Selbstverständlich kann nicht jede Frau stillen. Es kann bekanntlich auch nicht jede Frau laufen. Oder hören. Oder sehen. Es gibt querschnittgelähmte Frauen, und hörbehinderte und blinde Frauen. Und genauso gibt es auch Frauen, die auf Grund von Vorerkrankungen oder Verletzungsfolgen nicht stillen können.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist: Milchbildung ist eine ganz normale Körperfunktion. Es gibt also überhaupt keinen Grund, davon auszugehen, dass diese nicht "klappt". Milchbildung ist genauso viel oder wenig "schicksalhaft" oder "Glückssache" wie laufen oder sehen können. Und wie schon zuvor geschrieben: Selbst wenn volles Stillen nicht möglich ist, muss das nur in den allerwenigsten Fällen eine Alles-oder-nichts-Situation sein. Fast immer kann teilweises Stillen gelingen. Um im Bild zu bleiben: es gibt Gehhilfen, Brillen, Hörgeräte, Medikamente. Entsprechend gibt es auch medizinische/technische Hilfsmittel, um zumindest teilweises Stillen zu ermöglichen.
Und genauso Fakt ist: die derzeitigen Stillraten in Deutschland sind keinesfalls in "weitverbreiteter Stillunfähigkeit" begründet. Mit 6 Monaten werden hierzulande nur noch knapp 50 % aller Säuglinge gestillt (nur 10 % voll)- es sollten eigentlich über 90 % sein (denn soviele Mütter beginnen nach der Geburt mit dem Stillen). Die meisten Mütter stillen dabei nicht freiwillig ab, sondern geben als Gründe Stillprobleme an wie "zu wenig Milch", "Schmerzen" oder "Baby wurde nicht satt". Diese Zahlen sind genauso kurios, als würde die Hälfte aller Frauen im Rollstuhl herumfahren, weil es "mit dem Laufen nicht geklappt hat". Und hinter jedem einzelnen Fall stecken da Tränen, Schuld- oder Versagensgefühle. Das ist wirklich unheimlich schade und der beste Grund, weiterhin engagiert Stillförderung zu betreiben.
@ manuela85 - zu Deinen konkreten Fragen:
Es heißt ja manche Frauen haben einfach keine Milch oder die Milch geht zurück.
Andere sagen wieder jede Frau kann stillen. Ist es denn so dass die die es nicht können sich zu sehr stressen so dass die milch wirklich weg geht?
"Keine (oder fast keine) Milch haben" gibt's. Bei fehlendem Brustdrüsengewebe zum Beispiel. Oder bei bestimmten Hormonstörungen. Stress (oder besser gesagt: "Disstress", also "negativer Stress") kann Auswirkungen auf die sonstige Hormonlage haben, z.B. kann die starke Ausschüttung von Schmerzhormonen die Ausschüttung der Stillhormone beeinträchtigen. Dass manche Frauen "sich selbst stressen" und deswegen sozusagen "selbst schuld" sind an zu wenig Milch, ist ein eher verzerrtes Bild.
"Weniger werden" oder "wegbleiben" sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießende Ausdrücke.

Generell kann man sagen: für die Milchbildung ist v.a. das Hormon Prolaktin zuständig, für die Milchabsonderung v.a. das Hormon Oxytocin. BEIDE Hormone sind gleichermaßen wichtig für erfolgreiches Stillen, und beide hängen auch als Regelkreis voneinander ab. So muss der Oxytocinreflex (also der Milchspendereflex) z.B. erst gebahnt werden nach der Geburt. Frühe massive Störungen können hier bewirken, dass dieser Reflex nicht richtig ausgebildet wird. Das Baby kann die Milch dann nicht richtig herausbefördern, obwohl sie "da" ist. Hält dieser Zustand an, geht die Milchbildung deswegen allerdings zurück; die Milch muss ja irgendwohin.
Und ganz klar ist: bei an sich problemlos etablierter Milchbildung und unverändert gutem Stillmanagement ist es praktisch ausgeschlossen (also höchstens im Fall von auftretenden mütterlichen Erkrankungen möglich), dass die Milchbildung nach ein paar Monaten "von allein" zurückgeht oder gar "plötzlich wegbleibt". Das geht physiologisch nicht. Genauso wenig, wie Schweißdrüsen plötzlich aufhören, Schweiß zu bilden, oder die Bauchspeicheldrüse Bauchspeichel, hört die Milchdrüse auf, Milch zu bilden. Vielfach glauben die Mütter fälschlicherweise, dass sie jetzt weniger Milch bilden (z.B. halten die Mütter irrigerweise ihre wieder kleiner werdenden Brüste oder ein unruhiges Schlafverhalten ihres Babys für Anzeichen für zu wenig Milch). Wenn die Milchbildung hingegen tatsächlich zurückgeht, dann hat das GRÜNDE. Z.B. selteneres Stillen, Zufüttern, Schwangerschaft, Rauchen, Pilleneinnahme, Saugstörungen des Babys usw.
Woran merkt man als voll stillende Frau das es wirklich weniger wird?
Naja, woran merkst Du, dass Deine Bauchspeicheldrüse weniger Bauchspeichel bildet?

Die Frage passt einfach nicht - es WIRD NICHT WENIGER, wenn Du gesund bist und einfach so weiterstillst "wie immer". Die Umstände bzw. Stillprobleme, die tatsächlich zu einem Rückgang der Milchbildung führen können, merkst Du sicherlich EHER als deren Milchrückgangsfolgen.

Und in den meisten dieser Fälle kann man ja stillberaterisch sehr gut eingreifen und neg. Folgen für die Milchbildung verhindern bzw. die Milchbildung mit/nach Lösung des Problems wieder hochfahren.
Ich hoffe diese Antwort war hilfreich für Dich.
LG
Julia