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Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 05.05.2012, 20:51
von DieTine
Also ich komme aus einer sogenannten "Flaschenfamilie". Das Stillen wird toleriert, aber es gibt die unterschwellige Erwartung das spätestenst mit einem Jahr abgestillt werden sollte (vielleicht sogar eher? Keine Ahnung). Letztenst meinte meine Mutter scherzhaft zu mir das ich wohl stille bis der Schulbus kommt (war ja klar das sie DIE Doku gesehen hat). Manchmal fühle ich mich einfach wie vor dem Kopf geschlagen...ich habe wirklich NIE erwähnt wie lange ich überhaupt stillen möchte...naja. Vielleicht sollte ich mal etwas bestimmter Auftreten ind Sachen Stillen... aber ich glaube das bringt nicht wirklich was.
Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 05.05.2012, 21:03
von Holle
Hallo,
ein interessantes Thema!
Ich erlebe es in meinem Umfeld so, dass fast alle Mamis stillen (oder es wollen)
Einige konnten tatsächlich nicht und die hatten ganz schönem Druck standzuhalten.
Zwei Langzeitstillmamis kenne ich, die werden auch sehr oft sehr doof angequatscht.
Grundsätzlich erlebe ich aber, das Stillen positiv aufgenommen wird, die Mütter es gerne machen, die Gesellschaft es gut findet oder es zumindest toleriert. Nur selten habe ich unangenehme Erfahrungen gemacht.
Und es ist echt ein Gesprächsthema. "Stilen Sie?" wurde ich sogar oft von wildfremden Frauen gefragt, wenn man mal im Café oder sonst wo ins Quatschen gekommen ist. "Toll!" war meist die Antwort, wenn ich bejaht habe. Ältere Frauen haben oft noch ein "Bei uns damals war das ja leider total out. Dabei ist es doch so gut für Kind und Mutter." angefügt.
Ich für meinen Teil habe gerne gestillt (leider viel zu kurz) - und auch ohne Hemmungen in der Öffentlichkeit.
Mich stören stillende Frauen nirgends und nie.
Und ich habe auch nur positive Erfahrungen gemacht.
LG von
Holle
Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 05.05.2012, 21:06
von Lösche Benutzer 10716
Ich erlebe es so , dass das Stillen längst nicht "normal" oder "natürlich" ist. In meiner Pekip-Gruppe haben z.B. zu Beginn nur 3 von 8 Kindern voll gestillt. Mittlerweile hat eine von ihnen es ganz aufgegeben, es sei ihr zu viel gewesen. Auch im Zusammensein mit Bekannten werde ich oft gefragt, ob es mir nicht unangenehm sei in der Öffentlichkeit zu stillen (Nein bis zu der Frage wars das nicht?!) oder es wird bescheinigt, dass ich mich doch sehr diskret verhalte... An solchen Äußerungen merke ich einfach, dass Stillen als etwas sehr Spezielles, eben nicht Normales aufgefasst wird.
Mein Sohn ist noch keine acht Monate alt, trotzdem wird ständig gefragt, ob ich noch stille. Schön war auch: "Ah, so sieht das also bei einem großen Kind aus!" - Da war er vielleicht gerade sieben Monate alt!
Generell habe ich das Gefühl, dass das Stillen bis zum vollendeten ersten Lebensjahr akzeptiert wird und positiv angesehen wird. Als ich jedoch mal das Thema kindgeleitetes Abstillen bzw. LZS zur Sprache brachte, erntete ich zum Teil ungläubige Blicke bis hin zu Äußerungen wie "das ist doch ekelhaft", "da läuft doch was schief" etc.
In dem KH, in dem mein Sohn zur Welt kam, wird großer Wert auf das Stillen gelegt ("Babyfreundliches KH"). Schon im Vorfeld der Geburt gab es Stillinfoabende und Einladungen zum Stillcafe. Dort fiel auf, mit wieviel Unsicherheit viele an das Stillen herangehen. Wie sehr in den Köpfen verankert ist, dass es etwas "Schwieriges" ist, dass man "Glück" haben muss. Darum glaube ich, dass Begleitung und Hilfestellung in der ersten Zeit nach der Geburt so wichtig sind. Auch bei uns hat das Stillen auf einer Seite nicht auf Anhieb geklappt. Geholfen hat mir der Ausspruch der Stillberaterin: "Ist das eine Brust? Dann kommt da auch Milch raus!"
Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 05.05.2012, 21:30
von rueckenwind
Was Karola schreibt kenne ich auch.
