Dazu möchte ich Dir auch von Herzen den Rücken stärken.
Weißt du, meine Erfahrung ist es, dass die ältere Generation es auch als Anschuldigung auffassen, wenn du etwas anders machst. Meine Eltern konnten sich nur schwer daran gewöhnen, dass unser Sohn NICHT im Kinderwagen geschoben wird, KEIN EIGENES Bett hat und KEINE FLASCHE bekommt. Sie haben die Welt nicht mehr verstanden. Sie sind doch schließlich die Großeltern, es ist ihre Aufgabe auf das Kind aufzupassen, ihm die Flasche zu geben und Bäuerchen zu helfen. Sie sind es doch, die stundenlang das schlafende Kind im Wagen schieben sollen und die spontan das Enkelkind über Nacht aufnehmen. Und all das habe ich ihnen weggenommen, weil ich es anders mache. Das tut weh. Und überhaupt, diesen Kind liegt nicht um 18.30 Uhr im Bett, sondern turnt noch fröhlich durchs Kinderzimmer, während die Eltern im Wohnzimmer Fußball gucken (jawohl, wir lieben Fußball und der Kurze hat dann mal Privatsphäre

).
Jetzt ist unser Sohn anderthalb Jahre alt und sie haben gestern zugeguckt, wie ich unser Laufkind noch mal schnell im Fahrradsitz gestillt habe (er mit Fahrradhelm, schmutziger Regenkleidung, im Sitz angeschnallt, ich nur das Shirt gehoben). Ein schönes, friedliches Bild, das den Pragmatismus des Stillens wunderbar zeigt.
"Dann muss alles falsch gewesen sein, wie wir es gemacht haben.", sagte eine Mutter traurig und betroffen.
Wir haben uns jetzt über ein Jahr gestritten, gezankt, beschimpft und angeschwiegen, und so richtig wird mir erst jetzt bewusst worum es eigentlich geht. Diese Individualität, dass meiner Meinung nach alle Eltern das machen sollten, was zu Ihnen am Besten (und vor allem zu ihrem Kind) passt, exisitiert bei ihr nicht. Entweder alle oder keiner. In ihrer Welt machen alle das, was "der Arzt" oder "der Elternratgeber" sagen, oder was sowieso "alle" machen. Für sie kommt eine Einzelfallentscheidung überhaupt nicht in Frage. Dass ich entgegen ihren Vorschlägen weiterhin stille, bedeutet für sie, dass sie selbst mit ihren Kindern etwas falsch gemacht hat (kein Wunder, dass sie so lange gegen mich gekämpft hat - sie hat in Wahrheit gegen ihre eigenen, in meinen Augen unsinnigen, Schuldgefühle gekämpft).
Du musst dich selbst fragen, was du möchtest. Nehmen wir mal an du hörst auf deinen Mann:
nancy1985 hat geschrieben:Nur mein Mann ist der Meinung sie sollte die Flasche nehmen weil alle anderen das im Umfeld auch sagen. Ihr kennt ja sicherlich die tollen Sprüche der älteren Generation....
Du gibst ihr die Flasche, ihr habt innerhalb von wenigen Wochen, wenn nicht Tagen, abgestillt. Dein Baby wächst und gedeiht, die Schlafphasen werden immer kürzer, die Wachphasen immer länger, die Backenzähne kommen usw usw. Einfacher wird es i.d.R. nicht mehr.
Dann stehst DU nachts auf, tapperst mit dem schreienden Kind auf dem Arm in die Küche um ne Flasche zu machen, dein Mann zieht womöglich noch auf die Couch, weil ihr so laut seit und er am nächsten Tag arbeiten muss, und du sitzt mit unglücklichem Kind auf dem Arm im Sessel und deine Augenringe feiern bald Kommunion. Diejenigen, die dir zur Flasche geraten haben, liegen derweil weit weg allein in ihren Betten, friedlich schlafend. Tagsüber ist dein Mann dann weg, du allein mit dem Kind und dasselbe in Grün. Du musst dann auf die Vorteile des Stillens verzichten (und in erster Linie deine Tochter!), weil du statt die Verantwortung für Dich und Deine Tochter allein in die Hand zu nehmen, die Entscheidung weggibst, an Menschen die dein Kind ja schließlich gar nicht betreuen.
Die meisten hier im Forum können Dir aus leidvoller Erfahrung nachfühlen, wie schwer es sein kann, die eigenen Bedürfnisse den anderen gegenüber geltend zu machen (vorallem, wenn die Äußerung eigener Bedürfnisse in der Kindheit keine Rolle gespielt haben und gar nicht erlaubt waren). Ich persönlich habe es aufgegeben, meine Meinung vor der älteren Generation gar zu verteidigen. Es ist meine Familie, mein Kind, welches ich unter größten Schmerzen zur Welt gebracht habe, ich allein entscheide, was mein Kind wie wo wann isst oder trinkt. Mein Mann steht zwar 150% hinter unserer Stillthematik, aber dennoch hat er da absolut nichts mitzureden, denn schließlich betreue ICH das Kind zu 98% und dann ist es auch meine Entscheidung, was mir im Alltag leichter fällt und schießlich ist es auch für ihn äußerst bequem, bei uns muss niemand nachts aufstehen und Nuckel schiebend schuckelnd Flaschen zubereitend das Kind zu beruhigen.
Zur Lautstärkethematik: Letztes Jahr im August war unser Kurzer 6 Monate alt und er ist auf dem Feuerwehrfest punkt 12 Uhr Mitternacht unterm riesigen Feuerwerk im TT eingeschlafen
Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute! Stöber doch noch ein wenig durchs Forum, du bist nicht allein!