Milch wird immer weniger

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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jusl
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Re: Milch wird immer weniger

Beitrag von jusl »

Alles klar. Dann hast Du ein sehr geduldiges, braves Baby ;-) - denn 8 x 120 ml sind bereits mehr als der durchschnittliche Gesamttagesbedarf (Quelle). Das bedeutet, Dein Baby deckt seinen Milchbedarf inzwischen praktisch KOMPLETT über künstliche Milch. Und das wiederum bedeutet, Du hast praktisch schon komplett abgestillt.

Die durchschnittliche, wöchentliche Gewichtszunahme liegt mit Werten in der Größenordnung um 250 g im normalen Bereich, das heißt, er bekommt momentan die "richtige" Menge Milch und wird also weder unter- noch überfüttert. Damit stützen die Gewichtswerte meine obige Aussage, dass Dein Baby inzwischen praktisch seinen ganzen Milchbedarf über künstliche Milch deckt.

Du hast jetzt mehrere Möglichkeiten:
1. Du könntest das vorzeitige/versehentliche Abstillen akzeptieren und ab jetzt nur noch Flaschefüttern. Diese Möglichkeit kann in insb. dann in Betracht gezogen werden, wenn Dein Baby zunehmen keine Lust mehr hat, beinahe milchfrei an der Brust zu saugen.
2. Du könntest Dein Baby weiterhin so oft anlegen wie Du magst und dann weiterhin ohne Begrenzung o.ä. künstliche Milch zufüttern. So bekommt Ihr weiterhin die Kuscheleinheiten beim Stillen. Das funktioniert so lange, wie Dein Baby gerne bei Dir saugen mag.
3. Du könntest versuchen, die Zufüttermenge wieder zu verringern um zu erreichen, dass Dein Baby wieder mehr Muttermilch bekommt. Ein solches Zufütterreduktionsprogramm ist mit recht viel Arbeit verbunden, aber es würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Du noch länger stillen kannst. Die Rückkehr auf VOLLstillniveau, d.h. die Reduktion der Zufüttermenge auf null, ist nicht ausgeschlossen, aber bei Eurer Vorgeschichte vermutlich nicht wahrscheinlich. Für ein solches Reduktionsvorhaben spricht, dass Dein Baby derzeit (noch) freiwillig an die Brust geht - das steigert die Erfolgschancen für eine nennenswerte Reduktion der Zufüttermilch beträchtlich.

Wie beurteilst Du diese Möglichkeiten? Hast Du Fragen dazu?

LG
Julia
Franzi07
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Re: Milch wird immer weniger

Beitrag von Franzi07 »

Also erst einmal danke für deine Antwort. So einfach hinnehmen ihn nicht mehr zu stillen mag ich eigentlich nicht. Ich finde es schön und innerlich wurmt es mich einfach das es jetzt schon wieder nicht klappen soll, warum auch immer diesesmal. Bei meiner Großen hat es ja auch schon nicht richtig geklappt.
Ich bin froh, das er trotz allem, recht geduldig an der Brust saugt und hatte oder habe deswegen noch die Hoffnung das es vielleicht doch wieder klappen könnte zumindest ein bisschen besser als derzeit.
Die Idee mit der Reduktion find ich gut, hoffe darauf das es klappt. Ich hoffe darauf das es mit dem stillen nicht recht klappt, weil es manchmal nicht ganz einfach ist mit der großen dabei.
Ich werde auf jedenfall alles versuchen, damit es wieder klappt. Deswegen habe ich mich auch an euch gewendet, weil ich mir erhofft habe vielleicht noch ein paar Tipps oder Ideen zu bekommen.
Meinst du denn das es bei der Reduktion der Milchmenge vielleicht noch von Vorteil wäre, wenn ich die Milch die ich zufütter über ein BES geben würde? Weil so wie es derzeit bei uns läuft, dauert es mit unter ja schonmal sehr lange bis das wir fertig sind (halbe Stunde stillen und an der Flasche ist er auch nicht immer der schnellste) und das ist manchmal auch der Grund, warum meine Große dann teilweise ich sag mal ungehalten wird, weil ich mich mit ihr ja nicht wirklich beschäftigen kann in der Zeit. Mit dem BES würde er ja dann an der Brust trinken und wir bräuchten hinterher nicht noch die Flasche.

