Warum länger als 6 Monate stillen?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Sakura
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Sakura »

Quasi jeder ist der Meinung, dass Kinder Milch trinken sollten, auch nach dem 1. Lebensjahr. Dabei denken alle an Kuhmilch.
Da finde ich das Beispiel mit den Hühnern genial :D.

Und vor dem ersten Geburtstag ist das ja noch sonnenklarer. Ein Baby braucht Milch, punkt. Es KANN natürlich Pre-Nahrung sein, klar. Aber warum das teure, minderwertige Imitat füttern, wenn das bessere, kostenlose Original zur Verfügung steht?
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

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Ginevere
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Ginevere »

Ich glaube echt dass diese berühmte Werbung ("Nach dem Stillen Folgemilch...") da ganz ganz viel Unheil anrichtet. Auch ich habe mich informiert bevor ich mein erstes Kind bekam aber dieses Denken dass man irgendwann Fläschchen geben MUSS, habe ich irgendwie lange Zeit nicht aus dem Kopf bekommen.

Neulich hatte ich auch wieder so eine Situation. Eine Freundin mit ihrer 1-Jährigen Tochter war zu Besuch. Ich erwähnte im Nebensatz das Stillen und sie stutzte, fragte, "Wie alt ist sie nochmal?", runzelte dann auf meine Antwort hin die Stirn und konnte es irgendwie nicht begreifen. Das scheint also wirklich ganz fest in den Köpfen zu sitzen. Sehr sehr schade!
LG Gini
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Lucccy
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Lucccy »

Hallo,

die WHO Empfehlung wurde ja bereits genannt, ebenso wie die Abwehrstoffe, die nach dem 1. Geburtstag nochmal mehr werden.

Ansonsten fallen mir noch die gesenkten Risiken für z.B. Mittelohrentzündung beim Stillkind ein sowie das mit jedem Stillmonat sinkende Risiko für einzelne Krebsarten für die Mutter. (Kommt da dann eigentlich das Gegenargument, dass langes Stillen aus egoistischen Motiven der Mutter geschieht?)

Ein paar Argumente für Stillen über 6 Monate findet man übrigens auch hier: http://www.afs-stillen.de/shop/download ... n_2508.pdf

Gruß Lucccy
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MelCoGo
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von MelCoGo »

Wenn ich mal noch drauf angesprochen werde ob ich noch stille, sag ich immer voller Überzeugung im Tonfall: ja klar!
Nix weiter. Denn für mich gibts noch keine Argumente, um abzustillen. Im Regelfall wird mein Kleiner (19 Monate) nur noch einschlafgestillt, wenn er nachts mal aufwacht, und teilweise morgens zum Wachwerden, je nach Tagesform ob er knatschig aufsteht oder schon fidel ist.
War über Weihnachten sehr praktisch, Kind lag mit 3-Tages-Fieber flach, Trinken aus der Flasche zu gesunden Zeiten vielleicht 250ml übern Tag, seinen "Kaba" (Kuhmilch morgens 1 Fl und nachmittags/abends ggfs noch 1)
Hab ihn während der Fiebertage auch tagsüber mehrmals angelegt und war mir zumindest in der Hinsicht "Trinken" auf der sicheren Seite, daß er da gut versorgt ist und nicht dehydriert :D Und Brust geht immer...
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EUfqtw

Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von EUfqtw »

Das Problem, das die meisten Leute damit haben, is ja "leider" nicht die Muttermilch an sich. Sondern das Trinken an der Brust. :(

Das ist so traurig.
muh
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von muh »

...weil ich zu faul zum flasche geben bin...
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MelCoGo
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von MelCoGo »

Ich bin zu geizig zum Flasche geben! und auch zu faul :P
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Sakura
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von Sakura »

Lillian hat geschrieben:Das Problem, das die meisten Leute damit haben, is ja "leider" nicht die Muttermilch an sich. Sondern das Trinken an der Brust.
Hm.... nach meiner Erfahrung halten die meisten Leute der älteren Generation Muttermilch für zu dünn, zu wenig, zu kalorienarm, zu fettarm, zu nährstoffarm.... Da ist es doch gut, wenn das Baby dann irgendwann dank Brei mal "was Richtiges" bekommt. Und natürlich die gute Kuhmilch!!!

