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Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 06.09.2011, 12:48
von dezember2010
MamaIndia hat geschrieben:Hallo Dezember,

ich hatte dir ja schon den Brigitte-Hannig-Text empfohlen, der das gleiche sagt: Ein Kind darf schreien, aber wir muessen dabei bleiben, halten, Sicherheit geben. Ich hatte, nachdem ich das gelesen hatte, lange Gespraeche mit meinem Mann, der Hebi usw.. Mein Kleiner hat immer viel geschrien (und tut er auch jetzt noch ab und zu). Meine Mutter meinte immer, ich muss ihm nen Schnuller geben. Wollte ich eigentlich nicht, habs dann doch ausprobiert, er wollte ihn auch nicht. Fands auch immer traurig zu sehen, wie den Kindern beim Kleinsten Mucks der Stoepsel reingesteckt wird. Klar, wenn sie ein grosses Saugbeduerfnis haben und den Schnuller gerne nehmen, ok. Aber oft ist das ja nur fuer die Eltern. Die Kinder haben doch auch ein Recht sich zu aeussern!
Jedenfalls haben wir das mit dem Schreien und halten probiert. Mein Mann hat mich gehalten und ich den Kleinen. Einmal war sogar unsere Hebi dabei und hat uns gut zugeredet. Und wir haben alle geheult. Ich hatte aber das Gefuehl, danach waren wir alle viel ausgeglichener. Hatten eine gute Nacht und es hat uns irgendwie zusammengeschweisst. Ich musste mir selber immer wieder sagen: "Der klagt mir sein Leid und ich sollte zuhoeren!" Hab ihm das dann auch immer wieder gesagt: "Ich hoer dir zu! Ich halte dich fest!..."
Mittlerweile ueberlege ich so: Beruhgie ich ihn jetzt, weil er beruhigt werden will oder weil ich ihn ruhig haben will (er aber gerade was zu klagen hat). Das ist naemlich ein grosser Unterschied. Das heisst, manchmal wird getragen/beruhigt und manchmal wird geschrien. Versuche zu verstehen, was er gerade braucht.
Ich denke die Beraterin hat auf jeden Fall Recht, dass es ganz wichtig ist, dass du zur Ruhe kommst. Nur wenn du ruhig und ausgeglichen bist, kannst du das auch uebertragen. Also ueberleg auch, was dir gut tut und goenn dir mal was. Sonst schaukelt sich das ja immer wieder auf. Baby unruhig-Mama wird unruhig-uebtraegt sich aufs Baby...
Ich hab viel geredet und ueberlegt, was mich beruhigen koennte. Hab dann an unserer Wohnsituation was geaendert, mit Nachbarn gesprochen (und erklaert wie das ist mit dem Schreien, hatte naemlich immer das Gefuehl eine schlechte Mama zu sein, wenn das Kind schreit und was sollen die Nachbarn denken. Das hat mich z.B. auch immer unruhig gemacht. Lustigerweise haben die Nachbarn gesagt: Wir haben doch selbst Kinder, die haben auch so geschrien!)
Lass dich nicht verunsichern und hoer auf dein Bauchgefuehl!
Irgendjemand hat mir dann mal gesagt. "Die Seelen der Kinder suchen sich ja aus, zu wem sie auf die Welt kommen. Und sie wissen schon, was sie tun. Sie suchen die Mama und den Papa aus, von denen sie wissen: Die schaffen das, sich gut um mich zu kuemmern." Naja, das kann man wohl nicht so generell sagen, hat aber trotzdem gut getan, das zu hoeren.
das hast du schön geschrieben! :)
ich denke auch, dass das alles der richtige ansatz ist. es liegt wohl noch ein weg vor uns... aber ich hab das erste mal seit langem das gefühl nicht mehr so in der luft zu hängen ohne hilfe, sondern endlich mal verstanden zu werden und hilfe zu bekommen.

Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 06.09.2011, 13:07
von Sakura
MamaIndia hat geschrieben:ich hatte dir ja schon den Brigitte-Hannig-Text empfohlen, der das gleiche sagt: Ein Kind darf schreien, aber wir muessen dabei bleiben, halten, Sicherheit geben.
war bei uns auch so. mein kind hat in en ersten drei monaten unglaublich viel geschrieen - aber immer in meinem arm. es gab keine möglichkeit, sie zu beruhigen, aber ich habe sie nie allein im bett schreien lassen.

den text fand ich allerdings schlimm. für mich bleibt da wieder das ungute gefühl zurück: wenn das kind schreit, sind die eltern schuld (die ihr kind mit in den supermarkt nehmen oder anderweitig überfordern). ich hatte mit unserem kind ruhe, rhythmus, keine hektik, keine überforderung... alles, was die autorin fordert. und sie hat trotzdem geschrieen was die lungen nur hergaben...

Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 06.09.2011, 13:31
von MamaIndia
@sakura: Ich habe den Text so verstanden, dass Kinder viele Gruende haben zu schreien (oft Aufarbeitung der Geburt usw.) und dass Eltern, die diesen Kindern keine Ruhe goennen, es noch verstaerken, aber nicht generell schuld sind. Naja...

Jedenfalls dieses Gefuehl, Schuld zu haben und keine gute Mutter zu sein, war fuer mich immer praesent (und ist es manchmal immer noch). Dann noch "gute Tipps" von Verwandten, eine Oma, die sagt "Ich kann dieses Geschrei nicht hoeren, du musst zufuettern, dann ist Ruhe!"...Das hat mich als Erstmama ganz schoen verunsichert. Bin sowieso eher ein Sensibelchen. Hab dann zum Teil komplett den Kontakt mit Leuten abgebrochen, die mir einfach nicht gut getan haben. Jetzt fuehl ich mich schon viel sicherer, aber ich muss mir schon immer wieder selber Mut zusprechen und sagen: "Du machst das richtig. Lass dir nicht reinreden. Du weisst schon, was gut fuer euch ist." Werd aber doch immer noch unsicher oder super wuetend, wenn mir jemand nen "Tipp" geben will. Denke mir: "Naja, die haben ja selber Kinder, vielleicht wissen die's wirklich besser." Ist aber nicht so. Inspiration, ok. Aber Kinder sind einziartig und Muetter und Familien auch und daher kann keiner besser wissen, was fuer uns richtig ist.
Das Problem ist, dass die Intuition ganz leise wird, wenn man unsicher ist (zumindest bei mir) und dann weiss man wirklich nicht mehr, was richtig ist. Mir hilft es z.B. auch sehr, auf meine Haltung zu achten. Wenn ich aufrecht bin, strahlt mein ganzer Koerper mehr Sicherheit aus und dann klappts auch mit der Intuition besser. Vielleicht ist das Quatsch: Gerader Ruecken stearkt Intuition, aber ich meine da einen Zusammenhang zu erkennen.
Dezember, ich denk ganz fest an euch und wuensche euch alles Gute!

Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 06.09.2011, 20:53
von Jonathan
@ MamaIndia

ich finde, Du hast das sehr schön geschrieben! Ich hatte Menschen um mich, die mich und meine Intuition gestärkt haben, auf dass es mir leichter fiel auf mich zu vertrauen. Das ist doch das Wichtigste, das Vertrauen in uns, dass wir die besten Eltern für unsere Kinder sind und dass Vertrauen in die Kinder, dass sie ihren Weg gehen, auch, wenn er Steine und Felsbrocken bereit hält.
Wir wollen doch alle nur das Beste für unsere Kinder, dass sie glücklich und zufriedern sind und nicht so viel Leid und Traurigkeit erfahren müssen.
Als meine Tochter die ersten Tage auch viel weinte war ich ganz traurig, weil sie mir so leid tat und ich immer das Gefühl hatte etwas falsch zu machen, dass sie so weinen muss. Da hat meine liebe Schwester zu mir gesagt, dass ich nicht Schuld bin, dass es ihr Leid ist, dass ich ihr nur beistehen kann und sicherlich die hilfreichste Person für sie bin. Das hat mir total gut getan!

