Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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emm
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von emm »

...und wenn ich mir den schnell zwischen Kochen und Kind baden verfassten Beitrag so anschaue, mache ich mir eher Gedanken um mein Deutsch... [emoji15]
das emm mit Löwenkind (08/2012), Fräulein Igel (09/2013) und kleinem Geheimniskrämer (11/2017)
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metri
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von metri »

autriche hat geschrieben:Guten Morgen,

ich klinke mich hier auch mal mit ein.

Unsere Kinder werden bei uns zweisprachig erzogen, mein Mann spricht Englisch, ich Deutsch. Die Besonderheit: Mein Mann ist kein Muttersprachler, sondern spricht sein "Schulenglisch" mit ihnen.

Hat jemand Erfahrungen mit dieser Methode? Wo können Schwierigkeiten auftauchen, was müssen wir beachten?
mein Schwager hat das ca. 7 Jahre mit seinen Kindern gemacht und es dann aufgegeben, man muß es schon sehr gut sprechen, um in allen Familiensituationen da natürlich zu sein, und es fehlt ganz oft bei so Kleinigkeiten, wie tröste ich jemanden, kenne ich englische Kinderlieder, habe ich Bücher aus meiner Kindheit die ich dem Kind vorlesen möchte, auch Wortspiele sind schwierig, ich denke Schulenglisch reicht für viel, aber nur begrenzt für diese Sitzation,
mein Schwager hat es letztendlich aufgegeben, was eine richtige Entscheidung war, die Kommunikation mit den Kindern auf englisch war einfach zu begrenzt
LG von Elina mit Tochter Amelie (04/08)
nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich kein Freund des "kuenstlichen" OPOL bin. Fuer mich fuehlt sich das irgendwie steif an. Aber ich will nicht ausschliessen, dass es in anderen Familien funktionieren kann. Sympathischer finde ich persoenlich den Ansatz, spielerisch in bestimmten Situationen nur Englisch zu sprechen oder z.B. bestimmte Buecher eben nur auf Englisch vorzulesen.

Ich weiss nicht, ob ich es hier schonmal erwaehnt habe (und bin gerade zu faul, meine alten Beitraege zu durchforsten), aber ich bin "ein bisschen zweisprachig" aufgewachsen. Meine Eltern sind beide Deutsche, und ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber meine Eltern hatten beide beruflich sehr viel mit Englisch zu tun. Sie haben nicht versucht, mir die Sprache aktiv beizubringen, aber sie war einfach bei uns sehr, sehr praesent. Es gab auslaendische Freunde, mit denen ausschliesslich Englisch gesprochen wurde, viele englische Kinderbuecher, Urlaube im englischsprachigen Ausland etc.

Ich habe selbst vor der Gymnasialzeit nie Englisch gesprochen (ausser ein paar auswendig gelernten Saetzen im Urlaub, um ein Eis zu kaufen oder so), aber als ich schliesslich Englisch in der Schule hatte, habe ich es _deutlich_ schneller gelernt als meine Klassenkammeraden. Im Grunde war das ganze Alltagsvokabular bei mir passiv schon vorhanden, ohne dass ich mir dessen bewusst gewesen waere, und musste nur noch aktiviert werden.

Mein Englisch ist heute alles andere als muttersprachlich, aber fuer jemanden, der nie laengere Zeit im englischsprachigen Ausland gelebt hat, ueberdurchschnittlich gut. Mir fehlt zwar viel Vokabular, aber ich kann in jeder Lebenslage sofort auf Englisch umschalten und losplaudern, ohne mich dafuer anstrengen zu muessen.

Bei mir ist auf jeden Fall von dem Englisch, dass ich als Kind gehoert habe, viel haengen geblieben.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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emm
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von emm »

Mir geht es aehnlich wie nido, ich hab als Kind passiv sehr viel Englisch abbekommen und war im Vergleich zu Klassenkameraden immer wesentlich schneller, hatte einen groesseren Wortschatz etc.
Es ist also definitiv viel haengengeblieben.

Die "emotionalere" Seite halt ich auch fuer wichtig. Wenn ich nicht weiss, wie der Frosch macht, welche Lieder man beim Kuchen backen in der Sandkiste singt, wie man jemanden troestet, der von der Schaukel gefallen ist, wie man Liebeskummer und bloede Lehrer bespricht... dann ist das Ganze sehr kuenstlich und meinem Herzen fern.

