Re: Erfahrungen mit "Nachts weniger stillen"?
Verfasst: 26.04.2013, 11:06
Ganz so möchte ich das aber auch nicht stehen lassen. Natürlich braucht ein sechs Monate altes Baby nachts noch Nahrung und es ist richtig das Kind zu stillen. Wenn das Kind alle halbe Stunde aufwacht oder dauernuckelt, tut es das aber nicht, weil es Hunger hat sondern weil es allein nicht zum Schlaf findet. An der Brust nuckeln ist dann eine (gute) Möglichkeit das Kind wieder zu beruhigen. Auf dem Pezziball hüpfen, das Kind durch die Wohnung tragen ect. sind andere Möglichkeiten, die auch das Zuwendungsbedürfnis eines Babys befriedigen können. Das aufwachen jedesmal mit Stillen zu beantworten ist ja erstmal die Entscheidung der Mutter (für die es in der Regel bequemer ist, als alle halbe Stunde aufzustehen und das Kind zu tragen). Auch Einschlafstillen halte ich für kein nicht anders zu befriedigendes Bedürfnis des Kindes, denn es gibt auch andere Arten ein Kind liebevoll und unter Gewährung elterlicher Zuwendung zum schlafen zu bringen. Nur weil Stillen auch das Nähebedürfnis des Babys bedient heißt ja nicht, dass es daneben keine anderen Möglichkeiten gibt dies zu tun, wenn man das satte Baby gerade nicht stillen möchte. Einschlafstillen ist natürlich oft auch für die Mütter eine wenig kraftraubende Art der Einschlafbegleitung.Katha hat geschrieben:Wenn ich Deine Zeilen lese, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Du nächtliches Stillen und Einschlafstillen für eine "Angewohnheit" hältst. Und die man besser so früh als möglich abtrainieren sollte.08u11 hat geschrieben:Man oh, jetzt hab' so einen langen Beitrag geschrieben und jetzt ist er weg! Deshalb zweiter Versuch:
Wie das bei Dir ist, weiß ich nicht. Ich habe tatsächlich bei Nr. 1 noch einiges dazugelernt. Als A. ca. 1 Jahr alt war, war ich bei der Stillberaterin, weil ich vom nächtlichen Dauernuckeln übelst wundgebissene Brustwarzen hatte. Die Stillberaterin hat sich die Wunde kurz angeschaut und dann gemeint: Ab zum Frauenarzt und übrigens: in dem Alter kann man schon auch Abstillen. Darauf ich: Aber dann muss ich nachts ja Fläschchen machen und sie: Nein, so ein großes Kind braucht keine Milch, der braucht ein Einschlafritual. Tja, leider war - zumindest bei unserem - in dem Alter ein neues Ritual nur mit Geschrei zu etablieren. Und das wollte ich bei Nr. 2 vermeiden und es hat auch geklappt (wenn auch vielleicht nur deshalb, weil wir viel Glück hatten).Katha hat geschrieben: ich als Erstlingsmama haben halt nicht die Weisheit zu unterscheiden.
Wenn das heißt, dass die Mama sich einen Wecker stellt und ihrem wild brüllenden Kind erzählt: Nein Du bekommst jetzt keine Milch, wir stillen erst in 2h wieder! Dann stimme ich Dir voll und ganz zu. Das geht mit so Kleinen auf keinen Fall und mit Großen eigentlich auch nur im Notfall. Bei uns ist es aber umgekehrt gelaufen: Zunächst mal haben wir das abendliche Stillen vom Einschlafen getrennt. Gleiche Stillmenge, gleiches Prolaktin, nur ca. 15 Min früher. Ändert am Stillen zunächst einmal gar nichts, aber Kind lernt schon früh ein neues Einschlafritual kennen (und das geht meiner Erfahrung nach halt kurz vor dem Mobilwerden sehr gut und mit einem Jahr gar nicht). Die längeren Stillabstände haben sich dann von selbst eingestellt, als J. soweit war. Und da gibt's auch wieder Phasen, in denen dann doch mehr Mama Milch gebraucht wird. Mit etwa 11 Monaten hat er durchgeschlafen, inzwischen kommt er aber auch in manchen Nächten wieder.Katha hat geschrieben: Meine Meinung nach ist es eben auch ein Mahlzeitenkonzept, wenn Nachts die Stillabstände auf 3 oder 4 h beschränkt werden
Die Angst, dass die Milch nicht reicht, kenne ich persölich nur aus dem Wochenbett. Mit 6Mon hat J. schon ordentlich BLW verschlungen und war außerdem durchaus in der Lage sich zu melden, wenn er Hunger hat - auch nachts. Dann hat er auch MuMi bekommen (und bekommt sie auch heute noch). Aber wenn er mit kurzem Streicheln genauso gut weitergeschlafen hat, habe ich Grund zu der Annahme, dass er auch nur Beruhigung wollte und nicht unbedingt Milch.Katha hat geschriebenAuch das nächtliche Nuckeln hält den Prolaktinspiegel hoch und regt die Milchproduktion an.
Wenn Ihr mit nächtlichem Dauerstillen zurecht kommt, dann spricht nichts dagegen. Ich weiß von mir, dass ich das nicht 2-3 Jahre durchhalte (vor allem nicht, wenn das Kind zahnt). Und dann finde ich es fairer, bereits rechtzeitig nach Alternativen zu schauen und die in Ruhe zu etablieren, als ein 1jähriges kurzfristig abzustillen. Ich kenne leider recht viele Mütter, die (meiner Meinung nach) zu früh abgestillt haben, weil sie sonst wirklich keinen Schritt mehr ohne Baby machen konnten. Und dann hat der Papa halt mal Pre im Fläschchen gegeben - weil das Kind braucht ja unbedingt sofort Milch und darf/kann nur so beruhigt werden. Das schadet dem Prolaktinspiegel mit Sicherheit! Meiner Erfahrung nach ist es da für alle viel entspannter und stillfreundlicher obendrein, Papa findet sein eigenes Beruhigungsritual und Baby stillt wieder wenn Mama da ist (klar, je kleiner das Kind, desto kürzer muss die Wartephase sein).
Ich kenne halt das Problem mit nächtlichem Dauertrinker sehr gut und meine Angst vor Saugverwirrung oder vorzeitigem Abstillen (wegen Erschöpfung, nicht mehr heilender Brustwarzen, ...) ist viel größer als die Sorge, einem bislang gut zunehmenden, beikostreifen Kind könne die Milch ausgehen. Deshalb betone ich, dass es grundsätzlich durchaus legitim ist, auch ein Baby auf andere Art und Weise zu beruhigen als durch Stillen. Hungern oder Dürsten lassen ist in keinem Alter gut, allein Schreien lassen niemals und gemeinsam Schreien aushalten: naja, im Notfall (aber toll ist es auch dann nicht).
Dem will ich mich voll und ganz anschließen. Ganz bestimmt hält das lange vor. So: eine gute Nacht für alle, egal ob stillend und/oder schlafend.@kiki18: hoffe, dass war der Forumseffekt, der jetzt ganz lange anhält.
Weil mir die Sichtweise sehr fern liegt, möchte ich da nicht argumentieren.
Aber es auch nicht so stehen lassen, weil die Forumsbeiträge ja durch G*ogle auftauchen.