Und Vertreter der jüngeren Generation erzählen mir ständig, dass ihre Milch nicht gereicht hat, und sie daher immer öfter Flasche geben mussten.
Und außerdem und überhaupt, ob ich abends niemals weggehen will????? :shock: (Ok, hier ist die Brust tatsächlich das Argument, da sie an mir dran hängt :))
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vivi
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Re: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von vivi »

als meine tochter 6 monate alt war, ging es mir wie sir- ich wollte argumente sammeln- für andere, aber v.a. auch für mich selbst.
bei uebersstillen.org hab ich viele infos gefunden. z.b. dieses:

Autor: Dr. Jack Newman MD FRCPC
Originaltitel: "Nursing a toddler - why on earth!"

Da jetzt immer mehr Frauen ihre Babys stillen, entdecken zunehmend mehr von ihnen, dass ihnen das Stillen so viel Freude bereitet, um ueber die urspruenglich vorgenommenen wenigen Monate hinaus weiterzustillen. Die Unicef empfiehlt schon seit langem zwei Jahre und laenger zu stillen und jetzt hat sich auch die Amerikanische Akademie der Kinderaerzte angepasst, indem sie Muettern raten, mindestens ein Jahr lang zu stillen und dann so lange, wie Mutter und Kind es wuenschen.

Bis vor kurzem war Stillen bis zum Alter von drei-vier Jahren in den meisten Laendern der Welt ueblich, und auch heute noch wird es von vielen Voelkern praktiziert.

Warum solte man laenger als sechs Monate stillen?

Weil es Muetter und Babys meist sehr geniessen. Aus welchem Grund sollte man eine freudenspendende Beziehung unterbrechen?

Muttermilch soll aber nach sechs Monaten keinen Wert mehr haben.

Ja, das wird gesagt, aber es stimmt nicht. Dass jemand so etwas behaupten mag, beweist nur, wie unwissend viele Leute unserer Gesellschaft sind, was das Stillen betrifft. Muttermilch ist schliesslich Milch. Selbst nach sechs Monaten enthaelt sie noch Proteine, Fett und andere fuer die Ernaehrung wichtige Inhaltsstoffe, die Babys und Kleinkinder brauchen. Muttermilch enthaelt weiterhin Immunfaktoren, die das Baby schuetzen. Tatsaechlich enthaelt Muttermilch im zweiten Lebensjahr des Kindes eine groessere Anzahl an bestimmten Immunfaktoren, die es vor Infektionen schuetzt, als im ersten Lebensjahr. Das ist so, wie es auch sein sollte, weil Kinder im zweiten Lebensjahr normalerweise haeufiger mit Krankheitserregern in Beruehrung kommen. Muttermilch enthaelt weiterhin Faktoren, die bei der Reifung und vollen Entwicklung des Immunsystems, Gehirns, Darms und anderer Organe eine wichtige Rolle spielen. Es ist erwiesen, dass Kindergartenkinder, die noch gestillt werden, weit seltener und weniger ernsthaft an Infektionskrankheiten leiden als die, die nicht gestillt werden. Eine Mutter, die ihr Kind weiterstillt verliert dadurch weniger Arbeitstage, wenn sie wieder ihre Taetigkeit ausser Haus aufnimmt.

Es ist interessant zu beobachten, wie die Werbung der Muttermilchersatzprodukte den Gebrauch ihrer Produkte (die eine ziemlich unperfekte Kopie des Originals sind) propagiert und gleichzeitig behauptet, dass Muttermilch (das Modell der unperfekten Kopie) nur sechs Monate lang gueltig ist. Zu viel Kinderaerzte haben diesen Refrain uebernommen.

Ich habe gehoert, dass die Immunfaktoren in der Muttermilch die Entwicklung des eigenen Immunsystems des Babys behindern, wenn dieses laenger als sechs Monate gestillt wird.

Das stimmt nicht und ist eigentlich absurd. Es ist wirklich unglaublich, wie so viele Leute unserer Gesellschaft die Vorteile des Stillens in Nachteile umaendern. Wir impfen unsere Babys, damit sie sich aus eigenen Kraeften gegen die echte Infektion wehren koennen. Auch die Muttermilch hilft dem Baby, Infektionen zu bekaempfen. Wenn es diese besiegt hat, ist es immun. Auf natuerlichem Weg.

Ich moechte aber, dass mein Baby unabhaengig wird!

Und Stillen macht Kleinkinder abhaengig? Glaube das nicht! Ein Kind, das gestillt wird, bis es sich aus eigener Entscheidung heraus abstillt (gewoehnlich im Alter von zwei bis vier Jahren) ist normalerweise selbstsicherer, und, was wichtiger ist, sicherer in seiner Selbststaendigkeit. Es erhielt von der Brust Trost und Sicherheit, und zwar so lange, bis es reif war, von sich aus den Schritt zum Abstillen zu unternehmen. Es weiss in diesem Fall, dass es etwas abgeschlossen hat, wozu es selbst die Entscheidung getroffen hat. Das ist ein Meilenstein seines Lebens.

