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Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 06.09.2010, 16:12
von freddina
Wir stillen auch vorm schlafen und wenn die Süße dabei einschläft, finde ich das immer wunderschön. Das ist doch die schönste Art, mit dem kleinen Herz den Tag zu verabschieden.
Karlina hat geschrieben:
Naja, aber genauso könntest du auch argumentieren: "Also ich nehme mein Kind im ersten Lebensjahr lieber nicht auf den Arm und trage es. Schließlich soll es ja lernen alleine zu laufen, damit es von mir unabhängig wird. Wenn es sich alleine fortbewegen will aber nicht kann ist ja auch blöd."
Im Ernst, jemand hat schonmal zu mir gesagt: "wenn Du die Kleine nicht immer gleich hoch nimmst wenn sie weint, lernt sie schneller laufen" (da war sie gerade 3 1/2 Monate alt) - es ist doch unglaublich wie viel blödsinn geredet wird! ... warum wollen einem immer alle einreden, dass die kleinen ganz schnell unabhängig werden müssen? Vertrauen und Nähe sind doch erstmal viel wichtiger, dann kommt die Unabhängigkeit schon.
Liebe Grüße an alle einschlaffgestillten Kinder und Mamis!
Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 06.09.2010, 19:42
von vicci
Ich hab - durch Zufall- was tolles zum Thema gefunden (In Auszügen):
Das ist ein günstiger Moment, nochmals auf das Beruhigungssaugen zurückzukommen. Eine für kindliche Signale sensible Mutter nimmt die Erregung des Kindes wahr und kann sie bald von Hunger unterscheiden. Vielleicht hat sie bereits die Auslösesituation für Weinen und Unruhe erkannt und legt das Kind nun zur Beruhigung an. Ist das Baby zum Trost und zum Erregungsabbau an der Brust, verhält sich die Mutter ganz speziell, sie spricht mit besänftigender Stimme, streichelt das Kind, hält ein Händchen, manche Mutter bewegt in dieser Situation ihren Oberkörper beim Stillen leicht rhythmisch hin und her. Ganz anders, als wenn eine Mutter ein hungriges Kind anlegt: nach Einnahme einer möglichst optimalen Stillposition, verhält diese sich ruhig, spricht wenig, streichelt und tätschelt nicht, um die Saugphasen nicht zu stören. In den kurzen Saugpausen, die zwischen dem intensiven Trinken liegen, suchen Mutter und Kind Blickkontakt, die Mutter spricht das Kind kurz an, streichelt es mitunter, aber nur bis das Kind wieder zu trinken beginnt, dann ist wieder Ruhe.
Das unterschiedliche mütterliche Verhalten bei der Nahrungsgabe und beim Beruhigen, erleichtert es dem Kind, auch zwischen seinen beiden unterschiedlichen Empfindungen Hunger und Aufregung zu unterscheiden. Ist anfangs die orale Befriedigung ausschlaggebend, den Erregungspegel zu dämpfen, so nehmen im Laufe der Zeit die das Anlegen begleitenden Beruhigungsmaßnahmen wie Sprechen, Streicheln, auf dem Arm gewiegt werden immer mehr an Bedeutung zu, bis sie das Trostsaugen vollständig ersetzen. So ist gewährleistet, dass die kindlichen Bedürfnisse alters- und situationsgemäß befriedigt werden.
Diese Zusammenhänge und Konsequenzen erfährt ein Kind bereits in der Stillzeit. Ist Stillen mit der unausgesprochenen Aufforderung "Trink" eine Pauschalantwort auf nahezu jede kindliche Lautäußerung, dann wird hier jemandem der Mund gestopft ohne Angebot einer Alternative. Die Folgen dieses "Abspeisens" werden mit der sich entwickelnden Gewohnheit "bei Stress essen" in Verbindung gebracht, um durch die sich beruhigend auswirkenden physiologischen Folgen der Nahrungsaufnahme kurzfristig negative Gefühle wie Einsamkeit, Frustration und Langeweile "wegzuzaubern". Lernt man beim Stillen, in Mamas Arm werde ich ruhig und kann einschlafen oder wieder genussvoll aktiv werden, reichen bald Beruhigungen ohne Brust-Mund-Kontakt und unterstützen so den Weg der kindlichen Selbstregulation.
Autorin
PD Dr. rer. nat. Gabriele Haug-Schnabel, Humanethologin, Leiterin der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM), Privatdozentin an der Universität Freiburg, Beteiligung an interdisziplinären Forschungsprojekten zur Beobachtung und Analyse kindlichen Verhaltens.
Autorin von Rundfunksendungen, zahlreicher Fachbücher zum kindlichen Verhalten, Referentin in Aus- und Fortbildungseinrichtungen für Erzieher, Pädiater, Kinder- und Jugendpsychiater, klinische Verhaltenstherapeuten und Sozialpädagogen.
Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 06.09.2010, 20:53
von klimaforscherin
Gehört Einschlafstillen zum "Beruhigungssaugen"? Da werd ich doch nicht viel rumwiegen und mit den Händchen spielen!?! Da ist doch das Einschlafen das Ziel, oder?
Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 06.09.2010, 21:32
von Montana
Meine Kleine, nunmehr 1 Jahr alt, wird auch noch einschlafgestillt (sie schläft jedoch auch auf Papas Arm beim Tragen, im Auto, im Kiwa, im Tuch ein:-)). Für uns das Praktischste und Schönste Einschlafritual. Nachteil natürlich, dass ich da sein muss (wobei es jemand anderes im Notfall bestimmt auch hinkriegen würde). Wenn sie müde ist (und dadurch schlafen will - sie geht im Prinzip von alleine ins Bett) und sonst alles stimmt (Pipi gemacht), dauert es maximalst 10min (wenn sie noch aufgedreht ist), in der Regel weniger.
Und ich merke auch, wie sich das Einschlafstillen ändert. Anfangs war es schwer, die Brust wegzunehmen, ohne dass sie aufwacht, dann ging das und das Rausgehen war noch heikel, dann ging auch das aber man musste extrem vorsichtig sein und lange warten - und nun dockt sie sich öfter schon von selbst ab, heute sogar noch halbwach und hat sich dann zum gänzlichen Einschlafen an mich gekuschelt. Ich denke, so geht sie den Weg zum reelen selbständigen Einschlafen, eben in ihrem Tempo. Und je nach Zustand braucht sie noch mehr oder weniger.
Durch das Einschlafstillen habe ich auch keine Probleme, wenn sie doch noch nicht einschläft, sondern nochmal rumspringen will: ich habe kein mühseliges Einschlafritual gemacht, weiß dass sie weder Hunger noch Drust hat und konnte mich in bei ihr entspannen und merke außerdem an der Art wie sie stillt recht genau, ob sie einschlafen wird oder nicht.
Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 07.09.2010, 11:22
von vicci
klimaforscherin hat geschrieben:Gehört Einschlafstillen zum "Beruhigungssaugen"? Da werd ich doch nicht viel rumwiegen und mit den Händchen spielen!?! Da ist doch das Einschlafen das Ziel, oder?
Nun, ich wiege meine Maus schon auch beim Einschlafstillen

Aber die Grundaussage ist ja: Stillen ist nicht gleich Stillen und sollte das auch nicht sein. Ein Kind merkt deutlich den Unterschied zwischen Nahrungsaufnahme und Beruhigung, wenn dieser auch beabsichtigt ist. Einschlafstillen ist beruhigend und als solches gedacht. Daß dabei Milch rauskommt, wird meiner Meinung nach eben dadurch erklärt, dass Muttermilch auch Wasser und Tee ist - je nach Bedürfnis des Kindes!
LG Vicci
Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 07.09.2010, 11:50
von Squeeziemami
blueberry hat geschrieben:
Wenn mein Sohn sich das für später behält, dass er mit Kummer zu mir, seiner Freundin, Schwester, ... geht und redet oder sich mal umarmen lässt oder was gemeinsam isst... oder dass er sich vielleicht später mal am Abend - vielleicht beim Abendessen im Gespräch oder beim Kuscheln im Bett - bei seiner Partnerin und den Kindern rückversichert, dass alles mit der Beziehung in Ordnung ist, bevor er beruhigt einschläft (denn auch das ist Stillen ja: sagen, dass alles in Ordnung ist und man beruhigt einschlafen kann, weil Mama da ist und Hunger - der ja existenziell bedrohlich ist für Kinder - nicht zu befürchten sein wird), soll mir das sehr Recht sein

Das ist soooooooo schön!!

Hatte ich mir immer vorgenommen und dank BES arbeiten wir wieder stark draufhin

Ich würde alles geben, wenn wir wieder voll einschlafstillen könnten. Leider mag sie manchmal noch den Schnuller. Aber wir sind schon gut gut dabei!
Und dann geb ich die Einschlafstillerei nicht mehr auf

Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 07.09.2010, 11:52
von Squeeziemami
zum Thema Beruhigung: Leider schimpft meine Schnecki oft die Brust an. Das wirkt dann weniger beruhigend ^^ Hoffe, wir kommen noch dahin - bzw. wieder...

Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 07.09.2010, 13:44
von Urania
hab jetzt nich alles durch gelesen,aber finde übertrieben.Nein ich finde nicht das Einschlafstillen Auswirkung auf Essverhalten hat.
Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 07.09.2010, 20:08
von klimaforscherin
vicci hat geschrieben:klimaforscherin hat geschrieben:Gehört Einschlafstillen zum "Beruhigungssaugen"? Da werd ich doch nicht viel rumwiegen und mit den Händchen spielen!?! Da ist doch das Einschlafen das Ziel, oder?
Nun, ich wiege meine Maus schon auch beim Einschlafstillen

Aber die Grundaussage ist ja: Stillen ist nicht gleich Stillen und sollte das auch nicht sein. Ein Kind merkt deutlich den Unterschied zwischen Nahrungsaufnahme und Beruhigung, wenn dieser auch beabsichtigt ist. Einschlafstillen ist beruhigend und als solches gedacht. Daß dabei Milch rauskommt, wird meiner Meinung nach eben dadurch erklärt, dass Muttermilch auch Wasser und Tee ist - je nach Bedürfnis des Kindes!
LG Vicci
Wenn er tatsächlich "nur" Einschlafstillen möchte, dann nuckelt er und es kommt praktisch keine Milch (zumindest schluckt er nicht.).
Hungertrinken und Einschlafstillen geht irgendwie ineinander über.
Soll man dann das Kind packen und wiegen, oder wie sehe ich das? Damit er einen Unterschied merkt?
Wenn ich noch ein Buch vor der Nase habe, dann merke ich es erst, wenn er eingeschlafen ist.
Wenn man "Beruhigungssaugen" zum Trösten praktiziert (ist meiner noch zu klein), scheint es mir nur natürlich, zusätzlich zu wiegen und beruhigend zu reden, aber nicht, dass ich das bewusst täte, um ihm den Unterschied zwischen "Hungertrinken" und "Beruhigungstrinken" nahezubringen.
Re: Ist Einschlafstillen schlecht?
Verfasst: 07.09.2010, 22:22
von blueberry
Ich finde diese Unterscheidung bei einem kleinen Stillbaby auch etwas künstlich und gehe davon aus, dass es sich hier um Beobachtungen tagsüber und an älteren Stillkindern handelt, und dass da ein Unterschied beobachtet wurde im Verhalten der Mutter je nachdem ob das Kind aus Hunger stillte oder weil es sich z.B. beim Herumtollen wehgetan hatte und weinte und Trost brauchte. Dann würde man sicher seinen z.B. 2-Jährigen auch wiegen, beruhigend auf ihn einreden etc. - und zwei Jahre später würde man den Vierjährigen dann eben in der Situation nicht mehr stillen sondern eben nur noch im Arm halten, wiegen, beruhigend auf ihn einreden. So interpretiere ich das. Die Stillzeit ist ja noch lang.
Und sicher würde keiner nun empfehlen, ein Kind, nur weil es nun nicht mehr seinen Hunger stillt sondern an der Brust nuckelnd am Einschlafen ist, auf einmal hin und her zu schuckeln und anzufangen zu reden - am besten noch mitten in der Nacht

Nein, so ist das sicher nicht gemeint
