AP-Leistungen nicht bewerten?

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Lösche Benutzer 5914

Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von Lösche Benutzer 5914 »

Daria hat geschrieben:
Für mich ist das dann kein Lob. Ich kann niemanden für etwas loben, von dem er eh mehr Ahnung hat als ich. Weil Lob für mich immer eine hierarchische Komponente hat.

genau das hat es für mich auch!
daher ist mir das loben von anderen erwachsenen auch ganz unangenehm und ich versuche lieber explizites, differenziertes feedback zu geben.
Warum ist Lob hierarchisch? Wenn ich ein schönes Bild male und mein Mann sagt "Hey, das ist super geworden!" ist das doch nicht hierarchisch. Ich freue mich darüber. Warum sollte ich dann nicht auch zu meiner Tochter, die ein schönes Bild malt, sagen "Hey, das ist ja super geworden." Oder wenn sie unterwegs Bescheid sagt, sagen "Finde ich toll, dass du Bescheid gesagt hast!" ... Wird da nicht zu viel rein-psychologisiert?
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Daria
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von Daria »

ach, ich glaube, ich psychologisiere da gar nicht so viel - mein gefühl ist einfach kein gutes dabei, das reicht mir und ich vermeide das loben dann unterbewusst. ich denke nicht vorher darüber nach.

wenn ich es theoretisch betrachte, warum lob für mich (auch) hierarchisch ist, dann würde ich es so begründen: wenn ich jemand anderen, mir ebenbürtig, lobe, dann setze ich automatisch meine wertvorstellungen und meine ansichten als den maßstab ein. daran messe ich dann den anderen, den ich lobe.
wenn ich jetzt aber sage, was sind schon meine wertvorstellungen von "schön", "wertvoll", "gut" - dann habe ich im prinzip auch keine relativität mehr. also, verstehtst du, wer bin schon ICH, über andere und über anderer menschen leistungen zu urteilen.
da sage ich dann lieber "dein bild gefällt mir, ich finde es schön." statt "toll, das hast du gut gemacht." - fühlt sich einfach besser an für mich.
Viele Grüße von Daria mit Theo (02/08), Lotti (12/09) und Flora (07/12)
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Lösche Benutzer 9567

Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von Lösche Benutzer 9567 »

Daria hat geschrieben:wenn ich jetzt aber sage, was sind schon meine wertvorstellungen von "schön", "wertvoll", "gut" - dann habe ich im prinzip auch keine relativität mehr. also, verstehtst du, wer bin schon ICH, über andere und über anderer menschen leistungen zu urteilen.
da sage ich dann lieber "dein bild gefällt mir, ich finde es schön." statt "toll, das hast du gut gemacht." - fühlt sich einfach besser an für mich.
Das ist ein interessanter Gedanke finde ich.Vor allem weil ich mich jetzt am Wochenende mal mit meiner Mutter darüber unterhalten habe (sie ist Erzieherin) .
Sie sagte dann sowas wie bei ihr im Kiga würden die Bilder der Kinder tatsächlich durch die Erzieherin "bewertet".Z.B.ob das Kind altersgerecht dieses oder jenes dargestellt hätte.
Und ich erinnere mich noch an einige Situationen in denen meine Bilder als Kind verbal zerpflückt wurden.
Das habe ich ihr dann auch so gesagt und naja,sie nimmt das dann nicht so ganz ernst.Ist auch in Ordnung,im Nachhinein aufzurechnen find ich auch ungeschickt.


Aber wie geht ihr damit um wenn im Kindergarten oder in der Schule(und in der Regelschule ist das ja schnell der Fall) bewertet wird?Dann wirds doch schwierig? Gut,ich steuere ins OT glaub ich :oops:
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Sakura
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von Sakura »

talismama hat geschrieben:Wenn ich ein schönes Bild male und mein Mann sagt "Hey, das ist super geworden!" ist das doch nicht hierarchisch. Ich freue mich darüber. Warum sollte ich dann nicht auch zu meiner Tochter, die ein schönes Bild malt, sagen "Hey, das ist ja super geworden."
aber genau DAS ist doch der unterschied. dein mann sagt eben NICHT: "das hast du gaaaanz toll gemacht mit dem bild, gaaaanz fein, bist eine liebe frau", sondern gibt dir ehrliches, differenziertes feedback. das ist KEIN lob. genau darum geht es.
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tania
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von tania »

Sakura hat geschrieben:
talismama hat geschrieben:Wenn ich ein schönes Bild male und mein Mann sagt "Hey, das ist super geworden!" ist das doch nicht hierarchisch. Ich freue mich darüber. Warum sollte ich dann nicht auch zu meiner Tochter, die ein schönes Bild malt, sagen "Hey, das ist ja super geworden."
aber genau DAS ist doch der unterschied. dein mann sagt eben NICHT: "das hast du gaaaanz toll gemacht mit dem bild, gaaaanz fein, bist eine liebe frau", sondern gibt dir ehrliches, differenziertes feedback. das ist KEIN lob. genau darum geht es.
jein, ich finde das schon lobend, das hast du aber super gemacht. beschreiben wie es aussieht oder das gefällt mir, vor allem hier das bla das blabla, das finde ich in ordnung, will es aber auch nicht zu viel machen.
tania mit sohn *09 und sohn *12
Lösche Benutzer 5914

Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von Lösche Benutzer 5914 »