Was meinst du denn was an Reduktion gut wäre? Also Menge und in welchen Abständen ich immer weiter reduzieren soll?
jusl
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Re: Milch wird immer weniger

Beitrag von jusl »

Wenn Du zur Rettung Eurer Stillzeit eine Reduktion der Zufüttermenge versuchen möchtest, empfehle ich, Dir zu Beginn fundiertes Wissen zu beschaffen. Kennst Du schon unsere Linksammlung Stillwissen? Dort findest Du z.B. die Stichworte
"Reduktion der Zufüttermenge",
"zurück zum Vollstillen",
"Stillfreundliche Zufüttermethoden",
"Relaktation" und
"Gedeihen, Gewichtskontrolle, korrektes Wiegen".

Bitte lies Dich dort zunächst ein. Dort findest Du auch Beispiele, wie eine Zufütterreduktion klassischerweise verläuft bzgl. Menge und Abstände usw., wonach Du fragtest.
Das BES kann dabei in der Tat ein geeignetes Stillhilfsmittel sein, allerdings erfordert der Umgang damit eine gute Einweisung, Geduld und Routine. Es wäre gut, wenn Dich eine Stillberaterin vor Ort dabei unterstützen könnte.

Wie wäre es also, wenn Du erstmal ein bisschen in der Linksammlung stöberst, und dann überlegen wir gemeinsam, wie ein guter Weg für Euch aussehen könnte?

LG
Julia
Franzi07
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Re: Milch wird immer weniger

Beitrag von Franzi07 »

ja die Linksammlung habe ich schon gesehen. Werde heute Abend wenn die Große im Bett ist mich dort mal ein bisschen einlesen.
Das man bei dem BES Geduld usw. braucht habe ich schon gelesen, wo ich mich darüber informiert habe.
Das Problem mit der Stillberaterin vor Ort. Hier bei uns gibt es nicht wirkliche viele Möglichkeiten. Wir haben im Krankenhaus eine mit der ich aber absolut nicht klar komme. Und sonst gibt es nur die Hebammen hier die auch Stillberatung machen. Aber ich werde meine Hebamme nochmal fragen, ob sie sich damit auskennt und mir dabei helfen kann. Sie wollte eh nochmal vorbei kommen.

Ich melde mich dann heute Abend oder morgen nochmal =)

Auf jedenfall danke für deine Hilfe!!!
Franzi07
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Re: Milch wird immer weniger

Beitrag von Franzi07 »

Hallo, habe gestern und heute morgen ein wenig gelesen und wenn ich es richtig verstanden hab, sollte ich pro Tag die zufütter Menge um 10-20 ml reduzieren, ist das so richtig ?
Die Frage, die sich mir dabei nur stellt, geht das wirklich wenn derzeit nicht wirklich viel kommt? Morgens und Abends kallpt es mit dem anlegen am besten, so das ich auch das Gefühl habe das er zumindest ein kleines bisschen trinkt. Denn da macht er seine Flasche nie leer im Gegensatz zu denen über Tag.
Hab da ein bisschen Angst das er dann praktisch über Tag aus der Brust gar nichts bekommt, weil einfach nichts kommt und er dann nach den ich sag mal 100ml Milch die ich ihm dann in der ersten Woche nur gebe nicht satt genug ist.
Ich weiß ja, das sich die Milchproduktion an den Bedarf anpasst aber ich hab so das Gefühl, das sich da bei mir irgendwie gar nichts tut, trotz das ich ihn vor jeder Mahlzeit anlege und zusätzlich noch Pumpe :(
Ich habe auch gelesen, das gleichzeitig an beiden Seiten pumpen, wesentlich wirkungsvoller sein kann als nur an einer Seite?! Habe mir von unserem KIA ein Rezept für eine Milchpumpe geben lassen, die ich auch hier zu Hause habe und mit der ich pumpe (Medela Symphony). Habe allerdings nur das Pumpset für eine Seite bekommen. Wäre es jetzt sinnvoll noch ein 2. zu holen?
Mir sind eigentlich grad noch ein paar mehr Fragen durch den Kopf geschwirrt aber meine Große ist die letzten Tage echt motzig und nun sind die Fragen weg :D
Wenn sie mir wieder einfallen stelle ich sie noch
Franzi07
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Re: Milch wird immer weniger