Als meine Schwiegermutter nach der Geburt der Lütten das erste Mal da war, hat sie ziemlich auf uns gestarrt (damals klappte das alles noch nicht so einwandfrei) und meinte, dass das doch ganz dezent sei. Ich fand das schrecklich unhöflich und finde es selber auch total schön, wenn Frauen das unverkrampfter handhaben als ich das (insbesondere zu Beginn der Stillzeit) gemacht habe. Ich finde sowieso diese Anforderung, dass Stillen in der Öffentlichkeit aber auf jeden Fall dezent seien müsse (am besten noch im Nebenzimmer) ziemlich nervig - auch das soll doch bitte jede so handhaben wie sie möchte und bei zappelndem Säugling ist das ja auch nicht immer so einfach alles zu verdecken. Wer es nicht sehen möchte (was daran anstößig sein soll verstehe ich nicht), soll doch einfach woanders hinschauen! Mich fragt doch auch niemand, wie viele halbnackte Frauen ich mir auf Werbeplakaten ansehen mag und deren "Funktion" ist mir häufig sogar eher schleierhaft.
Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 05.05.2012, 22:07
von Sycorax
rueckenwind hat geschrieben: Mich fragt doch auch niemand, wie viele halbnackte Frauen ich mir auf Werbeplakaten ansehen mag und deren "Funktion" ist mir häufig sogar eher schleierhaft.
*unterschreib*
In einer Diskussion kam sogar mal heraus, dass manche FRAUEN es unangenehm finden, wenn Stillende "einfach auspacken". Das gehe doch diskret, mit einem Tuch über der Schulter. Klar geht das, aber im Sommer ist es zu warm, manche Kinder mögen kein Tuch überm Kopp und fummelig ist es auch.
Wenn Männer anwesend sind, mach ich die Tuchsache ja sogar freiwillig. Aber doch nicht in Frauenrunde. *kopfschüttel*
Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 05.05.2012, 22:16
von Susii
Ich finde es auch nicht so schlimm, wenn man beim Stillen ein bisschen von der Brust sieht, denn eigentlich hat doch jeder schon eine weibliche Brust gesehen undman muss ja nicht ewig draufstarren. Bei uns ist den meisten Frauen Stillen sehr wichtig. Besonders in den ersten 6 Monaten und danachb werden die Stillmahlzeiten konzequent ersetzt.Ich glaube trotzdem, dass unter ihnen einige Langzeitstillende sind, die sich aber nicht trauen das öffentlich zuzugeben,weil sie sich vor blöden Kommentaren fürchten.
Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 05.05.2012, 22:53
von Ursi99
Also ich kann da in meiner Umgebung ganz klar 2 Lager feststellen:
- die " Mainstream"- Frauen, die zwar anfangs stillen, aber nach ca. 4-7 Monaten abstillen und auf flasche umstellen. Das abstillen geht meist mit der beikosteinführung einher und die Gründe fürs abstillen reichen von "das macht man dann so" bis "keine Lust mehr" bis "mit Flasche schläft das Kind dann endlich durch". Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Vorteilen des weiterstillens konnte ich nicht beobachten. Viele füttern nach meiner Einschätzung zu schnell zu wegen angeblich zu wenig Milch, Empfehlung kinderarzt usw.
- die "Alternativen" Frauen, die auch eher so Dingen wie langem tragen, familienbett, blw, windelfrei zugetan sind. Hier stoße ich auf viel Verständnis.
Vom Verhältnis her würde ich mein Umfeld auf 70% Mainstream / 30% alternativ schätzen. Ob das repräsentativ ist, weiß ich nicht.
In der Öffentlichkeit oder fremden gegenüber halte ich mich eher bedeckt, weil ich keine Lust habe, mich zu rechtfertigen. In der Familie wird es akzeptiert, aber auch nicht besonders toll gefunden - eher neutral.
Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 05.05.2012, 22:57
von Ursi99
Ach, noch was: gerade bei erstmüttern (inkl. mir) bemerke ich immer wieder, dass es gänzlich unbekannt ist, dass milch-sei es mumi oder flasche- im 1. Lebensjahr die haupternährung ist.
Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 05.05.2012, 22:58
von Masu
In meinem direkten Umfeld stillen die meisten Mamas. Die wenigen Ausnahmen, die nicht stillen haben es versucht und dann irgendwann aufgrund von Grund xyz aufgegeben. Die meisten wissen, dass es das Beste für das KInd ist (bezogen auf die gesunde MuMilch) einige wissen auch dass Stillen gut für die Bindung zwischen Mutter und Kind ist und ganz wenige genießen das Stillen so wie ich

. Aber spätestens nach 4-6 Monaten ist der Großteil froh mit der Beikost zu starten und dann schnell abzustillen. Habe ich gerade in meiner Krabbelgruppe erlebt. Der häufigste Grund ist Freiheitsdrang 'endlich wieder den Körper für sich zu haben, wieder Alkohol trinken zu können oder das Kind auch mal abgeben zu können.'
Ich wohne in Hamburg und habe aber insgesamt was Stillen in der Öffentlichkeit anbelangt schon das Gefühl, dass mein Umfeld stillunfreundlich ist. Stillen? Ja, finde ich gut - aber bitte nicht vor meinen Augen. Wie schon gesagt wurde: dezent soll es sein und bitte nicht im Cafe oder Restaurant.
Was ich gemerkt habe ist, dass in homosexuellen Kreisen (auch im eigenen Freundeskreis) das Stillen richtig verpöhnt wird. Wird als ekelig angesehen. Viele fühlen sich gestört oder gar provoziert "wenn Mutti die Brüste auspackt' - wobei beim CSD recht selbtverständlich mit nackten / halbnackten Körperteilen umgegangen wird.
Die ältere Generation (zb in der Familie) reagiert zu großen Teilen positiv auf das Stillen ist aber recht verwundert,warum man keinen Abstand einhält, dass man noch Milch hat und das das Kind satt wird.
Für mich persönlich war von vorne rein klar: ich will stillen - unbedingt. Hatte aber auch Angst, dass es 'nicht klappt'. Ich bin froh, dass es das Internet gibt und ich mir bei Problemen durch Recherche selbst helfen konnte. Ich glaube wenn noch mehr aufgeklärt werden würde über die Vorteile des Stillens und wenn noch mehr über die Ammenmärchen aufgeklärt werden würde, könnte man Stillen wieder als was natürliches und selbstverständliches sehen.
Re: gesellschaftliche stimmung/ stillen
Verfasst: 06.05.2012, 00:02
von weeka
Athene79 hat geschrieben:Hallo,
die Meinung ist: Stillen bis einem Jahr ist OK. Beikoststart zwischen 4 und 6 Monaten muss sein. Ich kenne nur eine Frau, die es anders gemacht hat.
Und was ich immer wieder in meinem Bekannten- und Freundeskreis feststelle - ich hoffe, ich greife keinen an, aber bei uns ist das extrem so und nicht vereinfachend: Frauen, die studiert haben oder mit medizinisch schulischer Ausbildung (Logopäden, Physiotherapeuten), stillen fast alle und sind überzeugt davon, Frauen, die nicht studiert haben, stillen entweder von vornherein nicht oder nach zwei Wochen aus irgendwelchen dummen Gründen ab. Das beobachte ich jetzt seit fast acht Jahren, seit der Geburt meines 1.Sohnes. Bei meinem 2.Sohn haben zwei Monate nach der Geburt nur noch zwei Frauen von etwa 12 im Rückbildungskurs gestillt. Mal sehen, wie es jetzt bei Sohn Nr.3 wird...
Wenn meine Erfahrungen repräsentativ wären (aber das sind sie ja nicht bei etwa 40 Frauen), wäre die Gesellschaft bezüglich des Stillens und der Einstellung dazu also sehr gespalten.
Ich hoffe, ich habe keinen angegriffen und mir ist auch klar, dass es Gegenbeispiele gibt, aber bei uns ist es so.
dazu gibt es tatsächliche zahlen, längeres stillen steht mit einem höheren abschluss in verbindung (sowie hausgeburten etc auch)
ich habe persönlich noch keine negativen erfahrungen mit stillen oder stillen in der öffentlichkeit gemacht. ich mache es immer und oft auch nicht gerade dezent (ausser vll. auf der arbeit)... bis jetzt habe ich aber nur lächelnde blicke dazu bekommen.
in meiner familie ist es sehr normal, meine mutter hat mich leider nur kurz gestillt-3-4 monate (weil sie wieder ins studium eingestiegen ist) meine schwester wurde dann 1,5 jahre gestillt und das bild meiner stillenden mutter habe ich immer noch in erinnerung. sie freut sich mich stillend zu sehen, kommentiert das auch mit: stillen, das ist so ein schönes gefühl! für mich stellte sich nie die frage, ob ich stillen werde. das war für mich schon immer normal.
ab und zu habe ich kommentare gehört, dass frauen mit 6 monaten abgestillt haben, weil das mit ihrer sexualität nicht vereinbar wäre und der busen auch mal wieder dem partner zu verfügung stehen sollte. hmm, das war aber eher selten. ..