Hallo und herzlich willkommen hier, Anni83.
Aber ist es nicht so, daß das, was der Mama Blähungen bereitet auch in der Milch ist und dem Baby Blähungen macht?
Und was genau soll "das" sein?..

Das was bei Mama Blähungen macht, sind z.B. bestimmte Kohlenhydrat-Sorten wie Raffinose (die kommen z.B. viel in Hülsenfrüchten vor), da diese vereinfacht gesagt nicht enzymatisch im Dünndarm gespalten werden können, sondern erst im Dickdarm bakteriell zersetzt werden, dabei entstehen Fäulnisgase. In der Milch sind diese Fäulnisgase aber nicht drin, und die Kohlenhydrat-Sorten, aus denen Kohlblätter oder die Schalen von Hülsenfrüchten bestehen, auch nicht, sondern die Muttermilch-Kohlenhydrate (im wesentlichen Milchzucker) stellen die Brustdrüsen für jede Stillmahlzeit frisch selbst her.
Warum sonst wird den stillenden Mamas geraten bei Babys Bauchschmerzen Fenchel oder Fenchel-Kümmel-Anis Tee zu trinken, damit die Babys einen ruhigeren Bauch bekommen?
Mamas wird auch geraten, Fruchtzwerge zu kaufen, oder Milchschnitten.
Ich kann mir wissenschaftlich gesehen beim besten Willen nicht vorstellen, dass über das mütterliche Trinken von Fencheltee genug Spuren ätherischer Öle (von diesen wird - in Verbindung mit heißem Wasser... - die krampflösende Wirkung vermutet) in der Muttermilch auftauchen, um beim Baby eine Art therapeutischen Serenspiegel zu bewirken, so dass auch beim Baby eine krampflösende Wirkung zu erwarten ist. Therapeutische Serenspiegel werden bei praktisch KEINEM anderen "Medikament" erreicht (also im Sinne von "Mama nimmt das Medikament und stillt, damit Baby was vom Medikament abkriegt"). Dass dies ausgerechnet (nur) bei Fencheltee der Fall sein soll, erscheint höchst unplausibel.
Davon abgesehen: WER empfielt heute noch Fencheltee, und v.a. mit welcher wissenschaftlicher Basis?!?.. Auf Wikipedia steht z.B.:
In Fencheltee können die Stoffe Methyleugenol und Estragol nachgewiesen werden. Tierversuche haben gezeigt, dass von diesen beiden Stoffen ein Krebsrisiko ausgeht, weswegen das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Empfehlung verfasst hat, dass die Konzentration der beiden Stoffe so gering wie möglich sein soll. Dieser Empfehlung hat sich auch der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU angeschlossen. Die Situation ist insbesondere deshalb problematisch, da Fencheltee oft von Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern in nicht geringen Mengen konsumiert wird (Quelle).
Das ist also nicht gerade Werbung.
Babys haben HÄUFIG Blähungen; das ist nun mal so - auch diejenigen Babys, deren Mütter sich voller Verzweiflung nur noch von poliertem Reis und Wasser ernähren.
Der Grund dafür, dass Babys häufig Blähungen haben, liegt zum allergrößten Teil NICHT darin, was die Mutter isst oder trinkt (zum Glück).
LG
Julia