Es ruft aus dem Kinderzimmer, ich schick mal ab
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tania
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

es faellt mir so so schwer, mit meinen kindern italienisch zu sprechen (mache ich teilweise, wenn andere kinder dabei sind, also italienischsprachige kinder natuerlich ;-)), mir fehlt das komplette vokabular, die einzelnen phrasen, der richtige tonfall, die lieder, die fingerspiele, die begriffe fuer fangen, versteck, auszeit, ich weiss nicht was huepfburg heisst usw usf. und liebevoll und wuetend bin ich eh nur auf deutsch :D

mein mann und ich sprechen englisch miteinander (wir haben sehr oft und dringlich versucht es sein zu lassen und auf italienisch oder deutsch umzusteigen, aber wir schaffen es nicht), unser englisch ist schon in ordnung - wir lesen und schauen filme grundsaetzlich auf englisch, ich traeuem und denke seit zehn jahren inzwischen in englisch und ich merke es meinem deutsch auch schon an ;-) - aber natuerlich ist es nicht fehlerfrei und schno gar nicht mmuttersprachlich. unsere kinder verstehen englisch gut, der grosse spricht es mit sehr starkem italienischem akzent. aber wir machen es ja eh nicht, um ihm vorteile zu verschaffen oder so, sondern weil wir es nicht verhindern konnten. wenn er besseres englisch lernen moechte, wird er das tun. fuer den moment finde ich es so ok.
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nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

Passiert es Euch eigentlich auch, dass Ihr inzwischen Kinder grundsaetzlich erstmal auf Deutsch ansprecht? Ich merke es immer erst, wenn ich aus grossen Augen verstaendnislos angestarrt werde.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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kroschka
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von kroschka »

Jepp der Klassiker. :mrgreen: Zwar nicht Deutsch, aber das Gehirn hat es wirklich so abgespeichert: Kind = Muttersprache, und zwar egal was für Kinder.
mit Tochter (11/11) und Sohn (10/14)
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chennai
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von chennai »

Ja, hier auch ;)

Tania, ich finde es ja immer wieder faszinierend, wenn du schreibst, dass eure Kinder Englisch ziemlich gut verstehen und auch sprechen. Bei uns ist die Konstellation mit Englisch als Paarsprache ja genauso, und unsere Kinder haben da noch nicht so arg viel aufgeschnappt, wobei es allmählich doch beginnt. Diese Jahr waren wir im Urlaub in Norwegen, da sprachen eben manche Gastgeber / Kinder nur Englisch. Erst hatte sich die Große richtig Sorgen gemacht, dass sie da ja mit niemandem sprechen kann, aber natürlich hat es dann gerade mit den anderen Kindern wunderbar geklappt. Und nun merken wir doch ab und zu, dass sie sich in ein Gespräch mischt, das wir Eltern auf Englisch miteinander begonnen haben.

Die Kleine hat neulich das Wort 'people' in einem Satz von mir aufgeschnappt. Sie: 'People?! - was heißt das?' ich: 'Leute' Sie: Ah, haben die Leute gerade Pipi gemacht oder was? :lol:
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


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tania
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

mein sohn spricht englisch ausschliesslich (!) mut kindern (gaaanz selten erwachsene), die wirklich - auch nach mehrmaligem probieren ;-) - weder italienisch noch deutsch sprechen. und er mischt sich manchmal in unsere gespraeche auf englisch ein, wechsrlt da dann aber sehr schnell auf deutsch. er versteht tatsaechlich alles, sagt aber von sich selbst, dass er nur ein wort (!) englisch kann - hello :lol: . wenn er muss, kann er sich aber recht gut ausdruecken, finde ich (also dafuer, dass es nicht seine sprache ist).
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nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

Hehe, beim Piraten ist es gerade andersrum. Er erklaert immer sehr selbstbewusst, dass er auch Deutsch kann, so wie Mama. Wenn dann jemand sagt, er soll doch mal etwas auf Deutsch sagen, dann kommt immer "Rennauto". Damit ist, seiner Meinung nach, seine Sprachfaehigkeit wohl ausreichend bewiesen.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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