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Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 16:21
von vicci
Mohnblume hat geschrieben:Bei der ganzen Diskussion und den Argumenten aus der Tierwelt sollte man m.E. berücksichtigen, dass der Mensch kein Tier ist. Also nicht nur ;-)

Besser gesagt: der Mensch ist ein Natur- UND Kulturwesen. Deswegen ist der "natürliche Abstillzeitpunkt" des Menschen ja auch nur konstruiert (aus Beobachtungen bei Primaten und "Naturvölkern"), da es eben den Menschen in seinem "natürlichen Umfeld" (analog zum Tier) NICHT gibt. Selbst die Naturvölker irgendwo im Amazonas, die noch leben wie in der Steinzeit, sind eben NICHT "ursprüngliche Menschen in ihrem naturgegeben Umfeld", wie es naiverweise gerne mal postuliert wird, sondern leben in einer Kultur-Gesellschaft. Und da hat es über die Jahrtausende sicher unzählige Arten des Umgangs mit dem Stillen gegeben und gibt es heute noch.

Das heißt nicht, dass ich es nicht gutheiße, sich mehr aufs "Natürliche" zu besinnen - ich bin wie gesagt auch absolut pro (Langzeit-)Stillen, Tragen etc.
Man muss sich nur bewusst sein, dass es das "rein natürliche" beim Menschen nicht gibt und nie gegeben hat. Vergleiche mit Katzen etc. sind zwar nett, aber wenig zielführend.


Ja vorallem bleibt bei Tieren einfach der psychisch-emotionale Aspekt außenvor. Zumindest zu einem großen Teil, nicht daß jetzt einer schreit "Tiere habe auch Emotionen". Ja, ich weiß :wink:
Ich bräuchte keine Tiere, die Praxis ist mir Beweis genug. Viele wollen aber Beweise (was ich auf rationaler Ebene vollkommen verstehen kann und berechtigt finde!!!) und deshalb ist es schlichtweg oft nötig langzeitstillende Tiere heranzuziehen (oder "Naturvölker").
Im übrigen hab ich Kulturanthropologie studiert und gehe keinesfalls davon aus, daß Menschen "natürliche Wesen sind". Dennoch ist bei vielen traditionellen Völkern ein vom Kind aus mitbestimmtes Abstillen zu beobachten...Wenn es auch Kulturkreise gibt, in denen Kinder bewußt und effektgewünscht abgestillt werden :| Und wir sollten festhalten, daß viele der traditionellen Kulturen näher an der "Natur" leben, das ist Fakt. Natur kann hier natürlich mehrdeutig sein. Ob ich damit Ursprünglichkeit, Reinheit oder Natürlichkeit meine ist kontextabhängig (oft auch wertend) und sorgt gerne für Verwirrung :wink:

Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 19:32
von anjali
@weepi - wie geht es Euch denn mittlerweile?

@vom Kind bestimmtes Abstillen - ist ja ein netter Gedanke. Und ich finde es auch völlig ok, wenn jemand das so macht. Ich frage mich dennoch: sind Kinder wirklich gleichberechtigt? Anders gefragt: Können wir ihnen zumuten, gleichberechtigt sein zu müssen? Ich sehe das als eine totale Überforderung. Kinder brauchen bei aller Liebe immer noch Eltern, die ihnen auch mal Grenzen aufzeigen, die nun einmal da sind. Wenn mein Dreijähriger sein Leben komplett selbstbestimmt entscheiden dürfte, sähe es wirklich lustig aus, er würde täglich Wienerle, Schokolade und Limo zu sich nehmen, niemals seine Haare waschen, seine kleine Schwester ärgern, etc. pp. Aber beim Thema Stillen soll plötzlich das Kind allein entscheiden und die Mutter wird zur Milchkuh degradiert? Natürlich wird jetzt das Argument kommen, daß Stillen ja gut und gesund ist im Gegensatz zu Limo und Schoki, und da muss ich natürlich zustimmen :wink: aber ich verstehe diese starren Altersgrenzen, ehrlich gesagt, auch nicht. In der Entwicklung der Kinder sind sooooo riesige Spannen und Unterschiede, wieso nicht auch hier? Ein Kind läuft mit 8 Monaten, das andere mit 18 Monaten, in der Sprachentwicklung gibt es noch größere Unterschiede, die als völlig normal angesehen werden - aber beim Stillen soll es nur EINE Norm geben? Kann ich mir beim besten willen nicht vorstellen.

