Squeeziemami hat geschrieben:Wenn man ,,schlaffe" Brüste hat, ist dann dennoch noch Milch genug drin? Wenn Squeezie morgens getrunken hat, sind die beiden Milchspender komplett ausgesogen ^^ - aber beim Drücken kommt Milch. Bekommt sie dann selbst noch genug? Man sagt ja während dem Trinken bilde sich Milch, aber natürlich nach zwei drei Stunden sind sie voller...
Das Völlegefühl nach einigen Stunden Stillpause wird NICHT vollständig durch "sich zwischenzeitlich in der Brust angesammelte" Milch verursacht. Selbst bei ganz prallen Brüsten (etwa morgens beim Aufwachen, wenn das Kind unerwartet lange schlief) ist die Menge derjenigen Milch, die sich zwischen den Mahlzeiten ansammelt, normalerweise recht gering (ein paar Esslöffel voll, meist irgendwas zwischen 5 und 20 ml). Der größte Anteil der Milch wird WÄHREND des Stillens selbst gebildet, genauer: kurz vor und dann nach Einsetzen des MSR.
Das starke Völlegefühl wird vorrangig verursacht durch erhöhte Durchblutung/Gewebswasser, daher die Prallheit und das Wärmegefühl, nicht durch "vorproduzierte" Milch. Die Brust merkt sozusagen "Baby lang nicht an der Brust gewesen, dann müsste es doch gleich stillen wollen, ich fahr schon mal die Durchblutung hoch, damit ich gleich ganz viel Milch bilden kann", bildlich gesprochen.
Mit fortschreitender Stillzeit, also wenn das Baby älter wird, nimmt das Völlegefühl bei (längeren) Stillpausen in aller Regel deutlich ab, bzw. verschwindet ganz. Grund hierfür ist das eingespielte Zusammenwirken der verschiedenen Stillhormone: die Milch wird beinahe nur noch dann gebildet, wenn sie nachgefragt wird, also direkt während des Stillens selbst. Dadurch erklärt sich auch, warum viele Mütter von gestillten Kleinkindern recht problemlos am Montag 6 mal stillen können (mit reichlich Milch), und am Dienstag aber gar nicht - und das, OHNE Milchstaugefahr/Übervölle wahrzunehmen. Dienstag abend sind die Brüste immernoch fast völlig weich. Wird am Mittwoch wieder gestillt, ist die Milch genauso flexibel wieder "da".
(Bei der Beschreibung dieses Phänomens zeigt sich wieder einmal, dass Ausdrücke wie "ich HAB viel Milch" oder "meine Milch ist WEG" den Kern der Sache nicht treffen. Passender wäre "Das Drüsengewebe produziert derzeit auf Überschuss" (bezeichnet die physiologische Prolaktin-Hochlage in den ersten Wochen nach der Geburt) oder "Mein Milchspendereflex setzt zügig und intensiv ein" (bezeichnet die etablierte, reichliche Milchbildung) oder "Das Drüsengewebe reagiert kaum auf Oxytocinausschüttung" (bezeichnet geringe Milchproduktion trotz Saugreiz) und so weiter. )
Jedenfalls: die Brust funktioniert NICHT wie eine Flasche, die sich erst wieder auffüllen muss. Viel Milch "DRIN" hat man praktisch NIE, und man kann auch NICHT einfach WARTEN, bis die Brüste wieder voll Milch sind - denn die Milch wird immer erst aus dem vorbeifließenden Blut gebildet, und zwar im wesentlichen genau dann, wenn gestillt wird. Dies passt auch exakt zum Stillgrundsatz Nr.1
"Die Nachfrage bestimmt das Angebot": Je häufiger gestillt wird, desto mehr Milch wird gebildet.
Ich hoffe, diese Zeilen erhellen diese Vorgänge ein bisschen

LG;
Julia