Dezember, ich drücke Euch so fest die Daumen für einen guten Weg und ich finde es hervorragend, dass die Beraterin bei Dir ansetzt. Sich selber "verändern" ist nun mal das Einzige, was wir tun können, wir können nicht die Kinder verändern, nur uns und unseren Umgang mit ihnen, auf dass sie sich selber verändern können, wenn sie wollen. Du machst das total super, Du findest Deinen Weg für Euch beide, für Euch alle drei!!

Die Tochter einer Freundin meiner Schwester hat im ersten Jahr unglaublich viel geweint und gemeckert und schlecht geschlafen. Es war furchtbar anstrengend für die Mutter, aber nun ist sie eine total fröhliche, ausgeglichene, zufriedene 2,5 Jährige. Nur weil der Anfang schwer ist heißt das nicht, dass die Kinder nicht "einfacher" werden können mit der Zeit. Das wünsche ich Euch auch!

Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 08.09.2011, 22:36
von dezember2010
Vielen dank!

Das macht hoffnung, dass es sich bei anderen so gut gebessert hat!
Ich wünsche mir auch, dass es alles besser wird und wir das richtige machen.

Nä Woche geht's wohl mit dem abstillen los und ich werde natürl weiter berichten.
Ich hab schon gehörig angst... Erstmal einfach wegen dem kleinen, ich hoffe er packt das gut und dann noch, weil ich ja schon so oft einen Stau bzw eine Entzündung hatte u Mega Angst hab dass nun wieder zu bekommen!!

Hab schon im stillforum gezielt um Tipps gebeten u hoffe auch Resonanz.

Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 10.09.2011, 12:34
von dezember2010
wie man vllt auch schon aus anderen posts von mir lesen konnte, halte ich sehr viel von dr. posth und seinem forum auf rund-ums-baby.de .
dort habe ich schon oft fragen gestellt und bekam immer super antworten. vorallem gut erklärt, dadurch, dass er aufzeigt, was das babyhirn schon alles leisten kann und zu was es noch nicht im stande ist und daraus kann man dann ableiten, warum ein baby zb noch kein zeitgefühl hat.

naja, so hab ich also auch nochmal unsere jetztige situation beschrieben und habe leider negatives dazu zu hören bekommen :( vllt mögt ihr euch mal meine frage und die antwort durchlesen, sowie eine ähnliche frage.

http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung ... _45592.htm
(eine ähnliche frage, frage 3 von den gestellten)

und dann hier mein anliegen
http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung ... _46028.htm

Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 12.09.2011, 09:06
von MamaIndia
Was fuehlst du denn, was richtig ist?

Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 12.09.2011, 09:28
von Puksie
Was hatte er dir denn damals geraten?

Ich halte auch viel von ihm, jedoch sind mir schon mehrere mehr als suspekte Dinge bei ihm aufgefallen. Auf seiner HP wird ganz klar zum abstillen nach 6 Monaten geraten, nur so zum Beispiel.

Ich denke, du versuchst dein Kind ja zu trösten, wenn es weint. Aber es muss doch nicht immer mit Tragen und Brust sein. Das wird dein Kind verstehen. Man darf sein Kind nicht alleine schreien lassen, das ist doch klar, oder?

Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 12.09.2011, 09:40
von MelCel
Liebe Dezember, ich lese jetzt aus der Antwort nicht heraus, dass ihr das alles falsch macht. Im Gegenteil, er schreibt doch: "Das Kind braucht von seinen Bezugspersonen dann aber Trost, Verständnis und Schutz und nicht Ablehnung oder kühles Abwarten aus Berechnung."