Meine Tochter z.B. hat sich mit 13 Monaten nach und nach selbst abgestillt. Natürlich werden nun die Stillideologen alle Kopf stehen und behaupten, das KÖNNE gar nicht sein, ich muss ihr das aufgezwungen haben, das arme Kind! "Komischerweise" war dem aber gar nicht so - sie hat da die Welt entdeckt, hat lauter buntes Obst und Gemüse gegessen und alles Mögliche andere, hat Wasser und auch etwas Kuhmilch (auf eigenen Wunsch) getrunken. Parallel dazu hat sie die Brust einfach "vergessen" - es gab keinen Stillstreik, keine Probleme, einfach ein schrittweises Ausfaden, ohne dass eine von uns das eigentlich groß zur Kenntnis genommen hätte. Ich hab ihr dann die Brust durchaus wieder angeboten, wir hatten ja beide die Stillzeit sehr genossen, aber sie wollte nicht mehr trinken, hat sie lieb gestreichelt, aber klar zu verstehen gegeben, daß es damit auch gut ist. Körperkontakt hat sie dennoch sehr, sehr viel. Ich hätte sie schon auch noch länger gestillt, eigentlich hatte ich mir gar keine großen Gedanken gemacht, sondern einfach nach ihren Bedürfnissen gehandelt. Die Stillzeit zu verlängern hätte bedeutet, ihr etwas aufzuzwingen. Da kommt es mir schon etwas spanisch vor, wenn hier Leute behaupten, dass KEIN KIND sich JEMALS vor 12 Jahren abstillen würde, mal ganz überspitzt formuliert. Mein Kind hat es getan, ganz von selbst und auf eigenen Wunsch und das mit 13 Monaten. Und jetzt? Passe ich in keins der Schemen der Stillideologen und werde sicher abgestempelt als eine der böswillig früh abstillenden Mütter :wink: nun ja, damit kann ich leben, da es mir viel wichtiger ist, daß es meinem Kind und mir gut geht, als die Müttermedaille für sich aufopfernde Langzeitstillerinnen zu bekommen.

Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 19:40
von Sakura
grööööhhhhl :-)

Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 19:42
von weepi
Anjali, danke der Nachfrage und gehts gut.Arne bekommt den vierten Zahn und versucht in den Vierfuessler zu kommen, deswegn leidet er etwas.Es ist aber nicht so das er die Brust sucht.Komischerweise, denn wenn er arg suchte hab ich ja doch angelegt.Er schlaeft weiterhin durch, so um die 10h am Stueck ohne unterbrechung.Ich bin immer noch baff und erfreue mich sehr daran.

An der aktuellen Diskussion mag ich mich garnicht so einbringen,denn ich weiss nichts ueber Stillverhalten von Tieren:oops:


Aber Anjali den Ansatz den du gemacht hast , den hatte ich gedanklich auch.Aber da ich alleine schon mit meinem Fred anscheinend provokation hervorgerufen habe(was ich ja niemals wollte im gegenteil!!!) dachte ich ich halte mich damit dann eher bedeckt.

anjali,ich habe sehr gelacht ueber dein Video :D :D :D :D :D :D :D

Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 21:09
von lilafrosch
weepi hat geschrieben:Hallo,

ich habe alles gelesen und war wirklich geschockt ueber die das gerede von der LLL und das ich zuwenig gestillt hatte!!:( Ja und es macht mich auch traurig, ich bin hier im Freundes und Bekanntenkreis schon eine Mama die wegen dem langen stillen belaechelt wird.

Ich weiss auch nicht was ich mir dabei gedacht habe, sowas in einem Stillen und Tragen Forum zu schreiben,bin ja "selber schuld" wenn ich mich auf einem Silbertablett praesentiere.
Ich bin uebrigens bei der AFS und weiss auch warum.und ich finde das man als Stillberaterin durchaus auch seinen Horizont erweitern sollte und natuerlich der Mutter das stillen nahe bringen aber auch Empathie ist sehr wichtig.Aber gut das sollte hier nicht Thema sein, koennen wir ja anderswo drueber reden.

