Ich hatte mir - bevor diese Probleme so massiv auftraten - gedacht, dass sie, wenn ich arbeiten gehe, die Flasche bekommt, hauptsächlich abgepumpte Muttermilch so viel wie geht, und zusätzlich in dieser Zeit die Pre-Nahrung. Ich hatte gehofft, dass sie sich vielleicht daran gewöhnt, dass sie, wenn Mama weg ist, Fläschchen von Papa bekommt, und wenn Mama da ist, ausschließlich gestillt wird. Scheinbar habe ich da zu viel voraussgesetzt. Die geringen von der Brust getrunkenen Mengen machen mir schon Sorge - am Wochenende ganz aufs Zufüttern zu verzichten ist da sicher keine gute Idee, oder?
Wenn das Stillen GUT klappt (und dazu musst Du nicht jedes Mal eine Stillprobe machen.

Es reicht, wenn Du einfach guckst, ob sie gut andockt, kräftig trinkt und hinterher zufrieden ist), dann ist Zufüttern am Wochenende sicherlich nicht nötig. Aber momentan liegt ja im wesentlichen gerade dort das Problem, wenn ich Dich richtig verstanden habe: dass das Stillen nicht mehr reibungslos klappt.
Dauerhaft zuhause bleiben geht leider nicht (mehr), da mein Mann Elternzeit hat. Ich bin auch einerseits ganz froh, wieder zu arbeiten, aber wenn ich gewusst hätte wie wichtig mir das Stillen wird hätte ich mich im Vorfeld vielleicht anders entschieden. Urlaub kann ich im Moment auch nur einzelne Tage nehmen, vielleicht im Dezember mal eine Woche. Ein langes Wochenende reicht vermutlich nicht aus, um ihr das richtige Trinken beizubringen, oder?

Nein, ein Wochenende wird da aller Voraussicht nach nicht ausreichen; die Behandlung von Saugverwirrung dauert für gewöhnlich mehrere Tage bis mehrere Wochen. Und Zeitdruck à la "bis Montag früh muss aber hinhauen" ist sicher keine gute Voraussetzung für entspanntes Lernen. Aber das heißt nicht, dass Ihr nicht das Wochenende verstärkt dazu nutzen könnt, daran zu arbeiten.
Vorstellen könnten wir uns wirklich das Zufüttern mit dem Softcup. Leider wüsste ich in der Nähe niemanden, der uns das zeigen kann. Ich habe eben schon auf der Seite der La Leche Liga nach einer Stillberaterin gesucht, aber in der Nähe gibt es scheinbar keine (wohnen im Sauerland). Wir könnten es höchstens einfach probieren - oder können wir damit unsere Probleme noch verschlimmern? Ist das denn auch für größere Mengen geeignet? Im Moment bekommt sie ja mindestens drei Mahlzeiten pro Wochentag aus der Flasche.
Also, man kann durchaus größere Mengen mit dem Softcup füttern. Einfach probieren ist total OK - "verschlimmern" könnt Ihr dadurch nichts. Das "Schlimmste", was passieren kann, ist, dass es einfach nicht klappt. Das wäre insofern schade, als dass diese Zufüttervariante dann sozusagen passé wäre, obwohl Euch eine Fachperson vielleicht hätte unterstützen können.
Junge Babys haben ein Saugbedürfnis. Um ihnen eine korrekte Stilltechnik beizubringen, kann man ihnen nicht einfach JEDE Saugmöglichkeit wegnehmen ("nur noch Softcup füttern und Schnuller weg"), sondern sie brauchen das Angebot, ihr Saugbedürfnis an der Brust stillen zu können. Das geht nicht, wenn Du nicht da bist. Bei langen Arbeitstagen wird es also voraussichtlich notwendig sein, weiterhin eine Saugmöglichkeit (z.B. Schnuller) anzubieten. Das ist zwar nicht ideal, aber sicher besser als Flaschefüttern, da Schnullern nicht mit der Nahrungsaufnahme assoziiert ist.
Wäre vielleicht auch ein Brusternährungsset was, um abends und am Wochenende beim Stillen noch zuzufüttern?