Oft draengen wir Kinder dazu, zu bald "selbststaendig" zu werden: zu bald alleine zu schlafen, zu bald von der Brust entwoehnt zu werden, zu bald alles ohne Hilfe der Eltern zu meistern, kurz gesagt, zu bald alles alleine zu machen. Draenge es nicht, und das Kind wird bald genug selbststaendig werden. Wozu diese Eile? Bald wird es von zu Hause fortgehen. Willst Du, dass es mit vierzehn Jahren das Elternhaus verlaesst?

Natuerlich kann Stillen in gewissen Situationen eine Ueberabhaengigkeitsbeziehung beguenstigen, aber das gilt auch fuer das Essen und das Toilettentraining. Das Problem liegt nicht am Stillen, sondern hat andere Ursachen.

Was gibt es noch zu sagen?

Wahrscheinlich sind die wichtigsten Aspekte beim Stillen von Kleinkindern nicht die die Ernaehrung oder Immunisierung betreffenden Vorteile, so wertvoll diese auch sind. Ich glaube, der groesste Vorteil beim Stillen von Kleinkindern ist die besondere Mutter-Kind-Beziehung. Stillen ist ein lebensbejahender Akt der Liebe. Dieser Aspekt dauert an, wenn aus dem Baby ein Kleinkind wird. Jeder, der unvoreingenommen beobachtet, wie ein aelteres Baby oder ein Kleinkind gestillt wird, kann feststellen, dass dabei etwas fast Magisches und Besonderes vor sich geht, etwas, das weit ueber die pure Nahrungsaufnahme hinausgeht. Ein Kleinkind an der Brust macht ab und zu eine Pause, um spontan, ohne ersichtlichen Grund zu lachen. Seine Freude am Stillen geht weit ueber die Nahrungsquelle hinaus. Wenn es sich die stillende Mutter erlaubt, kann das Stillen auch fuer sie zu einer Quelle von Freude werden, die weit ueber die reine Nahrungsspende hinausgeht. Natuerlich ist Stillen von Kleinkindern nicht immer grossartig, aber was ist das schon. Wenn es das jedoch ist, dann ist es wirklich der Muehe wert.

Wenn das Kind erkrankt oder sich verletzt hat (und das kommt vor, wenn es mit anderen Kindern in Kontakt kommt und wagemutiger wird), welch einfacheres Mittel, um das Kind zu troesten, als es zu stillen? Ich erinnere mich an Naechte in der Notaufnahme, wo Muetter ihre kranken, nicht gestillten Kleinkinder zu beruhigen versuchten, oft erfolglos, indem sie diese am Gang auf und ab trugen, waehrend die stillenden Muetter ruhig mit ihren getroesteten, wenn auch nicht unbedingt gluecklichen Babys an der Brust dortsassen. Die Mutter troestet ihr krankes Kind durchs Stillen und gleichzeitig troestet das Kind seine Mutter.

Letzter Stand: Jaenner 98

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Uebersetzung von - Ulrike Schmidleithner


liebe grüße
vivi mit der großen Zuckermaus Jan '07 und der kleinen Strahlemaus März ' 14
bertilla
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Re: AW: Warum länger als 6 Monate stillen?

Beitrag von bertilla »

Das ist eine wunderbare Zusammenfassung, danke dafür!

Mein Kind ist erst 7,5 Monate alt, insofern werde ich noch nicht oft auf das Stillen angesprochen. Wenn ich gefragt werde, ob ich noch stille, reicht in der Regel ein einfaches ja als Antwort aus. Ganz selten kommt dann noch eine Rückfrage. Ich sage dann immer, dass es heutzutage empfohlen wird, so lange wie möglich zu stillen, und damit haben sich meine Gesprächspartner bislang immer zufrieden gegeben. Meist fragen mich Menschen, die älter sind als ich selbst, und von älteren Frauen kommt dann oft etwas wehmütig, dass sie selbst ihre Kinder aus dem einen oder anderen Grund nicht so lange hätten stillen können.

Ich glaube, die eigene Einstellung auf die Frage nach dem Stillen macht viel aus. Ich empfinde erstaunte oder auch entsetzte Gesichter nicht als Angriff auf mich selbst, sondern schlicht als Unwissenheit. Und wenn mir jemand vor einigen Jahr erklärt hätte, ich würde mein Kind womöglich jahrelang stillen, hätte ich ebenfalls entgeistert reagiert. Ich hatte damals einfach - wie die meisten Menschen - keine Ahnung vom Thema.
Mama seit 05/2012
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