Aber nochmal zurueck:

Ich stille ihn nicht aprupt ab, wenn ich merke das er nach der Brust schimpft dann lege ich ihn an.Er hat da ein extra meckern, das ist kein normales weinen.Das habe ich beobachten koennen.Ich merke es auch an seiner Koerpersprache. Ich beobachte mein Baby schon sehr genau.Aber ich beobachte mich auch.
Ich sehe wie er aus seiner Flasche trinkt, wie er seine Mahlzeiten isst.
Ich sehe unser stillen nicht mehr als Mahlzeit weil ich merke das er nach dem stillen locker 2 Brote isst!Und ich merke das er mehr nuckelt an mir.

sorry kann garnicht klar denken und merke das ich mich SCHON WIEDER rechtfertigen muss, das will ich aber gar nicht. Ich habe viele , auch nicht einfache, stillzeiten gemeistert und nun muss ich mich rechtfertigen weil ich mein fast einjaehriges Kind abstille?????????????????
Hallo weepi,

Sorry, ich hab nur bis hierher gelesen...seite 2 oder 3. Den rest hol ich nach:)
Wollte dir nur kurz sagen, dass ich dich verstehe und auch in letzter zeit oft in der gleichen Situation bin wie du.
Ich bin staendig krank, mein immunsystem im keller, all meine energie ist rausgesaugt, und das alles auch durchs stillen.
Ich stille gern, keine frage und das nicht weil es praktisch und billig ist und son quatsch. Nein, weil es das naturgesetzt so will. Aber manchmal ist alles zu viel. Leider koennen wir uns den restlichen tag, nach dem stillen, nicht in eine haengematte legen und chillen :) deshalb kocht es schnell mal ueber.

Und ich finde nicht, dass eine stillberaterin die sein sollte, die am laengsten kann.
Ich hab nie eine persoenlich in anspruch genommen, aber ich stelle mir darunter vor allem eine frau vor, die ueber alles theoretische und praktische bescheid weiss und meine fragen beantworten kann und die mir hilfestellung gibt, ein offenes ohr hat usw. Und niemanden der mich antreibt " mach weiter, mach weiter".
In erster linie bist du ein mensch und eine mutter, stillberaterin ist dein job, deine berufung, deine leidenschaft, wie auch immer. Grossartig dass es dich gibt, fuer alle frauen, die dich brauchen, aber deshalb musst du dir nicht einreden lassen, dass du mehr und laenger stillen musst als andere.
Das kam in den ersten antworten ja oefter so rueber.

Bin gespannt auf die naechstem seitem, die ich mir reinpfeife wenn ich grad nicht stille :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
Liebe gruesse an dich

Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 21:29
von Seerose
anjali hat geschrieben:@vom Kind bestimmtes Abstillen - ist ja ein netter Gedanke. Und ich finde es auch völlig ok, wenn jemand das so macht. Ich frage mich dennoch: sind Kinder wirklich gleichberechtigt?
Nein, wer behauptet dies?

Erfordert es Gleichberechtigung, um ein Kind entscheiden zu lassen wann es sich abstillt? Wenn ja, was wäre dann wenn die Mutter keine Lust mehr hat zu stillen und das Kind aber schon? Dann steht's 1:1, und dann? Mein Kind stillt, da es sich dafür entschieden hat (wie schon geschrieben, die Lust wird immer weniger, deutlich, das ist wohl ne Art Abstillen), aber durch das (wenige) Stillen wird niemand eingeschränkt. Es ernährt sich dadurch nicht einseitig und bekommt Karies (siehe "Wienerle, Schokolade, Limo"), die Haare stinken nicht und hängen fettig in Strähnen runter, womöglich mit Uhu beklebt (siehe "niemals Haare waschen"), die bei mir nicht vorhandene kleine Schwester wird weder drangsaliert noch sonst irgendwie gestört (siehe "kleine Schwester ärgern")... Und ich fühle mich auch nicht als Milchkuh, denn ich sehe kaum (eigentlich gar nicht) einen Unterschied zwischen schmusen, kuscheln und stillen. In dem hohen Alter ist Stillen tatsächlich so etwas wie Schmusen, nichts anderes. Und schon gar keine Nahrungsaufnahme..
aber ich verstehe diese starren Altersgrenzen, ehrlich gesagt, auch nicht.
Aber wer gibt die denn vor? Niemand... Kinder sind so unterschiedlich. Ich denke gerade an eine junge Mutter hier aus dem Forum mit 3jährigem Kind. Sie ist so traurig, daß ihre Tochter nicht mehr stillen möchte, bietet es ihr sogar an, aber diese weigert sich. Ich gebe zu, das ist eher die Ausnahme, normalerweise sind mir eher Mütter bekannt, die relativ genervt noch stillen wenn das Kind so 11/2 oder 2 ist. :wink:
In der Entwicklung der Kinder sind sooooo riesige Spannen und Unterschiede, wieso nicht auch hier? Ein Kind läuft mit 8 Monaten, das andere mit 18 Monaten, in der Sprachentwicklung gibt es noch größere Unterschiede, die als völlig normal angesehen werden
Na aber obiges Beispiel ist doch ne ziemliche Spanne im Vergleich zu meinem Kind: Weit über zwei Jahre!
Passe ich in keins der Schemen der Stillideologen
Was sind Stillideologen?
als die Müttermedaille für sich aufopfernde Langzeitstillerinnen zu bekommen.
:shock: Das ist aber sehr krasses Schubladendenken... :roll: Ich bin noch nie einer aufopfernden LZSlerin begegnet. Die, die genervt waren, haben längst abgestillt. Ich selbst opfere mich bestimmt nicht auf, finde es im Gegenteil sehr merkwürdig dies so zu sehen. Wobei doch, ein gewisses Opfer sehe ich schon, ich riskiere es mich blöd anreden zu lassen, sollte jemand bemerken, daß ich noch stille. Tut aber niemand, da es ja so selten ist und meine Tochter nie im Leben auf die Idee kommen würde draußen zu stillen... (in der Öffentlichkeit). Am Meer abends hatte sie nämlich mal Lust drauf, da war kein Mensch in der Nähe... :wink:

Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 21:36
von krikri
jusl hat geschrieben: "Vom Kind bestimmt" finde ich hinsichtlich der Konsequenzen eigentlich auch deutlich schwammiger -
Hm, Du findest die Formulierung: Das Kind wird in der Endphase der Stillbeziehung mit einbezogen weniger schwammig, als die Formulierung: Das Kind bestimmt den Zeitpunkt an dem es nicht mehr stillen möchte?
Vielleicht müssten wir erst noch den Begriff "Schwammig" definieren? :D

Es war nicht MEINE Definition, sondern es wurde mir hier so erklärt. Ich hatte damals schon den Begriff "natürlich" in dem Zusammenhang kritisiert und hab dann erfahren, dass es ein Fachbegriff ist. :wink:

Dein Beispiel von der Vierjährigen verstehe ich nicht. Sie ist nicht abgestillt, weil sie nach einem Jahr mal fragt, aus Neugier oder was auch immer, ob sie nochmal aus der Brust trinken darf? Dann ist mein Sohn mit viereinhalb auch noch nicht abgestillt. :wink:
Falls sie dann wieder dauerhaft Geschmack daran findet, wäre es kein stillen mehr, weil sie ja schon natürlich abgestillt war?

Wenn ich Dich richtig verstehe ist nach der aktuellen Definition alles eine Frage der Auslegung und die gleiche Vorgehensweise kann von einer Person als natürliches Abstillen und von einer anderen als (mind. potentiell) traumatisierender Angriff auf das Kindeswohl verstanden werden.

Weepi, es tut richtig gut, zu lesen, dass es bei euch so gut klappt. Ich hatte bei meinem Grossen mit 15 Monaten überlegt in zwei bis drei Monaten abzustillen, weil unsere Nächte ein Grauss waren und ich einfach nicht mehr konnte. Hier im Forum bekam ich den Tip es mit nächtlichem Abstillen zu probieren. Mit 18 Monaten waren wir dann soweit. Ein Wunder, mein Kind, das vorher zehn bis fünfzehn Mal in der Nacht schreiend aufgewacht war konnte schlafen. Durchschlafen. Das war vielleicht schön.

GLG
krikri

Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 21:46
von klimaforscherin
vicci hat geschrieben:
blueberry hat geschrieben:@ Seerose: bei just-me unterschreibe ich mal. Diese Kinder wurden aktiv von seiten der Mutter abgestillt. Wenn auch spät. Aber eben aktiv abgestillt.
unterschreib :D
Ist das nun irgendwie schlimm?

Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 21:53
von anjali
Seerose hat geschrieben:
als die Müttermedaille für sich aufopfernde Langzeitstillerinnen zu bekommen.
:shock: Das ist aber sehr krasses Schubladendenken... :roll:
äh, nee, das war Ironie :wink: die bekanntlich von 50% der Adressaten nicht verstanden wird...

Re: mittlerweile ungluecklich

Verfasst: 05.10.2011, 21:59
von Seerose
anjali hat geschrieben:äh, nee, das war Ironie :wink: die bekanntlich von 50% der Adressaten nicht verstanden wird...
Ah, das paßt. Ich hatte auch nicht die Ironie mit den Stillideologen verstanden.. Meine Tochter hat auch buntes Obst und Gemüse gegessen und Wasser und Kuhmilch getrunken, trotz Stillens.. :wink: