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Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 09:18
von Wortgewitter
Oh, das wollte ich nicht auslösen - danke, liebe Mods, fürs einspringen, ich habe den Thread eben erst wieder registriert.

Ich wollte in keiner Weise SIDS verharmlosen. Die Ausgangsfrage war, ob das Kind im Tragetuch ersticken könnte und zwar so, dass das tragen ursächlich dazu beiträgt. Und das kann man guten Gewissens verneinen, aus den von mir genannten Gründen.

Mit SIDS kenne ich mich nicht aus und ich warte da gespannt auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die dazu erarbeitet werden. SIDS kann nach meinem Wissen eben plötzlich eintreten und das auch, wenn man alle Vorsichtsmaßnahmen einhält. Und natürlich auch beim tragen.

Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 09:39
von MupfelMama
greenie bird hat geschrieben: ....es ist ca. zwei Jahre her, da wurde die bauchlage rehabilitiert, so dass es eben doch kein erhöhtes Risiko gibt....
:?: Das ist ja interessant, ich höre das zum ersten Mal. Mein Wissenstand ist der, das die Bauchlage als größter Risikofaktor gilt.
Hast du eine Quelle dazu?

Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 09:51
von Karinke
Zur Bauchlage: in Ungarn wurde ich ausgeschimpft, als ich mein Kind auf den Rücken legte. Wie Kriminell ich denn wohl sei?? Sie argumentieren mit dem erstickungsrisiko beim Erbrechen. Darum muss es bauchlage sein. Nun, ich für mich bette meine Bohnen so, dass ihnen wohl ist, bzw. Ich merke, dass sie ruhig und zufrieden wegschlummern können. Das ist meist die seitenlage. So wie auch ich seitenschläferin bin.

Alles in allem habe ich aber auch damit argumentiert, dass das Kind im Tuch ja keine Schweinenase hat und sich somit nicht "festsaugen" kann. Und eben, ganz elementar: die Rückenstütze.

Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 10:06
von Captainsparrow
Also der GEPS, die sich ja einzig um alleine um die Erforschung und Prävention des plötzlichen Säuglingstodes in Zusammenarbeit mit Schlaforschern und Kinderkliniken aus ganz Deutschland bemüht, ist KEINE Rehabilitation der Bauchlage bekannt , im Gegenteil. Die Informationen dort sind frei zugänglich und die Schirmherrin Frau Jorch nimmt sich immer gerne Zeit Fragen am Telefon dazu zu beantworten, deshalb würde ich mich auch generell freuen wenn Informationen zum Thema Schlafpositionen die von Laien eingebracht werden, vielleicht vorher mal in einem kurzen Gespräch dort kostenlos abgeklärt werden würden bei solch einem sensiblen Thema. Wie gesagt, mein Kind war im Tragentuch in aufrechter Position auf dem Bauch sehr sehr stabil mit der Sättigung, er hatte deutlich weniger Apoen als in "flacher" Lage. Ich habe ja lange mit Frau Jorch zusammengearbeitet weil unsere Organisation mit der GEPS "verbandelt" ist , ich hatte bei vielen Treffen mit Kinderärzten und Schlaflaborleitern meine Kinder vorne im Tuch und niemand hat das jemals als Risikofaktor angesehen, obwohl ja die Vorerkrankung bekannt war. Dennoch würde ich persönlich nach meiner Erfahrung durch die Zusammenarbeit, das Durcharbeiten der neueren Fachliteratur zur Entstehung von ALTEs und SIDS ein permanentes Rückatmen von Atemluft aus dem (luftundurchlässigen) Dekoltee kritsch sehen wenn sich das "schwerere" CO2 darin sammelt, auch weil ich in dieser Position selbst schon ein langsames Absinken des Blutsauerstoffgehaltes beobachten konnte, und man wissen muss dass der Sauerstoffspiegel (der Messparameter) sogar noch relativ lange stabil bleibt während der CO2 Spiegel ansteigt. Wegen einer dünnen Stofflage eines Tragetuchs was ja auch noch Belüftung von den Schlitzen am Arm und der Seite bekommt habe ich mir nie Sorgen gemacht und auch keine negativen Erfahrungen diesbezüglich machen können. Vielleicht hätten ja Trageberaterinnen hier Lust und Zeit, sich irgendwann man mit Frau Jorch zusammenzusetzen diesbezüglich. Ich finde es nämlich immer schön, wenn 2 spezialisierte Seiten zusammenarbeiten. Würde ich mit ihr zusammen das Thema erörtern habe ich zwar viel Ahnung bezüglich der SIDS Prävention, aber keine spezielle Erfahrung mit Trageweisen.

Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 10:08
von channa
die stellungnahme der mods würde mich auch sehr interessieren!

ich werde mindestens ein mal am tag gefragt ob das baby in der th oder im tt denn nicht erstickt und war mir immer sehr sicher, dass das unmöglich ist und ich es auch merken würde. die kleine macht die nase grundsätzlich zwischen meine brüste oder steckt ihren kopf seitlich unter den träger (von meitai oder bondolino). das mit der co2 rückatmung gibt mir nun schon etwas zu denken, mh.

chrissi, kennst du tatsächlich jemanden, dessen kind in der trage gestorben ist? oder ist das eine geschichte, die dir jemand erzählt hat, der jemanden kennt, der jemanden kennt... du weißt schon was ich meine.

lg

Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 10:20
von Captainsparrow
Nein , das Ersticklungsrikiso ist in Rückenlage NICH erhöht, wir ratem sogar bei den Refluxkindern in unserer Organisation zu dieser Lage weil durch die bessere Durchblutung bestimmer Hirnbereiche in Rückenlage aufwachreflexe BESSER funktionieren als in Bauchlage. Seitenlage erhöht das Risiko für SIDS leicht, ich habe aber keine "bereinigten" Daten inwiefern diese leichte Erhöhung der Sterblichkeit in Seitenlage auf ein versehentliches auf-den-Bauch-rollen zustande kommt. Und wie gesagt, man muss schon sehr deutlich zwischen Ersticken und CO2 Rückatmung unterscheiden. Und generell finde ich dass Informationen und Tipps zur Schlafposition beim Säugling seeeeeeeeeehr vorsichtig gegeben werden sollten. Fest steht: ein GESUNDER Säugling hat genügend Reflexe damit er aufwacht wenn der CO2 Spiegel im Blut gefährlich ansteigt. Allerdings sieht man einem Kind nicht an, ob es diesbezüglich "gesund " ist. Und bei den Kindern ist dies eine begrenzte Zeit, in der diese Reflexe noch nicht richtig ausgebildet sind. Von daher ist es eine Gratwanderung, man kann sagen man behandelt alle Kinder als "gesund" und hofft halt dass den anderen nix passiert, oder man behandelt alle Kinder so als wären sie diesbezüglich gefährdet. Diese Entscheidung müssen alle Eltern für sich Treffen und dabei auch die Vorlieben und Gewohnheiten ihres Kindes mit einbeziehen. Aber das bedeutet bei Weitem nicht, dass alle Entscheidungen die man für sich selbst getroffen hat unreflektiert als Empfehlung an andere Eltern weitergegeben werden sollten.
@ Channa:Ich kenne durch die GEPS Eltern denen das passiert ist, die Mutter war selbst Ärztin und das Kind ist während einem Nordic Walking Kurs in der Gruppe auf dem Rücken verstorben. Die Diagnose war SIDS, nicht ersticken und auch nicht "schütteln" durch die Erschütterung.

Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 10:33
von channa
chrissi hat geschrieben: @ Channa:Ich kenne durch die GEPS Eltern denen das passiert ist, die Mutter war selbst Ärztin und das Kind ist während einem Nordic Walking Kurs in der Gruppe auf dem Rücken verstorben. Die Diagnose war SIDS, nicht ersticken und auch nicht "schütteln" durch die Erschütterung.
danke chrissi für deine antwort. das ist ja unglaublich traurig!

Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 10:46
von Captainsparrow
Ich denke das ist es immer, unglaublich traurig, ich war jeden Mal auch sehr betroffen und habe mich irgendwann aus der Organisation zurückgezogen weil ich nicht besonders gut darin war, diese Fälle zu "verdauen". Ich bin der festen Überzeugung das hier das Tragen in keinem Fall der Auslöser dafür war. Leider kann man das Risiko nur minimieren , nicht gänzlich ausschalten.

Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 21:28
von greenie bird
die aussage stammt von der stillberaterin und kinderkrankenschwester des sozialmesizinischen dienstes meines bezirks- schriftliche quellen habe ich daher nicht. diese traurigen beispiele zeigen jedoch eher, dass es eben allenfalls risikofaktoren sind- so viele kinder überleben raucherhaushalte und genauso trifft es kinder deren eltern alle hinweise beachten- es ist einfach traurig so machtlos zu sein.

Re: Ersticken in der Trage?

Verfasst: 19.09.2012, 22:02
von EleanorRigby
chrissi hat geschrieben:Fest steht: ein GESUNDER Säugling hat genügend Reflexe damit er aufwacht wenn der CO2 Spiegel im Blut gefährlich ansteigt. Allerdings sieht man einem Kind nicht an, ob es diesbezüglich "gesund " ist. Und bei den Kindern ist dies eine begrenzte Zeit, in der diese Reflexe noch nicht richtig ausgebildet sind. Von daher ist es eine Gratwanderung, man kann sagen man behandelt alle Kinder als "gesund" und hofft halt dass den anderen nix passiert, oder man behandelt alle Kinder so als wären sie diesbezüglich gefährdet. Diese Entscheidung müssen alle Eltern für sich Treffen und dabei auch die Vorlieben und Gewohnheiten ihres Kindes mit einbeziehen. Aber das bedeutet bei Weitem nicht, dass alle Entscheidungen die man für sich selbst getroffen hat unreflektiert als Empfehlung an andere Eltern weitergegeben werden sollten.
Hallo chrissi,

danke fuer diesen Beitrag, der so sorgfaeltig unterscheidet. Ich stimme Dir da ganz zu. Vermutlich ist es so, dass man gerade dadurch, dass man gemeinsam mit dem eigenen Kind seinen Weg finden muss, am Ende mit irgendeiner taeglichen Handhabe rauskommt und den Weg dahin dann irgendwann vergessen hat. Aber das kann ja dann nicht automatisch fuer alle gelten, "Beweis durch Beispiel" funktioniert eben nicht. Gute Erinnerung, Dein Beitrag. :-)

LG, Eleanor Rigby