Re: Warum länger als 6 Monate stillen?
Verfasst: 04.01.2013, 12:24
Da ist es vermutlich wie mit allem, auch in der DDR, es kommt darauf an, wen man damals gefragt hat.julimama hat geschrieben:...ich mag mal behaupten, dass das hier vor 20 Jahren nicht so war. (Komme aus der ehem. DDR)
Da gabs ja auch keine Hebammen, die einen im Wochenbett besucht haben. Da gabs nur die Mütterberatung, zu der man hingehen musste (so alle 4 Wochen). Dort wurden dann die Babies gewogen und gemessen. War hier wo ich wohne zumindest so.)
Krieg auch heute noch von vielen Älteren erzählt, man habe sich ja gar nicht getraut, dem Kind eher als 4h wieder was zu geben. Da ist dann versucht worden das Kind mit Tee hinzuziehen.
Meiner Mutter ist z. B. erklärt worden, ab dem 2. Mon. Möhrensaft zuzufüttern, wegen der Vitamine. Und abends ab 3. Mon. mit Grießbrei und so was anzufangen. Da hat niemand von Beikostreife geredet, da gabs halt ein Schema X an das sich alle Mütter zu halten hatten. Da war es ja aber auch so, dass die meisten Mütter schon nach dem Mutterschutz wieder arbeiten mussten und man so versucht hat den Frauen einzureden, es lohne sich halt gar nicht erst überhaupt mit dem Stillen anzufangen. Da kamen solche Fragen : "warum länger als 6 Mon. stillen" erst gar nicht auf.
Ich komme nicht aus der ehemaligen DDR, ich wohne nun nur hier. Ich hab keine eigenen Erfahrungen und kenne nur einen kleinen Personenkreis mit solchen Erfahrungen. Was ich aber kenne, ist ein Zeitungsartikel aus einer DDR-Frauenzeitschrift, den mein Freund im Frühjahr bei der Arbeit auf dem Bau bei Abrissarbeiten gefunden und mir mitgebracht hat. Ganz klare Empfehlung darin war, 4 Monate mindestens voll zu stillen und dann darüber hinaus mindestens im 1. Lebensjahr. Ich kann das jetzt auch nur aus meiner Erinnerung wiedergeben, denn den Artikel habe ich meiner Hebamme geschenkt, die als Stillberaterin und DDR Bürgerin mehr damit verbinden kann als ich.
Ich glaube, dass auch Tipps für berufstätige Frauen darin standen. Zumindest das Pumpstillen und damit Flasche füttern wurde darin erwähnt. Natürlich war auch der Artikel nicht auf dem heutigen Stand der Stillberatung, aber er war gut und pro Langzeitstillen.
Die Zeitschrift hieß "Für Sie" oder "Für Dich" oder so und war eine Ausgabe aus den frühen 80ern oder späten 70ern. So genau erinnere ich mich nicht mehr daran. Aber ganz klare Erinnerung habe ich an meinen positiven Eindruck.
Allerdings genauso im Vergleich dazu weiss ich, dass vor ca 15 Jahren auch im Westen mein Stillverständnis nicht anders war. Die ersten Wochen stillen, später Flasche, so oder so. Ich hab meine großen Mädchen nie gestillt. Wieso auch? Flaschennahrung ist doch ebenso gut. So kannte ich das, so hat mir das auch Fachpersonal bestätigt.
Bis heute habe ich lediglich mein Stillwissen erweitert. Die (offiziellen) Empfehlungen sind aber (meines Wissens nach) nicht viel anders als sie das damals waren.
Übrigens rechtfertige ich mich auch nicht für das Stillen. Ich bin gerne bereit bei wirklichem Interesse Informationen zu geben und Erfahrungen zu teilen. Wenn mir allerdings schon gleich Verantwortungslosigkeit oder sowas vorgeworfen wird und Unverständnis entgegengebracht wird, dann erkläre ich nichts. Und bei einigen Leuten, deren Meinung darüber ich zumindest erahnen kann, da erwähne ich das nichtmal um erst gar nicht diskutieren zu müssen.