Strahlenbelastung in der Stillzeit

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Seerose
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von Seerose »

Ich muß gerade schmunzeln, daß diejenigen die sich auskennen sich als Nieten bezeichnen... :-)

Äh, was bin dann ich? :shock:

Also es ging ja nie um Polonium, das leider so bekannt geworden ist aufgrund des tragischen Todes von L., sondern darum ob die Muttermilch irgendwie verstrahlt werden kann. Und da dachte ich, man könne dies ausschließen, egal ob man jetzt viele Male im Monat Langstrecken fliegt oder öfter beim Zahnarzt geröntgt wird. Und so wie ich Euch verstehe, stimmt dies wohl auch.

Nur - zurück zu der Frage die Sandküste aufwarf - warum war dann die Milch nach Tschernobyl so belastet? Überspitzt gesagt, nicht weil die Kühe beim Zahnarzt geröntgt worden sind noch über den Atlantik geflogen sind, sondern weil sie übermäßig belastetes Gras gefressen haben, ja? Ist das so richtig? Die Kühe in Oberbayern haben ja die gleiche Strahlendosis wie die Menschen abbekommen, und die war ja laut unserer kompetenten Politiker "zu vernachlässigen". Aber sie haben etwas zu sich genommen, was aufgrund der Regenfälle und des Speicherns im Grundwasser eben durchaus erheblich belastet war?! Ist das der Grund weshalb man über Monate keine Kuhmilch trinken sollte?

Also die Kühe hatten erst NACH dem Verzehr des Grases so einen hohen Strahlungsanteil abbekommen, kann man das so sagen?
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nido56
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von nido56 »

Nach Tschernobyl sind radioaktive Substanzen über halb Europa verteilt worden. Die Kühe haben dann das Gras gefressen, das mit diesen Stoffen belastet war, und den Staub eingeatmet. Diese radioaktiven Substanzen sind auch in ihrer Milch gelandet.

Das Problem war hier nicht, dass die Kühe einmal bestrahlt worden wären sondern dass sie den Staub aufgenommen haben, der Substanzen enthielt, die dann im Körper der Kuh und auch in ihrer Milch fröhlich weiter gestrahlt haben.
nido mit dem Piraten (01/2012)
Elena
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von Elena »

Seerose hat geschrieben:

Also die Kühe hatten erst NACH dem Verzehr des Grases so einen hohen Strahlungsanteil abbekommen, kann man das so sagen?
Ja, das kann man so sagen, deshalb hatte ich das Poloniumbeispiel angeführt. :mrgreen: Und es ist nicht die Strahlung, die die Mutterkühe abbekommen haben, die für die Milchtrinker gefährlich wurde! Sondern es wurden über die Milch radioaktive Substanzen (Cäsium und Jod) weitergegeben, die ihrerseits zerfielen und DADURCH beim Trinker Schäden auslösen konnten. Im Detail ist es folgendermaßen:

Es gelangen radioaktive Isotope von Jod und Cäsium in die Atmosphäre und durch den Regen auf die Wiesen. Kühe nahmen diese radioaktiven Substanzen mit dem Futter auf. Ein Teil der radioaktiven Substanzen wurde einfach wieder ausgeschieden und schadeten erstmal niemandem. Ein Teil zerfiel in der Kuh selbst -> erhöhtes Krebsrisiko für die Kuh. Ein Teil ging unzerfallen in die Milch über, so wie auch Medikamente in die Milch übergehen. Die Milch enthielt somit radioaktives Jod und Cäsium genau wie die Regenwolken aus Tschernobyl, nur möglicherweise aufkonzentriert! Wenn diese Milch getrunken wurde, nahm der Trinker die radioaktiven Substanzen in den Körper auf und sie zerfielen innen im Körper (ein Teil wurde wiederum ausgeschieden oder gelangte über die Muttermilch ins Baby etc.) -> erhöhtes Krebsrisiko.
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Seerose
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von Seerose »

nido56 hat geschrieben: Das Problem war hier nicht, dass die Kühe einmal bestrahlt worden wären sondern dass sie den Staub aufgenommen haben, der Substanzen enthielt, die dann im Körper der Kuh und auch in ihrer Milch fröhlich weiter gestrahlt haben.
Ja, genau so meinte ich es ja. Schließlich sind wir Menschen hier in einigen Teilen Bayerns auch gut bestrahlt worden, eben genau so wie die Kühe. Und wir sind ja gut dabei weggekommen, auch wenn viele an diesem einen heißen Tag stundenlang im Gras gelegen sind. Der Regen tat dann sein übriges.
Aber im Gegensatz zu den Kühen haben wir das Gras eben nicht gefressen so wie auch niemand mehr zum Pilze sammeln gegangen ist. Letzteres sollte man ja auch heute noch nicht tun, zumindest nicht ausgerechnet im Bayrischen Wald. Auch die Waldtiere sind nach wie vor verstrahlt gewissermaßen.

Eine Frage hätte ich noch:

Wenn Lieschen Müller zum Arzt geht und besorgt ist wegen der Strahlenbelastung beim Röntgen, warum machen da dann in der Antwort die meisten Ärzte immer noch keinen Unterschied zwischen der absolut unterschiedlichen Art der Strahlung?
Wie oft höre ich Antworten wie "das ist genau so wenn Sie dreimal auf die Zugspitze zum Skifahren gehen oder einmal nach L. A. fliegen"...
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von Seerose »

Danke, Elena! (Zu spät gesehen)
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von Elena »

Seerose hat geschrieben:
Wenn Lieschen Müller zum Arzt geht und besorgt ist wegen der Strahlenbelastung beim Röntgen, warum machen da dann in der Antwort die meisten Ärzte immer noch keinen Unterschied zwischen der absolut unterschiedlichen Art der Strahlung?
Wie oft höre ich Antworten wie "das ist genau so wenn Sie dreimal auf die Zugspitze zum Skifahren gehen oder einmal nach L. A. fliegen"...
Es ist eben doch eigentlich dieselbe Art Strahlung. Die Höhenstrahlung besteht zwar zusätzlich noch aus Alpha-Teilchen und Betateilchen, aber die kommen im Körper nicht weit bzw. kommen gar nicht ins Flugzeug. Es ist also auch im Flugzeug oder in großer Höhe quasi ausschließlich die Röntgen-/Gammastrahlung, die man abbekommt.
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FrauMahlzahn
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von FrauMahlzahn »

Außerdem haben die meisten Ärzte keine Ahnung von Radioaktivität.
Das Studium beschränkt sich da - abgesehen von Radiologen, Nuklearnedizinern, etc., auf zwei Versuche in Physikpraktikum.
Frau Mahlzahn und Herr Mahlzahn mit dem großen Fräulein Mahlzahn *Juni 2013 und dem kleinen Fräulein Mahlzahn *Dezember 2015
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Peppa
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von Peppa »

FrauMahlzahn hat geschrieben:Außerdem haben die meisten Ärzte keine Ahnung von Radioaktivität.
Das Studium beschränkt sich da - abgesehen von Radiologen, Nuklearnedizinern, etc., auf zwei Versuche in Physikpraktikum.
Na ja, da widerspreche ich jetzt mal. ..1 Praktikum, 1. Staatsexamen, Radiologie als Fach und 2. Staatsexamen, dann oft verpflichtend Strahlenschutzkurse mit 5jährlicher Auffrischung.
Ich liebe ja platte Vorurteile; -)

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Peppa
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von Peppa »

Außerdem führte Elena ja weiter oben aus, dass die Aussage der Ärzte zu Lieschen Müller doch letztlich korrekt ist. Da verstehe ich den Einwand noch viel weniger ...

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sunnie
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Re: Strahlenbelastung in der Stillzeit

Beitrag von sunnie »

Ich wurde von der Stillkommission an die Strahlenschutzkommision verwiesen..
Wenn ich von denen etwas gehört habe, meld ich mich.
Mittlerweile ist die Kleine auf der Welt und ich werde wohl um Ärger zu sparen einfach in Elternzeit gehen.. ;-)
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