Ja, ich bin jetzt auch nicht so "Daaas hast du aber fein gemacht. Hat Talita daaaaas fein gemacht? Jaaaaa!" (ich höre gerade meine Schwiegermama :lol: ) und ein bisschen stimmt das auch, dass Lob "abhängig" machen kann. Von meinem Mann erzählen immer alle, er habe als Kind ständig gefragt "Habe ich das gut gemacht?" und manchmal denke ich auch heute noch, dass er sehr auf Lob anspringt :lol: Von daher gibt es vielleicht ein zu viel.
Aber manchmal bin ich so erstaunt, was Talita macht... Zum Beispiel brachte sie mir letztens ein ganz tolles Bild. Man erkannte, dass es eine Person ist (Arme, Beine Gesicht) und das es wohl eine Frau sein soll (lange Haare) und dann habe ich gefragt "Was hat die Frau denn da auf dem Bauch?" (weil sie da zwei Kugeln gemalt hat). Da sagte Talita "Mama, das bist du und das bin ich als Baby in deinem Bauch!" Das fand ich so toll, da habe ich dann auch gesagt "Mensch, das ist toll geworden, man erkennt das ja alles ganz genau!" - geht euch das nie so, dass man dann auch für etwas ganz tolles loben möchte?
Captainsparrow

Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von Captainsparrow »

Doch, total Sina. Das meinte ich auch damit.
Sibi
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von Sibi »

talismama hat geschrieben:Ja, ich bin jetzt auch nicht so "Daaas hast du aber fein gemacht. Hat Talita daaaaas fein gemacht? Jaaaaa!" (ich höre gerade meine Schwiegermama :lol: ) und ein bisschen stimmt das auch, dass Lob "abhängig" machen kann. Von meinem Mann erzählen immer alle, er habe als Kind ständig gefragt "Habe ich das gut gemacht?" und manchmal denke ich auch heute noch, dass er sehr auf Lob anspringt :lol: Von daher gibt es vielleicht ein zu viel.
Aber manchmal bin ich so erstaunt, was Talita macht... Zum Beispiel brachte sie mir letztens ein ganz tolles Bild. Man erkannte, dass es eine Person ist (Arme, Beine Gesicht) und das es wohl eine Frau sein soll (lange Haare) und dann habe ich gefragt "Was hat die Frau denn da auf dem Bauch?" (weil sie da zwei Kugeln gemalt hat). Da sagte Talita "Mama, das bist du und das bin ich als Baby in deinem Bauch!" Das fand ich so toll, da habe ich dann auch gesagt "Mensch, das ist toll geworden, man erkennt das ja alles ganz genau!" - geht euch das nie so, dass man dann auch für etwas ganz tolles loben möchte?
Sina, das drückt für mich eher Begeisterung als Lob aus. Und was du über Deinen Mann schreibst, ist genau das, was ich vermeiden möchte. Meine Mutter ist auch so - dass sie gelobt werden möchte. Ich kann das nicht. Ich kann sie bewundern (das tue ich wirklich), aber ich kann sie nicht loben. Das steht mir nicht zu, das fühlt sich total falsch an. Und ich gehe gern das Risiko ein, ein etwas weniger leicht zu leitendes Kind (weil es nicht auf Lob anspringt) zu haben, als einen Erwachsenen heranzuziehen, der unnötig abhängig von fremdem Lob ist. Zumal es ja auch Versuche gibt, die dafür sprechen, dass man mit Lob die intrinsische Motivation zugunsten der extrinsischen hemmt. Auch das ist für mich ein massiver Nachteil an einer Erziehung, die auf Lob basiert. Abgesehen davon, dass die ganze Lob/Strafe-Geschichte aus dem Behaviorismus kommt, den ich partout nicht ausstehen kann - zumindest nicht im Zusammenleben mit meinem Kind.

Ich glaube, ich schrieb es schon mal - für mich sind es häufig nicht die konkreten Worte, sondern die Motivation, die innere Haltung, die dahinter stehen und entscheiden, ob etwas eher Anerkennung, Wertschätzung, Wahrnehmung ist oder einfach Lob.

Aber ich verstehe auch, dass dir das erstmal zu "verkopft" vorkommt. Für mich ist Nicht-Loben natürlich, ich finde Loben künstlich. Wem es andersherum geht, fällt das Nicht-Loben sicher schwerer und die Frage ist ja auch, ob es nun wirklich so viel bringt, sich zu verstellen und krampfhaft nicht zu loben, obwohl man eigentlich will.
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eve
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Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von eve »

Ich hab gerade einen total interessanten Text übers nicht-Loben gelesen, vielleicht interessiert der euch ja auch: http://www.mit-kindern-wachsen.de/fuenf ... ut-gemacht (Irgendwie kann ich keinen link daraus machen, funktioniert nicht.)
Dank an chailatte :D
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Lösche Benutzer 5914

Re: AP-Leistungen nicht bewerten?

Beitrag von Lösche Benutzer 5914 »

eve hat geschrieben:Ich hab gerade einen total interessanten Text übers nicht-Loben gelesen, vielleicht interessiert der euch ja auch: http://www.mit-kindern-wachsen.de/fuenf ... ut-gemacht (Irgendwie kann ich keinen link daraus machen, funktioniert nicht.)
Dank an chailatte :D
Danke fürs Teilen. Ich kann mir nicht helfen... Ich finde immer noch, dass das übertrieben ist und an den Haaren herbei gezogen. Ich frage mich immer wieder, wann bloß endlich meine gestörte Persönlichkeit zutage tritt, weil meine Eltern mich gelobt haben, ohne diese schreckliche manipulative Art kritisch zu hinterfragen. Manches verstehe ich: man muss nicht für jeden Pillepalle loben, aber ich finde, dass man auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen kann. "Lob-Junkies", "Dem Kind seine Freude stehlen", "Manipulation", "Zuckerguss-Kontrolle" - das alles wirkt so maßlos übertrieben und klingt so drastisch, dass mir das den Ansatz, der wohl vielleicht positiv gemeint ist, total unsympathisch macht...
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