Ich les hier an keiner Stelle dass du kühl Abwarten willst und deinem Kind Trost und Schutz vorenthalten möchtest. Aus der Formulierung deiner Fragestellung hört es sich ein bisschen an, als "müsste" dein Kind lernen, ohne Stillen und Tragen einzuschlafen. Das "müsste" klingt allgemein gehalten, eben als "müsste" jedes Kind das. Das Forum in dem du fragst, ist ja aber auch ein öffentliches Forum, das heißt seine Antworten sind gleichzeitig Ratschlag für andere Menschen. Und da finde ich es mehr als verantwortungsbewusst, NICHT zu schreiben dass dein Kind das muss. Für dein Kind muss das nicht sein. Wenn es dir aber so schlecht geht wie du schreibst, muss es vielleicht für dich sein.

Re: Nächtliches abstillen - es muss jetzt sein!

Verfasst: 12.09.2011, 12:34
von dezember2010
ja, da ist es ja... mir ist iwie nicht wohl dabei ihn schreien zu lassen, auch wenn es in meinen armen ist. ich glaub auch, ich könnte das gar nicht.
er ist nicht komplett gegen langzeitstillen. er sagt nur, dass man wissen muss, dass es dann schwieriger werden könnte (zb nachts, weil häufig wach udn stillen) und es im allgemein schwieriger wird später abzustillen als früher. damit hat er denk ich schon recht. also er sagt nicht, dass stillen nach 6 monaten schlecht sei, nur eben, das man sich dann auch mit den "unangenehmeren" dingen abfinden muss und wenn man das nicht kann/will, dann muss man abstillen. dazu sagt er aber, dass es nicht sofort nach dem 6. monat sein muss. er schreibt im laufe des 2. lebenshalbjahres. so sagt er auch, dass einschlafstillen durchaus noch bis ins 2 lebensjahr beibehalten werden kann, da das als ritual dient und sich aus dem ganzen nächtlichen stillprogramm auskoppelt.
nur mal kurz erklärt, wie er das ganze sieht, damit keine missverständnisse aufkommen.

so sagt er eben, dass er von diesem festhalten im arm beim weinen nichts hält, da schreien für den säugling streß bedeutet. dieser sollte aber so gering wie mögl gehalten werden. also ist er IMMER für die sofortige beruhigung des babys. er schreibt im 1. link auch, dass ein baby noch gar keine trauer empfinden kann. er beschreibt es auch sehr gut und einleuchtend.

ich weiß nicht, ich hab ihn gefragt, weil mir iwie nicht wohl bei dem gedanken war und er hat es mir ja iwie bestätigt.

abstillen möcht ich nach wie vor und wir sind auch schon dabei. letzte nacht hab ichs aber nur die halbe nacht ausgehalten, weil er immer wieder geschrien hat. nicht extrem, mein mann konnte ihn beruhigen, nur konnte ich auch nicht schlafen, mein mann auch nicht (da er ihn ja denn immer getragen hat) und somit sagten wir, dass wir morgen, also heute, nochmal alles genau besprechen. ich werd die nä nacht wohl doch mal bei meiner mutter schlafen und denn komm ich morgen früh wieder. mal sehen wies klappt.

ansonsten denk ich aber, das die elternberaterin in vielen anderen dingen schon recht hat und uns auch hilft.
wir wollen versuchen einfach das ganze drum herum zu ändern. uns gegenseitig mehr freiraum zu geben, was wir sonst auch nie getan haben. so hat jeder mal ne auszeit. mein mann kann evel auch erstmal seine arbeitszeiten ändern, so dass ich auch mehr hilfe habe.
und das tragen zum einschlafen werden wir wohl erstmal noch beibehalten.
sowieso hätt ich nun nicht abgestillt UND das tragen eingestellt, das wäre ja wahnsinnig viel für ihn.