Daher möchte ich auf die Link-Sammlung Stillwissen verweisen und was da zu Stillen nach Bedarf steht:
Quelle: http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... ng#p717889jusl hat geschrieben:Im Gegenteil. Es ist nicht sinnvoll, zwischen "Stillen um zu essen" und "Stillen zum Trost o.ä." zu unterscheiden. Babys haben schlichtweg ein Stillbedürfnis. Wenn Kinder klein sind, hängen Nahrungsaufnahme, Wärme und mütterliche Zuwendung und Trost von Natur aus zusammen. Erst wenn daran manipuliert wird, können später Probleme auftauchen, z.B. bei Babys, deren Stillbedürfnis häufig mit einem Plastiknuckel (=Kontakt zum Ding!) statt mit Stillen (=Kontakt zum Menschen!) beantwortet wird.Kann das Stillen zum Trost eigentlich zu esssgestörtem Verhalten führen? Oder wird diese Verbindung erst bei "richtiger" Nahrung hergestellt?
Dass ein Baby durchs Stillen beruhigt werden kann, ist nicht ein negativer Nebeneffekt des Stillens, sondern einer der positiven Hauptaspekte
LG;
Julia
(und das Väter ihre eigenen Rituale finden müssen, darum ging es hier gar nicht.)
Wenn das Baby beim Stillen gut einschläft, und die Mutter dadurch, dass sie im liegen nur kurz stillen muss soviel Schlaf bekommt, dass sie (wenn auch etwas müde) gut damit leben kann ist ja alles wunderbar. Wenn dem nicht so ist, ist es doch eine gute Lösung ein zweites Beruhigungsritual für die Nacht (wie beispielsweise das Tragen einzuführen, welches auch der Vater übernehmen kann und welches dem Kind auch Nähe und Zuwendung in der Nacht garantiert). Natürlich muss sich ein immer gestilltes Kind oft erst daran gewöhnen, dass auch Papa einen beruhigen kann. Aber wenn es ein paar Mal so einschlafen ist, wird es wisses, dass dies auch eine Möglichkeit ist, sich nachts zu beruhigen. Und dann wird man daran, ob das Kind wenn es aufwacht das Tragen akzeptiert, oder weiter nach der Brust verlangt auch gut feststellen können, ob es gerade um Hunger geht oder um die fehlende Möglichkeit der Selbstregulation. Das es nicht ums Stillen an sich geht, zeigt sich ja schon daran, dass sich das Baby der Threadstarterin von der Threadstarterin auch durch Pezziball oder Tragen beruhigen lässt - nur eben vom Papa nicht. Aber das ist auch eine Frage der Gewöhung und ohne Protest lassen sich Beruhigungsmittel manchmal nicht einführen. Ich weiß noch wie ich meine Tochter (die mit einer Woche tagsüber acht Stunden am Stück wach war und einfach nicht geschafft hat beim Stillen einzuschlafen und dann verzweifelt wurde) versucht habe an das Tragetuch zu gewöhnen.Sie hat die ersten Male gekämpft und geschrien und ich habe das (auch auf Rat hier aus dem Forum) ausgehalten, weil ich fest daran geglaubt habe, dass ihr das Tragen eingentlich gut tun wird.
Ob die Frequenz des nächtlichen Aufwachens weniger wird, kann ich nicht sagen. Aber wenn jemand mit der nächtlichen Stillsituation unglücklich ist, ist es denke ich auch legitim diese zu ändern (was bei einem 6 Monate altem Kind natürlich nicht nächtliches Abstillen bedeuten sollte); Ich habe eine sehr lange (19 Monate) eine sehr schlecht schlafende Tochter gehabt, die sich leider auch durch Stillen oft nicht beruhigen liess und war lange (trotz abends mit dem Kind ins Bett gehen) sehr übermüdet (tagsüber schlafen ging nicht, da meine Tochter nie länger als eine halbe Stunde geschlafen hat, und ich so schnell nicht einschlafen kann). Kann gut sein, dass ich beim nächsten Kind zumindest versuchen würde, das Kind auch anders als durch Stillen einschlafen zu lassen (was ja auch Pantley empfielt) und insbesondere auch den Vater als Beruhigungsperson zu etablieren. Ich kann nicht finden, dass man durch ein solches Vorgehen gegen das Nähebedürfnis eines Babys handelt. Vor allem wenn es wie bei 08u11 ohne Protest des Babys funktioniert hat.