habe das gleiche "Problem" wie murkelchen, mit meinem Mann zu sprechen ist/ war mir unangenehm, weil er anfangs öfter gelacht hat- natürlich nicht über mich, sondern weil es ja so "süß" klingt. Naja über die Jahre sind wir ja aber auch gemeinsam im Urlaub und ich musste zwangsläufig auch vor ihm sprechen, wenn ich mit anderen redete. Da kam dann doch etwas Normalität rein.



ǝlıqoɯ ɯoɹɟ ʇuǝs
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

ich spreche deutsch mit meinem sohn, mein mann italienisch, umgebungssprache ist italienisch, mein mann und ich sprechen englisch miteinander. italienisch werde ich mit meinem kind bestimmt nie sprechen. das mache ich nur, wenn andere kinder zu besuch sind o.ä. mein mann versteht inzwischen gut deutsch, wird aber weiter mit seinem sohn italienisch reden auf jeden fall. vor allem, weil er ja auch nicht in den kindergarten geht und wohl auch nicht in die schule gehen will (außer er will natürlich). im moment sind die sprachen gleich gut, er mischt seit einem monat ganz extrem, davor war alles hübsch säuberlich getrennt. englisch versteht er alles, kann es auch sprechen, wenn er MUSS, mag es aber gar nicht, wenn wir englisch mit ihm reden (passier vor allem mir manchmal, ich bin nicht zum OPOL geboren, bin eh ganz schlecht in sprachen.. also bis auf deutsch, das is ganz gut :lol: ).

ich kann mir so gar nicht vorstellen, irgendetwas anderes als deutsch mit meinem kind zu sprechen. aber wenn ich es mir vorstellen kann und es der wunsch meines kindes ist - klar würde ich das machen! vor allem bei der vorgestellten konstellation kann ich mir das gut vorstellen.
tania mit sohn *09 und sohn *12
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