prinzesschenmama hat geschrieben:hier ging es ja immer ums SANFTE abstillen und die threadstarterin hat sich ja schon eine menge gedanken gemacht, wie sie ihr Kind abstillen kann, ohne "Holzhammermethode". ich finde das zeigt schon, dass sie es sich nicht einfach macht und eigentlich das beste für ihr Kind will.
Und ganz ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ein Kind in dem Alter einen bleibenden Schaden davonträgt, wenn es langsam und einfühlsam (also nicht ferbern oder so, sondern kuscheln und trösten)abgestillt wird.
Es ist ja nunmal nicht von der Hand zu weisen, dass monatelanges dauerstillen und dauerbereitschaft ohne chance auf kurze pausen (weil der papa ja nun nicht stillen/ beruhigen kann) manche Mütter einfach schlaucht. Keine Ahnung, was bei denen anders läuft, die das "besser" machen.
WAs soll denn Deiner meinung nach eine MUtter tun, die das so alles eben nicht mehr leisten kann und schon völlig k.o. ist?? "Einfach" weitermachen bis garnix mehr geht?
Sei mir nicht böse, ich will hier jetzt keinen "krawall" verursachen, ist ja auch garnicht mein thread, aber mich nervt es irgendwie wenn jemand schreibt, dass es ja alles gehen kann , wenn man sich nur zusammenreißt. das Kind steht schließlich über den bedürfnissen (und der Gesundheit??) der Mutter. Das klingt so selbstgerecht. So einfach ist es aber leider nicht, wenn es Dir wirklich selbst mal so ging, weißt Du das sicher auch selbst.
Übrigens Frau Dr., gibts ja auch eine Erschöpfungsdepression...

Ach Quatsch, Du machst doch keinen Krawall! Ich mag sehr fest in meinen Überzeugungen sein, bin aber durchaus umgänglich

Und ich gestehe Dir DEIN Bedürfnis genervt zu sein zu

Ich glaube ernsthaft, das ist der Schlüssel zu vielem: Nicht perfekt sein wollen! Auch mal sagen zu dürfen: Mein Kind war mir heute eine Last, es ist unsagbar anstrengend, ich kann nicht mehr.
Viele, die auf mich oder andere Mütter treffen, die die kindlichen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen und auch für das natürliche Abstillen sind werden hier gerne als "Supermütter" oder "bessere Mütter" bezeichnet. Recht zynisch oft. Aber das wird der Realität ja kaum gerecht. Klar bin ich auch genervt, schwach, gestresst nach dem 100sten Trotzanfall und dem 50igsten Stillen nachts obwohl ich aufstehen muß. Ich bewundere Frauen, die früh das 2te bekommen, bis vor ein paar Monaten hätte ich mir das schlichtweg nicht zugetraut.
Ich denke wir sollten alle das Bild der zufriedenen Mutter, die friedlich und voller Liebe immer für ihr Kind bereitsteht aus unseren Köpfen verbannen. Perfektionismus ist tödlich für die Gesundheit der Mutter, tödlicher als jedes nächtliche Stillen.
Klar vergreife ich mich übermüdet manchmal im Ton oder sage:"Lara die Mama mag jetzt gerade nicht stillen" aber wenn es hart auf hart kommt steht immer das Bedürfnis meiner Kleinen im Vordergrund. EBEN WEIL ich Kraft daraus schöpfe nicht perfekt sein zu wollen/müssen. Nicht ständig glücklich sein zu wollen/müssen.
Und genau das sollte eine Mutter machen: Sie sollte an sich arbeiten. Will heißen: Was kann ich an MIR reflektieren, bemerken, verändern, was mich von einer ausgeglichenen Stillbeziehung abhält. Oder von einer bedürfnisorientierten Erziehung. Die Verantwortung für MEINE Erschöpfung ist bei MIR zu suchen, nicht beim Kind. Das würde bedeuten, daß ich mein Kind für mein Befinden verantwortlich mache. Und nein, ich glaube auch nicht, daß das Stillen ein Baustein der Erschöpfung ist. Ich glaube der falsche Umgang mit dem Stillen ist Baustein der Erschöpfung.
Eigentlich sind doch solche Fragen wie "habe ich Kraft zum LZS "Luxusprobleme". Zu anderen Zeiten und an anderen Orten konnten sich die Menschen solche Fragen nicht stellen, weil sie ums Überleben kämpften. Ich möchte nicht arrogant wirken, ich halte mich ganz und garnicht für eine "perfekte Mama", aber ich glaube felsenfest an die natürliche Kompetenz der Mutter. Und wie gesagt, ich habe viele Frauen unglücklich werden sehen, weil sie in der Hoffnung Kraft zu schöpfen abgestillt haben.
Und nein, ich glaube nicht, daß ein Kind (zwangsläufig) psychischen Schaden nimmt, wenn es nicht natürlich abgestillt wird. Aber es wäre sinnvoller für das Kind, könnte es selbst entscheiden. Es hat ein Recht auf eine eigene Meinung. Und wenn es irgendmöglich ist, sollte man diese Meinung ernst nehmen und mit Respekt behandeln. Denn diese Entscheidung wird nur einmal getroffen und es wäre schlichtweg unfair das Kind zu übergehen. Denn ja, das KANN psychische Defizite mit sich bringen.
So, und nun zu Dr. Vicci

Auch eine Erschöpfungsdepression tritt nicht zwangsläufig bei jedem auf, der ein "Zuviel" an Stress hat! deshalb bete ich immer: Bleibt bei EUCH, denn es ist der "falsche" Umgang mit Stress, der Euch unglücklich macht, nicht der Stress (das Kind) an sich. Es sind ganz bestimmte Charaktere, die zu einem Burnout/Erschöpfungsdepression neigen. Es liegt NICHT am bedürfnisstarken Kind!
Wenn ich mein wissen auch (leider) aus einer persönlichen Geschichte ziehe, die sich über Jahrzenhnte zieht, habe ich mir mal erlaubt zu googlen
Die Persönlichkeitsstruktur der Patienten mit einer Erschöpfungsdepression weist gewisse Wesensmerkmale und Charakterzüge auf, die sich auch bei anderen Stress- und Überforderungsreaktionen finden lassen (nebenbei auch beim Burnout-Syndrom - siehe später), besonders folgenschwer aber eben bei der Erschöpfungsdepression.
Diese Menschen sind oft ehrgeizig, übergewissenhaft (manchmal sogar ein wenig zwanghaft), häufig aber zugleich von einer folgenreichen Entäußerungsschwäche geschlagen, die sie daran hindert, sich nötigenfalls konsequent zu wehren, zumindest aber darüber entlastend zu sprechen. Sie schlucken alles und haben doch nur gering ausgeprägte Fähigkeiten, Enttäuschungen, Frustrationen (vom Lateinischen: frustra = vergebens), Kümmernisse, Sorgen, Kränkungen und Demütigungen zu ertragen. Je stärker dieser Grundcharakter von neurotischen Zügen geprägt ist, desto geringer müssen die seelischen und vor allem psychosozialen Belastungen ausfallen, um eine depressive Entwicklung im Sinne einer Erschöpfungsdepression in Gang zu bringen.
Ich hoffe jetzt ist auch geklärt, daß es sich eben NICHT um die reine Überforderung handelt!?
So, ich wünsche jetzt allen überforderten Müttern eine wunderbare Zeit, viel Zufriedenheit und Zuversicht. Und das meine ich wirklich ernst!
Lg