Beitrag von Franzi07 »

eine Frage ist mir gerade noch eingefallen. Und zwar, ist es bei meinem kleinen derzeit notwendig ihn ausserhalb der U Untersuchungen regelmäßig zu wiegen? Sprich sollte ich mir eine Waage für ihn anschaffen?
jusl
Jusl Almighty
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Re: Milch wird immer weniger

Beitrag von jusl »

Hallo, habe gestern und heute morgen ein wenig gelesen und wenn ich es richtig verstanden hab, sollte ich pro Tag die zufütter Menge um 10-20 ml reduzieren, ist das so richtig ?
Richtig.
Die Frage, die sich mir dabei nur stellt, geht das wirklich wenn derzeit nicht wirklich viel kommt?
Naja, das ist ja nun ein Regelkreislauf: Viel zufüttern -> sattes Baby -> Baby stillt wenig -> wenig Anregung -> wenig Milchbildung -> viel zufüttern.
Eine Steigerung der Milchmenge ist nur möglich, wenn der Brust ein MEHRbedarf signalisiert wird. Nur über diesen Mehrbedarf wird die Milchproduktion angekurbelt. Das bedeutet, dass mehr Stillen und weniger zufüttern Hand in Hand gehen, ebenfalls als Regelkreislauf.
ab da ein bisschen Angst das er dann praktisch über Tag aus der Brust gar nichts bekommt, weil einfach nichts kommt und er dann nach den ich sag mal 100ml Milch die ich ihm dann in der ersten Woche nur gebe nicht satt genug ist.
Ich weiß ja, das sich die Milchproduktion an den Bedarf anpasst aber ich hab so das Gefühl, das sich da bei mir irgendwie gar nichts tut, trotz das ich ihn vor jeder Mahlzeit anlege und zusätzlich noch Pumpe :(
Die Brust kann sich an eine Veränderung von 20 ml pro Tag normalerweise gut anpassen, selbstverständlich OHNE dass das Baby hungern muss. Hungern ist zu keinem Zeitpunkt Bestandteil dieses Zufütterreduktionsverfahrens.
Bei manchen Müttern ist es so, dass sich die Brust aus körperlichen Gründen irgendwann NICHT weiter auf eine weitere Erhöhung der Milchproduktion einstellen kann, auch schon deutlich ehe man in Richtung Vollstillniveau kommt. Das ist dann leider so. Oft kann man dann medikamentös noch Verbesserungen erreichen, aber hier muss dann akzeptiert werden, dass Zufüttern immer notwendig sein wird.
Ich weiß ja, das sich die Milchproduktion an den Bedarf anpasst aber ich hab so das Gefühl, das sich da bei mir irgendwie gar nichts tut, trotz das ich ihn vor jeder Mahlzeit anlege und zusätzlich noch Pumpe :(
Ich habe auch gelesen, das gleichzeitig an beiden Seiten pumpen, wesentlich wirkungsvoller sein kann als nur an einer Seite?! Habe mir von unserem KIA ein Rezept für eine Milchpumpe geben lassen, die ich auch hier zu Hause habe und mit der ich pumpe (Medela Symphony). Habe allerdings nur das Pumpset für eine Seite bekommen. Wäre es jetzt sinnvoll noch ein 2. zu holen?
Ja, mit einem Doppelpumpset werden normalerweise bessere Ergebnisse erreicht. Erstens spart das gleichzeitige Abpumpen natürlich sehr viel Zeit (50 % um genau zu sein ;-)), UND gleichzeitige Stimu der BW führt i.A. zu höhrerer Hormonausschüttung und damit zu mehr Milchbildung, als dies beim Einzelstillen der Fall ist.
Und zwar, ist es bei meinem kleinen derzeit notwendig ihn ausserhalb der U Untersuchungen regelmäßig zu wiegen? Sprich sollte ich mir eine Waage für ihn anschaffen?
Ja. Während Zufütterreduktionen ist es unbedingt notwendig, das gute Gedeihen des Babys durch engmaschige Kontrolle aller Kriterien für gutes Gedeihen jederzeit sicher zu stellen. Diese Sicherheit ist nur durch sorgfältige Dokumentation zu haben. Du brauchst also eine moderne, elektronische, geeichte Babywaage (zu kaufen oder in Apotheken zu leihen). Ausführliche Info dazu findest Du in unserer Grundinfo Wiegen und Gewichtsentwicklung. Bitte unbedingt lesen.

LG
Julia
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