Hmm,
also erstmal finde ich Du hast schon seeehr lange durchgehalten dezember2010.
Ich frage mich, ob diejenigen welche schreiben, bei Euch wäre doch alles normal, Deinen Anfangsbericht wirklich aufmerksam gelesen haben.
Ich hoffe, dass ein Baby, dass die ganze Nacht an der Brust verweilt und über einen langen Zeitraum alle 20 min wach ist, eben nicht normal ist, denn sonst verwundert es nicht, dass es immer weniger Familien mit nur wenigen Kindern gibt.
Der vollständige Schlafzyklus eines Kindes dauert etwas über 1 Stunde, damit wäre ein stündliches Aufwachen noch als normal zu werten, wobei die meisten Babys sich glücklicherweise nur einmal umdrehen, ggf. kurz die Augen öffnen und dann weiter schlafen.
Bei Schlafetappen von jeweils nur 20 min ist wahrscheinlich auch der Schlaf Deines Sohnes nicht so erholsam, wie er es bräuchte, das wiederrum macht natürlich die Tage schwerer usw.
Zudem kann eben nicht jede Frau beim Stillen weiterschlafen und auch nicht jede findet die eingeschränkte Bewegungsfreiheit bei ständigem Körperkontakt als nicht störend.
Ich leide unter Schlafstörungen seit meiner Kindheit und habe zum Teil in meinem Beruf 36 h auf den Beinen verbracht, ich kann mir nur allzu gut vorstellen, dass man nach 9 Monaten extremen Schlafmangels völlig neben sich steht und sich selbst nicht mehr wiedererkennt. Auch habe ich aus den Zeiten meiner 24 h Dienste gelernt: Niemand, der nicht schon mal so lange unter maximaler Verantwortung so lange wach war, kann nachvollziehen, wie man sich dann fühlt. In so fern will ich Dich unterstützen und stärken: Wenn für Dich Schluss ist, dann ist für Dich Schluss, niemand kann fühlen was Du fühlst und kann Dir damit sagen, ob Deine Grenze nun überschritten ist oder nicht. Das kannst Du nur selbst.
Es ist gut, wenn wir die Bedürfnissen unser Kleinen stets so gut wie möglich befriedigen, aber auch die Mutter ist ein Mensch mit Bedürfnissen, wenn diese dabei völlig auf der Strecke bleibt und vor allem dem Kind auch keine liebevolle Mutter mehr sein kann, denke ich, ist ein Grenze überschritten und es muss sich in der Tat etwas ändern. Von einer Mutter die weit über ihre Grenzen gegangen ist profitiert ein Kind meiner Meinung nach in keiner Weise, da hier zwangsläufig Aggression aufkommen muss.
Den oben empfohlenen Text finde ich problematisch, folgende Dinge fallen mir spontan dazu ein:
1. zitiert werden nur Studien zum Schlafverhalten von Befürwortern von Schlafprogrammen, welche natürlich ihre Bücher verkaufen wollen. In diesen Studien wurde kein Unterschied zwischen gestillten und ungestillten Kindern gemacht. Im Gegenteil, das Schlafverhalten ungestillter Kinder wurde als Norm vorausgesetzt. Es gibt andere Studien mit gänzlich anderen Ergebnisse: "Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast" Abgesehen wurde von keinem der erwähnten Autoren die Ergebnisse als wissenschaftliche Paper veröffentlicht. "Evidence based" ist das also nicht unbedingt.
Prof. Renz-Polster hält Ferbern übrigens für Stillkinder in jeglicher Hinsicht für ungeeignet.
2. die Rückbesinnung auf Härte und Disziplin halte ich für totalen Unsinn. Gerade die Völker mit den ruhigsten Babys haben wenig hierarchische Strukturen und einen sehr achtsamen Umgang mit dem Kind (z.B. Bali)
3. eine der größten und sehr viel zitierten Studien zum Thema Schlaf und Durchschlafen ist von 1957, also aus einer Zeit, als die Erziehung noch sehr streng war:
Die Ergebnisse unterscheiden sich nicht so wesentlich vom Schlafverhalten heutiger Kinder.
4. In dem Text wird mir deutlich zu wenig unterschieden von welchem Alter des Kindes sie redet.
5. in den Ostblockstaaten war es erwünscht möglichst "bindungsarme" Menschen zu haben, durch sehr frühe Fremdbetreuung und häufig auch undiffenrenziertes "Schreien lassen" lernt ein Kind meist zügig seine Ressorcen zu schonen, da sowieso niemand kommt. Abgesehen davon wurde sehr wenig gestillr. Hier hat sich in der jetzigen Generation bereits viel geändert und damit wahrscheinlich auch viel im Schlafverhalten der Kinder.
Meine Schwiegereltern haben ihren Sohn von Geburt an regelmäßig über Stunden in der Wohnung alleine gelassen

Und sie schämen sich nicht mal dafür, sondern erzählen das so frei heraus.
Er kämpft heute noch damit, dass er seine Bedürfnisse als wertlos sieht.
Es gibt einige sehr spannende Untersuchungen aus diesem Jahr zum Thema Co-sleeping, Ferbern und Streßlevel bei Kindern. Die Ergebnisse sind zum Teil erschreckend.
Ich hoffe ich kann Euch irgendwann strukturiert berichten.
Also Dezember2010, das war jetzt ziemlich viel von mir und wenig zu Dir.
Ich wünsche Dir viel Glück und bin gespannt, habe aber Sorge, ob das nächtliche Abstillen wirklich den ersehenten Erfolg bringt.
Wenn man Dich so liest, gewinnt man den Verdacht, dass Dein Sohn die Aufmerksamkeit dann vielleicht anders einfordert.
Aber vielleicht auch nicht.... ich hoffe es für Euch und wünsche Euch viel Kraft!!! Und vielleicht gibt es ja noch einen entscheidenen Tip