Das BES ist definitiv eine Überlegung wert; dessen Erfolgsaussichten hängen allerdings vom genauen Störungsbild ab. Wenn Dein Baby an sich noch gut andockt und sich nur darüber ärgert, dass die Milch aus der Brust anders fließt als aus der Flasche, dann ist das BES mit Sicherheit eine gute Idee. Der kontinuierliche und regelbare Milchfluss aus dem BES animiert das Baby, zufrieden an der Brust zu bleiben. Die Benutzung des BES ist auch mit Hütchen möglich, allerdings noch fummeliger als ohnehin schon. Eine mit dem BES vertraute Beraterin vor Ort wäre also eine sinnvolle Maßnahme, um Euch bei Euren ersten Versuchen mit dem BES zu unterstützen.
Wenn Dein Baby allerdings schon Probleme mit dem Andocken hat und z.B. schlichtweg das Mundgefühl des Flaschensaugers dem Mundgefühl der Hütchen vorzieht, dann bringt das BES voraussichtlich (noch) nichts. Hier sollte das Baby erst vom Flaschensauger entwöhnt werden, z.B. mittels Softcup, und Flasche konsequent weglassen.
Was mich aber irritiert, dass sie immer wieder auch größere Mengen aus der Brust trinkt - 150 - 190 ml finde ich schon reichlich, und das funktioniert auch immer mal wieder (leider nicht regelmäßig). Nur am Wochenende und besonders tagsüber trinkt sie nur Mini-Mengen.
150-190 ml ist eine sehr sehr große Mahlzeitengröße für ein Stillkind. Die allermeisten Stillbabys sind kleinere Portionen bei entsprechend häufigen Mahlzeiten gewöhnt. Eine ganz normaler Wert für die Gesamttagestrinkemenge ist z.B. 800 ml. (650 oder 950 wären aber ebenso normal). Wenn ein Baby Mahlzeiten von 200 ml gewohnt ist, dann wären das 4 Mahlzeiten in 24 Stunden - das wäre für Stillbabys ABSOLUT UNGEWÖHNLICH und ist eigentlich nur bei mit Flasche ernährten Kindern gängig.
Stillbabys trinken hingegen normalerweise 8-12 in 24 Stunden. Dies entspricht also einer durchschnittlichen Mahlzeitengröße von ca 60-100 ml. Dies heißt keineswegs, dass Stillbabys "mindestens 60 ml" bei einer Stillmahlzeit trinken müssten - überhaupt nicht - denn 1. variieren die Mahlzeitengrößen sowieso und 2. darf ein Baby ja auch öfter als 12 mal trinken.
Ich habe vor einiger Zeit schon mehrfach probiert, ohne Hütchen zu stillen. Einmal hat das 10 Minuten lang geklappt, sonst immer nur für ein paar Schlucke oder gar nicht. In den letzten Wochen habe ich das aber nicht mehr versucht, weil ich sie nicht noch zusätzlich unter Druck setzen wollte.
Ich bin nicht sicher, ob Hütchenentwöhnung JETZT eine gute Idee ist. Für eine Entwöhnung spricht, dass sie sich sicherlich positiv auf Deine Milchproduktion auswirken würde. Dagegen spricht, dass ein weiterer Lernschritt nötig wäre, der Zeit und Mühe kostet. Das kannst nur Du entscheiden - Du musst Dir da überlegen, was Du möchtest, und was Dir wichtig ist. Wenn Du künftig gerne vollstillen möchtest, bzw. Dir eine möglichst geringe Zufüttermenge wichtig ist, wäre eine Entwöhnung sinnvoll. Wenn Du einfach nur *irgendwie* weiterstillen willst, gerne auch mit Hütchen sozusagen, dann wäre es auch denkbar, nur das Flaschefüttern sein zulassen und sich dann auf eine gute Trinktechnik MIT Hütchen zu konzentrieren. Wie gesagt, da sind Deine Wünsche ausschlaggebend.
Kannst Du mit diesen Hinweisen etwas anfangen? In welche Richtung gehen Deine Überlegungen?
LG
Julia